Die Mühen der Ebenen

Dirk Neubauer, der Bürgermeister eines sächsischen Städtchens, ist ein Macher, ein Anpacker, einer der Kraft und Willen hat und zu verändern weiß. Solche Leute braucht das Land! Auch seine Biographie zeigt ein unstetes Element, das gerne Neues probiert und experimentiert – diese Menschen geben Vollgas, solange sie Lust haben. Der Vorteil: Neubauer hat Einblick in ganz verschiedene gesellschaftlich relevante Bereiche und aus seinem letzten Steckenpferd berichtet er: der Politik, der Regionalpolitik.

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Sorokins Eis-Trilogie

Der erste Band, „Bro“, lebt über die Geschichte, nicht über Stil und Konstruktion. Artistisch stellt er überraschend geringe Ansprüche; die geradlinige, einsträngige, in der ersten Person erzählte Handlung ist es, worauf es Sorokin ankam. (Kein Wunder, daß sein Held sich von Dostojewski lossagt). Von einem fast schon als modernen Klassiker betitelten Autoren, einem „Postmodernen“ zudem, erwartet man das nicht zwangsläufig.

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Rosananz

Die schrecklichste Zeit des Jahres steht vor der Tür: Weihnachten. Man muß andächtig tun, sich sinnlos den Bauch vollschlagen, sein Dauergrinsen auflegen und vor allem: man muß verschenken – womit die Idee des Schenkens bereits torpediert ist. Es gibt überhaupt nur ein passendes Geschenk – ein Buch. Ich schenke nie etwas anderes und auch das nur meiner Frau und ein, zwei Auserwählten. In den kommenden Wochen werde ich einige mehr oder weniger verschenkbare Bücher besprechen.

Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit – eine Buchbesprechung

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Einsame Frauen

Vor Jahren schockierte mich eine Anwältin, deren beeindruckende Bücherwand ich befragte, mit dem Satz: „Wenn ich lese, will ich nicht nachdenken“. Ihre Sammlung bestand aus hunderten Krimis und Thrillern und sogenannten Bestsellern aller Art.

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Gombrowicz: Kosmos

Von allen geheimnisvollen Romanen Gombrowiczs ist „Kosmos“ wohl der dunkelste. Dabei scheint es zu Beginn deutliche Parallelen zu „Pornographie“ zu geben: der voyeuristische Ich-Erzähler, gepaart mit einem mysteriösen Gefährten, die Konfrontation mit jungen Menschen … man glaubt, der polnische Seelenalchimist wolle erneut die Feinunzen der menschlichen Psyche abwiegen und die geheimnisvollen Signale der verbalen und nonverbalen Kommunikation belauschen. Und das tut er auch, aber bald verschiebt sich der Schwerpunkt, ein gehängter Spatz taucht auf, ein aufgehängtes Hölzchen, die Dinge erscheinen plötzlich in Figuren, Zusammenstellungen, Konstellationen, neben- und hintereinander, zunehmend auch ineinander, sie verhalten sich wie Sterne in Sternbildern zueinander, sind im All irgendwie aufgehoben und konstituieren es.

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Für Ferdydurkisten

Für Aficionados und Ferdydurkisten ein wichtiger Tag: am 25. Juli  1969 starb der große polnische Autor Witold Gombrowicz. Von wenigen gelesen, von vielen, die ihn lesen mußten, gehaßt, von ganz wenigen erkannt, gehört er zum Bedeutendsten, was europäische Literatur erschaffen hat. Der Todestag war Anlaß, einige seiner Hauptwerke erneut aus dem Regal zu ziehen.

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