Ramadan als Wehrübung

Gerade begehen Millionen unserer Mitmenschen den Ramadan. Mittlerweile wird das in der Presse gefeiert, mittlerweile klären die Medien flächendeckend auf, mittlerweile wünschen staatliche Stellen einen „Gesegneten Ramadan“, mittlerweile haben wir uns an den Mundgeruch in der Straßenbahn gewöhnt – als Ausdruck des Rechtes auf freie Religionsausübung.

Alle Religionen kennen Fastenzeiten und asketische Exerzitien. Wenn man den Begriff der Religion – religio: Rückbindung – aber modifiziert oder ihn durch einen anderen ersetzt, dann werden neue Perspektiven sichtbar, dann wird auch verständlich, weshalb der Islam – die theologisch wohl schwächste aller Weltreligionen – eine solche Ausdauer haben konnte und weshalb er gerade jetzt, verbunden mit einer demographischen Explosion, sich anschickt, die Welt ein zweites Mal zu erobern.

Der Ramadan ist eine der „fünf Säulen des Islam“:

  1. Das Glaubensbekenntnis, die Schahada
  2. Das fünfmalige tägliche Gebet
  3. Das einmonatige Fasten während des Ramadans
  4. Die Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka
  5. Der Zakad, die Spende an die Bedürftigen

Peter Sloterdijk hatte in seinem fulminanten Großessay „Du mußt dein Leben ändern“, den umstürzenden Gedanken geäußert, den Begriff der Religion abzulegen. Es gibt keine Religionen, „es gibt nur mehr oder weniger ausbreitungsfähige oder mehr oder weniger ausbreitungswürdige Übungssysteme.“ … „Das wirklich Wiederkehrende, das alle intellektuelle Aufmerksamkeit verdient, hat eher eine anthropologische als eine ,religiöse‘ Spitze.“ Darüber hinaus sei der Begriff kulturimperialistisch, da er nur im Westen verstanden würde und Hindus und Buddhisten schon Jahrhunderte zuvor „Religion“ ausübten, ohne diesen Begriff zu benötigen, der ihnen erst durch „Religionswissenschaftler“ aufgedrängt wurde.

Mohammeds Genie liegt in der Vorwegnahme dieses Gedankens und in der Installation eines entsprechenden Regulariums. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt die fünf Säulen des Islam – andere Pflichten, wie der kleine und der große Djihad, die Koranlektüre, das Auswendiglernen … kommen hinzu –, so erkennen wir ein ausgeklügeltes Hochintensivtrainingsprogramm. Bis auf die Schahada, die theoretisch nur ein Mal, bei der Annahme der Religion, gesprochen werden muß, die in der Realität aber tagtäglicher innerer Begleiter der meisten Muslime ist – etwa beim Bismillah vor jeder Mahlzeit, vor dem Geschlechtsverkehr etc. –, bis auf die Schahada also und die Hadsch, handelt es sich um Permanenzübungen.

Vor allem das Gebet entfaltet eine enorme Macht. Alle drei Stunden circa ist der Muslim angehalten innezuhalten, sich aus der realen in die spirituelle Welt zu begeben, eine „Vertikalspannung“ zu seinem Gott aufzubauen, und dabei immer wieder die gleichen Formeln zu beten und sich mindestens 17 Mal vor dem Gott in den Staub zu werfen. Die psychomotorische Ausrichtung eines Hirns, das sich diesem Exerzitium unterwirft, ist sehr wahrscheinlich. Der physische Akt des Niederwerfens – hier erkennt man, daß Mohammed ein kluger Intuitivpsychologe war – verbindet beide Ebenen und vertieft die geistige Gravur durch körperliche Repetition. Heute ist das neuester Stand der Wissenschaft, heute nutzt man das Verfahren im Profisport, bei Rehabilitation oder bei der Gehirnwäsche.

Die Hadsch war einst ein enormer Kraftakt. Sich in einen Jet zu setzen, in Mekka zu landen, sich ein Tuch umzuwerfen, ein Selfie zu machen, dieses bei Instagramm einstellen und zwei Tage später schon wieder im Trainingslager der Nationalmannschaft zu sein, dürfte an der Paradiespforte eher wenig goutiert werden. Die Hadsch war als asketisches Exerzitium gedacht, als Leidenszeit, als Zeit des Selbstrisikos. Wer einmal durch die Wüste zog, um die Kaaba zu umrunden, und dabei Hitze und Entbehrung erleiden mußte, den Tod riskierte oder den Überfall durch marodierende Banden, die gnadenlose Sonne ertrug … für den ist die Ankunft, ist das Gemeinschaftserlebnis, ist das Erreichen des Ziels wie eine Offenbarung. Man muß als moderner Mensch schon Reinhold Messner lauschen, um eine Ahnung davon zu bekommen.

Selbst der Zakad ist als Übung zu beschreiben. Es geht darum, 2,5 bis 10 Prozent seines Einkommens an die Armen abzugeben. Die christlichen Konfessionen kennen das als Zehnt oder Kollekte. Aber das Opfer, die Spende, das Almosen ist seit je ein stark wirkendes Gottes-Aphrodisiakum, eine Wohlfühlmaschine und eine Verbindung zum Transzendenten. Wird sie regelmäßig eingeübt, entfaltet sie ihre abhängig machende Glückswirkung.

Unter diesen Vorzeichen ist die Funktion des Ramadan evident. Sein jährlicher Wiederholungscharakter zeichnet ihn als Exerzitium par excellence aus. Der Hadsch vergleichbar, konnte Mohammed nicht ahnen, daß seine Jünger einst in allen Weltteilen sich umtreiben, bzw. war es Mohammed nicht bewußt gewesen, wie groß die Welt eigentlich ist. Es gibt Indizien dafür, daß er vom Scheibencharakter der Erde und damit ihrer Endlichkeit, überzeugt war. Seine Religion ist eine Wüstenreligion, seine Welt reichte bis an den Rand der Dürre, bis an die Berge, er konnte also nicht ahnen, daß es für einen Muslim in Norwegen Probleme geben könnte, die Mekkawanderung zu leisten oder den Ramadan ohne Kompromisse zu überleben. Man hätte von Al Alim, dem Allwissenden, möglicherweise eine konkrete Anweisung für diesen Fall erwarten können …

Auf der arabischen Halbinsel teilen sich Tag und Nacht in schöner Gleichmäßigkeit von ca. 12 Stunden (± zwei) die Zeit, sommers wie winters. Trotzdem ist der Übungserfolg bedeutend. Es ist eine 30-malige Übung zur Abwehr des Zweifels, eine Überwindung des inneren Schweinehundes (pardon), ein zwar überschaubares Leid, durch seine Wiederholung aber ein sehr wirksames. Zudem führen die Intensivierung des Gebets, die größere Offenheit für Spiritualität während des Fastens, die Freude über die Überwindung zu einer gefühlten Gottesnähe, das täglich gemeinsame Fastenbrechen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Umma, die Distinktion zwischen „Wir“ und „die anderen“, zwischen mumin und kuffar, und damit die Sicherheit des Dazugehörens.

Vermutlich ist der Islam das am meisten durchorganisierte – man kann von Psychodesign sprechen – „religiöse“ System. Seine Anhänger sind – das muß die Intention des Gründers gewesen sein – mehr oder weniger durchtrainierte potentielle Glaubenssoldaten. Lediglich der Buddhismus kennt in einigen Spielarten ein ähnlich starkes Training, die Meditation, deren Energie freilich komplett nach innen geleitet wird, wohingegen der Islam eine extrovertierte Religion darstellt. Seine hohe Repetitivität verleiht ihm seine Macht, die er seit 1400 Jahren, trotz weitgehend kultureller Rückständigkeit, beeindruckend unter Beweis stellt. Wer all diese Entbehrungen auf sich genommen hat, für den ist es mit jedem Male schwerer, den zurückgelegten Weg kritisch zu betrachten. Es wäre dann alles umsonst gewesen …

In diesem Sinne: Gesegneter Ramadan!

Pierre Vogel: „Der Ramadan ist ein Trainingslager, eine Schule für dich.“

Siehe auch: Allahu Akbar – eine Klarstellung

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Pál Telekis historische Tat

„At the Conference table we shall place a chair for Count Paul Teleki. That empty chair will remind all who are there that the Hungarian nation had a Prime Minister who sacrificed himself for that very truth for which we too are fighting.“ Churchill

Vielleicht kann man Geschichte mit einem beweglichen Knoten vergleichen, der sich anhand des Zeitstrahls fortbewegt, in sich verschiedene Stränge vereint und immer neue aufnimmt, aber auch jederzeit geöffnet werden kann. Jeder historische Augenblick vereint dialektisch alle drei Elemente – Verstrickung, Bewegung, Lösung – in sich, aber es gibt Zeitpunkte, in denen ein Element für das Auge des historischen Betrachters dominant und sichtbar wird. Dort kann man viel über Geschichte lernen, über den Kairos und die Folgen, wenn er verpaßt wird, aber selbstverständlich auch über die Unmöglichkeit Geschichte im je eigenen Sinne erfolgreich schreiben zu können.

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Warum der Osten?

„Die Identität von Subjekten läßt sich also deswegen vollständig nur über deren Geschichten vergegenwärtigen, weil diese Identität in ihrer synchronen Präsenz stets mehr enthält als das, was aus gegenwärtigen Bedingungen verständlich gemacht werden könnte. Anders formuliert: das, was einer ist, verdankt sich nicht der Persistenz seines Willens, es zu sein. Identität ist kein Handlungsresultat. Sie ist das Resultat einer Geschichte, das heißt der Selbsterhaltung und Entwicklung eines Subjekts unter Bedingungen, die sich zur Raison seines jeweiligen Willens zufällig verhalten. Eben deswegen ist das Subjekt im Verhältnis zu der Geschichte, durch die es seine Identität hat, auch nicht deren Handlungssubjekt, sondern lediglich das Referenzsubjekt der Erzählung dieser Geschichte.“ Hermann Lübbe

Warum der Osten? – Das ist eine Frage jener Art, von der Hermann Lübbe nachwies, daß „sie sich nur historisch erklären” lasse. Weil sich in ihr ein Relikt verbirgt, ein scheinbar funktionsloses Überbleibsel, ein Rest aus einer vergangenen Zeit, den das Wort „Widerstand“ recht gut trifft. Denn ernsthafter politischer Widerstand ist eine Seltenheit und eine Sünde in Deutschland geworden.

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Sloterdijk Backstage

Fortsetzung von: Sloterdijk und die Berliner PC-Welt

Nach jeder der drei Gesprächsrunden über die Begriffstrias „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ im November 2018 am Berliner „Volkstheater“, gab es die Gelegenheit, aus dem Publikum heraus Fragen zu stellen. Sloterdijk machte aber keinen Hehl daraus, daß er diesen Teil der Veranstaltung gern kurz gehalten haben möchte. Die Uhr ging auf zehn, in der ersten Reihe saßen Freunde und Bekannte, z.T. Berliner Kunstgrößen, man wollte vermutlich noch irgendwo essen gehen …

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Sloterdijk und die Berliner PC-Welt

Man braucht sich nur drei jüngere Ereignisse ins Gedächtnis rufen, um zu verstehen, warum die namhaftesten Denker sehr vorsichtig geworden sind:

Alain Finkielkraut: Ich kann die Nase nicht mehr herausstrecken

Roger Scruton: Anatomy of a modern hit job

Susanne Schröter: Die Kopftuchdiskussion gehört an die Universität

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Nietzsches Ungarn, Nietzsches Petőfi

Daß Nietzsche sich zu Ende seines schöpferischen Lebens gern als Nachfahre von polnischen Edelleuten ausgab, ist Nietzschelesern wohl bekannt. An der Geschichte ist nach allem Wissen nichts dran und man fand auch keinen genealogischen Grund, weshalb der Überphilosoph diese Selbstbeschreibung wählte.

In einem viel zitierten Brief an Georg Brandes – in Dänemark ist Brandes selbst eine Zentralfigur des geistigen Lebens gewesen –, der als erster eine Vorlesung zu Nietzsches Denken gehalten hatte, was Nietzsche, der Zeit seines Lebens unter der Ignoranz seiner Zeitgenossen litt, euphorisch aufnahm, schrieb er im April 1888: „Meine Vorfahren waren polnische Edelleute (Niëzky); es scheint, daß der Typus gut erhalten ist, trotz dreier deutscher »Mütter«. Im Auslande gelte ich gewöhnlich als Pole; noch diesen Winter einzeichnete mich die Fremdenliste Nizzas comme Polanais. Man sagt mir, daß mein Kopf auf Bildern Matejkos vorkomme.“

Wenige Monate später durften sich seine Leser in „Ecce Homo“, seiner letzten zusammenhängenden Schrift, einer autobiographischen Abhandlung unter der Überschrift „Warum ich so weise bin“ über folgende Zeilen wundern: „Und hiermit berühre ich die Frage der Rasse. Ich bin polnischer Edelmann pur sang, dem auch nicht ein Tröpfchen schlechtes Blut beigemischt ist, am wenigsten deutsches.“

Über die Gründe dieser Maskierung wurde viel spekuliert. Sie auf den „Wahnsinn“ zurückzuführen, überzeugt nicht, denn vergleichbare Äußerungen finden sich in den nachgelassenen Manuskripten bereits seit 1882. Dort, in den Vorstudien zur „Fröhlichen Wissenschaft“ schreibt er, man habe ihn gelehrt, „die Herkunft meines Blutes und Namens auf polnische Edelleute zurückzuführen“[1]. Schon als Knabe, so gesteht er, habe er „keinen geringen Stolz auf diese meine polnische Abkunft“ gehabt.

Man kommt der Wahrheit wohl am nahesten, wenn man den letzten Abschnitt der gedruckten Aussage beachtet: „am wenigsten deutsches“. Dieses „Deutsche“ war aber durchaus ganz konkret gefaßt, denn Nietzsche fuhr fort: „Wenn ich den tiefsten Gegensatz zu mir suche, die unausrechenbare Gemeinheit der Instinkte, so finde ich immer meine Mutter und Schwester – mit solcher canaille mich verwandt zu glauben wäre eine Lästerung auf meine Göttlichkeit.“[2]

Es dürfte sich um einen Distanzierungsakt von Mutter und Schwester handeln, von Biederkeit und von Antisemitismus, der Nietzsches Verhältnis zu Elisabeth, seit sie mit dem Antisemiten Förster liiert war, schwer belastet hatte.

Weit weniger bekannt und erforscht ist Nietzsches Beziehung zu Ungarn im Allgemeinen und zu Sándor Petőfi im Besonderen – die meisten großen Biographien (Kaufmann, Ross, Althaus, Heyman, Halévy, Safranski, Nolte, Bertram sind die mir bekannten) verschweigen diesen Bezug. Die direkten Spuren dieser geistig-seelischen Liaison führen fast alle ans andere Ende von Nietzsches Leben, in die Kinder- und Jugendzeit zurück. Unter den wenigen späteren Referenzen ragt jedoch eine heraus, weil sie uns die obige These noch einmal zu bestätigen scheint. Nietzsche schrieb im Sommer 1883 an seine Schwester.

„Ich gratulire aufrichtig dem Dr. Förster, daß er noch zur rechten Zeit Europa und die Judenfrage hinter sich gelassen hat. Denn wehe eine Partei, welche genötigt ist, nach so kurzem Bestande schon einen solchen Tisza-Prozeß auf ihr Conto zuschreiben! Ja, wenn der verkommenste Adel der Welt, der ungarische, zu einer Partei gehört, da ist Alles verloren.“[3]

Das ist – soweit zu sehen ist – die einzige Erwähnung des Ungarischen mit negativen Konnotationen und es geht um den ungarischen Antisemitismus. Der hatte sich im „Tisza-Prozeß“, der „Affäre von Tiszaeszlár” zu Nietzsches Abscheu deutlich gemacht. Es handelte sich damals um einen Ritualmordprozeß, der durch die internationalen Gazetten gegangen war. Arnold Zweig schrieb darüber ein preisgekröntes Drama[4] und Gyula Krúdy einen Roman[5]. Ein junges Mädchen war verschwunden, schnell waren Ritualmordphantasien unterwegs und selbst als man die Kleine ertrunken fand, wurde die Mär weitergesponnen und politisch mißbraucht. Und da derartige Fälle in Ungarn keine Seltenheit waren, hält sich bis heute das Gerücht des ungarischen Antisemitismus und wird selbst in modernen Reiseführern kolportiert.

Das waren späte Realitäten, Nietzsches frühes Ungarnbild war hingegen stark von Phantasien geprägt. Als 14-jähriger Pfortaner setzte er sich mit Ferenc Liszt auseinander, anfangs ablehnend, später zusehends verehrend, um ihm noch später Schattenlosigkeit vorzuwerfen[6]. Schließlich sollte er ihm sogar seine erste große Veröffentlichung „Die Geburt der Tragödie“ zusenden, die Liszt nach langem Schweigen und zweimaliger Lektüre bewunderte, zugleich aber deutlich machte, daß ihm die Gedankengänge des jungen Philosophen vollkommen fremd und unerreichbar waren[7]. Ganz anders war die Aufnahme bei Liszts illegitimer Tochter Cosima und deren Gatten – aber das ist eine andere Geschichte.

Schon der Jüngling machte sich immer wieder Listen des Gelesenen, zu Lesenden, zu Bearbeitenden, Pläne über eigene Schriften – eine Eigenart, die der Denker sein gesamtes Leben lang beibehielt. Dort stolpern wir früh über den Namen „Zriny“ bzw. „Zryni“[8] Er war ihm wichtig genug, um ihn in einen Entwurf seines Lebenslaufes aufzunehmen. Die Unsicherheit in der Schreibweise deutet schon auf das Element des Exotischen hin. Korrekt geschrieben – zumindest im ungarischen Original – lautete der Name „Zrínyi“. Den Deutschen klingt er vielleicht fremd, den Ungarn ist er heilig. Miklós Zrínyi ist bis heute einer der großen nationalen Helden, wie so oft in der ungarischen Geschichte aber ein Verlierer, ein Märtyrer. Er und seine Mannen waren es, die im Herbst 1566 Europa vor einem erneuten Türkensturm bewahrten. Soliman der Prächtige stand mit riesigem Heer vor der Wasserburg Szigetvár, westlich von Pécs – sie war die letzte Festung, wäre sie gefallen, dann wäre dem Osmanen Europa bis Wien ausgeliefert gewesen. Die Feste fiel am Ende auch und ihr finaler Akt war das tapfere Selbstopfer Zrínyis und 500 seiner letzten Getreuen, aber die Verluste der Türken waren enorm und unter der Belagerung starb Soliman an Altersschwäche – ein historischer Zufall, der dem Christentum zuhilfe kam – die Türken zogen sich danach nach Istanbul zurück: das Osmanische Reich hatte mit diesem Sultan seinen Höhepunkt überschritten, die meisten Ungarn litten dennoch noch 120 Jahre unter ihrer Herrschaft.

Nietzsche nahm regen Anteil an dieser Schlacht und zwar in Form eines Dramas von Theodor Körner. Das also bedeuteten die Eintragungen: „Zriny. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen von 1812“. Die Freunde schrieben sich Briefe darüber, man war offenbar in regem Austausch. Es ist tatsächlich ein Stück, an dem blasse Gymnasiasten entbrennen können[9] – es sollte besser ein „Heldenstück“ genannt werden. Seine Botschaft ist die Tapferkeit, die Standhaftigkeit, die Ehre und die Bereitschaft zum Opfer, es ist eine ergreifende Opferorgie. Am Ende sind alle bereit, Freunde, Frau, Tochter und alle, sich der Sache zu hinzugeben. Zrínyi reitet den letzten legendären Ausbruch, die Tochter wählt lieber den Stahl des Geliebten als die Schändung durch die Türken und die Mutter wirft die Fackel in den Munitionskeller. Und dieses fanatische Heldentum – das man Körner, der sich wenige Monate später im Krieg opferte, auch menschlich abnahm – wurde vom Dichter der ungarischen Seele zugeordnet. Zeilen wie diese:

Sag‘ deinem Großherrn, einem Ungarn sei
Die Ehre mehr als eine Königskrone“
Oder:


„Der Ungar stirbt am liebsten bei dem Ungar,
Von seines Volkes Helden angeführt.“
Oder:


„… wir müssen sterben;
Denn an Ergebung denkt der Ungar nicht,
Der seinen Kaiser liebt und seine Ehre.“

… und viele andere mögen den Knaben schwer beeindruckt und sich tief in die Seele eingegraben haben. Das Bild des Ungarn – wie übrigens auch des Polen (und Serben) als permanenter Freiheitskämpfer – war eingeprägt. Instinktiv trifft er mit seinen Affinitäten eine langbewährte historische Tatsache: die emotionale und historische Nähe beider Völker, die sich bis in die aktuelle Politik des Jahres 2020 fortsetzt.

Auch Lenau steht auf selbiger Liste – dessen Ungarngedichte dürften ebenfalls ein frühes Bild vom fernen Land im Geiste des Eleven evoziert haben.

Es wundert daher nicht, daß der kleine Fritz, als er mit verschiedenen Identitäten und Namen experimentierte, neben einer lateinischen (Freodaricus Niotazius) und polnischen (Fridrisk Nietsky – hier haben wir also die eigentliche Wurzel des späteren Polentums) auch damit spielte, eine magyarische Identität anzunehmen: Imre Szégéni.

Der letzte Name sticht heraus – denn er kokettiert nicht mit dem eigenen – und scheint rätselhaft. Immerhin fällt die Nähe zum ungarischen Wort „szegény“ auf und das heißt „arm“, kann aber auch substantivisch genutzt werden. Imre aber ist die magyarisierte Form von Emmerich und wenn man weiß, daß der Jüngling sich mehrere Jahre mit der Ermanarich-Sage und der Geschichte des legendären Gotenkönigs beschäftigt hat, dann wird wohl auch dieser Name erklärbar. Es finden sich dazu im Nachlaß historische Versuche, eine längere Dichtung und eine Komposition. Er hatte intensiv über mehrere Jahre mit diesem Thema gerungen.

Liest man heute die Arbeiten des 16-jährigen, dann ist man ergriffen von der geistigen Reife. Er legte sich selbst Rechenschaft über sein Schaffen ab und in einem Text, überschrieben mit „Meine literarische Thätigkeit, sodann meine musikalische 1862“, lesen wir über seine Arbeit an einer Ermanarichsymphonie: „Trotzdem schwankte ich noch, wie ich das Produkt taufen sollte, ob ,Ermanarichsymphonie‘ oder ,Serbia‘, da ich den Plan hatte, ähnlich wie in der ,Hungaria‘ Liszt’s geschehen, die Gefühlswelt eines slawischen Volkes in einer Composition zu umfassen.“[10] Dort finden wir auch den lakonischen Eintrag: „Petőfi kennen gelernt.“[11] Diese wichtige Bekanntschaft war offenbar eine Notiz in der Jahresendabrechnung wert.

Wir dürfen den Zeilen eine gewisse romantische Vorstellung über Völkerpsychologie entnehmen, mit Unwissen gepaart. Alles Wilde, Südliche schien den Jüngling zu begeistern und im Furor rechnet er die Ungarn sogar den Slawen zu. Diese Differenzierungen waren offensichtlich nicht bedeutsam, aber die Stimmung, die Seele war es sehr wohl. Das deutsche Publikum frönte ohnehin einer gewissen „Alföld-Romantik“[12]. Er schreibt auch: „Allerdings, es sind keine Goten, keine Deutschen, die ich gezeichnet, es sind – ich wage es zu behaupten – Ungargestalten; der Stoff ist aus der germanischen Welt in die ungarischen Pußten, in die ungarischen Gluthseelen getragen. Und das ist der Hauptfehler des Ganzen.“ Der Fehler – das sah er wohl – war ein künstlerischer. Immer wieder ist von „ungarischer Gluth und Kraft“ oder von „ungarischer Wildheit“ die Rede[13].

Dabei kommt das Ungarische als Interpretationsform des „Ermanarich“ erst später hinzu. Das lag – nachdem Körner die Saat gelegt hatte – an der Entdeckung der ungarischen Dichtung in Form der Gedichte Petőfis.

Seit 1849 gab es deutsche Übersetzungen – Nietzsche hatte nachweislich zwei verschiedene Arbeiten besessen[14] und war sofort Feuer und Flamme, auch wenn die Übertragungen schwach und entstellend waren. 1864 entstehen in den dunklen November- und Dezembernächten vier oder fünf Petőfi-Vertonungen – ein Gedicht läßt sich nur schwierig zurechnen –, nebst anderen Liedern, die Nietzsche in zwei Hefte eintrug. Gemeinsam mit den Jugendfreunden Gustav Krug und Wilhelm Pinder hatte er einen Selbstbildungsverein „Germania“ gegründet, in dem sich die Teilnehmer gegenseitig mit eigenen literarischen und musikalischen Schöpfungen erquickten und herausforderten.

Petőfi sprach ihn zwiefach an. Zum einen war da das historische Bild des Freiheitskämpfers, der sich tapfer – wie Zrínyi – in die Schlacht warf und sein Leben ließ. Es gibt Gründe anzunehmen, daß der Tod Petőfis weit weniger heroisch war. Die Russen hatten die Reihen überrannt, wer ein Pferd hatte, floh Hals über Kopf, Petőfi hatte keines und rannte zu Fuß in ein Maisfeld, wurde dort aufgestöbert und schließlich von hinten auf der Flucht niedergemacht und ob seines exotischen Seidenhemdes auch noch gefleddert. Danach landete sein Leichnam – wenn man der Erzählung des Oberst Heydte, eines Zeugen des Geschehens – beritten – Glauben schenken darf[15], in einem nicht gekennzeichneten Massengrab. Das konnte der junge Nietzsche nicht wissen und hätte es wohl auch nicht wissen wollen. Immerhin zeugen eine ganze Reihe von Gedichten des ungarischen Nationaldichters – wie wir gesehen haben – von Zrínyischer Verwegenheit und das mußte junge Pennäler in der Mitte des 19. Jahrhunderts zweifellos ansprechen.

Daneben ist es aber vor allem Petőfis depressiver Zug, der im jungen Nietzsche Widerhall fand. Unter seinen Vertonungen finden sich mehrere Gedichte des Ungarn – sie alle teilen einen Ton der Schwere und der Tristesse[16]. Es fällt auch unter seinen Liedern die Häufigkeit ungarischer Titel und Inspirationen auf. Es gibt „Ungarische Skizzen“[17], einen „Zigeunermarsch“, einen „Ungarischen Marsch“, „Ein alter Ungar“[18], ein „Im Mondschein auf der Puszta“ oder ein „Aus der Csarda“[19] und sogar einen ungarischen Titel „Edes Titok“[20] (Süßes Geheimnis)[21] – sie alle – sofern erhalten[22] – strahlen eine gewisse Energie aus, aber die Petőfi-Lieder sind an Traurigkeit kaum zu überbieten:

Verwelkt[23]

Du warst ja meine einz’ge Blume,
verwelkt bist du — kahl ist mein Leben.
Du warst für mich die strahlende Sonne,
du schiedst — ich bin von Nacht umgeben.
Warst meiner Seele leichteste Schwinge,
du brachst — ich kann nun nimmer fliegen.
Du warst die Wärme meines Blutes,
du flohst — ich muß dem Frost erliegen.

Unendlich[24]

… Stehe sinnend hier am Bache
Bei den stillen Trauerweiden
Passend ist für mich die Stätte
Der ich voll von Leiden!
Schaue niederhangen diese
Zweige hier in Ringen
Und sie gleichen meiner Seele
Fluggelähmten Schwingen! …

Ständchen[25]

Es gießt der Regen stark im Ort,
Die Nachtigall singt trotzdem fort,
Und wer da hört ihr trübes Lied,
Dem wird das Herz so schwer und müd‘!…

Nachspiel[26]

Ich möchte lassen diese glanzumspielte Welt,
In der mich Lust und Wehe rings umsponnen hält,
Und möchte fortziehn, fort von den Menschen weit
In eine wilde, schöne Waldeinsamkeit
Dort würde ich dem Laubgeflüster lauschen
Und horchen auf des hellen Bächleins Rauschen
Und auf der Vögel Sang,
Sehen der Sonne Untergang –
Und endlich selber mit ihr untergehen.

Die Nietzsche-Philologie stand freilich vor einem Problem, denn einige der Lieder, die Nietzsche Petőfi zuschrieb, waren bei ihm nicht zu finden und auch in den deutschen Petőfi-Ausgaben der Zeit nicht. Das betrifft das Lied „Es winkt und neigt sich“ und teilweise auch das „Nachspiel“. Es ist also anzunehmen, daß Nietzsche selbst Nachdichtungen anfertigte, selbstredend nicht aus dem Ungarischen, sondern er versuchte Verbesserungen, die auch mit den Zwängen der Vertonung zusammenhängen könnten. Es ist insofern signifikant, als wir hier ein Beispiel vor uns sehen, wo Nietzsche in den Dichttext des verehrten Petőfi aktiv eingreift, wo also beider Worte zu einem Ganzen verschmelzen – ein Prinzip, das im Zarathustra evtl. Wiederholung fand.

(Ich höre Nietzsches Kompositionen und Lieder nun seit vielen Jahren – sie berühren mich tief. Aber immer, wenn ich jemanden vom Fach dazu befragte, wie sie musikalisch einzuordnen, ob sie originell seien, bekam ich zur Antwort, daß man es mit künstlerischer Mangelware zu tun habe. Nietzsche selbst hatte seine Manfred-Meditation einst zur Begutachtung an Hans von Bülow geschickt und bekam als Antwort: „Ihre Manfred-Meditation ist das Extremste von phantastischer Extravaganz, das Unerquicklichste und Antimusikalischste, was mir seit lange auf Notenpapier zu Gesicht gekommen ist. Mehrmals musste ich mich fragen: Ist das Ganze ein Scherz, haben Sie vielleicht eine Parodie der Zukunftsmusik beabsichtigt? Ist es mit Bewußtsein, daß Sie alle Regeln der Tonverbindung, von der höheren Syntax bis zur gewöhnlichen Rechtschreibung ununterbrochen Hohn sprechen? Abgesehen vom psychologischen Interesse – denn in Ihrem musikalischen Fieberprodukte ist ein ungewöhnlicher, bei aller Verwirrung distinguierter Geist zu spüren – hat Ihre Meditation vom musikalischen Standpunkte aus nur den Werth eines Verbrechens in der moralischen Welt“[27] Nietzsche bedankte sich nach einer Weile brav und völlig unnietzschisch und ließ seither das Komponieren bleiben – um sich gänzlich der Philosophie zu widmen.

Dennoch: mich überzeugen die meisten seiner musikalischen Arbeiten durch ihre innere Kraft und Emotionalität – man kommt in ihnen, will mir scheinen, dem Menschen Nietzsche so nah wie selten. Gerade die Manfred-Meditation oder der „Hymnus an die Freundschaft“, der „Hymnus an das Leben“ oder „Eine Sylvesternacht“, also die etwas längeren Stücke, empfinde ich als mitreißend. Die Vorstellung, Nietzsche mit brennenden Augen übers Klavier gebeugt zu sehen und diese emotionalen Melodien in die Tasten zu hauen, bringt mich ihm menschlich nahe – oder erzeugt doch zumindest diese Illusion.)

Nietzsche schien im Ungarischen im Allgemeinen und in Petőfi im Besonderen zwei Dinge gefunden, zwei Bedürfnisse befriedigt zu haben und beide finden sich auch in seiner Philosophie wieder. Da ist zum einen das überwältigend Starke, die Kraft, der Wille zur Macht und die Bereitschaft zum Untergang im Kampf und Ringen, was sich gleichzeitig als Lebenslust, als Freude, als Affirmation manifestiert und da ist zum anderen der gleiche Wille zum Leid aus dem die Gedanken des Amor Fati und der Ewigen Wiederkehr des Gleichen geschöpft werden. Gerade in Petőfis trüberen Versen findet er das Bewußtsein, Singularität zu sein. Nietzsche wurde nicht Pessimist, weil er Petőfi gelesen hatte, sondern er las Petőfi – und später Schopenhauer –, weil dieser seinen frühen Pessimismus befriedigte.[28]

Wenn diese Überlegungen standhalten, dann könnte man die Rolle Petőfis in Nietzsches Werk und Denken neu bewerten. Es stimmt: nach den frühen Jahren verschwindet er fast vollständig aus den Schriften, auch das Ungarische wird zur Seltenheit – er lernt etwa einen Übersetzer Petőfis kennen und teilt das seinen Freunden stolz mit[29] oder aber er freut sich über eine erste Rezension seiner Werke „in einem ungarischen Winkelblatt“[30] –, dennoch sind Sprache und Bildlichkeit Petőfis präsent und oft läßt sich eine Geistesschuld gerade durch Verschweigen aufzeigen.  

Den Schlüssel dafür bot Joachim Köhler in seiner umstrittenen Schrift[31]Zarathustras Geheimnis“. Petőfi kommt bei der Aufklärung der Anamnese des Denkens Nietzsches – Köhler interpretiert es als Krankenakte – eine bedeutende Rolle zu. Schon der Knabe wurde demnach von der „Todeserotik“ des Ungarn fasziniert[32]. Einige seiner Bilder habe Nietzsche tief verinnerlicht und im „Zarathustra“ – bewußt oder unbewußt – reaktualisiert. So trage Petőfis Gedicht „Világosságot“ (was Köhler sehr frei mit „Licht, mehr Licht“ übersetzt) präzarathustrische Züge:

Jedoch sind wir nicht bloß vergleichbar …
Dem Wanderer, der auf Berge klimmt
Und steht am Gipfel er, dann wieder
Den Rückweg nimmt
Hernieder?
Und ewig daure dieser Lauf
Hinauf, hinab, hinab, hinauf?
Um sich in Irrsinn zu versenken! …

Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Zeilen tatsächlich sehr nach Nietzsche klingen – sie beschreiben nicht nur „die Sinnlosigkeit, ewig“, einen typischen Fatalismus, sie umfassen auch den Zentralgedanken der „Ewigen Wiederkehr des Gleichen“ und sie passen sogar im Duktus sehr gut zu vielen Gedichten Nietzsches oder zur Sprechweise Zarathustras. Gut denkbar, daß Nietzsche bei Petőfi – trotz mangelhafter Übersetzungen – Stilübungen vorgefunden hatte. Das poetische Genie hatte er gegen die Mangelübertragung zweifelsohne erkannt.

Wen nie im Bogen
Gedanken noch umflogen
Wie diese, ach wie die,
Der fror noch nie;
Was Kälte ist, der weiß es nicht …

Auch Nietzsche-Experten, legte man ihnen diese Zeilen etwa als Archivfunde vor, würden sie wohl als Werk Nietzsches anerkennen – aber es ist Petőfi.

In Nietzsches Nachlaßäußerung „in fernsten und kältesten Gedanken umgehend, wie ein Gespenst auf Winterdächern, zur Zeit, wo der Mond sich in den Schein legt“[33] will Köhler Petőfis Kältebild wiedererkennen. 

Noch ein Bild macht Köhler im Zarathustra ausfindig, das jedoch eher seine Arbeitsweise in Frage stellt. In Zarathustras Satz[34]:

„Ach! Ach! Der Hund heult, der Mond scheint. Lieber will ich sterben, sterben, als euch sagen, was mein Mitternachts-Herz eben denkt.“

Meint er ebenfalls eine Reminiszenz an  Petőfis Vers erkennen zu können[35].

Wesentlich interessanter und auch bedeutender ist der Versuch, das bekannte Motiv der Schlange, die dem Schlafenden in den Rachen kriecht, auf Petőfi zurückzuführen. Am Ende seines Gedichtes „Világosságot“ entwirft Petőfi folgende Szenerie:

Mit solcherlei Gedanken ist verglichen
Die Schlange warmer Sonnenstrahl,
Die eisgleich kommt geschlichen
Uns über’n Busen, glitzernd, fahl
Und bluterfrierend weiter schleicht
Den Hals hinan, bis sie erreicht
Den Mund,
Und uns den Atem dann erstickt im Schlund.

Das Wort „Schlund“ findet sich in der berühmten Szene in „Vom Gesicht und Rätsel“ im dritten Teil des Zarathustra mehrfach, etwa:

„Sah ich je so viel Ekel und bleiches Grauen auf einem Antlitze? Er hatte wohl geschlafen? Da kroch ihm die Schlange in den Schlund – da biß sie sich fest.“

Köhler meinte nun[36], Wort und Bild habe Nietzsche einst von Petőfi gelernt, der Gedanke habe ihn nie wieder verlassen und fand schließlich in Nietzsches Hauptwerk seine Wiedergeburt. Auch wenn die Parallelen zwischen den Zeilen Petőfis und Nietzsches frappierend sind, kann die Zusammenführung nicht mehr als den Status einer Hypothese beanspruchen, denn auch das Bild der in den Hals kriechenden Schlange ist nicht originell – es verbindet zwei Urängste des Menschen.

Man muß nicht so weit gehen – wie das magyarischer Überschwang über die Entdeckung der Beziehung Nietzsche-Petőfi tat[37] – und den Dichter gleich zum philosophischen Lehrer Nietzsches machen, aber gänzlich absurd ist Köhlers Idee nicht – es ist möglich, daß eines der Schlüsselbilder in Nietzsches Zarathustra Petőfi zu verdanken ist, es ist möglich, daß der ungarische Nationaldichter für den deutschen Ausnahmedenker wichtiger war, als bislang angenommen.

Literatur:
Nietzsche: Kritische Studienausgabe KSA. 15 Bände München 1988
Nietzsche: Kritische Studienausgabe Briefe 8 Bände. München 1986
Nietzsche: Jugendschriften 5 Bände. München 1994
Petőfi, Sándor: Összes Költeményei. 2 Bände, Budapest 1959
Ábela Barabás: Petőfiánus Nietzsche. In: NIETZSCHE-TÁR. Szemelvények a magyar Nietzsche-irodalomból 1956-ig. Budapest 1956
Kai Agthe: Über Friedrich Nietzsches Verhältnis zu Franz Liszt. In: Das Blättchen. 14. Jahrgang. Nr. 25. 2011
Gyula Illyés: Petőfi. Ein Lebensbild. Berlin (Ost) 1971
Joachim Köhler: Zarathustras Geheimnis. Friedrich Nietzsche und seine verschlüsselte Botschaft. Hamburg 1992
Theodor Körner: Zriny. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen (1812). In: Körners Werke. Berlin o.J.
Gyula Kornis: Nietzsche és Petőfi. Budapest 1942

Béla Lengyel: Nietzsches Image von Ungarn. In: Hungarian Studies 2, No. 2, Budapest 1986, S. 243-265
Ernö Lengyel: Nietzsche magyar utókora. In: Minerva XVII évfolyám, Pécs 1938, S. 49 – 95
Martin Lorenz: Musik und Nihilismus: Zur Relation von Kunst und Erkennen in der Philosophie Nietzsches. Würzburg 2008
Cornelia Witthoefft: Einführender Kommentar zu den auf der Doppel-CD »Sie hätte singen sollen, diese Seele…« Friedrich Nietzsches Denken und Musik1eingespielten Kompositionen Friedrich Nietzsches Zugleich eine Anleitung zum Hören nach Nietzsche. 2012 https://www.derblauereiter.de/fileadmin/user_upload/pdfs/Verlag/Hoerbuecher/Nietzsche-CD/Einfuehrung.pdf

[1] KSA 9, 681 „Man hat mich gelehrt, die Herkunft meines Blutes und Namens auf polnische Edelleute zurückzuführen, welche Niëtzky hießen und etwa vor hundert Jahren ihre Heimat und ihren Adel aufgaben, unerträglichen religiösen Bedrückungen endlich weichend: es waren nämlich Protestanten. Ich will nicht leugnen, daß ich als Knabe keinen geringen Stolz auf diese meine polnische Abkunft hatte: was von deutschem Blute in mir ist, rührt einzig von meiner Mutter, aus der Familie Oehler, und von der Mutter meines Vaters, aus der Familie Krause, her, und es wollte mir scheinen, als sei ich in allem Wesentlichen trotzdem Pole geblieben. Daß mein Äußeres bis jetzt den polnischen Typus trägt, ist mir oft genug bestätigt worden; im Auslande, wie in der Schweiz und in Italien, hat man mich oft als Polen angeredet; in Sorrent, wo ich einen Winter verweilte, hieß ich bei der Bevölkerung il Polacco; und namentlich bei einem Sommeraufenthalt in Marienbad wurde ich mehrmals in auffallender Weise an meine polnische Natur erinnert: Polen kamen auf mich zu, mich polnisch begrüßend und mit einem ihrer Bekannten verwechselnd, und Einer, vor dem ich alles Polenthum ableugnete und welchem ich mich als Schweizer vorstellte, sah mich traurig längere Zeit an und sagte endlich ‚es ist noch die alte Rasse, aber das Herz hat sich Gott weiß wohin gewendet.‘“
[2] KSA 6, 268
[3] KSA Briefe 6, 415
[4] Für „Ritualmord in Ungarn. Eine jüdische Tragödie“ (1913) erhielt er 1915 den Kleist-Preis. Eine spätere Bearbeitung ist unter dem Titel „Die Sendung Semaels“ (1918) in der Werkausgabe erschienen. In ihm kann man sehr gut die selbstimmunisierende Logik des habituellen Antisemitismus studieren.
[5] “A tiszaeszlári Solymosi Eszter”
[6] „Liszt, der Repräsentant aller Musiker, kein Musiker: der Fürst, nicht der Staatsmann. Hundert Musiker-Seelen zusammen, aber nicht genug eigene Person, um eignen Schatten zu haben. Wenn man eine eigene leibhafte Persönlichkeit haben will, so muss man sich nicht sträuben, auch einen Schatten zu haben.“ (KSA 8, 511)
[7] Siehe Lengyel, S. 248
[8] z.B. Jugendschriften 1, S. 265 u. 446
[9] Nietzsche hatte Körner bereits mit 14 Jahren gelesen und ihm 1858 ein Gedicht gewidmet: „Jugendlicher Held, dir soll mein Lied erschallen/Will im Geist zu deiner Grabesstätte wallen./Wie die Eiche strebend auf gen Himmel/Standest fest und kühn du im Getümmel. …“
[10] Jugendschriften 2, S. 103. Zuvor hatte er in seiner historischen Skizze zum Ermanarich noch festgestellt: „Die Sage von Ermanarich ist echt deutsch und durch die Personen, die darin auftreten, und durch die Oertlichkeit an Deutschland gebunden.“ (Jugendschriften 1, S. 297)
[11] Jugendschriften II, S. 100
[12] Siehe: Ernö Lengyel: Nietzsche magyar utókora, S. 50
[13] Damit schließt sich Nietzsche dem klassischen Klischee vom Ungarn an, wie es etwa Karl Beck – Dichter des Liedes „An der schönen blauen Donau“ und allgemein bekannt –  in Verse gegossen hatte: „Bei Gott , ich bin ein echt Magyarenkind!/ Gott, daß Niemand mehr mich kennen will!/ Mein Blut erbraust, wie jäher Wirbelwind,/ Mein Sinn ist trotzig, ist nicht deutsch und still.“ Nietzsche hatte von ihm ein Gedicht transkribiert mit dem Titel: „Magyarenschenke“ (Jugendschriften III, S. 457). Wie tief das Bild vom wilden Ungarn verinnerlicht war, zeigen auch Notizen zu seinen „Ungarischen Skizzen“, wo er die Titel mit Beschreibungen oder Plänen ergänzt: „Nachts auf der Haide Hoihü! Durch die Haid. In der Szarda. Schenk ein, schenk ein …“ (Jugendschriften III, 73)
[14] „In der Bibliothek Nietzsches in Weimar ist das Heftchen Alexander Petőfi‘s Dichtungen. Nach dem Ungrischen, in eigenen wie fremden Übersetzungen gesammelt von K.M.Kertbeny. Berlin o.J. (1860) Verlag Hofmann & Comp. mit der Einleitung Kertbenys über Petőfi zu finden. Aus der Einleitung Kertbenys – einem Jugendfreund Petőfis und Jókais – konnte Nietzsche nicht nur Petőfis Persönlichkeit und Dichtung kennenlernen, sondern auch über andere ungarische Klassiker (Vörösmarty, Arany usw.) ein skizzenhaftes Bild erhalten“ (Béla Lengyel: Nietzsches Image von Ungarn. In: Hungarian Studies 2, No. 2 S. 251)
[15] Vgl: Illyés. S. 420 ff.
[16] Zur musikalischen Einordnung siehe: Lorenz: Musik und Nihilismus. S. 30 – 50
[17] In der Chronik der „Germania“ werden sie im April 1862 von Gustav Krug akribisch verbucht: „Die Lieferungen für Februar bestanden in der schon erwähnten Abhandlung Pinders über Napoleon III. als Erwiderung, sodann in mehreren Compositionen des Mitglieds Nietzsche ‚Ungarische Skizzen‘ betitelt, die mir in vieler Beziehung sehr gefielen. Der Componist zeigte darin einen viel geläuterten Sinn, als in seinen früheren Werken, Schuhmann’scher Einfluß ist nicht zu verkennen, jedoch fällt der Componist niemals in Nachahmung. Nur eins hätte ich auszusetzen. Manches könnte nemlich noch durchgearbeiteter sein, der Componist scheint noch nicht die letzte Feile angelegt zu haben“
[18] Hierzu ist auch ein Gedicht /1863) „Der alte Ungar“ überliefert, das vom Verlust der Jugend handelt. (Jugendschriften II, S. 73f.)
[19] Nietzsche glaubte in „Csarda“ allerdings ein polnisches Wort zu sehen – siehe: Witthoefft S. 14.
[20] Korrekt wäre „Édes Titok“ – Nietzsche verdeutscht das Lied mit „Sei still mein Herz“
[21] Jugendschriften 2, S. 121 f. und 133, nur als Bsp. mehrere solcher Listen
[22] Nietzsche listet weitere Petőfi-Lieder auf: “Die Kette von Petőfi” oder “Wo bist du”, die verschollen sind und keinem Vers des Dichters zugeordnet werden können. (Jugendschriften III, S. 135) Daß „Die Kette“ verschollen ist, bleibt bedauerlich, denn es ist die einzige Vertonung Petőfis, die den Patrioten und Freiheitskämpfer repräsentiert, voller Freiheitspathos, kämpferischer Wut und Umsturzgedanken: „A Bilincs“ (siehe: Petőfi und die permanente Revolution)




[24] Original: Te vagy, te vagy, barna kislyány.




[26] Original: Szeretném itthagyni
[27] Einen ähnlich niederschmetternden Bescheid erhielt er vom Bonner Musikdirektor Brambach, der ihm empfahl, Unterricht „im strengen Kontrapunkt“ zu nehmen.
[28] Vgl. Gyula Kornis: Nietzsche és Petöfi. Budapest 1942, S. 10f.
[29] Briefe an Erwin Rohde und Carl von Gersdorff, Dezember 1874. Auch an den Übersetzer – Theodor Opitz –, der ihm, offenbar von Nietzsches dritter „Unzeitgemäßer Betrachtung“ beeindruckt, ein Gedicht mit dem Titel „Schopenhauer als Erzieher“ geschickt hatte, schrieb er einen Brief, in dem Petőfi nicht erwähnt wird. Eine bessere Gelegenheit, darüber zu sprechen, hätte sich schwerlich finden lassen. Vgl. KSA Briefe 4, S. 282ff.
[30] KSA Briefe 6, S. 572
[31] Köhlers Psychogramm gehört zweifellos zur sekundärliterarischen Pflichtlektüre. Umstritten ist es, weil es Nietzsches komplexes Denken auf eine Sexualneurose (latente Homosexualität) und quasi inzestuöse Beziehungen zur Schwester und der Angst vor dem Gespenst des Vaters reduziert und dabei mit großer Boshaftigkeit und Besessenheit das gesamte Werk nach „Stellen“ absucht, die ins Narrativ passen, dabei natürlich stark assoziativ vorgehend. Nichtsdestotrotz gelingen Köhler hochinteressante Interpretationen. 
[32] Vgl. Köhler 54ff.
[33] KSA 11, 381
[34] Also sprach Zarathustra IV, 4 – KSA 4, S. 398
[35] Wahrscheinlicher scheint mir die Annahme, daß das Bild des Hundes, der den Mond in eisiger Nacht anbellt, ein vielfältig verwendetes und frei verfügbares ist.
[36] Köhler S. 535ff. „Die Schlange war für ihn nicht nur Bild der Wiederkehr – sie war ihm auch als Bild wiedergekehrt: intuitiv, visionär, als sähe er sie zum ersten Mal. In Wahrheit war schon der Siebzehnjährige darauf gestoßen, als er Petőfis Gedichte studierte und sich einverleibte.“ (535)

© Seidwalk Januar 2021

Petőfis Fluch

PDF: Petőfis Fluch

Ganz anders als Sándor Petőfis Leben begann das von Mór Jókai und es endete auch vollkommen ungleich, obwohl beide in der entscheidenden Phase ihres Lebens Seit an Seit standen.

Jókai wurde 1825 in eine adlige Familie hineingeboren, die seiner Bildung große Aufmerksamkeit widmete. Er starb 1904 als einer der größten und mit Sicherheit produktivsten Schriftsteller Ungarns in einer vollkommen anderen Welt. Petőfi war im Zuge der ersten großen gesellschaftlichen Umwälzung gefallen, Jókai durchlebte mehrere dramatische historische Wechsel und den Einzug der Moderne im Ungarnlande.

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Petőfi und die permanente Revolution

PDF: Petőfi und die permanente Rvolution

Am 31. Juli 1849 fiel Ungarns Nationaldichter Sándor Petőfi in der Schlacht von Segesvár. Das wird gemeinhin als ein trauriges Ereignis rezipiert, tatsächlich aber könnte es ein großes historisches Glück für beide gewesen sein: für Ungarn und für den Dichter.

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Homöopathie als Weisheitslehre

Gleich der erste Satz eine Wucht: „Dieses Buch ist keine Chronik einer Entwicklung. Alles, was vom Werden … Hahnemanns erzählt wird, wird mit Hinblick auf seine Vollendung erzählt.“ Tatsächlich wird das Buch in weiten Teilen nicht getrieben, sondern gezogen, nicht die Frage „warum“, sondern „wozu“ gestellt, und das eröffnet ganz andere Möglichkeiten, bringt aber auch Probleme mit sich. Zuvorderst entspricht diese Herangehensweise Hahnemanns Philosophie der reinen Phänomenalität, ist also genuine, komplementäre Aussage, und erlaubt ein intensives Sich-Einfühlen. Ja, Hahnemann wird nicht nur besprochen, er wird sogar direkt an-gesprochen, als wäre er noch immer präsent, immer schon und immer noch da. Und wirklich, die Homöopathie, die Fritsche uns vorstellt, ist plötzlich da und in gewisser Weise ewig und sie beginnt mit ihrem Höhepunkt, kennt also keine eigentliche Entwicklung, nur Varianten, meist Dekadenzen. Nur die tiefsten Weisheitslehren des Taoismus, des Buddhismus und des Kynismus können da mithalten, nur diese beginnen auch mit ihrem Höhepunkt (Laotse, Buddha, Diogenes). Damit, als letztes Ergebnis dieser Herangehensweise, wird der Homöopathie von vornherein ein transzendentaler Charakter zugesprochen.

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Geständnis und Aufklärung

 Albert Wass: Die Landnahme der Ratten

Nun muß ich etwas gestehen – es handelte sich gestern nicht um eines meiner Märchen, der Text wurde von Albert Wass verfaßt. Daß ich diesem lange vergessenen und unterdrückten ungarischen Autor in Zukunft besondere Aufmerksamkeit widmen werde, hatte ich an anderer Stelle bekannt gegeben.

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Das große Schlachten

Literatur vergangener Zeiten zeigt uns auch untergegangene reale Welten. So findet sich bei Pontoppidan ganz zum Schluß ein aufschlußreicher Satz. Pastor Gaardbo fährt mit dem Schiff über den Kattegat und gerade als man in den Randers-Fjord einbiegen will, bemerkt er „auf einer Sandbank eine Gruppe Seehunde, die im ersten Morgenschein ein Sonnenbad nahmen“.

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Das Reich der Toten

Es schmerzt immer ein wenig, wenn man die letzte Seite eines großen Romans umschlägt. Dann heißt es Abschied nehmen – umso betrüblicher, wenn die lieb gewordenen oder nahe gekommenen Helden zudem noch sterben. Aber daran erkennt man auch ein Meisterwerk: daß man sitzen bleibt, betroffen, grübelnd, für eine Weile herausgerissen aus dem Weltbetrieb, aus allem, was man noch machen müßte.

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Das Orientbild der Digedags

Man kann die Bedeutung des „Mosaiks von Hannes Hegen“ für die vor allem männliche Jugend der DDR nicht überschätzen. Die 60er, 70er und 80er Jahre waren wesentlich geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Universum der drei Comic-Figuren Dig, Dag und Digedag. Jeden Monat stand man an den Zeitungskiosken Schlange, um das neue Heft zu erstehen. Meine früheste Erinnerung sieht mich mit meinem Vater am Kiosk warten, wo er das Heft 171 kauft: „Die Jagd nach dem Truthahn“. Ein Blick in die „Mosapedia“, ein eigens von Fans eingerichtetes Online-Lexikon, belehrt mich, daß das im Februar 1971 gewesen sein muß – damals war ich noch keine sechs Jahre alt.

Man darf die gewagte These aufstellen, daß die Pegida- und AfD-Generation durch das Mosaik geprägt wurde.

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Luther – Prophet der Deutschen

Niemand, der über Luther schreibt – sei es in historischer Absicht, mit politischen Zielen oder theologischen Deutungen – wird heutzutage unwidersprochen bleiben. Zu komplex ist diese Figur und zu viele Interessen verbauen den objektiven Zugang. Und Luthers eigene eklatante Widersprüchlichkeit, vor allem seinen Charakter betreffend, tut ein Übriges.

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Der Islamismus ist wieder da

„Zahlreiche Politiker des rechten Flügels hat man lange Zeit als Rassisten bezeichnet, weil sie behaupteten, daß die dänischen Islamisten die Fünfte Kolonne des Kalifats seien. Es war einfach, diese Behauptungen abzuschießen, denn was wußten die Leute schon, die außerhalb standen und von außen in ein Milieu schauten, das sie nicht kannten? Aber ich, der ich jahrelang im Zentrum dieser Welt gestanden habe, muß heute zugeben: Sie hatten recht.“ Ahmed Akkari

Die grausamen terroristischen Verbrechen von Paris,  Dresden und Nizza decken ein unter dem Corona-Mantel scheinbar vergessenes Phänomen auf, um dessen Erklärung nun vor allem die Linke kämpft. Sie müßte sich nur belesen …

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Philosophie = Rassismus

Bang und bänger wird das Herz fast täglich, wenn man die aktuellen Entwicklungen betrachtet, den rasanten Verfall der Freiheit, sich auszudrücken. Man könnte es als schicksalhaft mißverstehen, doch manchmal gibt es Momente, die uns die innere Konsequenz des Prozesses deutlich machen.

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Die vierte Gewalt

Die eklatanten Mißstände in unserem Medienwesen zu beschreiben und zu erklären, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Weder Moreno noch Meinhardt – aller Verdienste eingedenk – versuchten sich an systematischen Aufklärungen. Uwe Krüger kam dem in seinem verdienstvollen „Mainstream“ am nächsten, indem er die Prozesse innerhalb der Redaktionen unter die Lupe nahm, aber die Einbettung dieser Phänomene in die gesamtgesellschaftliche Atmosphäre hat auch er nicht gewagt. Hier müßte eine historische Analyse durchgeführt werden. Wenn es so etwas geben sollte, dann wohl unter der Aufmerksamkeitsschwelle der Öffentlichkeit.

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