Der schwarze Ritter im Interview

Viele Leute kennen Götz Kubitscheks Namen und wissen, was sie über ihn zu denken haben, aber deutlich weniger Menschen wissen tatsächlich, was und wie er denkt. Denn gemessen daran, daß er als der spiritus rector der Schnellrodaer Neuen Rechten gilt – die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft werden – sind seine Wortmeldungen überschaubar und widmen sich meist nur dem Grundsätzlichen.
In der ungarischen Netzzeitschrift „Mandiner“ fand ich nun ein Interview aus dem Jahre 2018, das uns nicht nur die Person näherbringt, sondern auch einige subtile Töne vermittelt, die man sonst selten hört, und uns zudem in eine andere Form der Kunst der Interviewführung einführt.
Daher habe ich mir erlaubt, das Gespräch zu übertragen – für mich war es zugleich eine gute Übersetzungsübung. Eventuelle Fehler dieser Rückübersetzung, Holprigkeiten oder Mißverständnisse gehen selbstredend auf meine Kappe.

Deutschland entfremdet sich (von sich selbst)

Der Spiegel nannte Sie einen „dunklen Ritter“ – was sagen Sie dazu?

Das ist nur ein Spiel mit Worten, das darauf anspielt, daß ich mit meiner Familie in einem Ritterhof in der Provinz in Sachsen-Anhalt lebe, und die Dunkelheit kann natürlich auf das Geheimnisvolle und Bedrohliche verweisen – so wie sie sich das offensichtlich vorstellen. Immerhin, es ist wahr: dunkel ist nicht rot (lacht).

Betrachten Sie sich als Konservativen oder als radikalen Rechten?

Das sind umstrittene, polemische Begriffe: die Polemik stammt vom griechischen Wort Krieg – πόλεμος – ab, das sind politische Attribute und Werkzeuge des politischen Krieges. Wir sind sowohl Konservative als auch Rechtsintellektuelle und in gewisser Hinsicht auch konservative Revolutionäre. Unserer Lebensweise und unserer Grundhaltung nach sind wir Konservative. Das ist ein kultureller Bereich. Aber wir wissen, daß wir aufgrund der politischen Umstände in Deutschland radikal denken müssen. Es ist eine wichtige Unterscheidung, daß ich von radikalem Denken und nicht von radikalem Handeln spreche. Da ist ein großer Unterschied. Ob wir in den Augen unserer Gegner Radikale, Rechtsextreme oder Nationalsozialisten sind, ist mir vollkommen egal, solange wir mit unseren Gefährten genau wissen, was unsere eigenen Grundpositionen sind.

Aber warum muß man in Deutschland radikal denken? Es geht den Deutschen gut, die Wirtschaft floriert, es gibt fast keine Arbeitslosigkeit, die Menschen leben im Wohlstand.

Die Wirtschaft und wie viel Geld die Menschen haben, das ist nur ein Element des Lebens. Die Frage ist vielmehr, ob wir, die Deutschen, in 20 Jahren noch über die deutsche Politik bestimmen werden? Die Sorglosigkeit und Selbstvergessenheit, die wir unabhängig von den Zukunftsaussichten in der deutschen Gesellschaft erfahren, erfüllt uns mit großer Sorge und Angst. Die Entfremdung Deutschlands von sich selbst wird immer auffälliger.  In einigen westdeutschen Großstädten werden in immer mehr Vierteln die nichtdeutschen Einwohner zur Mehrheit. Außerdem ist wirtschaftliche Prosperität an kulturelle Seelenlosigkeit und Geistlosigkeit geknüpft. Die Frage ist, ob es noch einen solchen deutschen Kern gibt, an dem man sich in Zukunft festhalten sollte, der das zukünftige  Deutschland definiert.

Und gibt es noch einen solchen deutschen Kern? Woraus würde er bestehen?

Das ist die große Frage. Meiner Ansicht nach gibt es natürlich einen solchen Kern. Zuerst ist da unser historisches Erbe, das gepflegt werden muß. Es gibt eine deutsche Art zu leben und ein deutsches Rechtswesen, das sich gerade deswegen herausgebildet hat, weil in diesem Land im Laufe der Geschichte Deutsche gelebt haben. Es gibt von der Philosophie über die Kunst und den Handel bis hin zum Ingenieurswesen eine spezifisch deutsche Herangehensweise. Wir können das die deutsche Seele nennen. Diese deutsche Seele wird in der Moderne jedoch von zwei Seiten angegriffen. Einerseits von der Moderne selbst, die die Gefüge und Verbindungen der Menschen auflöst und dekonstruiert, andererseits von ihren Entfremdungsphänomen, daß nicht mehr nur wir selbst im eigenen Land leben und wir darüber hinaus keine integrative und assimilierende Kraft mehr haben. In welchem Land unsere Kinder in 30 Jahren einmal leben werden, das ist eine existentielle Frage.

Sie und Ihre Kollegen sprechen und streiten viel über die deutsche Geschichte, über die Kulturgeschichte, das deutsche Schicksal. Wenn jemand in der deutschen Öffentlichkeit an diesen Debatten teilnehmen will, dann muß er zu einigen Grundsatzfragen Stellung beziehen. Eine solche Frage ist die Beurteilung der Nazi-Zeit. Wie stehen Sie zum Nationalsozialismus?  

Das 20. Jahrhundert war für das Deutsche katastrophal. Wir haben auch zwei Weltkriege verloren. Im ersten erlitten wir eine Niederlage, im zweiten wollten wir aufgrund einer krankhaften Politik vollkommen irrig dafür Revanche nehmen, was uns in eine totale Katastrophe geführt hat. Für die Deutschen war der Nationalsozialismus eine katastrophale politische Wende. Unsere Antwort auf die Niederlage führte zu noch einer größeren Niederlage.

Eine weitere Frage ist das Verhältnis zum Erbe der 68er.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen politisch impotent, auch wenn sie wirtschaftlich gesehen sehr schnell wieder auf die Füße kamen. Die Deutschen wurden von außen und mit großem Mißtrauen betrachtet und sie wurden über Jahrzehnte in Schach gehalten. In dieser Zeit haben die Deutschen ihre eigene Vergangenheit falsch aufgearbeitet. Das ist die große Belastung, die uns das 68er Erbe auferlegt hat.

Sie werden sehr oft mit der Bewegung der „Neuen Rechten“ in Verbindung gebracht, die im übrigen bereits auf mehrere Jahrzehnte zurückblickt. Welche Relevanz hat die Neue Rechte im Deutschland des Jahres 2018?

Die Neue Rechte arbeitet in der Tat schon seit Jahrzehnten, zahlreiche Phänomene hat sie diskutiert und durchdacht, jedoch immer nur in einem engen Kreis. Aber mit dem Aufstieg der AfD und anderer Organisationen begannen unsere Gedanken plötzlich in einem großen Raum widerzuhallen. Als die AfD den Durchbruch schaffte, begannen Linke und Liberale zu untersuchen, woher die Ideen der AfD kamen. Es ist sicher eine typische intellektuelle Herangehensweise, wonach jeder, der Politik betreibt, zuvor offenbar schon eine ganze Bibliothek dazu gelesen haben muß. Um Politik zu machen ist das jedoch nicht notwendig. Aber auf der Suche haben sie regelmäßig uns aufgespürt. So wurden wir plötzlich wichtig und von großer Bedeutung. Unsere Überlegungen haben heute einen viel größeren Einfluß, als wir es uns vor zehn Jahren hätten vorstellen können. Einerseits sind unsere Arbeiten dadurch bedeutsamer geworden, andererseits wird uns eine große Verantwortung auferlegt, weil jeder Satz, den wir formulieren, bedeutsamer wurde als früher. Unsere Gedanken können nicht mehr so experimentell daherkommen, da wir eine direkte Wirkung auf die Politik haben. Das ist eine andere Art von Verantwortung.

Betrachten Sie sich bereits als Politiker, als jemand, der selber Politik macht?

Nein, auf keinen Fall. Ich bin Intellektueller (lächelt).

Was halten Sie von der deutschen Rechten, vom Zustand der CDU, beziehungsweise der jetzigen AfD?

Die CDU ist aus unserer Sicht weder konservativ noch eine rechte Partei. Die CDU ist eine Mainstream-Partei, die vieles von dem, was uns wichtig war, zerstört hat und sich schließlich selbst auflösen wird. Die AfD gibt uns hingegen Hoffnung in der Parteipolitik; sie ist wie eine konsequente CDU oder CSU, aber sie weist glücklicherweise deutlich mehr Schattierungen und revolutionären Schwung auf. Wenn wir über die konservative Revolution sprechen, so nimmt sich diese AfD – im Gegensatz zur CDU – ernst. Und ich sehe, daß nach der (anfänglichen) Geringschätzung der AfD, schon so viele hinter der Partei stehen, daß die Massen auch für eine politische Veränderung bereit sind – und das geschieht jetzt, auch im Jahr 2018.

In der deutschen Öffentlichkeit ist jedoch bis heute die althergebrachte Intelligenz und Medienelite tonangebend.  

Die Übermacht der Zivilgesellschaft im Politik- und Medienkomplex gibt es noch immer, aber sie hat sich vom Volk gelöst und mit ihm nichts mehr zu tun. Diese Elite ist verantwortungslos, egoistisch und mit der eigenen Bereicherung beschäftigt, sie verwendet doppelte Maßstäbe, ist gleichzeitig aber auch starr. Diese Elite bekämpft Gegenmeinungen mit totalitären Mitteln, um sie zu zerstören. Sie nehmen selbst die Moral in Beschlag, mit deren Hilfe sie Entscheidungen treffen, aber die Last der Konsequenzen dieser Entscheidungen verteilen sie auf die Gesellschaft. Und diese Elite hat mit dem wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands nichts zu tun. Es gibt in Deutschland circa 15 Millionen produktive, hart arbeitende, ideenreiche Menschen – sie halten die Wirtschaft am Laufen. Und über ihnen befindet sich eine Politik- und Medienelite, die die Resultate dieser Anstrengungen verteilt, verschwendet oder begrenzt, während sie mit sich selber plaudert – selbstverständlich nach der Sicherstellung ihres eigenen Wohlergehens. Das ist weit von unserem Bild einer verantwortungsvollen, dem Volke nahe stehenden Elite entfernt.

Und wie sieht es mit der deutschen Industrieelite aus, mit ihrer Verantwortung dem eigenen Volk gegenüber bzw. mit den für die deutsche Industrie arbeitenden Ländern, wie z.B. Ungarn?

Die deutsche Industrieelite ist mit der politischen Elite verbandelt und auch sie hat nichts mehr mit dem Volk zu tun. Wir sprechen hier nicht von einem notwendigen, unterstützenswerten nationalem Großkapital, denn diese Industrieelite hängt mit der weltumspannenden neoliberalen führenden Schicht zusammen, die grundsätzlich versucht, die wirtschaftlichen Grenzen niederzureißen und danach strebt, einige Länder auszuweiden. Ich freue mich nicht über die deutsche Wirtschaft, über den Imperialismus der deutschen Marken. Ich reise immer öfter nach Ungarn und in die Nachbarländer, und ich nehme wahr, daß das einzige, was wir Deutschen unseren Nachbarn im Moment noch geben können, die verbrauchende Lebensweise ist, wie wir sie in Deutschland auch leben.

Weil wir gerade über die Macht der Medienelite sprechen: Was denken Sie über das Schicksal des von Ihnen herausgegebenen Bandes „Finis Germania“? Ihr Buch über den Niedergang Deutschlands stand auf der Bestsellerliste des Spiegels auf dem sechsten Platz, erschien in den kommenden Wochen aber nicht mehr auf der Liste – der Spiegel hatte zugegeben, daß er es absichtlich von der Liste gestrichen hatte, weil er es für antisemitisch hielt und dies nicht propagieren wollte.

Daran können Sie ersehen, wie verunsichert und aufgestachelt der Zustand der deutschen Öffentlichkeit ist. Es handelte sich um ein kleines Büchlein von Rolf Peter Sieferle, dem kürzlich verstorbenen konservativen Historiker. Es gab sehr heftige Reaktionen darauf, daß ein solches Buch erscheinen konnte und sich zudem noch gut verkauft, und das zeigt, daß die Elite nicht versteht, was um sie herum vorgeht. Das hat auch auf der Frankfurter Buchmesse viel Lärm verursacht. In einem derartigen Zustand ist heutzutage die deutsche geistige Elite.

Sie hoffen in Deutschland auf eine konservative Revolution, aber Tatsache ist, daß sich Deutschland in erheblichem Maße verändert hat, nicht nur in den letzten 50 Jahren, sondern auch in den letzten 20 – gesellschaftlich, ethnisch, auch in seiner gesellschaftlichen Moral. Glauben Sie wirklich daran, daß sich in der heutigen deutschen Gesellschaft eine konservative Welle erheben wird?

Wenn ich ganz ehrlich sein soll: ich habe keine große Hoffnung für das große Ganze. Es wird nicht mehr so werden wie früher. Aber auch jetzt gibt es was zu tun, und richtig was zu tun. Ich glaube, Ungarn ist in dieser Beziehung besser dran. Es mag sein, daß es wirtschaftlich nicht auf dem Niveau Deutschlands ist – obwohl ich, wenn ich durch Budapest gehe, nicht sehe, daß es den Ungarn schlecht ginge. Ungarn kann in dieser Zeit große Schritte nach vorn machen. In Deutschland müssen wir uns schon mit den geringsten, kleinen Fortschritten in die gute Richtung zufrieden geben. Trotz des weltumspannenden Sieges des Liberalismus – der in Deutschland aufgrund der Schwächung der eigenen Identität und der Auflösung des Gemeinschaftsgefühls besonders stark war – gibt es Bedarf für den Illiberalismus, der ihm einen Rahmen und Grenzen setzt. Die Polizei kann nicht liberal sein. Die Armee kann auch nicht liberal sein. Auch die Erziehung kann es nicht sein. Benehmen, Ordnung, Disziplin müssen allen beigebracht werden. Diese Erziehung ist illiberal, weil sie den Rahmen dafür schneidert, damit nicht jeder Mensch einfach so lebt, wie es ihm gefällt. Wenn ein Mensch derart erzogen wird, dann kann noch immer ein Liberaler aus ihm werden – aber so, daß er unterwegs kein unsoziales Wesen wird. Wir befinden uns im letzten Augenblick, um in diese Richtung gehen.

Wenn wir schon von Wendepunkten sprechen: Was denken Sie über die vergangenen drei Jahre, über die Migrationskrise und deren Auswirkung auf Deutschland?  

Es ist eine vollständige, abgeschlossene Katastrophe. Wir haben ein Land ohne eine eigene starke Identität, das nicht in der Lage ist, ein positives Integrationsmodell anzubieten – außer daß man hier in Deutschland Geld verdienen kann. Es gibt keinerlei Möglichkeit, sich gefühlsmäßig anzubinden, es gibt keine eigene Geschichte, keine leitende Kultur. Aufgrund unserer Schwäche konnten wir in den letzten Jahrzehnten die hier lebenden türkischen und arabischen Gastarbeiter auch nicht integrieren. Jetzt sind mit einem Schwung zwei Millionen Menschen zu uns gekommen, von denen wir nicht wissen, wer sie in Wirklichkeit genau sind. Und von ihnen glauben wir nun, daß wir sie integrieren können, daß wir aus alldem eine funktionierende Gesellschaft konstruieren können. Das, was hier passiert, halte ich für eine unverschämte Verantwortungslosigkeit. Unsere Prognose lautet, daß aufgrund unserer Schwäche nicht Integration, sondern vielmehr Segregation die Folge sein wird. Es wird Inseln geben, auf denen die Wohlhabenden in Wohlstand, in kulturellem und materiellem Überfluß leben werden; und neben ihnen wird die übrige Masse sein, unter der die Frage vorherrschen wird, wer sie seien, welchem Stamm, welcher Nationalität der Mensch zugehört. Und diese Gruppen werden miteinander in Konflikt geraten oder zumindest auf niedrigem Lebensstandard und mit schlechten Aussichten nebeneinander leben. Es wird jedenfalls Konsequenzen haben, wie sie sich Deutschland sicherlich nicht gewünscht haben dürfte. Wir sind jedoch bereits mitten in dieser Geschichte.

Sie hingegen leben zusammen mit Ihrer Frau und sieben Kindern in einem von allem weit entfernten ostdeutschen Dorf, in Schnellroda, einem ehemaligen Ritterhof, führen einen Verlag und halten Tiere. Folgt man dem Porträt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Sie, so repräsentiert Schnellroda ein ganz anderes Deutschland. Wie ist dieses andere Deutschland?

Für mich ist es eine große Hoffnung, daß es in Ostdeutschland noch eine andere Beseeltheit gibt, die den Zerstörern der deutschen Identität widersteht. Wir leben in einem AfD-Land, in unserer näheren Umgebung stimmen in den Dörfern und Städten 35 bis 40 Prozent der Menschen für die AfD, von Thüringen bis nach Sachsen. In diesem anderen Deutschland akzeptiert man illiberale Dinge und die Deutschen hier leben relativ homogen. Relativität verstehe ich hier so, daß es selbstverständlich immer Aus- und Einwanderung gab, die uns bereichert hat bzw. mit der wir andere bereichert haben. Aber am Ort blieb alles entschieden deutsch. Kennen Sie das Paradox des Theseus? Ein Schiff, das auf eine große Reise geht und zuerst den Mast, dann das Steuerruder und letztlich nach und nach jede Planke auswechselt.  Wenn das Schiff in den Hafen zurückkehrt, können wir dann noch immer von demselben Schiff oder müssen wir von einen vollkommen anderen Schiff sprechen?

Und Deutschland wäre das Schiff des Theseus?

Ja. Wir sagen, es ist schon nicht mehr dasselbe Schiff. Man kann nicht eine Bevölkerung austauschen und danach behaupten, es sei noch immer dasselbe Land. Das ist nicht mehr Deutschland. Irgendein Staat kann so noch funktionieren, aber es ist nicht mehr das Land der Deutschen.

Das klingt pessimistisch. Aber Sie haben noch immer sieben Kinder, was – wie alle Eltern wissen – für die Zukunft starkes Vertrauen und Optimismus erforderlich macht.

Um die persönliche Zukunft meiner Kinder mache ich mir keine Sorgen. Sie sind wohl gebildet, sie haben eine gute Erziehung erfahren, sind lebensfroh und stark. Es gibt ungefähr 80 Millionen Deutsche in drei Ländern, dort wird es solche Umgebungen geben, wo sie als Deutsche ungestört und gut leben können. Aber wenn wir verantwortungsvoll über unser ganzes Volk nachdenken wollen, dann ist das für die anderen kein Trost. Sein eigenes Schicksal kann jeder selbst bestimmen. Wir sprechen hier hingegen von uns allen. Das ist eine vollkommen andere Perspektive. Ich sage meiner Frau immer wieder: Wenn wir unsere bisherige Tätigkeit nicht weiter ausführen können – weil Menschen wie wir in Deutschland unter großem Druck stehen –, dann können wir auch woanders leben. Ich kann mir unser Leben auch in Ungarn, Polen oder Kroatien vorstellen. Das ist jedoch keine politische Perspektive. Und an meine Kinder muß ich auch denken. Ich kann nur hoffen, daß ich das Richtige tun kann und daß es den Deutschen noch lange Zeit gut gehen wird in Deutschland. Aber wenn sich die Lage verschlimmern sollte, dann werden meine Kinder nicht zu den Verlierern gehören.

Quelle: Németország elidegenedik önmagától – Götz Kubitschek a Mandinernek. Mandiner 6.6. 2018. Interviewpartner: Rajcsányi Gellért
Mein Dank gilt Tünde Lentner für die beistehende Korrektur.

Denkanstöße – Sloterdijk V

… daß von der vielgerühmten Frankfurter Schule, die zu Adornos Lebzeiten und bis zur „Kritik der zynischen Vernunft“ auch meine Schule und mein wichtigstes Bezugssystem war, nicht viel mehr übriggeblieben ist als ein Klüngel zur Ausübung von Mentalitätsmacht und ein paar akademische Seilschaften. Es hat sich im konkreten Fall gezeigt, daß sich in diesem Verein kein konfliktfähiges Gegenüber mehr ausmachen läßt. Nach meiner Definition ist eine Theorie dann tot, wenn sie nur noch Selbstgespräche führen kann.

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Die eklatanten Mißstände in unserem Medienwesen zu beschreiben und zu erklären, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Weder Moreno noch Meinhardt – aller Verdienste eingedenk – versuchten sich an systematischen Aufklärungen. Uwe Krüger kam dem in seinem verdienstvollen „Mainstream“ am nächsten, indem er die Prozesse innerhalb der Redaktionen unter die Lupe nahm, aber die Einbettung dieser Phänomene in die gesamtgesellschaftliche Atmosphäre hat auch er nicht gewagt. Hier müßte eine historische Analyse durchgeführt werden. Wenn es so etwas geben sollte, dann wohl unter der Aufmerksamkeitsschwelle der Öffentlichkeit.

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Sieg der Parodie

Spätestens seit BLM gibt es kaum noch einen Werbespot eines Global Players, der nicht divers ist und eine politisch korrekte Lehrmeinung verbreitet. Es muß nun immer ein PoC dabei sein, oft auch LGBT und ganz sicher wird auf die Frauenquote geachtet.

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Mainstream

Bücher, die den Presse-Mainstream entzaubern, haben Bestsellerpotential. Dies allein schon ist ein Indikator des wachsenden Mißtrauens gegenüber Betreuungsmedien.

Hatte Juan Moreno letztes Jahr den Relotius-Skandal als Einzelfall auseinandergenommen, so beschrieb in diesem Jahr der preisgekrönte Ex-Journalist Birk Meinhardt seinen schmerzlichen Abschied von der „Süddeutschen Zeitung“ – er konnte Regulierung und Verengung des Meinungskorridors nicht mehr ertragen. Bei allen Verdiensten bleiben beide Versuche an der Oberfläche, das Systemische wird vermieden oder kommt nur gelegentlich zum Vorschein.

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*innen

Nur mal so im Vorbeifahren: Las diesen Satz im Parteiorgan „Frankfurter Rundschau“ über „Rassistische Polizeigewalt“:

„Trotz der Polizeiaktion harrten rund 50 Demonstrierende weiter aus. Sie riefen den Polizist*innen Begriffe wie „Mörder“ zu und forderten sie auf, ihren Dienst zu quittieren.“

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