Angriff auf Habeck – zum Schießen!

Robert Habeck wurde mit einem Milchshake angegriffen! Darf man darüber lachen? Wäre es lustig, wenn er mit einem Erdbeershake getauft werden würde? Oder mit einem nazibraunen Schokoshake? Könnte man sich das Kichern verkneifen, liefe ein grasgrüner Veggie-Shake langsam an seinem Hemd herunter über seine Hose? Wäre es lustig, wenn vielleicht ein gelber Bananenshake seine Wange hinabfließen würde, aus jener Frucht, die sogar mehr Emissionen rechtfertigt als die gesamte Autoflotte der Grünen Partei? Und schließlich, würde sich jemand das Lachen verkneifen können, wenn der Gesalzene Karamellshake für 9,19 Euro sich über Habeck ergösse, diesen Strahlemann und Stirnrunzler, wie er dann dabei gefilmt wird, wenn sein Lächeln einfriert während an ihm ein Liquid im Wert eines Mindestlohnes herabtropft? Ja, das sind wirklich schwierige Fragen.

Das waren noch Zeiten, als Männer danach bemessen wurden, ob man für sie eine Kugel oder auch zwei riskieren wollte. Heute sind sie nur noch einen Milchshake wert.

Ein Mann namens Kevin Schubert wurde gestern festgenommen, nachdem er Habeck mit einem Milchshake beworfen hatte. „Ich hatte mich sehr auf den Shake gefreut“, sagte er, „aber ich glaube, er hat nun eine bessere Verwendung gefunden.“ Ist es seine Aufgabe, sich mit den Argumenten Habecks auseinanderzusetzen? Wie sollte er das denn tun? Seit Jahr und Tag fährt Habeck im Land herum und erzählt Lügen, so wie er es schon immer getan hatte. Ist es Kevin Schuberts Schuld, daß Habeck nun einen Raum besetzt, den andere für ihn freigeschaufelt haben? Seit Wochen bereist Habeck und seinesgleichen das Land, liefert eine alberne Rede nach der anderen und erzählt von Anfang bis Ende Lügen. Und kein Politiker stoppt ihn. Die Gesamtsumme des Widerstandes gegen ihn beträgt bisher ganze 9,19 Euro. Das ist nicht viel, aber jeden Cent wert. Es ist zum Schießen!

Lustige Geschichte, oder? Was würde passieren, stünde sie morgen in einer deutschen Zeitung? Nein, das ist undenkbar. Von vorn: Was würde passieren, stünde sie auf einem alternativen Blog? Ihr Schreiber wäre erledigt, oder?

Sie beschreibt, stark kondensiert, eine wahre Begebenheit, sie wurde einem führenden englischen Medium entlehnt. Natürlich war nicht Robert Habeck das Opfer, sondern Nigel Farage und der Täter hieß auch nicht Kevin, sondern Paul und selbstverständlich ist das alles nur fun. Der Artikel stammt aus dem „Independent“.

Dort feiert man also einen Mann, der einen Politiker auf einer Wahlkampftour mit einem Milchshake bewarf. Das kommt im UK gerade in Mode, nachdem auch Tommy Robinson schon ein paar einstecken durfte. In Schottland rief eine Fastfoodkette auf: „Liebe Schotten. Wir verkaufen weiter Milchshakes. Habt Spaß.“ Auch in deutschen Medien delektiert man sich. Die „Süddeutsche Zeitung“ findet das ebenfalls recht lustig, hält ihren Text aber sicherheitshalber im Graubereich. Fast alle großen Zeitungen bringen genüßlich ein Video des demütigenden Aktes: den weiß befleckten Farage darf man sich nicht entgehen lassen. Hier sollen die Bilder sprechen – ganz im obigen Sinne. Lächerlich machen. Entwürdigen. Auch der Täter zeigt sich stolz: „It’s a right of protest against people like him,” sagt er. „The bile and the racism he spouts out in this country is far more damaging than a bit of milkshake to his front.” In den sozialen Netzwerken kommt die Häme gut an, offenbar ohne Netiquette zu verletzen.

Zwei Monate zuvor wurde Jeremy Corbyn ge„egged“, also mit einem Ei beworfen. Die gleiche Presse – „The Independent“ – setzte damals ein ganz anderes, ein sehr ernstes Gesicht auf. Das Gericht war der Meinung „This is a public servant and attacks on MPs must stop. The message must go out – this must stop”. “Assaults on public servants affect the very fabric of our democratic society … This case clearly sends out a message that such behaviour will not be tolerated and perpetrators will correctly be brought before the courts.” Der Mann bekam im Schnellverfahren 28 Tage Gefängnis.

Die mediale Meinung bestimmt sich nach politischer Präferenz. Der eine wird heimlich als Held gefeiert und weitere Straftaten werden animiert, der andere als Verbrecher behandelt. Ein Paradebeispiel der Neutralität der linkslastigen Presse. Schon im März wurde ein australischer Jugendlicher zum Helden erkoren, weil er einem Parlamentsmitglied ein Ei auf dem Kopf zerschlug. Innerhalb weniger Stunden wurde eine Crowdfunding-Plattform gegründet, die zehntausende Dollar für Anwaltskosten und „more eggs“ einbrachte, der renitente Jüngling in den Medien herumgereicht.

Brendan O`Neill, vom Online-Magazin “Spiked” faßt es mit den passenden Worten zusammen: “That we live in a country in which someone who eggs Corbyn can be jailed for a month, while someone who milkshakes Nigel Farage can become a meme hero, deserves an explanation. What it speaks to is a chattering class that is now so cut off, confused and panicked about its inability to connect with ordinary people that it is effectively green-lighting assaults on politicians it dislikes.”

Die rattenscharfe Rechte

„Mit Rechten reden“ ist so ein Topos, der sich verbreitet hat, ohne je stattgefunden zu haben. Warum das so ist und auch so sein muß, wurde anhand eines Artikels von Liane Bednarz hier bereits dargestellt. Es ging um den blinden Fleck, den toten Winkel linkslastiger Argumentation.

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Die Gerechtigkeitsillusion

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Das älteste Programm

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Mit Rechten reden – Der blinde Fleck

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