Rechenschaftsbericht

Old habits die hard“, sagt ein altes englisches Sprichwort. Zum Ende des Jahres gibt es einen Rechenschaftsbericht. Diese gute, alte kommunistische Tradition will ich heute, am Ende des vierten Kalenderjahres dieses Blogs aufgreifen, und einen kleinen Einblick hinter die Kulissen werfen.

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Suche nach der verlorenen Zeit

Zufällig stieß ich auf diesen Film, an dem man sich nicht sattsehen kann. New York 1911, scharfe Bilder, plastische Menschen, natürliche Bewegungen. 90 Jahre vor 9/11. Ein schwedisches Kamerateam hatte „drauf gehalten“, alltägliche Szenen in verschiedenen Milieus – darunter in der Mitte vermutlich auch China Town – festgehalten.

Was sieht man? Was sehen wir? Was sehen Sie?

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Schäm Dich, Deutschland!

Unter den zahlreichen Auswürfen der deutschen Presse zum Vogelschiß-gate sticht ein Artikel auf der berühmt-berüchtigten „HuffPost“ hervor, der mir keine Ruhe läßt.

Das Blatt hat mittlerweile ganz offen die journalistische Informationspflicht, die Unabhängigkeit und Sorgfaltspflicht verlassen und sich dem rituellen Anti-Trumpismus, dem zynischen AfD-Bashing und der ironiefreien Darstellung des muslimischen als des besseren Lebens verschrieben. Was dabei herauskommt ist schlimme Propaganda, Verdummung und jede Menge unfreiwilliger Humor. Und es ist ein Anzeigerblatt geworden, im doppelten Sinne: es denunziert und zeigt zugleich die geistige Verfassung der offiziellen intellektuellen Nation an.

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Kindergarten Deutschland

Wer sich lange an der Macht halten will, darf kein Programm haben – das hat Frau Merkel verstanden. (Norbert Bolz)

Es gibt Menschen, die haben die göttliche Gabe, sich jedes Problem wegzurationalisieren – im psychoanalytischen, nicht ökonomischen Sinne. Wenn sie eine gute Seele haben, nennt man sie naiv, sind sie dagegen berechnend, dann darf man sie zynisch nennen. Sie sind besonders für „soziale Berufe“ geeignet. Meist sind sie weiblich und verdingen sich als Kindergärtnerin oder Altenpflegerin.

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Ästhetik des Schrecklichen

Das Scheußliche darf also niemals Selbstzweck sein; es darf nicht isoliert werden; es muß durch die Notwendigkeit herausgefordert sein, die Freiheit in ihrer Totalität zu schildern, und endlich muß es ebenso idealisiert werden wie alle Erscheinung überhaupt. Franz Rosenkranz: Ästhetik des Häßlichen

Gelb scheint die helle Abendsonne in die Gesichter der Männer. Golden läßt sie die Kuppel der Moschee erglühen. Einige schirmen sich mit erhobenen Händen die Augen vor dem gleißenden Licht der schon rötlichen Sonne ab.

@ Dabiq

@ Dabiq

Sie nehmen teil am Schauspiel des Abends. Gegeben wird kein Bühnenstück – alles an diesem Drama, an diesem Theater der Grausamkeit ist echt, kein Kunstblut fließt, keine Schauspieler mimen den Tod … wir sind Zeuge einer wahrhaftigen Enthauptung.

In allen Ausgaben der „Dabiq“, dem Glanzmagazin des IS, finden sich Bilder dieser Art: extreme Grausamkeit serviert auf  hochästhetischem Tablett. Mit den raffinierten technischen Mitteln der Moderne wird eine antiquierte Glaubens- und Lebeweise in unglaublicher Präsenz kredenzt – wie dem Herodes das Haupt Johannes des Täufers auf silberner Schale.

Der Mann kniet noch, der Körper aufrecht. Vier Ströme hellen Blutes schießen aus dem Stumpf des Halses hervor. Dicke Blutstropfen hängen in der Luft wie in Eis eingefroren.

BlutSenkrecht fällt der Kopf zur Erde und schlägt in diesem Moment gerade auf – Blutspritzer am Boden bezeugen den Augenblick. Gerade eben, vor Sekundenbruchteilen, lebte jener Mensch noch, litt Todesängste und es ist nahezu unvorstellbar, daß nicht noch ein Rest Bewußtsein in diesem Körper sein soll. Das Photo fängt das Mysterium des Todes ein. Der aufrechte, kniende Körper zeigt das Leben, das Aufbäumen, Standhalten gegen das finale Ende, der mit dem Kinn aufprallende Kopf – exakt im Winkel, noch in der natürlichen Stellung – weist den Tod. Es ist präzise dieser Moment des Übergangs, den alle Menschen fürchten.

KörperAber Kunst ist nicht nur das Bild, Kunst ist auch das Handwerk des Henkers. Ein sauberer Schnitt, mit einem Hieb. Stünde das Opfer, der Kopf, so könnte man sich vorstellen, säße noch immer auf den Schultern. Scharf wie eine Rasierklinge muß das Schwert gewesen sein, an dem fast kein Blut haftet. Ein Anatom könnte mit Leichtigkeit die offengelegten Körperteile erklären – dunkel und nicht weiß sticht die Wirbelsäule hervor. Der Schlag, präzise und kraftvoll, das Werk eines Meisters. Keine Guillotine hätte  eine bessere Arbeit leisten können. Nur lange Übung kann einen Menschen zu solcher Virtuosität führen. Und doch entlädt sich die Konzentration des Scharfrichters just in diesem Zeit-Punkt in einer diabolischen Fratze.

Henker

Mit dem Photo könnte man jeden Wettbewerb gewinnen!

Seine Botschaft ist so machtvoll wie subtil, komplex wie einfach. Erst der artistische Schnappschuß  enthüllt uns die Fülle, die den Live-Betrachtern weitgehend entwischen muß. Das Bild feiert eine lebendige Nekrophilie, eine tiefe Liebe zum Toten. Aber es feiert auch das Leben, das richtige Leben. Es sind die Männer in Schwarz, die darüber entscheiden, was falsch und richtig ist.

Den westlichen Betrachter soll es einerseits schockieren und die alte Botschaft der Unbesiegbarkeit übermitteln: die Botschaft des Scaevola, die Botschaft Tamerlans, die Botschaft der Assassini. Wer zu solchen Dingen fähig ist, mit dem lege man sich besser nicht an. Sie zeigt ihm auch, daß man mit den Waffen des Feindes, den Waffen der Kunst und Ästhetik zurückschlagen kann. Alles kommt dabei auf das richtige Timing an. Dann wird Krieg und Kampf zum erhabenen, zum inneren Erlebnis.

Die eigenen Reihen soll es abhärten und schulen. Das Bild lädt zu makabrer Meditation ein. Die eingefrorene magische und zur Ruhe gekommene Zeit enthält eine seltsame Gelassenheit.

Dem Mitkämpfer suggeriert sie Überlegenheit. Wir sind die Todesengel, unser Gott gibt uns das Recht, über Sein oder Nichtsein zu entscheiden.

Anmerkung: Das Bild kann auf Seite 80 der „Dabiq“ Nr. 15 in Gänze angeschaut werden. Quelle: https://azelin.files.wordpress.com/2016/07/the-islamic-state-e2809cdacc84biq-magazine-1522.pdf
Warnung: Es ist in seiner expressiven Brutalität wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet.

Die häßlichste Stadt Deutschlands

Selbstverständlich steht mir ein solches Urteil gar nicht zu. Aber man wird ja noch sagen dürfen …

Eine altehrwürdige, jahrtausendealte Stadt mit glorreicher Geschichte und einer ganzen Latte an großen Söhnen und Töchtern. Heute ist sie grau, dreckig, dröhnend. Unzählige Architektursünden beleidigen das Auge. Neben jedem ansehnlichen Haus steht scheinbar systematisch ein bleierner Betonklotz, als wollte ein mächtiger Gestalter alle Freude im Keim ersticken. Neu und häßlich sind hier Synonyme.

typisch Bonn

typisch Bonn

Seit Jahren wurde offensichtlich nicht mehr renoviert. Alle Asphaltwege sind mit platt getretenen Kaugummis übersät. Müllberge häufen sich an den Straßenrändern, Abfall wird achtlos auf die Gehwege geworfen, Plastiktüten fliegen durch die Luft, Uringestank an vielen Ecken und Enden.

Vor einem grauen Betonklotz am Bahnhof demonstrieren ein paar Studenten mit bunten Luftballons lautstark gegen Einfalt und für den Erhalt der Vielfalt.

Die schwarzen Regenränder an den Häuserwänden wirken wie traurige Tränen geschminkter Frauen. Die Leute schauen mürrisch drein, die Sprachen der vorbeigehenden Paare sind mir unverständlich. Lange muß ich in der Universitätsstadt nach einem Buchladen suchen, der nicht „Thalia“ heißt, und finde einen unmittelbar neben dem Frauenzugang zu einer Moschee. Während ich die schweren Taschen raus trage, treten 20 vollverschleierte Frauen auf die Straße und schnattern ein kehliges Idiom.

Milli-Görus-Moschee neben Antiquariat

Milli-Görus-Moschee neben Antiquariat

Was ist mit Bonn geschehen? Der Verlust des Hauptstadtstatus wird der einstigen Metropole arg zugesetzt haben. Es mag andere strukturelle oder regionale Probleme geben, von denen ich nichts weiß. Bonn ist in den letzten 20 Jahren erst so geworden, versichern Einwohner.

Offensichtlich aber ist, daß der soziale Zusammenhalt in Bonn sehr leidet und wie sollte es auch anders sein, beherbergt die Stadt doch gleich mehrere Gruppen an kulturell diversen Menschen. Geschätzt hätte ich 40%, laut Statistik ist es nicht einmal die Hälfte – aber das zeigt, wie wenig es eigentlich braucht, um einen Ort kippen zu lassen.

Ginge es nach den Multikulti-Propagandisten, müsste Bonn eine helle, bunte, fröhliche Stadt sein. Doch statt bunter Vielfalt graue Tristesse.

Nun verstehe ich zweierlei: Gabriels populistische Forderung nach einer Aufbauhilfe West und das seltsame Erstaunen vieler westdeutscher Besucher Plauens, die von einer wunderschönen Stadt schwärmen. Bisher konnte ich sie selbst nicht sehen.

DITIB ist auch hier - ,ist Minarett

DITIB ist auch hier – mit Minarett

Wenn alle mittäten

„Und wenn alle mittäten, wär‘s viel eher soweit“ – schrieb ein Leser dieses Blogs in den Kommentar und zitierte damit „Floh de Cologne“ aus der Rockoper „Koslowsky“ (1980). Darin wird die Geschichte eines polnischen Einwandererjungen erzählt, der sich umsonst abrackert „im neuen Wirtschaftswunderland“, der immer wieder auf fremdenfeindliche Vorbehalte stößt und die eiskalte Logik des Kapitalismus kennen lernt. So wird er Kommunist. So wird er zum Kommunisten gemacht, vom „Schlackenfahrer Schorsch“, der ihm bei Bier und Schnaps das Gesellschaftsgefüge darlegt und dann vom Kommunismus schwärmt. Dort fallen dann die schicksalsschweren Worte: „Wenn alle mittäten …“

Die Platte wurde bei Amiga verlegt, erlangte eine gewisse Verbreitung in der DDR. Ihre Botschaft entsprach komplett der ostsozialistischen Weltsicht.

Floh de Cologne

An dem Argument ist was dran: Es hätte mit dem Kommunismus vielleicht was werden können, wenn alle an einem Strick gezogen hätten. Aber leider, leider waren die Arbeiter zu faul, und die Genossen zu korrupt, und die Kapitalisten drüben zu gierig …tja, und so wurde es nichts mit dem Kommunismus. Schuld sind immer die anderen – das ist der Vorteil des „wenn“.

Aber die Ideologie, die linke Logik lebt fort. Etwa im „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin. Wenn wir alle offen sind, wenn wir uns anstrengen, wenn wir keine Angst haben, wenn wir es als Chance begreifen, wenn die Länder Europas mitspielen, wennwenn alle mittäten …, tja.

Ausgrenzungen

Kein Flüchtlingshelfertreffen ohne Ausgrenzungsgeschichten von Andersgläubigen. Um es deutlich zu sagen: Das ist nicht die Norm – aber es findet statt.

Zum Christentum Konvertierte flüchten die Stadt und wechseln die Identität.

Heimlich werden SIM-Karten mit christlichen Botschaften in verschiedenen Sprachen verteilt, damit Interessierte in aller Privatheit Jesus schauen können. Im Notfall ließen sie sich schnell vernichten. Der Notfall ist der aufmerksame Muslim nebenan.

Eine VHS-Lehrerin kommt in der Pause ins Gespräch mit einem Lernenden. Er fragt, ob sie Christ, sie fragt zurück, ob er Muslim sei. Schüchtern schüttelt er mit dem Kopf und weicht verschreckt zurück, als die Klassenkameraden plötzlich eintreten. Ein Mensch in Angst.

Diskussion, ob man die Weihnachtskrippe im Raum lassen könne oder ob das religiöse Gefühle verletze.

Vereinzelt suchen Menschen bei der Kirche Schutz, weil sie sich in den Unterkünften aufgrund ihres Glaubens verfolgt fühlen.
Usw.

Aber keiner der Flüchtlingshelfer, die ich kenne, kam bisher auf die Idee, darin ein systemisches Problem zu sehen. Man ist über den Einzelfall erbost, das schon, doch zu einer Religionskritik kommt es nicht. Selbst der Pfarrer meint, man könne zwar in den Islam ein-, aber nicht austreten – und das sei eben so, das müsse man akzeptieren. Und an unserer Hilfspflicht ändere das gar nichts.

AfD – Wahnsinn II

Ähnliche Masche bei Gauland: Fast alle – die anderen vertreten in der Regel die Schweigepolitik – haben sich genüßlich auf die „nützlichen Idioten“ gestürzt. So habe der brandenburgische Vorsitzende der AfD die freiwilligen Helfer bezeichnet: „Die Welt„, „Süddeutsche„, „TAZ„, „Tagesspiegel„, „Stern„, „Neues Deutschland„, „Berliner Zeitung„, „rbb„,“Märkische Allgemeine“ …

Tatsächlich sagte Gauland: „Die Kommunen sind mit ihren Mitteln am Ende und die zugegebenermaßen bewundernswerten freiwilligen Helfer werden immer mehr zu nützlichen Idioten einer verantwortungslosen Utopie herabgewürdigt.“

18. Plenarsitzung des Brandenburgischen Landtags (ab 1:40 min):

AfD – Wahnsinn

Björn Höcke ist ein Sonderling, gefährlich und verrückt, meint – in wenigen Worten zusammengefaßt – die linksliberale Huffington Post“. Und dafür gibt es gute Gründe, genau genommen sind es fünf:

1. Höcke hielt als Lehrer die Landesflagge (Karte?) hoch = Nazi
2. Höcke kleidet sich gut = Nazi
3. Höcke kritisierte die Bombardierung Dresdens = Nazi
4. Höcke liebt die Natur = das ist sowas von Nazi
5. Höcke verehrt Preußen = Nazi

Wehret den Anfängen! Erwachet!

http://www.huffingtonpost.de/2015/11/02/bjoern-hoecke-fakten-leserbrief_n_8451168.htm

 

 

Die gute Nachricht

Nach „Informationen“ eines syrischen Geheimagenten, berichtet der „Sunday Express“, sollen bisher 4000 ISIS-Kämpfer als refugees getarnt den Weg nach Europa zurückgelegt haben.

Nun bestätigte „Jyllands-Posten“, daß vier der Pariser Attentäter als Flüchtlinge nach Europa einreisten, darunter auch Abdelhamid Abaaouds, der „Kopf“ der ISIS-Terroristen, der die Tour im letzten Jahr sogar zweimal unternommen haben soll. Die „Neue Zürcher Zeitung“ spricht sogar von fünf.

Die gute Nachricht: Nur noch 3995!

Wer sind Wir?

Ein kleines Gedankenspiel

Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo waren „wir“ alle Charlie

Nach den Anschlägen in Paris waren „wir“ alle Paris.

Was, wenn ein Irrer seinen Rucksack an einem Montagabend auf dem Theaterplatz in Dresden zur Detonation brächte?

Wären „wir“ dann alle Pegida?

BegidaBild

Ich bin kein Deutscher!

„Die Deutschen“, schreibt „Die Welt“ soeben in einem Meisterstück an Faktenverdrehung, „vertrauen ihrer Kanzlerin“.

Goodbye, cruel world.

Natürlich muß mal wieder eine Umfrage herhalten, Statistik, und die kann man bekanntlich ein wenig drehen und wenden. Die Frage – wem wurde sie gestellt? – lautete demnach: Kann ein anderer Politiker als A.M. Deutschlands Probleme bewältigen? Und 60% beantworteten die Frage mit „Nein“.

Damit wurde aber keine Zustimmung zur Kanzlerin ermittelt, sondern ein fundamentales, mehrheitliches Mißtrauen unserer gesamten politischen Klasse gegenüber! Aus diesem desaströsen Ergebnis macht „Die Welt“ im Handumdrehen eine Erfolgsmeldung!

Goodbye, stupid „World“

Semantik – Wir schaffen das!

Kein banaler Satz hat in den letzten Jahren so eine Karriere gemacht wie der Kanzlerin „Wir schaffen das!“

Umgekehrt geht mehr und mehr die besorgte Frage um: „Schaffen wir das?“ Um sie beantworten zu können, muß man sich über die Bedeutung des Ausgangssatzes Gedanken machen.

Mir scheint, es sind vor allem zwei Interpretationen möglich. Dabei setze ich voraus, daß das „wir“ allumfassend gemeint ist, also die gesamte deutsche Gesellschaft, die Menschen und die Institutionen, meint.

Zum einen kann der Satz bedeuten: Die (derzeit angenommenen) 1,5 Millionen Menschen aus anderen Ländern, Kultur- und Sprachkreisen hauen unser Land nicht um, organisatorisch kriegen wir das hin: Empfang, Registrierung, Verteilung, Versorgung, Unterbringung …. Selbst wenn sie sich nicht integrieren sollten, so werden sie am Fundament der Bundesrepublik, zumindest in überschaubarer Zeit, nicht rütteln. Sie würden dann – im ungünstigsten Falle – ins Sozialsystem, die Parallelgesellschaften, die „Gettos“ versickern oder aber das Land wieder verlassen. Eine „Brasilianisierung“ (Heinsohn) des Landes wäre dann schon bejahenswert und als Erfolg, als „geschafft“ zu werten.

Zum anderen kann der Satz besagen: Diese Menschen werden in der Mehrzahl integriert, d.h., sie werden die deutsche Sprache erlernen, die gesellschaftlich akzeptierten Werte übernehmen oder zumindest anerkennen oder sich diesen zumindest unterwerfen, sie werden in den Wertschöpfungsprozeß aufgenommen werden, werden Steuern zahlen, wählen gehen, Kultur betreiben und genießen, werden ihren Pflichten nachkommen und ihre Rechte wahrnehmen.

Sollte die Kanzlerin Interpretation eins mit ihrem mehrfach wiederholten Satz gemeint haben, dann könnte sie wohl recht behalten. Selbst die düstersten Prognosen dürften eine Zeitspanne umfassen, die diesen Satz im historischen Gedächtnis – das in der Regel sehr kurz ist – versickern lassen. So gesehen ist der Satz im schlimmsten Falle ein Pleonasmus – denn alles „schafft sich“, gelingt irgendwie, wird zu etwas – und eine leicht dahingesagte taktische Unüberlegtheit.

Meint sie jedoch tatsächlich die zweite Lesart, steckt strategisches Kalkül dahinter, dann sind Zweifel unbedingt angebracht. Der Zeitfaktor, die Langzeitveränderung, wird ausgeblendet. Der Mensch ist seiner biologischen Konstitution nach ein Horizontwesen – wenn er ein Problem unmittelbar „gelöst“ hat, meint er nicht weiter schauen zu müssen. Zahlreiche historische Beispiele weisen auf eine andere Entwicklung hin. Es ist, immer statistisch gesehen, der deutschen Gesellschaft nicht gelungen, eine viel geringere Zahl an sogenannten Gastarbeitern auch über mehrere Generationen umfassend zu integrieren – warum sollte es in ökologisch katastrophalen, ökonomisch zweifelhaften, politisch unruhigen, finanzpolitisch auf einen weiteren Crash hinlaufenden, bündnispolitisch instabilen … Zeiten bei einer viel größeren, soziologisch viel inhomogeneren, religiös und kulturell viel ferneren, mit ganz anderen Ansprüchen kommenden und in sich extrem differenzierten Gruppen in viel kürzerer Zeit gelingen können?

Um es „zu schaffen“, bräuchte man jetzt ca. 20 000 – 100 000 Deutschlehrer, tausende Übersetzer für Arabisch, Urdu, Paschtun, Tigrinya, Farsi …, tausende Traumapsychologen mit entsprechenden Sprachkenntnissen oder sekundierende Übersetzer mit perfekten Kenntnissen, tausende Polizisten, Sozialarbeiter, Bürobeamte, Psychiater, Ärzte … bräuchten wir all jene Berufsstände, die ohnehin seit Jahren unterbesetzt sind und am Limit agieren, bräuchten wir vor allem Millionen hochmotivierte, integrationswillige und integrationsfähige Zuwanderer.

Der Wunsch ist mit Merkels Aussage, der Verstand zweifelt an diesem.

Nur ein Beispiel.: Schule

!Lesewarnung! – Raspail

Unerhört, was vor wenigen Tagen im „Tagesspiegel“ zu lesen war. Da spricht ein Kritiker eine Lesewarnung aus, vor einem Buch, das kaum jemand kennt, auch wenn der Kleinverlag „Antaios“ für seine Verhältnisse gerade das Geschäft seines Lebens macht. Ist das schon Idiotie oder noch Satire? Eine bessere Werbung hätte sich das Verlagshäuschen kaum wünschen können.

Der unfreiwillig komische Kunstrichter zieht alle Abschreckungsregister: „Das Heerlager der Heiligen“ von Jean Raspail sei eine „Blaupause von Pegida“, es sei rassistisch und xenophob, radikale Rechte seien die Vertreiber, die „toxischen Ideen“ des Buches dringen in den Mainstream ein, er – der Schreiberling – bringt es sogar mit 490 Übergriffen auf Flüchtlingsheime in Verbindung, traut Pegidisten aber gleichzeitig nicht mal zu, ein 400-Seiten-Buch zu lesen, und auch der Pegida-Galgen oder Pirinçcis unsägliche Rede (übrigens vollkommen falsch zitiert) muß herhalten, sogar Botho Strauß wird vors Gericht gezerrt und was weiß ich nicht noch alles. Eigentliche Literaturkritik dagegen nur in zwei Wortgruppen: die science fiction (sic!) funktioniere nicht und sprachlich sei es zäh.

Zur Klärung: Ein Literaturkritiker kann ein Buch verreißen, wenn es objektive Schwächen aufweist – macht er seine eigene politische Meinung zum Maßstab, wird es nicht nur gefährlich, sondern dann ist die Kritik keine mehr.

Heerlager

Literarische Utopien und Dystopien erlangen ihre literaturgeschichtliche Bedeutung nicht zuletzt durch die Akkuratesse ihrer Voraussagen. Wenn Huxley, Orwell und Samjatin – die sich übrigens viel mehr irrten, als allgemein bekannt – nicht zumindest eine strukturell treffende Prophetie, wenn Jules Verne nicht wenigstens das Tiefsee-Boot oder die Mondlandung gedacht hätte, dann wären diese Autoren heute wohl vergessen. Und daß Raspails „Heerlager“ 42 Jahre nach seinem Erscheinen gerade eine Renaissance erlebt, liegt am prophetischen Volltreffer: Plötzlich, ein bißchen wie aus dem Nichts, stehen eine Million fremder Menschen vor der Tür und keiner weiß, wie damit umzugehen ist. Daß sie aus Indien und nicht Syrien kommen und nichts außer ihr dürftiges Leben mitbringen, daß sie in Frankreich und auf rostigen Tankern anlanden, diese Unterschiede zur derzeitigen Situation scheinen vielen offensichtlich begeisterten Lesern nebensächlich zu sein. Großartig und visionär ist das Buch in der Beschreibung der verschiedenen Reaktionen einer ausgehöhlten Demokratie, die, am neuralgischen Punkt berührt, vollkommen handlungsunfähig bleibt. Gelähmt von einem tief eingeimpften Humanitarismus (Gehlen) versagen Politik, Medien und Öffentlichkeit komplett und spielen ihr lang eingeübtes Lied bis zum bitteren Ende alternativlos durch. Während das kraft- und energielose Land implodiert, nehmen die „Neubürger“ seine tausendjährigen Reichtümer wie eine Selbstverständlichkeit in Empfang.

Der zweite Teil – eine Art visionärer Guerillakrieg eines tapferen Häufleins Wertkonservativer – fällt deutlich ab. Raspail ist ein begnadeter Einfühler ins Gegebene, ein Schriftsteller von allererstem Rang ist er meines Erachtens nicht – aber das ist nur Meinung. Die Vorwürfe des Rezensenten – sofern sie nicht Satire oder sogar subversive Schleichwerbung sein sollen – sind schlichtweg absurd und zeugen von einem erschreckenden Unverständnis, was Literatur überhaupt ist. Wie solche Leute auf derartige Posten gelangen, das gehörte endlich mal aufgeklärt!

Leserwarnungen wie diese zeigen, daß wir uns tatsächlich an einem einzigartigen historischen Moment befinden. Es gibt Schichten, die werden plötzlich ganz unruhig … Leserwarnungen wie diese, sollten aber auch zum reflexartigen Selberlesen führen!

Dummheit und Macht

Diesmal fasse ich mich kurz, auch wenn Thomas Assheuers Leitartikel in der „Zeit“ eine ähnlich umfassende Auseinandersetzung verdiente wie Etienne Balibars Pamphlet die Woche zuvor. Nur um ein kleines erhellendes Schlaglicht in Assheuers Vergangenheit zu werfen, sei daran erinnert, daß er es war, der im Jahre 1999 auf Anraten eines Habermas den zu populär gewordenen Philosophen Peter Sloterdijk durch intellektuelle Denunziation mundtot zu machen versuchte.

Assheuer nimmt noch immer eine Schlüsselstellung im medial-politischen Komplex ein und daß er die „;Flüchtlings‘-‚Politik‘“ der Klasse, die er eifrig vertritt, auch unterstützt, kann niemanden überraschen.

Ich empfehle, den Artikel, der das Lied: „Es ist nun also wie es ist und Gegenwehr ist sinnlos“ singt, genau zu studieren, will selbst aber nur auf ein klitzekleines – unter Myriaden – Beispiel systemimmanenter Dummheit und Abgehobenheit hinweisen. Der an unfreiwilliger Komik kaum zu übertreffende Satz lautet: „Vielleicht muß man die Panikmacher und Einpeitscher einfach ertragen, genauso wie den Dresdner Villenbewohner und Pegida-Fan, dem es übel wird bei der Vorstellung, er müsse beim Toleranzsingen in der Semperoper neben einem Asylbewerber mit Freikarte sitzen.“

Ich fürchte, Herr Assheuer, mit dem beängstigend-verdächtigen „vielleicht“, ich fürchte, Sie müssen das tatsächlich ertragen und Sie müssen viel mehr ertragen, denn der „Panikmacher und Einpeitscher“ gibt es Millionen und wohl auch zehntausende Villenbewohner und Pegida-Fans, die schließlich auch etwas – wenn auch nur eine Singularität – ertragen müßten, nämlich den Asylbewerber in der Semperoper.

Als ob der operngehende Asylbewerber unser Problem wäre und als ob wir regelrecht von theateraffinen und kulturhungrigen Menschen überflutet würden. Das ist der Kosmos des Parallelwelten- und „Villenbewohners“ Assheuer, dem es offenbar und umfassend an Realkontakt mangelt – und solche Leute sind unsere Meinungsmacher …

Auch das hier ansässige Theater, das im Übrigen seit vielen Jahren um die blanke Existenz kämpft und dem nun im Zuge von Sparmaßnahmen die nächste Sparte gestrichen wurde, vergibt Freikarten an Asylbewerber. Daraufhin empfahl ich meinen 20 Eritreern, diese Gelegenheit zu nutzen. Den Gedanken mußte ich mehrfach drehen und wenden, bevor sie ihn überhaupt fassen konnten. Mit großen, ungläubigen Augen schauten sie mich an – Theater? Was ist das? Sie wußten damit gar nichts anzufangen, sie haben noch nie von einem Theater gehört und selbst wenn dem nicht so wäre, sie haben weder die kulturellen noch sprachlichen Fähigkeiten und wollen auch gar keine Toleranzlieder, geschweige denn Goethe oder Shakespeare hören – die sie – ich muß es ja kaum noch betonen – beide nicht kennen. Die wissen noch nicht mal wer Hitler war, Herr Assheuer. Ist Ihnen überhaupt klar, was das bedeutet?!

Gestern rief ich im Theater an und fragte nach den Freikarten, wie rege denn das Angebot genutzt würde: Guess what!

Artenschutz für den „Asylanten“!

Eine Zensur findet nicht statt §5 GG

Am Dienstag, dem 13.10.2015, erschien dieser Artikel in der „Freien Presse“

FP 13.10.15 Asylanten

Daraufhin schrieb ich einen Leserbrief folgenden Inhalts:

Artenschutz für den Asylanten!

Eine Politikerin meint, das Wort „Asylant“ sei nicht statthaft, da politisch nicht korrekt. Die Leiterin der Agentur für Arbeit entschuldigt sich daraufhin erschrocken für den Gebrauch des „Unwortes“. Schuld soll der Suffix „-ant“ sein, der, so wird ein Sprachwissenschaftler aus der Süddeutschen Zeitung zitiert, den „Asylanten“ als „Killwort“ (sic! – was ist das für eine Sprache?) kennzeichne, dem Wort also eine negative Bedeutung verleihe.

Nun ist die deutsche Sprache in den letzten Jahrzehnten und Jahren durch eine unüberlegte Rechtschreibreform, durch Jugend- und Straßensprache, durch Neologismen und Anglizismen, durch „gendergerechte Sprache“ usw. in ihrer Ausdrucksfähigkeit enorm beschnitten worden, denn alle Änderungen zielten auf Differenzierungsverlust. Einen Hegel oder Kant, einen Goethe oder Hölderlin, fein ziselierende Sprachakrobaten, kann es schon deswegen nicht mehr geben, weil das Hochpräzisionsinstrument Deutsche Sprache verdumpft und verstumpft wurde.

Und dazu scheut man auch Desinformation und Diffamierung nicht, wie in obigem Fall. Die Nachsilbe „-ant“ im substantivischen Gebrauch bedeutet nämlich – vollkommen wertungsfrei! –: eine Person oder eine Sache, die etwas tut. Freilich kann man, wenn man Wörter wie „Ignorant“, „Querulant“ und „Denunziant“ aneinander reiht, den Eindruck erwecken, als würden Wörter mit „-ant“ eine negative Konnotation besitzen. Aber man kann mit dieser „Methode“ auch das Gegenteil beweisen. Wie wäre es z.B. mit „Lieferant“, „Fabrikant“, „Gratulant“, „Komödiant“, „Musikant“ „Diamant“, „Laborant“, „Kombattant“, „Kommandant“, „Proviant“ „Hospitant“ oder sogar „Demonstrant“ – alles negativ? Im Gegenteil, wer sich die Mühe macht, die Gesamtzahl der in Frage kommenden Substantive durchzuzählen, der wird ein enormes Übergewicht an positiven oder neutralen Bedeutungen feststellen.

Das sich dahinter verbergende Problem ist dies: Menschen machen ihre Unwissenheit und Ignoranz zum Maßstab von Bewertungen. Nun, das begegnet uns tagtäglich. Unakzeptabel aber wird es, wenn diese Menschen Politiker und/oder öffentliche Personen sind, und unerträglich, wenn sie den Menschen vorschreiben wollen, wie sie zu sprechen haben, also eine Moral daraus ziehen, und skandalös wird es gar, wenn Journalisten, die eigentlich sprachmächtig sein sollten, diese Torheiten auch noch verbreiten!

Und: Der Begriff „Asylant“ ist aus der inneren Logik der Sprache heraus vollkommen neutral und sollte – wie so viele Wörter – unter Artenschutz gestellt werden. Seine Benutzung sagt über die Einstellung des Sprechers – wie im Artikel unterstellt – nicht das Geringste aus, seine Untersagung dagegen sehr viel!

Am Tag darauf bat mich der verantwortliche Journalist, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Es entspann sich ein sehr aufschlußreiches halbstündiges Gespräch über die „Pressefreiheit“ – ein schwieriges Thema, wie mir versichert wurde, denn auch im Haus „munkelt“ und „raunt“ man viel, könne man nicht immer alles offen aussprechen, gebe es verschiedene Grundpositionen. In der Sache wurde mir recht gegeben. Leider werde der Brief – gegen seinen ausdrücklichen Willen – stark gekürzt erscheinen. Und so sieht er aus (15.10.2015)

Leserbrief FP Asyl

Von Zensur zu sprechen, wäre falsch und wohl auch größenwahnsinnig. Die Redaktion behält sich bei Leserbriefen immer das Recht auf Kürzung vor.

Trotzdem ist die „Verschlimmbesserung“ nicht ohne Bedeutung – dahinter verbirgt sich ein ebenso wichtiges Problem. Noch nie ist es mir nämlich gelungen, in der Lokalpresse einen Artikel zu veröffentlichen, in dem nicht unabgesprochen herumgestrichen, gekürzt, umgestellt wurde und noch nie waren diese Eingriffe zum Vorteil des Beitrages. Einige Artikel – Würdigungen Sloterdijks und Heideggers etwa – wurden glattweg abgelehnt, alle anderen Beiträge – komplette und auch abgesprochene Sachartikel ebenso wie Leserbriefe, ja sogar Interviews und Besprechungen meiner Bücher durch festangestellte Journalisten – wurden ohne vorherige Absprache verändert und gekürzt. Das Argument jeweils: „Das verstehen unsere Leser nicht“, „Das trifft nicht unsere Zielgruppe“, „Die Leute lesen keine komplexeren Artikel“ , „Das ist zu hoch“ u. ä.
Wegen zu hoher Qualität abgelehnt zu werden, verwundert denn doch. Es sagt viel über das Bild aus, das sich (diese) Journalisten von ihrer Klientel machen. Und selbst wenn das stimmte, wäre es nicht Aufgabe der Medien, zu versuchen, das Niveau der Leser zu erhöhen anstatt sich dem vermeintlich niedrigen sprachlichen und kulturellen Niveau der Leserschaft anzupassen?
Anpassung nach unten, in die Mitte hinein – das ist die Crux unserer modernen Gesellschaft. Sich strecken, sich aufrichten, streben, „Vertikalspannung“ (Sloterdijk) erzeugen statt sich bücken, täte Not.