Die eingebildete Diskriminierung

Die Linke Psyche II

Stephan Anpalagan reicht eine Wortmeldung von Julia Probst weiter. Die ist Gebärdensprachlerin und Lippenleserin und vermutlich gehörlos, Mitglied der Grünen.

Sie schrieb bezüglich diskriminierungsfreier Sprache: „Nehmen wir den Begriff ‚taubstumm‘. Er verletzt uns #Gehörlose, weil man uns nochmal zusätzlich verstummen läßt und uns keine Sprache zugesteht, indem man sagt, Sprache muß lautsprachlich sein, damit man wahrgenommen wird. Der Begriff sagt aus, #Gehörlose können nicht sprechen. Das ist falsch. Gehörlose können sprechen, nur ist unsere Aussprache ungewohnt und viele fühlen sich auch nicht wohl mit der Lautsprache. Sprache, also sind wir #Gehörlose ja nicht stumm. Der korrekte Begriff für uns ist einfach ‚gehörlos‘ oder ‚taub‘. Das ist diskriminierungsfrei. Damit fühlen wir uns wohl. Danke.”

Nun weiß ich natürlich nicht, welche persönlichen Erfahrungen die junge Frau gemacht hat, ob es also tatsächlich Menschen gibt, die gehörlos und taubstumm gleichsetzen. Das wäre dumm und könnte als solches abgetan werden.

Wenn aber sie diese Beziehung herstellt, dann wird es brisant – weil es typisch für das heutige (verdrehte) linke Denken ist.

Es geht offensichtlich um den zweiten Teil des Kompositums, um das Wort „stumm“. Probst versteht das Wort offensichtlich nicht – und das, obwohl sie sich als Expertin der Materie zu erkennen gibt – und setzt es fälschlicherweise mit „sprachlos“ gleich. Tatsächlich bedeutet es aber lautlos[1]. Man sagt „Stumm wie ein Fisch“ oder in der Variante Luthers: „Ihr seyd so stumme als die Klotze“.

Stumm ist also jemand, der aus bestimmten Gründen – z.B. Fehlbildungen der Sprechorgane – keine Töne oder keine als Sprache erkennbaren Töne hervorbringen kann. Taube – ich kenne selbst solche Fälle –, die nur undeutlich sprechen, weil ihnen das Gehör als Eigenkorrektiv fehlt, sind demnach nicht taubstumm. Sie zu verstehen, ist nur eine Übungsfrage.

Gebärdensprache kann mit oder ohne Stummheit „gesprochen“ werden – wer sie beherrscht, mag lautlos sein, aber nicht sprachlos. Sie in der Schule zu lehren, wäre tatsächlich keine schlechte Idee, denn sie stellte eine lehrreiche kognitive Herausforderung dar.

In der Zuschreibung „taubstumm“ sind Gehörlose also – der Sache nach – gar nicht enthalten. Wenn Probst gegenteilige Erfahrungen gemacht hat mit Menschen, die beides durcheinanderbringen, dann handelt es sich um Fehler, die man als solche erkennen und damit umgehen lernen sollte. Ein Grund zur Verletzung ist schwerlich auszumachen.

Dennoch fühlt sie sich aber „diskriminiert“, will sich so fühlen. Die „Diskriminierung“ wird gesucht, Sprache wird aktiv danach abgesucht und wer sucht, der findet bekanntlich.

Es gibt aber noch eine weitere Volte des linken Denkens. Denn ein Teil der Kommentatoren macht sich gar nicht die Mühe, den Unsinn dieses Arguments zu durchschauen, sondern beginnt, sich reflexhaft zu entschuldigen, weil man diese – eingebildete – Differenz bisher nicht beachtet, also potentiell andere Menschen verletzt habe.Diese Denkfigur finden wir im Zuge der Schwarze-Leben-zählen-Bewegung ganz prominent in den zahlreichen Selbstdemütigungen weißer Amerikaner und Europäer, im bereits ritualisierten und damit auch entkernten „taking the knee“.

Diese junge Generation im Westen übt die Demutsgeste systematisch ein – man wird sie zusehends darauf konditionieren, sich schuldig zu fühlen: für die Geschichte, für ihre Ahnen, für ihr „weißes Privileg“, die „weiße Schuld“, für ihren systemischen Rassismus oder für eine x-beliebige Verletzung oder Diskriminierung, selbst wenn sie sich deren nicht bewußt ist oder das Gegenteil intendiert war. Letztlich dafür, daß sie sich noch immer nicht genügend schuldig fühlt. Das schlechte Gewissen hat die Macht übernommen.

Gegen Widerspruch gibt es verschiedene Immunisierungsstrategien, von denen zwei im Gesprächsfaden demonstriert werden: Zum einen wird der Status des Experten für sich beansprucht und Experte ist jeder, der betroffen ist.

Wer die Erfahrungen nicht gemacht hat, wer also nicht taub oder queer oder sonstwas ist, der könne nicht mitdiskutieren und dem darf man auch das Wort abschneiden. Zum anderen werden Widerredner als „Ewig-gestrige“ apostrophiert, mit denen man ohnehin nicht reden müsse. Daß Sprache diskriminierungsfrei sein muß, sollte doch selbstverständlich sein!

Ist da was dran? Könnte man nicht tatsächlich immer dann seine Sprache – oder auch sein Handeln – regulieren, wenn sich irgend jemand durch sie verletzt fühlt?

Das ist eine schwierige ethische Frage, die wir hier gar nicht diskutieren müssen, denn es sollte doch die Prämisse gelten, daß die Verletzung auch einen realen Grund hat. Ist sie nur eingebildet oder mit Absichten gebildet, dann hätte die Akzeptanz katastrophale Folgen. Sie würde dem „Verletzten“ ein Machtinstrument in die Hand geben – das sich im Übrigen bald als paradox erweisen würde und sich gegen ihn selbst wenden müßte – und sie würde Sprache als solche gänzlich verunmöglichen, ganz egal ob gehör- oder sprachlos; Sprache wäre dann von der Aufgabe, die Realität zu beschreiben, entbunden und in die Beliebigkeit, ja in den Nonsens entlassen.

Und noch was! Wie kommt es eigentlich, daß diese nachkommenden Generationen solche Mimosen geworden sind? Hatte Mark Aurel, der stoische Kaiser, die Lebensregel nicht für alle Zeiten auf den Punkt gebracht? „Laß die Einbildung schwinden, und es schwindet die Klage, daß man dir Böses getan. Mit der Unterdrückung der Klage: ‚Man hat mir Böses getan‘ ist das Böse selbst unterdrückt.“

Warum wirkt diese ewige Wahrheit heute nicht mehr? Man versteht das besser, wenn man „Böses“ mit „Leid“ übersetzt. Diese Generationen – und alle Generationen bis auf die letzten zwei oder drei – wußten, was Leid ist, sie haben es jeden Tag erfahren, von einfachen Zahnschmerzen über den ständigen Begleiter Bruder Tod, vom Hunger über Parasiten, von Krieg bis Pest, von Sorge (Zukunftsoffenheit) bis permanente Ungewißheit.

Wir hingegen sind die Kinder der Moderne und diese ist nichts anderes, als ein existentielles Erleichterungsprogramm. Modern ist, wer sich Erleichterung verschafft, vormodern, wer aushält.

Siehe auch: Die alte Leidkultur

Nachruf auf den Humanismus


[1] Das Grimmsche Deutsche Wörterbuch gibt uns im Band 20 auf 20 kleingedruckten Seiten Erklärungen dazu, die sich auf drei Hauptbedeutungen zusammendampfen lassen: 1. „der fähigkeit verständlichen redens physisch ermangeld“; 2. „lautlos, klanglos“; 3. „Schweigend, nicht redend, aus absicht oder psychischer unfähigkeit“.

6 Gedanken zu “Die eingebildete Diskriminierung

  1. Michael B. schreibt:

    sondern gehört zur kühlen Reflexion.

    Hiermit tun Sie – nach der bis dahin passenden Replik – doch noch lynx den Gefallen. Er zwingt Sie zum Rueckzug auf die letzten beiden Worte der zitierten Sequenz (die Sie in der Defensive erscheinen laesst), weil er einen Scheinwiderspruch aufbaut. Ein typischer rechter Fehler. Natuerlich sind nicht jede Emotionalitaet, nicht jede Leidenschaft, nicht jede Sorge usw. Gejammer. Erstere sollte man immer hochhalten und sich nicht durch solche Formulierungen der Moeglichkeit entheben lassen, sie in der Auseinandersetzung zu verwenden.

    Wie allerdings die ganze westliche Gesellschaft aus diesem Verhaltensmuster herauskommen sollte, ist schwer zu sagen.

    Ich sehe es ebenfalls so, dass sie das nicht wird. Die Menge und Tiefe der noetigen Einzelaenderungen ist nicht sichtbar, es ist auch keine einfache Sammlung solcher Dinge mehr. Die Flexibilitaet der Gesellschaftsordnung wird hier das erste Mal sichtbar ueberspannt, da der wesentliche gemeinsame Wertekontext entfernt wird. Nicht werden wird, sondern zum heutigen Tag schon irreversibel wurde. Keine wirtschaftliche, keine politische, auch keine geistige bewusste solche Anspannung ist moeglich, da der grundlegende gemeinsame Wille dazu fehlt. Und das schon lange und uebrigens ueberhaupt nicht auf z.B. Politiker beschraenkt. Das traegt die Bevoelkerung – jedes westlichen Landes – mit. Der gemeinsame spirituelle Topf ist leer. Die Teller zersplittert in unzaehlige kraftlose ‚individuelle‘ Fragmente. Das Maximum sind kuenstliche und mit viel Geld beatmete Vorstellungen von Globalitaet, „ganzer Menschheit“ und aehnliche Absonderungen.

    Liken

  2. Stefanie schreibt:

    Diese Diskriminierungsdebatten haben zunehmend den Charakter einer Täter-Opfer-Umkehr. Die (vermeintlich) diskriminierten nutzen ihren Status ( ihre Diskursmacht) um ihre „Unterdrücker“, die sie für ihr Leid verantwortlich machen zu maßregeln oder besser noch zu demütigen. Sie zwingen ihnen ihren Sprachduktus auf, um sie ihren Forderungen gegenüber ansprechbar zu machen. Für mich klingt vieles aus der Richtung nach einem tiefverinnerlichten Neid der „Diskriminieren“ gegenüber den „Normalen“. Die Gebärdensprache soll der „richtigen “ Sprache vollkommen gleichgestellt sein. Ihre „Sprecher“ dürfen nicht durch das sie kennzeichnende Merkmal-ihre Stummheit- gekennzeichnet sein. Diese Eigenschaft muß vollkommen als Unterscheidungsmerkmal verschwinden. Letztlich ist in dieser Argumentation zu erkennen, daß unterschwellig die Stummheit selbst als ein Makel erlebt wird: man projeziert auf die anderen die eigenen Vorurteile bzw. Werturteile, die man in sich selbst noch trägt. – Das eigene Gefühl der Unzulänglichkeit.
    Das ganze läßt sich auch ganz gut auf die „queeren“ übertragen- in den meisten Fällen sind es ja Männer , die, so wie sie sich zurechtmachen mehr-wie- eine-Frau wirken wollen, als Frauen selber. Warum sonst wohl tragen Transvestiten praktisch immer Abendkleider und dieses extreme Make-up? Im Leben der „normalen “ Frauen ist diese Aufmachung doch alles andere, als die Regel? Schwer zu sagen, was im einzelnen dahintersteckt, aber „Gebärneid“ wäre vielleicht ein Ansatz.

    Aber das ist ja nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite muss es eben Leute geben, die sich diesen Schuh freiwillig anziehen – und die sind für mich viel schwerer zu verstehen. Eine Gesellschaft muß schon eine seltsame Beschaffenheit haben wenn Selbsterniedrigung als Tugend gewertet, vielleicht sogar mit Statusgewinn belohnt wird.

    Vor einiger Zeit stieß ich auf dieses Video

    Das Opfer in solchen Mobbingsituationen zeichnet sich dadurch aus, daß es den Anschuldigungen gegenüber offen ist, sie auf sich selbst bezieht oder wenigstens prüft ob sie zutreffen könnten und eher mit Beschwichtigung, als Konfrontation reagiert. Die Befreiung aus der Opferrolle käme dann durch den Ausbruch aus diesem Verhaltensmuster. Wie allerdings die ganze westliche Gesellschaft aus diesem Verhaltensmuster herauskommen sollte, ist schwer zu sagen. Ein Anfang wäre wohl, diese Kanäle (Twitter etc.) In die Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen. Wenigstens die extremen Selbstdarsteller wären dann wieder auf ihren engeren Kreis bestimmt. Nur bringen solche Aufreger halt Klicks/Auflage/Quote und sind damit in der Logik der Medien quasi eingebaut.

    Liken

    • @Stefanie

      „Wie allerdings die ganze westliche Gesellschaft aus diesem Verhaltensmuster herauskommen sollte, ist schwer zu sagen.“

      Diese Frage sollte ein letzter Abschnitt beantworten – der wurde dann aus textästhetischen Gründen, um nicht noch eine Schleife zu binden, weggelassen. Darin sollte der Gedanke geäußert werden, daß der ganze Spuk, die gesammelten Absurditäten der linken Parallelwelten, mit einem Schlag in dem Moment verschwinden werden, wenn es wieder ums primäre Fressen gehen wird, wenn die ganze Chose hier wieder zusammengerutscht ist, wenn wieder Not und Elend regieren. Aber ich hatte ja mal „versprochen“, von diesen „Visionen“ zu lassen. In dem Moment, wo Menschen wieder um ihre Existenz ringen müssen, wird keiner mehr an Schminken, Geschlechtsumwandlung, Binnen-I und dergleichen Lächerlichkeiten denken. Das sind alles reine Wohlstandsauswüchse.

      Liken

      • Stefanie schreibt:

        Ich glaube, ich kann Ihren Optimismus in Hinblick auf einen katharischen Wirtschaftszusammenbruch nicht teilen. Zum einen stecken wir mitten in einem solchen, aber durch geschickte Bewusstseinslenkung und durch langsames Anheben des Niveaus der Grausamkeiten, erfolgt er sozusagen unter der Wahrnehmungsschwelle.
        Der andere Grund liegt in der Natur des „linken Denkens“ selbst: es formiert sich quasi dadurch, daß es für eigenen (selbstempfundenen) Probleme, Mängel, Ungerechtigkeiten etc. einen Schuldigen sucht (z.B. alte weiße Männer). Nachdem es offensichtlich wurde, daß auch durch Bildung und Chancengleichheit nicht jeder das Zeug zur Vorstandsvorsitzenden oder zum Luft-und raumfahrtingeneur hatte und auch eine sozialistische Regierung nicht in der Lage war alle sozialen Miseren zu beheben, wurde der linke Zeitgeist zum Agenten für die schicksalhafter Benachteiligten der Erde, denen bei welchen ein „jetzt streng dich mal ein bißchen mehr an“ eben nicht verfängt und bei denen auch der technische Fortschritt noch kein Allheilmittel gefunden hat (Gebärdensprache, Schriftsprache im Twitterformat, Hormone, Make-up und das chirurgische Arsenal haben bis jetzt ja noch nicht alle Diskrimierbaren erlöst. Böser Gedanke: strikte Eugenik könnte es, doch das werden die Klagenden nicht wollen – es sei den man nimmt einen Todestrieb an…) Jedenfalls wird eine Wirtschaftskrise nichts an all diesen Ungerechtigkeiten ändern. Vielleicht wird es wieder stärker metaphysische Formen annehmen („Der hat mich verhext.“) -Nur werden die jetzigen selbsternannten Opfergruppen dann wohl wieder ihren angestammten Platz in diesem Spiel einnehmen und zu tatsächlich Verfolgten werden.
        Der nächste Schwachpunkt bei der Wirtschftskrisen-Erlösungs-Theorie ist, daß deshalb noch nicht alle gleich arm oder arm, aber gleich werden, sondern sicherlich Krisengewinnler auftauchen werden, die es schaffen Ressourcen anzuhäufen, bei Bedarf zu verteilen und damit eine Gefolgschaft aufzubauen. Wer weiß welche Vorlieben solche Warlords wohl mitbringen werden?

        Seidwalk: Ich hatte nicht an eine Wirtschaftskrise, sondern an einen Zivilisationsabbruch gedacht. Unsere Situation ist wohl eher der römischen des 4. und 5. Jahrhunderts vergleichbar – die genannten Dekadenzerscheinungen sind ein starkes Indiz, daß die Gesellschaft innerlich und seelisch erschöpft ist, die wachsenden politischen Konflikte und objektiven Prozesse – Umweltzerstörung, Migration, Bevölkerungswachstum, vll. auch noch eine Pandemie, Atomarsenal o.ä. – können mit dieser Substanz nicht mehr geregelt werden. Ob das nun in 10 oder 100 Jahren stattfinden wird, kann niemand sagen. Vielleicht ist auch eine idiotische Abrüstung möglich – der sanfte Weg – aber die Zeichen stehen nun gerade auf Beschleunigung.

        Liken

        • Michael B. schreibt:

          @Stefanie

          Sie setzen die Themen m.E. an Stellen, die zwar i.M. durch mediale Praesenz gross erscheinen aber nicht die reale Rueckendeckung haben, schon gar nicht in einer Krise. Ich moechte dahingehend nur auf die demographiegewinnenden Bevoelkerungsteile verweisen, die thematisch absolut unempfindlich gegenueber diesen Einfluessen sind. Die uebrigens auf Wirtschaft bezogen jahrelange Erfahrung im Erhalt ihrer Geschaefte auch gegen Versuche staatlichen Hineinregierens und Abschoepfens mitbringen. Diese haben eine gute Chance sich als resilienter zu erweisen als klassische deutsche Varianten. Speziell in einer kollabierten Gesellschaft mit ihren einfacheren Formen von Bedarf.

          Wo ich Ihnen zustimme, ist der Katharsiseffekt (oder seiner Ermangelung). Eine in ihrem Substrat ausgeschoepfte Gesellschaft ohne wirklichen Zukunftsentwurf der in ihrem Rahmen noch abrufbar ist, stirbt. Nach dem Roemischen Reich gab es lange nicht viel was ihm entspraeche, selbst wenn es die Byzantiner noch 1000 Jahre geschafft haben sich irgendwie(!) zu erhalten.

          Noch einmal zur Wirtschaft. Von den ganz prinzipiellen Erwaegungen zur Zaehmung unter andere Prinzipien als ihr eigenes unpersoenliches Wachstum um seiner selbst Willen abgesehen: Sie erfuellt ja auch selbstgesetztes Ziel und Inhalt nicht einmal mehr. Ich verlinke noch einmal als Beispiel das hier.
          Auch wenn man Wachstum als Monstranz besitzt – es ist nicht mehr da und m.E. hat das grundlegende, das Gesellschaftssytem definierende, Ursachen. Die suche ich nun sicher nicht an der Stelle von Gruen und Rot derzeitiger Praegung, aber auch nicht in den oekonomischen Grundmythen der klassischen Proponenten unter den Ideologien westlichen Gesellschaften. Ich fand schon frueher „Wohlstand mehren“ als viel zu einschraenkend. Definitiv nicht als Teilaufgabe, aber die hat sich einzuordnen.

          Liken

  3. Interessant in diesem Zusammenhang ist das ständige Gejammere von älteren weißen Männern, dass die Welt nicht mehr so ist wie als sie zarte zehn Jahre alt waren. Zu welcher Art von Verweichlichung, besser mentaler Aufweichung, gehört das? Auch dazu findet sich bei Marc Aurel mit Sicherheit das passende Stichwort.

    Seidwalk: Enthält Spurenelemente eines diskutablen Arguments – deswegen fische ich das aus Ihren sinnleeren Ätzereien heraus und stelle es zur Diskussion.

    Wenn Sie einen Mark Aurel dazu kennen, dann teilen Sie ihn bitte mit. Der Fehler Ihrer Argumentation scheint zu sein, daß es nicht um die Kindheitsererinnerungen jammernder älterer weißer Männer geht – womit Sie sich ja gerade (jammernd) selbst karikiert haben zudem ebenjenes Vokabular verwenden, das hier kritisiert wird -, sondern um einen Verfall an sich. Das wurde im Artikel mit der Stoa – als Vertreter universaler Weisheitslehren (Buddha wäre noch härter) – angedeutet. Eine Gesellschaft aus Mitgliedern ohne Widerstandskraft gegen die Unwägbarkeiten des Lebens, ist nicht überlebensfähig. Diesen Zusammenhang aufzuzeigen ist nicht Gejammere, sondern gehört zur kühlen Reflexion.

    Außerdem waren wir – Sie und ich – im abschließenden „Wir“ inbegriffen.

    Lynx: Sie wollten ja noch einen Marc Aurel. Ich konnte mich nur schwer entschließen, welche Stelle ich für Sie auswählen soll. Wie wäre es damit: „Genug des elenden Lebens, des Murrens und des äffischen Benehmens! Warum bist du unruhig, was findest du hier so unerhört? Was bringt dich außer Fassung? Die ursächliche Kraft der Dinge? Betrachte sie nur! Aber vielleicht der Stoff? Sieh ihn nur an! Sonst gibt es aber nichts. Sei also doch endlich argloser und freundlicher gegen die Götter! Es ist ja einerlei, ob du diese Untersuchungen hundert oder nur drei Jahre anstellst.“ (Selbstbetrachtungen, Nr. 37).

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.