Die vierte Gewalt

Die eklatanten Mißstände in unserem Medienwesen zu beschreiben und zu erklären, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Weder Moreno noch Meinhardt – aller Verdienste eingedenk – versuchten sich an systematischen Aufklärungen. Uwe Krüger kam dem in seinem verdienstvollen „Mainstream“ am nächsten, indem er die Prozesse innerhalb der Redaktionen unter die Lupe nahm, aber die Einbettung dieser Phänomene in die gesamtgesellschaftliche Atmosphäre hat auch er nicht gewagt. Hier müßte eine historische Analyse durchgeführt werden. Wenn es so etwas geben sollte, dann wohl unter der Aufmerksamkeitsschwelle der Öffentlichkeit.

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Die tägliche Dosis

„Komm, wir schalten das Radio an“, sage ich zu meiner Frau, „mal hören, wie lange es dauert bis zur ersten Propagandasendung“. Es ist kurz nach 15 Uhr, wir haben soeben die deutsche Grenze – unkontrolliert – überfahren. Ich wähle den Deutschlandfunk, kann das allgemeine Gedudel nicht ertragen. Und – ungelogen – es dauert ganze drei Minuten bis wir auf diesen Satz stoßen: „Auch wenn es häufig zutrifft, Pop-Musik ist nicht zwingend progressiv und links.“

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Nur noch ein Gott?

Ein Mal nicht aufgepaßt, schon war es wieder passiert. Es hatte geklingelt und ich lief – entgegen meiner Absicht, zuerst aus dem Fenster zu schauen, um zu sehen, wer da klingelt – an die Tür. Davor standen zwei Damen – gerade die wollte ich vermeiden, denn sie waren „Zeugen Jehovas“ und viele Erfahrungen zeigten, daß Gespräche mit ihnen unverhältnismäßig viel Zeit kosten, ziemlich sinnlos sind und auch schon längst nichts Neues mehr bringen. Ich kenne ihre Theorien, habe sie mir immer und immer wieder angehört, auch einige ihrer Publikationen studiert: egal wo, ob in Deutschland, Italien oder nun in Ungarn, man erreicht immer wieder den Punkt, an dem Kommunikation eigentlich implodiert und aussichtslos wird, kann sie aber ob ihrer Freundlichkeit schwer abbrechen, ohne rüde zu werden.

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Die Messer-Falle

Wir erhalten täglich eine Liste von Erregungsvorschlägen und dürfen entscheiden, worüber wir uns echauffieren wollen. (Peter Sloterdijk)

Die folgenden Zeilen werden nicht allen meiner Leser gefallen – ein Grund mehr, sie zu schreiben.

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Antisemitismus als Klimakiller

Das Grundgesetz gewährt Meinungsfreiheit im Vertrauen auf die Kraft der freien öffentlichen Auseinandersetzung vielmehr grundsätzlich auch den Feinden der Freiheit. Der Parlamentarische Rat bekannte sich hierzu auch gegenüber dem soeben erst überwundenen Nationalsozialismus. (Bundesverfassungsgericht, 2009)

Wir hatten im Fall Posener gesehen, wie es heutzutage funktionieren kann. Es genügt bereits der Verdacht, sogar der unbegründete Verdacht, antisemitisch zu sein oder antisemitische Äußerungen getätigt zu haben oder auch nur in der Lage zu sein, Antisemitisches selbst im stillen Kämmerlein zu denken, um Existenzen zu zerstören; Karriereexistenzen, Politexistenzen, Buchexistenzen oder Persönlichkeitsexistenzen.

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Offener Brief an Alan Posener

„Wenn man wirklich für Meinungsfreiheit ist, dann muß man auch für die Freiheit von Standpunkten eintreten, die man verachtet. Sonst ist man nicht für Meinungsfreiheit.“ (Noam Chomsky, zitiert in Baños: So beherrscht man die Welt)
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Sehr geehrter Herr Posener,

Sie haben meinen Artikel „Ich gebe zu Protokoll“, in dem ich auch Ihre Besprechung des Corpus Delicti – Pedro Baños Buch „So beherrscht man die Welt“ – aus offensichtlichen Gründen erwähne und bewerte, mit folgenden beiden Kommentaren bedacht:

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Die Angst-Maschine

Ich saß heute im Garten, las ein Buch und beobachtete die Natur um mich herum. Die Katzen hatten die Hälfte ihres Futters verschmäht. Bald fanden sich Wespen ein und brauchten eine Stunde, die Schüssel sauber zu fressen. Mit Eifer durchbissen sie mit ihrem scharfen Mundwerkzeug die Fleischfasern und flogen mit ihrer Beute davon. Trafen sich mehrere Exemplare, dann gab es erbitterte Kämpfe, manchmal waren vier oder fünf Tiere in einander verknäult. Mit meinem Nahglas war ich unmittelbar dran.

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Lübcke- die andere Perspektive

„Gefragt, was unter den Menschen das Schönste sei, antwortete er: ‚Das freie Wort.’“ (Diogenes von Sinope, nach Diogenes Laertius)

Es ist ganz gewiß sehr viel wahrscheinlicher, im Lotto den Jackpot zu knacken. Und es ist statistisch exorbitant gefährlicher mit einem Löffel zu essen und am Verschlucken des selbigen zu ersticken, als CDU-Politiker zu sein und aus politischen Gründen getötet zu werden.

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Rechtsextremismus- und Klimawahn

Der Mord an Walter Lübcke war ein Mord. Punkt. Wenn es denn einer war. Mehr muß man dazu nicht sagen, alles andere ergibt sich aus dem Strafgesetzbuch § 211. Das gleiche gilt, wenn es sich um einen Totschlag handeln sollte: Der Totschlag Walter Lübckes war ein Totschlag. Punkt.

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Habermas: Autoritäre Persönlichkeit

Zum 90. Geburtstag

Das Theoretische hatte zwar etwas Verführerisches, aber nur, wenn es ambivalent, offen blieb, ein Motiv zum Denken. Karl Heinz Bohrer

Nein, es handelt sich beim Titel nicht um ein neues Buch aus Habermas‘ Feder, nicht um eine soziologische Studie – wie die gleichnamige seines Doktorvaters Adorno –, sondern um den Versuch, den Charakter des Meisterphilosophen der Bundesrepublik, eines „deutschen Voltaire“, näher zu deuten. Als Quelle dient uns das vielfältig unerschöpfliche und hier besprochene Buch Karl Heinz Bohrers: „Jetzt“.

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Das Problem Mensch

Politik könnte so einfach sein: Ideen, Programme, Argumente, Mehrheiten, Beschlüsse, Gesetze … so könnte man ein Land zum Besseren verändern. Allein, es gibt den Menschen. An ihm muß immer wieder alles scheitern.

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Neue Stammtischparolen

Jeder kennt das: man liest unsere Presse und greift sich alle paar Minuten kopfschüttelnd an den Kopf. Es gehen einem ein paar Gedanken durch selbigen, aber ehe man sie ausgefaltet hat, liest man schon den nächsten Artikel – das Drama beginnt von vorn. Man muß nicht immer alles bis ins Kleinste ausdeuten. Manchmal – auch aus Selbstschutz – genügt das Stammtischniveau.

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Eintritt in die Matrix

Zum Kotzen! Die Presse läuft Amok gegen Martin Sellner. Der Focus schreibt: „Identitären-Chef lud Attentäter von Christchurch zum Kaffee ein“. In der „Presse“ wollte er „auf ein Bier gehen“. „Das beweisen Mails, die der ZiB2 jetzt vorliegen“ usw.

Der Begriff „Lügenpresse“, den ich bisher nie benutzt habe, ist nun angebracht.

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Pikanterien

„Pikant“ war zu DDR-Zeiten ein Zeigerwort. Wo es draufstand, da gab es in der Regel „Delikatessen“ – noch so ein Wort.

Es beschrieb ein geschmackliches Zusammenspiel aus Scharfem (definitorisch) mit Saurem und Salzigem. Selbst als Titel eines legendären Kochbuches aus dem „Verlag für die Frau“ – mein Gott, was waren wir „rassistisch“ – konnte es herhalten. Oft kamen die entsprechenden Konserven aus Ungarn.

Auch heute stammt Pikantes oft aus Ungarn.

So haben uns heute Morgen gleich mehrere Presseerzeugnisse unserer nicht gleichgeschalteten Blätter mit der Nachricht versorgt, daß Hans-Georg Maaßen in einem Fernsehinterview die Migrationspolitik der Kanzlerin „scharf“ – was sonst? – kritisierte.

Das „Pikante daran“, beteuern sie alle, liege in der Tatsache, daß Maaßen dieses Interview in Ungarn gegeben habe.

Ich zitiere die „Welt“: „Pikant an dem aktuellen Interview ist, daß Maaßen es einem zu einer staatlichen ungarischen Medienholding gehörenden Fernsehsender gab, der als Propagandasender für den nationalkonservativen Regierungschef Viktor Orbán gilt.“

Ich zitiere „Focus“: „Pikant an dem aktuellen Interview ist, daß Maaßen es einem zu einer staatlichen ungarischen Medien-Holding gehörenden Fernsehsender gab, der als Propagandasender für den nationalkonservativen Regierungschef Viktor Orban (sic!) gilt.“

Ich zitiere die „Sächsische Zeitung“: „Pikant an dem aktuellen Interview ist, daß Maaßen es einem zu einer staatlichen ungarischen Medien-Holding gehörenden Fernsehsender gab, der als Propagandasender für den nationalkonservativen Regierungschef Viktor Orban (sic!) gilt.“

Ich breche die Zitation ab. Prinzip erkannt, oder? Man verläßt sich auf DPA – keine gute Wahl bei Skandalisierungen; auch dort schreiben nur Menschen.

Nun: Man erkläre mir, was an dieser Tatsache „pikant“ ist. Ja, „M1“ ist ein staatlicher Fernsehsender, ja, er verbreitet sehr viel – aber immerhin stets schön anzusehende – Propaganda. Das einzusehen gehört zur Wahrheitsliebe dazu.

Der Unterschied zum deutschen Fernsehen liegt nur in der Art der Propaganda, mehr nicht – und in den weniger schön anzusehenden Sprachrohren. Propaganda erkennt man sehr oft daran, daß dem politischen Gegner Propaganda vorgeworfen wird.

Nichtsdestotrotz: wo, bitte schön, liegt der Skandal, wenn der ehemalige und unfein geschaßte Chef des Verfassungsschutzes ein Interview in einem staatlichen Fernsehsender eines anderen EU-Landes gibt? Mir fehlen hier die Geschmacksporen. „Pikant“ ist hier selbst Propaganda pur.

Von mir aus kann Maaßen oder jeder andere auch im nordkoreanischen Fernsehen, bei „FOX-News“, bei „RT“, bei „Telesur“ (Venezuela) oder bei „Монголын үндэсний олон нийтийн радио телевиз” Interviews geben. Ich würde diese stets nach dem Inhalt bewerten und nicht nach dem Logo rechts oder links oben.

Wirklich pikant ist hingegen – scharf und mit bitterem Beigeschmack –, daß Maaßen dieses Interview so nur in Ungarn und nicht bei der ARD oder dem ZDF geben kann!

Greta Thunberg Superstar

Die meisten Menschen haben ein paar lebenslange Maximen, an die sie sich halten. Mein Großvater zum Beispiel, der sechs Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft verbracht hatte und erst 1950 nach Hause – nein, das ist falsch, denn die Familie war inzwischen vertrieben worden –, also in die neue Heimat kam, die nie seine wahre Heimat wurde, mein Großvater lebte nach dem Motto: „Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt.“

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Der große Austausch

Das Massaker von Christchurch und die unsägliche Affäre um Martin Sellner hat den Topos des „großen Austausches“ wieder an die Oberfläche der medialen Wahrnehmung gespült. Dort wird er nahezu unisono als „Verschwörungstheorie“ behandelt. Die Art und Weise, wie die meisten Journalisten und Experten über den Begriff oder den philosophischen Überbau der „Identitären Bewegung“ schreiben, deutet darauf hin, daß sie sich weder mit dem Gründungsdokument dieses Erklärungsansatzes noch mit den zahlreichen Veröffentlichungen Sellners und anderer Identitärer – hervorzuheben ist etwa Patrick Lenart – unvoreingenommen auseinandergesetzt haben.

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Nachwirkende Vorverurteilung

Was immer der Attentäter von Christchurch bezweckt haben mochte, das meiste dürfte gescheitert sein. Vor allem: vom unvorstellbaren und sinnlosen Leid abgesehen, das er unschuldigen Menschen bereitete, hat er der Widerstandsbewegung, deren Teil und Protagonist zu sein er vorgab, schweren Schaden zugefügt.

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Die Populismusrechnung

Zugegeben, die Frage ist nicht letztgültig beantwortet, was Populismus eigentlich sei. Aber immerhin scharf genug, um der AfD oder Trump oder Salvini oder der FPÖ … das Etikett anzuhängen.

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