Die Schöne und das Biest?

Wo die Liebe hinfällt, da bleibt sie liegen, und wär‘ es ein Misthaufen. (deutsches Sprichwort)

In seiner weltliterarisch bedeutsamen Autobiographie erinnert sich der dänische Nationaldichter Hans Christian Andersen an eine seltsame Szene aus seiner Kindheit. Er war gerade drei Jahre alt, als die Stadt Odense auf Fünen in Unruhe geriet. Überall erschienen laute, unruhige, bärtige und dunkelhäutige Männer. Kanonen wurden abgefeuert, auf den Plätzen und Straßen lagen Uniformierte, in Kolding ging das Schloß in Flammen auf …

Weiterlesen

Advertisements

Neue Heimatsplitter

Vorweihnachtlicher Besuch bei meinen dänischen Freunden. Sie wohnen mitten im Zentrum der Stadt. Wenige Tage zuvor wurden sie, wie in letzter Zeit immer öfter, von Geschrei und Sirenengeheule geweckt. Zwei Tage darauf lesen sie es in der Zeitung: ein junger Syrer hat einem jungen Deutschen mit einem Messer mehrfach in den Rücken gestochen und diesen schwer verletzt.

Weiterlesen

Von der Sowjetunion lernen

È possibile mettersi l’animo in pace dicendosi che tutto questo è il risultato del fallimento comunista? O è forse altrettanto vero che questa tendenza della gente a voler tornare a essere solo fra simili è il frutto dell’assurdo tentativo di mischiare troppo alla svelte tutti e tutto? (Tiziano Terzani)

Als ich kürzlich ein paar starken Bildern nachsann, griff ich wieder zu einem Buch, das ich vor sieben Jahren gelesen hatte: Tiziano Terzanis „Buonanotte signor Lenin“, einer Reisebeschreibung, die in Italien nach dem Welterfolg Terzanis („Noch eine Runde auf dem Karussell“) und seinem Tod, im Zuge einer Terzani-Euphorie, in allen Buchläden auslag. Die Italiener liebten diesen weisen Mann, besonders die Jugend sah ein Idol in ihm. Plötzlich waren alle seine Arbeiten, auch die kleineren, erhältlich, Biographien und Bildbände erschienen.

Weiterlesen

Zum letzten Mal: Hussain

Vielleicht werde ich Hussain nie wieder sehen. Man müßte schon eine große Anstrengung unternehmen, um die Distanz bis nach Köln – eine Stadt und eine Gegend, die sich mir nie herzlich erschlossen hat – zu überbrücken. Dort in die Nähe wird er in wenigen Tagen ziehen, zu seiner Verlobten, um ein neues Kapitel seines Lebens zu öffnen, eines, das mit Ehe und absehbarer Familie wie eine Einbahnstraße wirkt, die ein junger syrischer Mann nach den Gesetzen der Natur und der Tradition irgendwann einschlagen muß. Plauen wird dann Geschichte sein – der erste Ort seiner Ankunft und ich weiß nicht, ob er es in guter Erinnerung behalten wird.

Ich besuche ihn noch ein letztes Mal, wenige Stunden vor seiner Abreise. Nichts deutet auf den Umzug hin. Alles, was er besitzt, paßt in einen Koffer. Das war auch mal mein Ideal, alle Habseligkeiten in eine Tasche packen und weiterziehen.

Weiterlesen

Vertragssex

Darf ich bitten, oder wollen wir erst tanzen?

In Schweden, da kann man Fortschritt! Jetzt haben sie sich was Neues ausgedacht: Der Mann, wenn ihm mal so ist, muß die Frau ausdrücklich um Erlaubnis bitten, daß er jetzt ran darf.

Weiterlesen

Das Große im Kleinen

Im Mai hatte ich von einer jungen Frau berichtet, die in Wien, in einer Geburtsklinik erschrocken feststellen mußte, fast die einzige Schwangere zu sein, die kein Kopftuch trug. Daraufhin wählte sie eine katholische Geburtsklinik und brachte dort ihr Kind zur Welt. Allein, die Welt ist nicht mehr so …

Weiterlesen

Ungarndeutsche Tragödien

Die Ungarndeutschen können bis auf den heutigen Tag eine Kultur die ihrige nennen, deren Fäden tief in das Gewebe der ungarischen Kultur eingeflochten sind. Wenn wir diese Fäden herauszögen, so würde das gesamte Gewebe zerfallen. (Viktor Orbán)[1]

Wenn wir verreisen, bitten wir eine Nachbarin, eine ältere Frau, nach Haus und Katze zu schauen. Immer wieder kommen ihr im Gespräch deutsche Sätze, Wortgruppen, Vokabeln über die Lippen, über die sie selber erstaunt zu sein scheint. Seit Jahrzehnten hat sie kein Deutsch mehr gesprochen und doch war es einst ihre Muttersprache.

Weiterlesen