Gombrowicz: Kosmos

Von allen geheimnisvollen Romanen Gombrowiczs ist „Kosmos“ wohl der dunkelste. Dabei scheint es zu Beginn deutliche Parallelen zu „Pornographie“ zu geben: der voyeuristische Ich-Erzähler, gepaart mit einem mysteriösen Gefährten, die Konfrontation mit jungen Menschen … man glaubt, der polnische Seelenalchimist wolle erneut die Feinunzen der menschlichen Psyche abwiegen und die geheimnisvollen Signale der verbalen und nonverbalen Kommunikation belauschen. Und das tut er auch, aber bald verschiebt sich der Schwerpunkt, ein gehängter Spatz taucht auf, ein aufgehängtes Hölzchen, die Dinge erscheinen plötzlich in Figuren, Zusammenstellungen, Konstellationen, neben- und hintereinander, zunehmend auch ineinander, sie verhalten sich wie Sterne in Sternbildern zueinander, sind im All irgendwie aufgehoben und konstituieren es.

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Ramadan in Kopenhagen

Vorgestern schrieb ich vom ideologieinduzierten Gruppenzwang, heute lese ich ein Beispiel, das mich tief erschüttert.

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Für Ferdydurkisten

Für Aficionados und Ferdydurkisten ein wichtiger Tag: am 25. Juli  1969 starb der große polnische Autor Witold Gombrowicz. Von wenigen gelesen, von vielen, die ihn lesen mußten, gehaßt, von ganz wenigen erkannt, gehört er zum Bedeutendsten, was europäische Literatur erschaffen hat. Der Todestag war Anlaß, einige seiner Hauptwerke erneut aus dem Regal zu ziehen.

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Verlockung

Im Kopf war meine Besprechung des voluminösen und spät wiederentdeckten Romans „Verlockung“ von János Székely nach 170 Seiten fast fertig. Ich wollte das fulminante Buch ob seines großartigen Zynismus an die Seite von Célines „Reise ans Ende der Nacht“ stellen, ob seines göttlichen Witzes es mit Hašeks Schweijk“ vergleichen und ob seiner psychologischen Tiefe mit Italo Svevos „Zenos Gewissen“ und seinen kindlichen Protagonisten einen Oskar Matzerat nennen. Später kam noch Döblins „Berlin Alexanderplatz“ hinzu und so manch anderer Klassiker der Weltliteratur.

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Die rattenscharfe Rechte

„Mit Rechten reden“ ist so ein Topos, der sich verbreitet hat, ohne je stattgefunden zu haben. Warum das so ist und auch so sein muß, wurde anhand eines Artikels von Liane Bednarz hier bereits dargestellt. Es ging um den blinden Fleck, den toten Winkel linkslastiger Argumentation.

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Wär ich ein Tor

Wer Ungarisch lernt, stößt vielleicht auf das Lied „Ha én rozsa volnék“. An ihm kann man nämlich wunderbar den Konditional lernen – ich hab´s gleich auswendig gelernt –, der ausnahmsweise sogar einfach zu bilden und zu begreifen ist. An das Verb wird die Endung -nék angehängt und die braucht dann nur noch konjugiert zu werden.

„Ha én rozsa volnék“ heißt also „wenn ich eine Rose wäre“.

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