Pál Telekis historische Tat

„At the Conference table we shall place a chair for Count Paul Teleki. That empty chair will remind all who are there that the Hungarian nation had a Prime Minister who sacrificed himself for that very truth for which we too are fighting.“ Churchill

Vielleicht kann man Geschichte mit einem beweglichen Knoten vergleichen, der sich anhand des Zeitstrahls fortbewegt, in sich verschiedene Stränge vereint und immer neue aufnimmt, aber auch jederzeit geöffnet werden kann. Jeder historische Augenblick vereint dialektisch alle drei Elemente – Verstrickung, Bewegung, Lösung – in sich, aber es gibt Zeitpunkte, in denen ein Element für das Auge des historischen Betrachters dominant und sichtbar wird. Dort kann man viel über Geschichte lernen, über den Kairos und die Folgen, wenn er verpaßt wird, aber selbstverständlich auch über die Unmöglichkeit Geschichte im je eigenen Sinne erfolgreich schreiben zu können.

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Warum der Osten?

„Die Identität von Subjekten läßt sich also deswegen vollständig nur über deren Geschichten vergegenwärtigen, weil diese Identität in ihrer synchronen Präsenz stets mehr enthält als das, was aus gegenwärtigen Bedingungen verständlich gemacht werden könnte. Anders formuliert: das, was einer ist, verdankt sich nicht der Persistenz seines Willens, es zu sein. Identität ist kein Handlungsresultat. Sie ist das Resultat einer Geschichte, das heißt der Selbsterhaltung und Entwicklung eines Subjekts unter Bedingungen, die sich zur Raison seines jeweiligen Willens zufällig verhalten. Eben deswegen ist das Subjekt im Verhältnis zu der Geschichte, durch die es seine Identität hat, auch nicht deren Handlungssubjekt, sondern lediglich das Referenzsubjekt der Erzählung dieser Geschichte.“ Hermann Lübbe

Warum der Osten? – Das ist eine Frage jener Art, von der Hermann Lübbe nachwies, daß „sie sich nur historisch erklären” lasse. Weil sich in ihr ein Relikt verbirgt, ein scheinbar funktionsloses Überbleibsel, ein Rest aus einer vergangenen Zeit, den das Wort „Widerstand“ recht gut trifft. Denn ernsthafter politischer Widerstand ist eine Seltenheit und eine Sünde in Deutschland geworden.

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Sloterdijk und die Berliner PC-Welt

Man braucht sich nur drei jüngere Ereignisse ins Gedächtnis rufen, um zu verstehen, warum die namhaftesten Denker sehr vorsichtig geworden sind:

Alain Finkielkraut: Ich kann die Nase nicht mehr herausstrecken

Roger Scruton: Anatomy of a modern hit job

Susanne Schröter: Die Kopftuchdiskussion gehört an die Universität

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Wie Gott in Ungarn

Man kann in Ungarn sehr gut schlecht essen!

Die magyarische Küche ist kompromißlos und direkt, sie lehnt alle komplizierte Verfeinerung à la française und alle Leichtigkeit der cucina italiana ab. Ihre Hauptingredienzien sind Fett, Salz, Zucker, Alkohol und Paprika. Die Ungarn zahlen dafür einen hohen Preis – ein deutlich niedrigeres durchschnittliches Lebensalter – aber sie heimsen dafür auch einen großen Gewinn ein: puren Genuß!

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Polizeigewalt

Die deutsche Sprache hat die verblüffende Eigenschaft, in vielen Komposita uneindeutig zu sein – ein Begriff wie „Polizeigewalt“ kann theoretisch beides beschreiben: die Gewalt der Polizei und die Gewalt gegen die Polizei. Wir wurden in den letzten Tagen mit beidem reichlich versorgt.

Gleichwertig sind die beiden Gewaltformen nicht. Beide sind, wenn sie systemisch auftreten, besorgniserregend. Die eine signalisiert die Erosion des Staates, die andere seine Wucherung hin zur Gewaltherrschaft.

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100 Jahre Trianon

Der Abschluß dieses folgenschweren „Friedensvertrages“ jährt sich heute zum hundertsten Mal; er markiert zugleich das einschneidendste und tragischste historische Ereignis in einer für die Ungarn ereignisreichen und leidvollen Geschichte.

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Vorurteile retten!

Ich hatte mich verkalkuliert – mit meiner Blase. Unmittelbar vor der Grenzkontrolle in Nickelsdorf drückt sie unangenehm im langen Stau. Man ist auch ein wenig aufgeregt, weiß ja nicht, was einen am Schlagbaum in diesen panischen Stunden erwartet. Also fahren wir an der Raststätte raus und parken unmittelbar hinter der Tankstelle.

Genau an dieser Stelle hatten wir schon einmal ein paar interessante Erlebnisse.  Es weht ein genius loci über diesem Ort.

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Multikulti im Sandkasten

„Nicht ‚Rassismus‘ ist ein ‚strukturelles Problem‘, sondern der ‚Multikulturalismus‘. ‚Rassismus‘ ist die Hypothese der Multikulturalisten, warum ihr Projekt nicht funktioniert.“  (Martin Lichtmesz)

Die alltäglichen Schwierigkeiten des Zusammenlebens in einer bunten, multikulturellen Gesellschaft kann man vielleicht am besten auf einem großstädtischen Kinderspielplatz erleben.

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Orientalische Geschichten

Vor kurzem habe ich meine Walter-Scott-Werkausgabe verkauft, 38 Bände. So lange werde ich nicht leben, um mich auch noch um Scott zu kümmern und überhaupt liest das niemand mehr und im Regal ist endlich ein Meter Platz.

Bei der Räumaktion fiel mir ein kleines blaues Buch in die Hand, von dessen Existenz ich nicht mal mehr wußte. „Oriental Encounters. Palestine and Syria (1894-96)“ lautet der Titel, sein Verfasser trägt den auffälligen Namen Marmaduke Pickthall. Pickthall? Der Name klang in meinem Ohr. Wikipedia lieferte die Erklärung: Pickthalls Koran-Übertragung ins Englische gilt noch heute als Standardübersetzung.

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Identitätspolitik und Interessenspolitik

von Johannes Leitner

Identitätspolitik

Während identitäre Politik, wie jede gute Politik, darauf abzielt, die Gesellschaft als ganze zu erhalten und zu fördern, strebt Identitätspolitik danach, die eigene identitäre Sondergruppe auf Kosten der Gesellschaft zu begünstigen und zu bevorrechten. Man will nicht das Ganze mehren, sondern den eigenen Anteil am Ganzen, und sei es, indem man das dem feindlichen Widersacher Gebliebene schädigt. Identitätspolitik bedeutet ein Null- oder ein Negativsummenspiel des win-lose und win-lose-lose, nicht, wie die gesunde gemeinschaftliche Gesellschaft, ein Positivsummenspiel des win-win-win mit positiven Externalitäten.

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Volk und Scham

Angela Merkel war in Auschwitz. Zu Ende ihrer Ära geht sie diesen Weg, den andere – wie Heiko Maas etwa – an den Anfang ihrer politischen Karriere setzen, ja sogar als Agens bezeichnen: „Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen“, tönte der Außenminister.

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Meine Wende

Vor einigen Jahren schrieb ich ein Erinnerungsbuch. In ihm wollte ich eine ganz normale Kindheit – so auch der Untertitel – in der DDR beschreiben, eine Kindheit, wie sie wohl die meisten Menschen dieser Generation erfahren haben: weder im Opfer- noch im Tätermodus. Na klar, wir waren indoktriniert, man hat uns eine starke Identifikation mit diesem kleinen Land verordnet, wir sahen die Welt aus dieser Perspektive und es dauerte lange, sich eine Draufsicht zu erkämpfen. Daß Vieles im Argen lag, war den allermeisten bewußt. Man hatte vor allem zwei Möglichkeiten der Referenz: den Westen mit seinen materiellen Erfolgen und den weiteren partiellen Freiheiten oder aber die „Klassiker“, die weit ausgearbeitete Theorie, wie der Sozialismus zu sein habe. In beiden Hinsichten hatte die DDR versagt.
Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt aus besagtem Erinnerungsbuch – das noch immer in der Schublade liegt. Es beschreibt die Wendezeit aus der Sicht eines jungen, naiven Studenten.

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Vielfalt oder Vielheit II

Vielfalt oder Vielheit im öffentlichen Raum oder: Der Irrtum des Multikulturalismus

von: Johannes Leitner

Diversität schafft schuldhafte Identität

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Die Liebe in einer zerbrochenen Welt

Es gibt keine Liebe, mein Freund, es gibt keine; Lüge ist jede Liebe. Es gibt nur eine einzige Liebe … Dies ist die einzige Liebe: Langeweile, Krankheit, Häßlichwerden, Sich-anderswohin-Träumen, tausendmal Ausreißen-, Fliehenwollen und doch immer bleiben müssen: sich gegenübersitzen und einander ins vergreisende Antlitz schauen und schließlich das Sterben des anderen mitansehen: das ist die Liebe. Ernő Szép

Wenn ich dieser Tage Ungarn lese, dann um Ungarn kennen zu lernen: das Land Ungarn in seiner historischen Entfaltung und die Ungarn als Volk und als Menschen in ihrer Verfaßtheit, in ihrer Denk-, Fühl- und Lebensweise – das Typische eben, sofern es Derartiges gibt.

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Eines Mannes würdig

Wenn es sich ermöglichen läßt, besuche ich gern Vorträge im Ort. Davon gibt es eine ganze Reihe – es existiert hier in dieser ungarischen Kleinstadt eine ausgesprochene Vortragskultur. Die Bibliothek, die alte Synagoge, der Kulturpalast oder Schulen dienen als Austragungsorte. Und meistens sind die Vorträge über Geschichte, Traditionen, Projekte, Bücher oder Reiseerlebnisse auch gut besucht.

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Ramadan in Kopenhagen

Vorgestern schrieb ich vom ideologieinduzierten Gruppenzwang, heute lese ich ein Beispiel, das mich tief erschüttert.

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Muslime in Sarajevo

Man ist in Sarajevo hochgradig verunsichert, ob man sich noch in einem europäischen oder schon einem nahöstlichen Land befindet. Daß der radikale Islam an dieser europäischen Grenze zudem mehr als einen Fuß in der Tür hat, ist offensichtlich. Viele Frauen laufen mit Kopftuch, die schwarze Komplettverschleierung ist Alltag.

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