Polizeigewalt

Die deutsche Sprache hat die verblüffende Eigenschaft, in vielen Komposita uneindeutig zu sein – ein Begriff wie „Polizeigewalt“ kann theoretisch beides beschreiben: die Gewalt der Polizei und die Gewalt gegen die Polizei. Wir wurden in den letzten Tagen mit beidem reichlich versorgt.

Gleichwertig sind die beiden Gewaltformen nicht. Beide sind, wenn sie systemisch auftreten, besorgniserregend. Die eine signalisiert die Erosion des Staates, die andere seine Wucherung hin zur Gewaltherrschaft.

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Der Weg aus der Rassismus-Falle

Zu den dramatischen Ereignissen in den USA wollte ich mich eigentlich nicht äußern. Die Sache ist zu komplex, um sie auf einem Blog abhandeln zu können. Bereits der auslösende Vorfall offenbart immer mehr Facetten, je mehr man sich informiert und das Problem „Rassismus“ ist ohnehin nahezu unlösbar. Erst ein kurzes Statement von Lewis Hamilton, dem Formel 1 Weltmeister hat mich getriggert, nun doch etwas zu sagen – ohne es auflösen zu wollen.

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Identitätspolitik und Interessenspolitik

von Johannes Leitner

Identitätspolitik

Während identitäre Politik, wie jede gute Politik, darauf abzielt, die Gesellschaft als ganze zu erhalten und zu fördern, strebt Identitätspolitik danach, die eigene identitäre Sondergruppe auf Kosten der Gesellschaft zu begünstigen und zu bevorrechten. Man will nicht das Ganze mehren, sondern den eigenen Anteil am Ganzen, und sei es, indem man das dem feindlichen Widersacher Gebliebene schädigt. Identitätspolitik bedeutet ein Null- oder ein Negativsummenspiel des win-lose und win-lose-lose, nicht, wie die gesunde gemeinschaftliche Gesellschaft, ein Positivsummenspiel des win-win-win mit positiven Externalitäten.

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„Schweden im Krieg“

Vor drei Wochen  erschien hier ein Beitrag unter dem Titel „Auflösungserscheinungen in Schweden“. Es handelte sich dabei von Anfang bis Ende um eine Übersetzung aus dem Dänischen. Der Artikel war in der Internetzeitschrift „Den Korte Avis“ erschienen und beschäftigte sich mit einigen spektakulären Aussagen des Vorstandschefs von Volvo.

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Spekulationen über Gewalt

Aus der Presse erfahren wir heute, daß die Zahl der Körperverletzungen unter Jugendlichen, die Gewalt im Allgemeinen, dramatisch zugenommen habe. Unter 14-jährige sollen demnach 16000 Körperverletzungen begangen haben – und zwar allein im letzten Jahr. Weiterlesen

Neue Grenzen der Zivilreligion

Vielleicht eine Petitesse, aber eine signifikante, die beim täglichen Presserundgang ins Auge fiel.

Ein beliebtes Argument der Integrationsproblemwahrnehmungsverweigerer-fraktion ist die Frage: „Und wo tangiert es dich?“, „Wie hat es denn dein Leben verändert?“, „Geht es dir etwa schlechter?“ und dergleichen. Besonders häufig hört man solches in netten, gut gemähten und getrimmten Eigenheimsiedlungen, in denen die Gardinen wackeln und die Telefondrähte glühen, wenn sich doch ein Mal ein Dunkelhäutiger dahin verläuft.

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Gedankensplitter

Die Geschichte der Menschheit war ein ewiger Kampf der sich widersprechenden Eigeninteressen. Sie war blutig, aber sie hat auch das Überleben garantiert. Daß wir sind, was wir sind, haben wir dieser Geschichte zuzuschreiben. Aufklärung, Befreiungskämpfe, philosophische Ideologisierung und liberale Demokratie haben in einem komplizierten Prozeß einen neuen Aggregatzustand geschaffen. Man kämpft nun für die Interessen der Anderen: Männer für Frauen, Weiße für Schwarze, Christen für Muslime, Arme für Reiche, Heterosexuelle für Homosexuelle, Deutsche für Syrer und Afghanen … Das utopische Element daran ist der Glaube, daß damit beides erreicht werden könnte: das Blutvergießen beenden und die Fortexistenz sichern. Es könnte jedoch nur funktionieren, wenn alle Teilnehmer des Weltprozesses auf gleicher altruistischer Ebene stünden. Andernfalls werden die sich selbst Verleugnenden hinweggefegt werden – blutig.

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In 20 Jahren Bürgerkrieg

Deutsches Fernsehen schaue ich schon lange nicht mehr. Dafür sehe ich mich hin und wieder im Ausland um. Im norwegischen TV lief gerade (16.3.) eine informative Sendung zum Thema Schweden: Alles nur Meinung natürlich, aber eine, die man sich anhören sollte.

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Die Geschichte der Sklaverei

Wer diese Geschichte schreibt, der betritt per se vermintes Gelände, denn er beschreibt die Geschichte des unvorstellbaren Leids, das Menschen Menschen zugefügt haben und noch immer zufügen. Schon aus diesem Grund ist es ideologisch hoch kontaminiertes Gebiet.

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Ist Sterben noch modern?

I’m not planning to die. Ray Kurzweil

Schlägt man ein beliebiges Werk zur Spiel- oder Kulturgeschichte des Schachs auf, so wird man mit großer Wahrscheinlichkeit die Reiskornlegende finden; der Kundige kann sie schon nicht mehr hören, die Erzählung vom klugen Bauer/Wesir/Weisen/Zauberer, der den König/Sultan zu einer Schachpartie überredet/das Schachspiel erfand/einen Krieg damit abwendete und den Herrscher derart damit begeisterte, daß dieser ihm einen hohen Lohn versprach. Der Weise mimt den Bescheidenen und erbittet sich lediglich ein Reis/Weizenkorn auf dem ersten der 64 Felder, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten, acht auf dem vierten und so fort, immer die jeweils doppelte Menge des vorherigen Feldes. Der Machthaber wird anfangs von der Genügsamkeit des Weisen überrascht, muß aber bald feststellen, daß alles Korn der Welt nicht genügte, dem Wunsch nachzukommen, und wird durch dieses kathartische Erlebnis geheilt und ein besserer Mensch.

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Jugendgewalt – einst und jetzt

Vor 20 Jahren hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, in einer Leipziger Straßenbahn von sechs Skinheads erbarmungslos zusammengeschlagen zu werden.

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Ungarndeutsche Tragödien

Die Ungarndeutschen können bis auf den heutigen Tag eine Kultur die ihrige nennen, deren Fäden tief in das Gewebe der ungarischen Kultur eingeflochten sind. Wenn wir diese Fäden herauszögen, so würde das gesamte Gewebe zerfallen. (Viktor Orbán)[1]

Wenn wir verreisen, bitten wir eine Nachbarin, eine ältere Frau, nach Haus und Katze zu schauen. Immer wieder kommen ihr im Gespräch deutsche Sätze, Wortgruppen, Vokabeln über die Lippen, über die sie selber erstaunt zu sein scheint. Seit Jahrzehnten hat sie kein Deutsch mehr gesprochen und doch war es einst ihre Muttersprache.

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Lenin – again

Man braucht keine Jahrestage, um sich Lenin zu nähern. Er ist und bleibt eine Zentralgestalt der jüngeren Geschichte. Ohne ihn hätte es die Russische Revolution vermutlich nicht gegeben – es wäre bei Aufständen geblieben –, keine kommunistische Partei, keinen Stalin, keine Sowjetunion, vielleicht keinen Weltkrieg, keinen Ostblock, keinen Kalten Krieg, keine deutsche Wiedervereinigung … Aber es schadet auch nicht, Jubiläen zu nutzen, sich die Geschichte präsent zu halten.

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Luther der Deutsche

Diesmal habe ich lange überlegt, welches der dutzenden Bücher über Luther, die anläßlich des 500. Jahrestages des Thesenanschlages die Buchläden fluteten, ich – in langer persönlicher Tradition, denn der Reformationstag ist seit eh und je Lutherlektüretag – lesen sollte. Die Wahl fiel schließlich auf Heimo Schwilks Erzählbiographie und sie hat sich als Glücksgriff sondergleichen herausgestellt.

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Wichtige Tips für Frauen

Da haben wir mal wieder so einen Artikel, wie ihn nur der „Focus“ und ähnlich fokussierte Medien, die „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ haben, produzieren können. Man kann vielleicht die These wagen: Hätte PI-News die brutale Attacke auf eine Frau in Bottrop nicht groß an den Nagel gehängt, wäre dem Focus die Geschichte vielleicht sogar durch die Lappen gegangen.

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Kindergarten Deutschland

Wer sich lange an der Macht halten will, darf kein Programm haben – das hat Frau Merkel verstanden. (Norbert Bolz)

Es gibt Menschen, die haben die göttliche Gabe, sich jedes Problem wegzurationalisieren – im psychoanalytischen, nicht ökonomischen Sinne. Wenn sie eine gute Seele haben, nennt man sie naiv, sind sie dagegen berechnend, dann darf man sie zynisch nennen. Sie sind besonders für „soziale Berufe“ geeignet. Meist sind sie weiblich und verdingen sich als Kindergärtnerin oder Altenpflegerin.

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