Die Mühen der Ebenen

Dirk Neubauer, der Bürgermeister eines sächsischen Städtchens, ist ein Macher, ein Anpacker, einer der Kraft und Willen hat und zu verändern weiß. Solche Leute braucht das Land! Auch seine Biographie zeigt ein unstetes Element, das gerne Neues probiert und experimentiert – diese Menschen geben Vollgas, solange sie Lust haben. Der Vorteil: Neubauer hat Einblick in ganz verschiedene gesellschaftlich relevante Bereiche und aus seinem letzten Steckenpferd berichtet er: der Politik, der Regionalpolitik.

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Die Wende von innen

Fortsetzung von „Meine Wende

Um zu begreifen, was sich im Oktober und November 1989 so überstürzt abspielte, müßte man eine lange Geschichte erzählen und vielleicht würde es auch dann noch nicht zu verstehen sein, eine Geschichte, die weit über mein Leben hinausragte. Begann sie 1961 mit dem Mauerbau oder noch früher vielleicht? 1949 mit der Gründung der BRD und dann der DDR? Nein, man wird wohl noch weiter zurückgehen müssen, würde vom Krieg und vom Stalinismus zu erzählen haben und, wer weiß, möglicherweise sogar von der kommunistischen Idee als solcher?

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Meine Wende

Vor einigen Jahren schrieb ich ein Erinnerungsbuch. In ihm wollte ich eine ganz normale Kindheit – so auch der Untertitel – in der DDR beschreiben, eine Kindheit, wie sie wohl die meisten Menschen dieser Generation erfahren haben: weder im Opfer- noch im Tätermodus. Na klar, wir waren indoktriniert, man hat uns eine starke Identifikation mit diesem kleinen Land verordnet, wir sahen die Welt aus dieser Perspektive und es dauerte lange, sich eine Draufsicht zu erkämpfen. Daß Vieles im Argen lag, war den allermeisten bewußt. Man hatte vor allem zwei Möglichkeiten der Referenz: den Westen mit seinen materiellen Erfolgen und den weiteren partiellen Freiheiten oder aber die „Klassiker“, die weit ausgearbeitete Theorie, wie der Sozialismus zu sein habe. In beiden Hinsichten hatte die DDR versagt.
Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt aus besagtem Erinnerungsbuch – das noch immer in der Schublade liegt. Es beschreibt die Wendezeit aus der Sicht eines jungen, naiven Studenten.

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Mitteldeutsche Begegnungen II

Von Sondershausen ging es nach Weißensee. Zu diesem kleinen, verschlafenen Ort habe ich eine besondere Beziehung. Zehn Jahre lang nahm ich dort an einer archäologischen Grabung teil, verbrachte viele Wochen und Monate auf der Runneburg.

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Mitteldeutsche Begegnungen

Den Sommer nutzen wir seit Jahren, um ein paar deutsche Kraftorte zu besuchen. Meist ist Weimar dabei, es kann aber auch Dresden sein, Eisenach, Naumburg, Freyburg, Querfurt …,  irgendwas mit -furt, -hausen oder -burg am Ende und meist im thüringischen oder anhaltinischen Bereich gelegen. Es ist fast egal, welchen Ort man besucht, die lange deutsche Geschichte wird dort in dieser oder jener Form greifbar werden, man wird gerade in dieser Jahreszeit von Sonne und Sommer förmlich vereinnahmt, überall riecht es nach Erde, nach Ernte, nach Reife und fast überall steht man unter einem weiten, blauen Himmel und schaut aufs Land und empfängt die Erfahrung der Größe.

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Integrationsversagen Klopp

1. Mein alter Wasserballtrainer war ein integrer und fairer Mann. So sehr, daß ich ihn als Bürgen wählte, als ich in die Partei eintreten wollte. Er sagte voraus, daß ich ein guter und zuverlässiger Genosse sein werde – und hatte recht behalten, wenn auch vielleicht anders als gedacht. Von ihm habe ich einige wichtige Lehren fürs Leben erhalten.

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Ungarische Vignetten

Schwimmbad in der ungarischen Kleinstadt. In der Männerumkleide hüpft zwischen den sich umkleidenden Männern die vielleicht siebenjährige Tochter eines der Männer herum – nackt. Ganz normal hier. Weiterlesen

Noch eine ungarische Familie

Im Frühjahr werden wir säckeweise mit Topinambur und im Herbst freigiebig mit frischen Goji-Beeren versorgt. Die Geberin ist eine angeheiratete Hefner, ein häufiger Name in dieser Gegend und in der, aus der ich komme. Nach dem Krieg wurden die Ungarndeutschen vertrieben und eine größere Gruppe hat es just ins Vogtland verschlagen – eine (Frau Reitzenstein) war Lehrerin an meiner Schule (S. 34) – zwei Nachfahren dieser Menschen gehörten in der Jugend zu meinen besten Freunden …, aber erst jetzt wird diese Geschichte ein Thema.

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Wiedersehen im Widerstand

Weit zurück in der Geschichte dieses Blogs liegt dieser Artikel: Gut zu wissen.

Darin findet sich eine Liste exklusiver Namen, die sich im Herbst 2015 durch kritische Kommentare – damals Mangelware, Sensation und tapfer – in jenes Lager geschlagen hatten, in dem auch ich und wohl die Mehrheit der Leser gelandet war. Das war und ist mir noch immer wichtig, denn der Zweifel, man könne irren und die permanente Arbeit daran, diesen Zweifel zu nähren, bleibt.

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Déjà-vu in Dresden

Ich mache mir Sorgen! Um meine Gesundheit. Im „Focus“ muß ich hören, daß Dauer-déjà-vus Symptom ernsthafter psychischer Krankheiten sein können.

Zugegeben, wenn der Angstgenerator „Focus“ die Wahrheit sagte, dann müßte ich schon lange an zerfressener Leber, Bluthochdruck, Diabetes 1, 2 und 3, Alzheimer, Demenz und Parkinson im Gesamtpaket, Haarausfall und 27 Krebsarten – außer Prostata natürlich! – zugrunde gegangen sein.

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Kuczynski kommt!

Genau wie Marx und Engels vorausgesehen, geht die kapitalistische Gesellschaft bei dauernd steigernder Produktivität ihrem Untergang entgegen – ganz gleich, wie lange sich der Weg in den Untergang hinzieht. (Kuczynski)

Jürgen Kuczynskis Buch „Probleme der Selbstkritik“ hat Erinnerungen geweckt, an eine Lebensphase, die heute nahezu unwirklich erscheint. Vermutlich werden die westdeutschen Leser ratlos über den folgenden Zeilen sitzen, während mancher Ostdeutscher mich vielleicht begleitet bei diesem Abstecher in eine – ja, absurde Zeit.

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Alles muß weg!

Jacques Schuster trägt einen Namen, der wie für die Guillotine gemacht zu sein scheint. Man sollte vermuten, daß so ein Mensch besonders vorsichtig mit seinen Forderungen ist. Aber nein, in der „Welt am Sonntag“, dem konservativen (hahahaha) Blatt im rasanten Abwärtstrend posaunt er in übergroßen Lettern aus: „Weg mit Hindenburg und Thälmann!

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Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: heute vor 20 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Warum der Osten?

Selbstredend sind die Gründe, weshalb der Osten so anders als der Westen wählt, vielfältiger als gestern angedeutet. Einige davon sind, in aller Kürze und ohne wertende Reihung, folgende:

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Die AfD-Welle

Schaut man sich diese Graphik an, kann man schon ins Grübeln kommen. Es lohnt, darüber ein wenig zu sinnieren.

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Autoritäre Persönlichkeit von Jürgen Habermas

Das Theoretische hatte zwar etwas Verführerisches, aber nur, wenn es ambivalent, offen blieb, ein Motiv zum Denken. Karl Heinz Bohrer

Nein, es handelt sich beim Titel nicht um ein neues Buch aus Habermas‘ Feder, nicht um eine soziologische Studie – wie die gleichnamige seines Doktorvaters Adorno –, sondern um den Versuch, den Charakter des Meisterphilosophen der Bundesrepublik näher zu deuten. Als Quelle dient uns das vielfältig unerschöpfliche und hier vor wenigen Tagen besprochene Buch Karl Heinz Bohrers: „Jetzt“.

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