Ein Brief an den Feind

Es dürfte im Umkreis dieses Blogs ein mehrfaches Interesse an Helmut Lethens neuem Buch „Die Staatsräte“ geben. Das Zeitsujet, die Jahre des Nationalsozialismus und ihre Verwindung, gehören seit je zum engeren Aufmerksamkeitsspektrum, Carl Schmitt, Ernst Jünger oder Gottfried Benn zählen zum spezifischen Kanon, aber es kommt nun ein dritter wesentlicher Punkt hinzu: Lethen, Jahrgang 39, 68er, emeritierter Professor, Literaturwissenschaftler, einst in KPD-Kreisen aktiv und noch immer bekennender Linker, ist mit Caroline Sommerfeld verheiratet, die seit zweieinhalb Jahren einen kometenhaften Aufstieg im Sezessions-Milieu feierte. Das führte zu Verunsicherungen, hüben wie drüben.

Weiterlesen

Advertisements

Nachdenken über Seifenblasen

Auf dem Pécser Széchenyi Tér vor der einstigen Moschee, dem sehenswerten Dzsámi, wie die Ungarn sagen, steht ein Straßenkünstler und formt riesige Seifenblasen. Sie fliegen – man kann das an der Ausrichtung des Gotteshauses kontrollieren – Richtung Mekka. Eine kleine Schar Kinder hat sich eingefunden und hascht nach den Blasen, bringt sie zum Platzen.

Weiterlesen

Weltgeschichtliche Betrachtungen

… auf der Autobahn (Achtung: Pauschalisierungen!)

Wir fahren drei Tage vor Weihnachten mit dem Auto von Südungarn über Wien nach Sachsen. Überall kann man gegenwärtige Weltgeschichte beobachten.

Weiterlesen

Kreativ und selbständig ausführen

Es sind oft die kleinen Details, die uns über einen Menschenschlag aufklären.

Gerade komme ich aus dem Schwimmbad einer kleinen ungarischen Stadt. Es hat den Charme der DDR-Volksschwimmhallen, das Wasser ist zwei, drei Grad zu kalt und an den Rohren bildet sich Rost. Sonntagmittag ist es aber fast leer und man kann ungestört seine Bahnen ziehen.

Weiterlesen

Deutschland? Ein Gerücht!

Geschichte ist wie eine Bremsspur – wir werten Abdrücke aus. Und sie lebt von psychischen und geistigen Trägheitsmomenten. Schweife oder Nachbilder – um noch weitere Kopfkinobilder anzubieten – machen oft nach Jahren oder Jahrzehnten noch Eindruck, wenn das eigentliche Objekt des Staunens, das man zum Zeitpunkt seines rasanten Erscheinens vielleicht nicht mal wahrgenommen oder mittlerweile doch vergessen hatte, schon lange nicht mehr existiert.

So beschenken uns unsere Medien gerade mit Merkel-Nachbildern.

Weiterlesen

Demokratiedefizite

Ein wichtiges Buch: „Die Zukunft der Demokratie

Acht bedeutende Denker, vier allgemein gehaltene und vier spezifische, an einem Beispiel exemplifizierende Beiträge erwarten den Leser. Die Lage ist ernst, die Stimmung kritisch, das Argumentationsniveau hoch.

Weiterlesen

Für ein neues Oblomowtum

Geschichte und Philosophie der Faulheit Teil 2

Für ein neues Oblomowtum PDF

„… without jeopardizing the essential, which is that there should be a class of men and woman of whom nothing is required – not even to justify their existence; for, in the eyes of the most of their contemporaries, many of the greatest benefactors of humanity, most of the great artists and thinkers, most, no doubt, of the nameless civilizers, have not justified theirs. Generally, their age could not appreciate their service; and only the existence of a leisured class, to which they belonged or in which they found patrons, made it possible for them to exist. Wherefore the existence of a leisured class, absolutely independent and without obligations is the prime condition, not of civilization only, but of any sort of decent society.” (Clive Bell)

Mit der Hauptfigur seines 1859 erschienen Romans „Oblomow“ schuf I. A. Gontscharow einen literarischen Typus, dessen Lebenseinstellung sprichwörtlich wurde. War das Buch einst als Mittelteil einer Romantrilogie gedacht, die mit den in fast zehnjährigem Abstand geschaffenen Romanen „Eine alltägliche Geschichte“ (1847) und „Die Schlucht“ (1869) komplettiert wurde, so blieb nur der „Oblomow“ im Langzeitgedächtnis des weltliterarischen Publikums haften, ist doch einzig hier ein Dichter an die Öffentlichkeit getreten, der mehr als Begabung nachweisen konnte.

Weiterlesen