So geht Heidegger!

Ganz prinzipiell meine ich nämlich, daß man nicht nur die Erlaubnis, sondern sogar die Pflicht hat, zu den Gedanken eines Denkers Stellung zu nehmen, ohne Rücksicht auf den spezifisch persönlichen Hintergrund seiner Gedanken. (K.E. Løgstrup)
Hier erkennt man die gegenwärtige Tendenz, damalige Denker nazistischer zu machen, als sie waren. Je weiter man sich von dieser Zeit entfernt, desto nazistischer scheinen sie zu werden. (Hans Hauge)

Man mache den Test: Man erwähne den Namen Heidegger im Gespräch mit einem Nicht-Heideggerianer und man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich zu Beginn das Zauberwort „Nazi“ zu hören bekommen. Und meist ist das Thema damit beendet.

Eine ausufernde biographische Literatur hat es geschafft, vom größten Denker des letzten Jahrhunderts – und das ist eine konservative Einordnung – nur einen kleinen Nazi übrig zu lassen. Seit Erscheinen der „Schwarzen Hefte“ hat diese Übung noch einmal Fahrt aufgenommen: das hundertbändige, längst noch nicht bewältigte Werk steht seither im Schatten einiger posthum veröffentlichter Privatnotizen. Damit scheint man sich abgefunden zu haben.

Hans Hauge – Lektor an der Universität in Aarhus und bekannt für seine scharfen Debatten in der Presse – fand sich nicht ab und hat ein bedeutendes und vollkommen unkonventionelles Buch dazu geschrieben, dessen Botschaft den deutschen Lesern wohl verborgen bleiben wird, denn Hauge sprengt das gängige „Narrativ“. Daher soll es hier ausführlich vorgestellt und zusammengefaßt werden.

Dabei beschränke ich mich auf die Heidegger-Seite, denn eigentlich, wie der Buchtitel bereits sagt, arbeitet sich Hauge an zwei Themen ab: „Løgstrup, Heidegger og Nazismen“. K.E. Løgstrup gilt, nach Kierkegaard, als der bedeutendste dänische Philosoph, ist trotz einiger Übersetzungen allerdings kaum in die europäische Diskussion eingeflossen. Daran ändert auch nichts, daß Deleuze ihn gelesen hatte.

Løgstrup besuchte in den kritischen Jahren 1934/35 Freiburg und hörte Heideggers Vorlesungen, stand in Kontakt mit ihm, man begegnete sich bis in die späteren Zeiten.

Martin Heidegger und Knud Ejler Løgstrup 1959 in Hoechst © Løgstrup’s Ethical Demand

Der dänische Starphilosoph hatte seine eigene Sicht auf Heideggers „Schuld“: „Løgstrup erwähnte Heideggers Nazismus nicht, weil er es nicht als wichtig erachtete und weil er ihn nicht als richtigen Nazi wahrnahm; und das könnte ja damit zusammenhängen, daß Heidegger – fast – kein Nazi war. Für Løgstrup war das nicht wichtig, denn er unterschied zwischen Autor und Text, Leben und Meinungen, Biographie und Philosophie.“

Mit dieser einführenden Feststellung ist der Ton gesetzt; auf den kommenden 345 bewußt chaotischen und informationsgesättigten Seiten, ein „Hybrid zwischen philosophischer Prosa und Anekdoten“, voller hunderter Namen und Titel, sammelt und interpretiert Hauge Unmengen an Material, die Perspektivik zu verschieben. Dabei verfolgt er repetitiv und variativ verschiedene Argumentationslinien:

Unter Heideggers Zeitgenossen gab es ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Während die einen sich distanzierten und Freundschaften in die Brüche gingen – Löwith, Bultmann, Jaspers (wobei Jaspers die Rektoratsrede noch begrüßte und nichts Problematisches feststellen konnte), war es für andere weniger oder nicht bedeutend: Arendt z.B.

Auch viele seiner damaligen Schüler, wie Werner Brock oder Max Müller „hatten kein Problem mit Heideggers Nazismus, wie so viele andere, Juden und Nichtjuden.“

Das betraf auch andere „Nazis“ oder Antisemiten, wie etwa den Literaturwissenschaftler Hugo Friedrich, der erst 1938 der NSDAP beigetreten war, oder Gottlob Frege, dessen offener Rassismus und Antisemitismus nie ein Thema war … Ihnen wurde derartiges nie zum Vorwurf gemacht. Warum also Heidegger?

Selbst unter den Nazis und den Naziphilosophen gab es viele, die in Heidegger nicht den Anhänger des NS erkennen konnten und dies auch scharf kritisierten; einige (wie der nicht unbedeutende Erich Jaensch) sahen in ihm sogar einen „jüdischen Denker“ – eine Tatsache, die bei Fariás und Faye gänzlich unerwähnt bleibe.

Unzählige wurden, vor allem in den ersten Jahren, vom „nationalsozialistischen Raptus“ erfasst, aber nur wenigen ein derart fester Strick daraus gedreht wie Heidegger. Selbst in der dänischen Intelligenz gab es anfangs großes aufgeschlossenes Interesse.

Warum hätte Heidegger seine Affinität zum Nationalsozialismus und seinen Antisemitismus 12 Jahre lang verstecken sollen, wenn er doch nur Nutzen hätte daraus ziehen können, wenn seine Karriere gefördert worden wäre, wenn er vor allem an den Wahrheitsgehalt und damit an den Sieg der Bewegung geglaubt hatte? „Heidegger versteckte, daß er Nazi war, als die Nazis regierten. Das bedeutet, daß er nach dem Krieg versteckte, was er versteckt hatte.“

„Was wäre geschehen, wenn Heidegger sein Schweigen gebrochen hätte?“ Hätte er dadurch etwas gewinnen können? Das ist unwahrscheinlich, wie uns die Fälle Hamsun („Norwegens größter Schriftsteller war ein unbedeutender Nazi.“) oder Benn zeigen – das Stigma bleibt.

Während die Kritik in den „Schwarzen Heften“ vor allem Bestätigung des Antisemitismus- und Nazismusverdachtes aufspürte, findet sich dort u.a. auch ein Eingeständnis, als Heidegger im Zusammenhang der Rektoratsrede von einem „kleinen Zwischenspiel eines großen Irrtums“ (94/III, S.219) spricht und damit genau jene Worte nutzt, die Habermas‘ Forderung ausmachte – dieses Eingeständnis hat die Kritik überlesen (wollen?) und damit die obige These bestätigt.

Überhaupt: was haben die „Schwarzen Hefte“ Neues ans Tageslicht gebracht, was man nicht längst schon wußte? „Man wußte, daß Heidegger ein paar Jahre Nazi war, man kannte seine antisemitischen Äußerungen und man war sich seiner Verachtung vieler Naziphilosophen bewußt. Es steht nichts Neues drin – die Situation jedoch ist neu.“

Warum ist man auf der linken Seite blind? Während bekennende Stalinisten, wie Sartre oder wie in Dänemark Hans Scherfig – Hauge nennt auch Hans Kirk, doch ist dieser Fall subtiler – nie zur „Reue“ gezwungen wurden und noch heute (zu recht) als Klassiker zum Curriculum gehören, wird die Lektüre Heideggers a priori biographisch eingefärbt.

Man könne Heideggers frühe „Bekenntnisse“, auch sein Beharren auf der „inneren Wahrheit und Größe“ der Bewegung nur im Zusammenhang mit seiner Zeitdiagnose begreifen. Es sei kein Zufall, daß von „innerer“ und nicht von äußerer Größe die Rede war. Tatsächlich verbirgt sich hinter der Diagnose der „Verdüsterung der Welt, die Flucht der Götter, die Zerstörung der Erde, die Vermassung des Menschen“ ein grünes Vordenken: „Ökologie ist deutsch“, letztlich ist sie heideggerisch.

Immer wieder weist Hauge darauf hin, daß die Heidegger-Kritik ein lohnendes Geschäft ist, der einige bekannte Autoren ihre ganze Existenz, Bekanntheit, Verkaufszahlen zu verdanken haben, es ist ein Fach der Philosophiegeschichte geworden, das systemisch belohnt wird: „Nur weil Heidegger der größte Philosoph des 20. Jahrhunderts war, sieht man mit einem Vergrößerungsglas auf seinen nazistischen Raptus. Mit dieser Vergrößerung vermindert man den Philosophen und wird man selbst zu jemandem. Fariás, Faye, Wolin, Rastier, Givsan und wie sie alle heißen, sind Parasiten Heideggers. Man kann sich selber groß machen, indem man behauptet, Heidegger sei Nazi gewesen. Heidegger-bashing ist zur Zeit der Karriere förderlich.“

Die lange Geschichte dieses Tribunals zeichnet Hauge in einem der beiden Zentren seines Buches in aller Ausführlichkeit auf. Es begann – um nur die Eckpunkte zu nennen – mit besagten zeitgenössischen Kritiken aus faschistischer und aus antifaschistischer Position: den einen war Heidegger nicht genug, den anderen zu sehr Nazi. Eine erste klare ideologische Richtung wurde der Kritik durch Karl Löwiths „Denker in dürftiger Zeit“ gegeben, aber erst Habermas‘ Empörung über „Was ist Metaphysik“ (1953) rammte die Pfosten ein, aus dem das Korsett gebaut wurde. Es folgten in den 60ern kritische Stimmen aus Frankreich und 1964 stellte Adornos „Jargon der Eigentlichkeit“ einen Meilenstein dar. Damit war der „Spiegel“ in die Spur gesetzt. Nun waberte der Vorwurf durch die philosophische community, umso mehr, da die französischen Postmodernisten sich immer öfter auf Heidegger bezogen. Kulminationspunkt war ohne Zweifel Victor Farías „Heidegger und der Nationalsozialismus“ (1987), von Habermas eingeleitet, dessen Tendenz und These 2005 von Emmanuel Faye in „Heidegger. Die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie” verstärkt wurde. Nun meldete sich auch die französische Philosophie zurück: Lyotard, Bourdieu, Lacoue-Labarthe u.a. gingen auf Distanz. Die „Schwarzen Hefte“ konnten damit fast nur noch als Bestätigungsquellen dienen. All das ermöglichte, daß ein Machwerk wie Nolls „Der rechte Werkmeister“ faßt schon unwidersprochen einen Schauprozeß mit abschließender Verurteilung – Ausschuß aus der philosophischen Diskussion – führen kann.

Das andere Zentrum bildet eine konzise Zusammenfassung seiner ansonsten weit verstreuten Thesen:

  1. Heidegger war der größte Philosoph des 20. Jahrhunderts und ein gänzlich unbedeutender Nazi.
  2. Heidegger unterschied zwischen Person und Sache.
  3. Die meisten Heidegger-Leser unterschieden zwischen Person und Sache. Man kann diese Trennung – wie Farías und Fayer u.a. aufheben.
  4. Løgstrup trennte zwischen Person und Werk – er kommentierte Heideggers Nazismus nicht.
  5. Heidegger war ein Mitläufer; darüber war man sich nach dem Krieg einig; warum hielt man an dieser Beschreibung nicht fest?
  6. Heidegger hat von sich selbst erklärt, kein Nazi gewesen zu sein – warum glaubt man ihm nicht?
  7. Heidegger nannte seinen Parteieintritt eine Dummheit.
  8. Die meisten nationalsozialistischen Denker sahen in Heidegger keinen Nazi – heute meint man, sie irrten.
  9. Die meisten Heidegger-Interpreten nach dem Krieg sahen in ihm keinen Nazi oder hielten dies für nebensächlich.
  10. Man kann heutzutage im Universitätsleben viele Punkte sammeln, wenn man Heidegger als Nazi oder Antisemiten entlarvt.
  11. Zu den Äußerungen Heideggers in den „Schwarzen Heften“ über Juden, Rasse, NS muß man sich fragen: Wenn Heidegger sich als Nazi exponieren wollte, warum hat er diese Gedanken nicht seit 1933 veröffentlicht, wo sie ihm vermutlich genutzt hätten.
  12. Ansonsten fehlt der Begriff der Rasse bei Heidegger, in einer Zeit, wo er von Philosophen und Künstlern umgeben war, die vom Rassenbegriff aus dachten.
  13. Heideggers und Hamsuns Schicksal ähneln sich.
  14. Es ist verwunderlich, daß Günter Grass oder Gottlieb Frege weit sanfter behandelt werden. Man hat Otto Flake oder Kaj Munk verurteilt, aber Hergé nicht – warum? Usw.
  15. Heidegger wurde mehr und mehr zum Nazi gemacht, je weiter wir uns von der Zeit des NS entfernen!

„Und so kommt meine Hauptthese: Heideggers Nationalsozialismus ist vor allem eine neuzeitliche Erfindung. Je weiter wir uns vom NS entfernen, desto nazistischer erscheint Heidegger.“   

Hinter der Überbewertung der „Schwarzen Hefte“ vermutet Hauge zudem einen tieferen Grund: „Wenn man heutzutage Heideggers Tagebuchaufzeichnungen und Briefe für wahrer und echter hält als seine philosophischen Texte, dann liegt das daran, daß die Philosophie an Autorität und Authentizität verloren hat.“ Dies ist Teil der „ahistorischen normativen Tendenz, die Vorzeit zu verurteilen und den Kontext zu verwischen.“

Nein, Hans Hauge will Heidegger nicht von den Nazi-Beschuldigungen reinwaschen, wie die große dänische Zeitung „Berlingske Tidende“ in einer ansonsten sehr positiven Kritik feststellt – Hauge will nur eines: Die Verhältnisse wieder gerade rücken, den schweren Stein der Schuld in seiner wirklichen Größe zeigen und damit den Weg zu Heideggers Werk – der aus intrinsischen Gründen schon steinig ist – wieder frei räumen.

Das ist ihm gelungen! So zumindest wird das Urteil all jener lauten, die tatsächlich an Heideggers Denken interessiert sind – für die anderen kommt ohnehin jede Hilfe zu spät.

Hans Hauge: Løgstrup, Heidegger og nazismen. Biografier, diskussioner, erindringer, polemikker og anekdoter Forlaget Multivers. Aarhus 2016. 356 Seiten

„Es ist heutzutage leichter Nazi zu sein, als es in NS-Zeiten war.“

Sieferles Sieg

Die hiesige Leserschaft teilt sich, soweit das zu sehen ist, in zwei Teile. Jene, die ähnliche Gedankengänge haben und sich mit einem gewissen Aufwand auf den gleichen Kanälen informieren, und dann die, denen entweder die Zeit oder der Überblick dafür fehlt. Für die letzteren ist diese Seite eine Informationsquelle, die anderen wollen vermutlich Argumente und Diskussionsstoff, an dem sie sich reiben können.

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Magyar Katharsis

Wenn das Schuljahr auf das Ende zugeht und die Lehrerschaft allmählich den Kopf wieder etwas frei bekommt, dann häufen sich die Einladungen und Zusammenkünfte. Abende mit den deutschen Kollegen meide ich nach Möglichkeit – es sind verlorene, verlogene und verlegene Stunden, die einerseits einen unfaßbaren Reichtum an geistiger Armut offenbaren, eine innere Leere, die durch endlose Small-Talk-Kaskaden ausgefüllt, durch Reisen, Essen, Messen – und nicht Lesen – übertüncht wird, aber auch durch eine ganz leicht zu erspürende Unaufrichtigkeit und Verstellung zustande kommt.

Denn natürlich merken die Leute – sie ahnen es doch zumindest, oder sind sie wirklich blöd? –, daß in Deutschland und Europa gigantische Umwälzungen vor sich gehen und ihr schönes sicheres seichtes Sein einem baldigen Ende entgegen geht.

Aber sie reden nicht darüber! Die einen verleugnen es, wollen oder können nicht sehen – mit diesen kann man immerhin noch auf einer Leerstufe scherzen –, die anderen jedoch wissen und fürchten sich, den Mund aufzutun, schlucken ihre kleinen Ängste beschämt herunter und lassen niemanden an diese Mauer aus Furcht und Zittern heran: mit jenen habe ich gar nichts zu tun; sie langweilen mich im günstigsten Falle und stoßen mich nicht selten ab.

Nur in einem sind all diese Typen sich einig: Wenn es um Ungarn geht, das Land, in dem sie gerade leben, und gut leben – deutlich besser als die meisten Ungarn –, dann rümpfen sie die Nase, dann sind die Urteile schnell gefällt: man muß diese Positionen nicht vorstellen, man kann sie in der deutschen Presse lesen.

Nur eines interessiert mich daran noch und das ist ihr Desinteresse am Gegenstand, ihr Unwissen und der Mangel an Neugier – sie fragen fast nie, auch nicht die ungarischen Kollegen –, aber sie haben fertige Urteile und meist kommen diese – sofern es überhaupt Argumente gibt und nicht nur, wie meist, bloß moralische Überhebung –, ganz wie Kleine-Hartlage das beschrieben hat, aus einem fernen Utopia: so muß die Welt sein und daran messen wir sie: nicht was ist, zählt, sondern was sein sollte. Und was sein sollte, ist Deutschland! Das ist der heimliche Maßstab an Freiheit und Demokratie – sie sehen darin das „Deutschland, Deutschland über alles!“  oder Geibels „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ durchaus nicht …

Wie anders die Ungarn! Gestern saßen wir beim Weingroßbauern, klassizistische Villa mit eigener Gemäldegalerie, Bibliothekszimmer, eine ferne Erinnerung an das Weimarer Liszt-Haus, einen Tag zuvor bis spät in die Nacht zwei junge Lehrerinnen bei uns zu Hause, dann ein gemütliches Zusammensein mit meiner Englischklasse, davor eine Kirchentour mit gläubiger Katholikin, dazu ad-hoc-Gespräche und Zufallsbegegnungen … Sie reden offen und ohne Scheu. Niemand senkt die Stimme, wenn er über Zigeuner spricht, man schaut sich nicht um, wenn man Orbán kritisiert (dieses Thema ist man höchstens leid), es wird nicht vorgefühlt, wenn man seine Meinung über Muslime äußert, man rechtfertigt sich nicht für seinen Heimatstolz.

Anfangs war es wie ein kleiner Schock, wenn mit größter Naivität die denkbar politisch unkorrektesten Dinge gesagt werden – „Wir wollen sie hier nicht, diese Muslime.“, „Sie gehören nicht hierher.“, „Die Zigeuner machen nur Probleme, sie betteln und stehlen, man kann sie nicht ändern.“, „Deutschland irrt, wenn es denkt, man könne Massen von Kulturfremden aufnehmen ohne sich bis zur Unkenntlichkeit zu verändern.“, „Die Muslime gehören nicht hierher, sie sollen bleiben, wo sie herkommen.“, „Wir wollen ein Volk bleiben und keine Vermischung.“, „Unter Hunyadi waren wir noch groß und mächtig, seither ging es bergab.“  …

Und Frauen freuen sich noch über ein Kompliment und werden rot – nicht vor Wut! – wenn sie sich dafür bedanken. „Den Sexismus“ und die „Geschlechterklischees“, deren „Opfer“ sie gerade geworden sind, können sie vermutlich noch nicht mal sehen. Man darf ihnen auch die Tür aufhalten.

Mittlerweile beginnt das Phänomen eine kathartische Wirkung auf mich auszuüben: ich muß laut und befreit lachen!

Ich will das Phänomen auch nicht idealisieren. Sie erzählen mir, daß das innenpolitische Thema innerhalb der ungarischen Familien, Freundschaften, Arbeitskollektive, Vereine meist ausgespart wird: man meidet die Politik, weil sie spaltet, weil die Meinungen zu gegensätzlich und kaum vermittelbar sind. Davon spüren wir so gut wie nichts. Hat man einmal Vertrauen gefaßt, wird frei von der Leber weg gesprochen. Dinge, die in Deutschland unsagbar geworden sind, für die man sogar strafrechtlich belangt werden kann, für die man denunziert und gemaasregelt wird, Dinge die auf dem Index stehen, Dinge, welche die deutschen Kollegen in sich hineinfressen und die sie, begegneten sie ihnen, mit einem guillotinesken Satz oder Blick sofort selbst beenden würden.

So kann die Freiheit in der Unfreiheit blühen!

siehe auch: Ungarn in Rock

Something is rotten

Ryanair machte es möglich. Im Jahre 2006 weilte ich zehn Wochen in Dänemark. Der Flug von London nach Tirstrup, nördlich von Århus, beinahe geschenkt. Fast in Laufdistanz davon entfernt die Folkehøjskole på Kalø – sie war mein Ziel, dort wollte ich Dänisch lernen und tat es auch.

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Migrationsunterricht in Ungarn

Ein seltsames Phänomen: seit ich in Ungarn bin, muß ich mich um nichts mehr kümmern, alles kommt auf mich zu. Aus kaum erklärlichen Gründen werden mir dauernd Vorschläge gemacht, werden Anfragen gestellt und ich kann mir heraussuchen, was ich annehme und was nicht.

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The Stranger within my gate

The Stranger within my gate,
He may be true or kind,
But he does not talk my talk–
I cannot feel his mind.
I see the face and the eyes and the mouth,
But not the soul behind.

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