Orientalische Geschichten

Vor kurzem habe ich meine Walter-Scott-Werkausgabe verkauft, 38 Bände. So lange werde ich nicht leben, um mich auch noch um Scott zu kümmern und überhaupt liest das niemand mehr und im Regal ist endlich ein Meter Platz.

Bei der Räumaktion fiel mir ein kleines blaues Buch in die Hand, von dessen Existenz ich nicht mal mehr wußte. „Oriental Encounters. Palestine and Syria (1894-96)“ lautet der Titel, sein Verfasser trägt den auffälligen Namen Marmaduke Pickthall. Pickthall? Der Name klang in meinem Ohr. Wikipedia lieferte die Erklärung: Pickthalls Koran-Übertragung ins Englische gilt noch heute als Standardübersetzung.

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Das andere der Kulturen

Oh, East is East and West is West, and never the twain shall meet, Till Earth and Sky stand presently at God’s great Judgment Seat …

Einer, der es wissen mußte, war Rudyard Kipling (1865-1938) gewesen. In Indien geboren, im heutigen Pakistan gelebt, ein Weltreisender, der den Kontakt mit anderen Kulturen immer gesucht hatte. Man kennt ihn heutzutage fast nur noch wegen seiner Kinderbücher („Dschungelbuch“, „Kim“), zu Lebzeiten galt er als einer der Meister der Kurzgeschichten, für die er auch den Nobelpreis erhielt.

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Tragik eines angekündigten Todes

Man kann im verkündigten Rücktritt von den königlichen Pflichten des Prinzen Harry und seiner Aktrice alles Mögliche sehen – um das zu ergründen, genügt eine Presseschau.

Ich sehe darin ein bedenkliches Symptom unserer Epoche: der Sieg der Freiheit über die Verantwortung und die Tradition.

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Aufklärung und Sklaverei

Hampstead Heath im Frühjahr ist eine naturbunte belebende Oase im Großstadttrubel Londons. Der riesige Park im Norden der Stadt ist mehr als eine grüne Lunge, er beherbergt auch unerwartete Schätze. Plötzlich steht man vor einem opulenten Bau im klassizistischen Stil, der wie ein verzaubertes Schloß die Gegend überragt: Kenwood House.

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Die Lehre aus der EU-Wahl

… die gibt es nicht. Nur im Plural. Sie zu ziehen, soll hier nicht versucht werden – die Gazetten sind voll und manche Analyse durchaus treffend. Ich möchte hier nur auf ein paar einzelne Aspekte aus ganz persönlichem Interesse eingehen.

Wenn ich sage, es gibt nicht die, sondern viele Lehren, dann kann man daraus vielleicht doch eine Lehre ziehen: Vielfalt. Zu diesem Wort kann man das Synonym „Buntheit“ bilden – das tun unsere politischen Gegner ad nauseam – oder das Wort „Zersplitterung“. Das trifft es wohl eher.

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Stammtischparolen

Jeder kennt das: man liest unsere Presse und greift sich alle paar Minuten kopfschüttelnd an den Kopf. Es gehen einem ein paar Gedanken durch selbigen, aber ehe man sie ausgefaltet hat, liest man schon den nächsten Artikel – das Drama beginnt von vorn. Man muß nicht immer alles bis ins Kleinste ausdeuten. Manchmal – auch aus Selbstschutz – genügt das Stammtischniveau.

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