Huntington heute

Die Welt wird auf der Grundlage von Kulturkreisen geordnet werden, oder sie wird gar nicht geordnet werden. (Huntington)
„Wenn die Wirklichkeit die Ideologie widerlegt, so ist die Ideologie falsch, nicht die Wirklichkeit. Samuel Huntington wies 1996 in Kampf der Kulturen darauf hin, daß in Zukunft geistige und kulturelle Blöcke einander gegenüberstehen würden. Viele Idioten blickten damals allerdings nur auf Huntingtons erhobenen Zeigefinger und nicht auf das, worauf er hinwies. Die meisten dieser Idioten starren immer noch auf den Finger, obwohl die Realität dem amerikanischen Soziologen inzwischen recht gegeben hat.“ (Michel Onfray: Niedergang)

Vor fast 25 Jahren, 1996, erschien eines der am meisten diskutierten und skandalisierten Bücher der Neuzeit: Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“. In ihm entwarf er ein neues Paradigma des globalen politischen Zusammenlebens für die Zukunft. Anlaß genug, das Buch erneut zu studieren und abzuklopfen.

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Die Mühen der Ebenen

Dirk Neubauer, der Bürgermeister eines sächsischen Städtchens, ist ein Macher, ein Anpacker, einer der Kraft und Willen hat und zu verändern weiß. Solche Leute braucht das Land! Auch seine Biographie zeigt ein unstetes Element, das gerne Neues probiert und experimentiert – diese Menschen geben Vollgas, solange sie Lust haben. Der Vorteil: Neubauer hat Einblick in ganz verschiedene gesellschaftlich relevante Bereiche und aus seinem letzten Steckenpferd berichtet er: der Politik, der Regionalpolitik.

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Sorokins Eis-Trilogie

Der erste Band, „Bro“, lebt über die Geschichte, nicht über Stil und Konstruktion. Artistisch stellt er überraschend geringe Ansprüche; die geradlinige, einsträngige, in der ersten Person erzählte Handlung ist es, worauf es Sorokin ankam. (Kein Wunder, daß sein Held sich von Dostojewski lossagt). Von einem fast schon als modernen Klassiker betitelten Autoren, einem „Postmodernen“ zudem, erwartet man das nicht zwangsläufig.

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Prometheus des Sex

Auch nachdem Otto Mainzers Opus Magnum „Prometheus“ 1993 bei Rowohlt als Paperback erschien und nun endlich auf die verdiente Verbreitung hoffen konnte, scheint es noch immer nicht entdeckt worden zu sein, führt es noch immer ein ungerechtes Nischendasein. Das kann auch an seiner Brisanz liegen, die den Leser ganz unmittelbar anspricht, die aber vor allem nach gesellschaftlicher Veränderung schreit.

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Vom Knüppel zur automatischen Fabrik

Jürgen Kuczynskis Werk glaubte ich eigentlich zu kennen aber im Verdi-Buchladen in Berlin fällt mir ein Buch in die Hand, das meiner langjährigen Aufmerksamkeit bisher entgangen war. „Vom Knüppel zur automatischen Fabrik“ wurde im Kinderbuchverlag der DDR herausgegeben und wandte sich 1960, als es zum ersten Male erschien, an die Jugend und vielleicht auch den Arbeiter, der noch nicht am Marxismus-Leninismus geleckt hatte. Nun bringt es ein „Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung“ neu heraus, im Reclam-Format zum unschlagbaren Preis von sechs Euro.

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Das System Relotius

PDF: Das System Relotius
Indem sie die Zugehörigkeit zur Elite zu einer Frage der ideologischen Konformität macht, erhebt die herrschende Klasse diese Konformität zugleich zu einem Statussymbol. Auf diese Weise ist es möglich, Heerscharen von Mitläufern zu rekrutieren, ohne sie zu bezahlen. Es entsteht eine loyale Mittelschicht: Der Wissenschaftsproletarier auf seiner befristeten Drittelstelle; der „freie“, weil zeilenweise bezahlte Journalist; der Lehrer, der sich bis zum körperlichen Zusammenbruch an einer Schule in einem „sozialen Brennpunkt“ aufreibt … (Manfred Kleine-Hartlage)

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