Meinung, Angst und Terror

„Was für Journalisten ein Volk hervorbringt, ist heute ein wesentliches Moment seines Schicksals.“ (Karl Jaspers)[1]

Sollte die Corona-Krise jemals eine gelassene, gut recherchierte und objektive Aufarbeitung erfahren, dann wird man vielleicht zu dem Schluß kommen, daß der größte Feind der Demokratie in Krisenzeiten zugleich ihr wichtigster Stabilisator in Friedenszeiten ist: die freie Rede und die freie Presse. Auf die Diskussion, wie frei unsere Presse tatsächlich ist, lasse ich mich in Anbetracht der Ernsthaftigkeit der Lage nicht ein, sie wird jedenfalls nicht zentralistisch gesteuert, auch wenn sich in ihr ein starkes Meinungsungleichgewicht gebildet hat. Man kann in ihr verschiedene Meinungen sagen – und das ist in existentiellen Krisenlagen das eigentliche Problem.

Weiterlesen

Das letzte Gefecht

 

Turning and turning in the widening gyre
The falcon cannot hear the falconer;
Things fall apart; the centre cannot hold;
Mere anarchy is loosed upon the world …
William Butler Yeats

Vor vielen vielen Jahren las ich Stephen Kings „The Stand“ ein Endlosroman mit mehr als 1000 Seiten[1]. In erster Linie wollte ich mich gruseln und wurde bitter enttäuscht. Kings Fama eilte ihm voraus, King-Fans hatten mir von durchängsteten Nächten berichtet und ihre blutigen Fingernägel als Beweis angeführt. Schon beim Aufschlagen des Buches überlief mich ein kalter Schauer und nach jedem Umblättern erwartete ich den Herzinfarkt. Aber es geschah nichts und allmählich wurde mir klar, was für ein mittelmäßiger Schreiber der Gefeierte eigentlich ist. Das bestätigte sich bei zwei, drei späteren Lektüren: King hat kein Gefühl für Tempo und für Brüche, er ist der Vorreiter jener Und-dann-Autoren, die heutigentags die Regale vermüllen.

Weiterlesen

Die gefährliche Dialektik des Erinnerns

„Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was verzählen“, dichtete einst Matthius Claudius und  besonders ausgiebig kann er das, wenn ihn diese Reise nach Sarajevo führt. Ich habe noch keine Stadt erlebt, in der es so knistert, in der Geschichte und Gegenwart, Freude und Leid, Licht und Schatten, Orient und Okzident, Moderne und Antike derart faszinierende Kontraste und Konflikte bilden. Egal, ob man durch die muslimisch geprägte Altstadt schlendert, in den anliegenden Bergen spazieren geht, sich das Olympische Dorf anschaut oder eine der zahlreichen Ausstellungen und Museen ansieht, überall spürt man diese Spannung.[1]

Weiterlesen

Leere Köpfe, tote Seelen

Es gibt Menschen, die sind jedwedem Höheren abhold. Nette Menschen, mitunter frohe, lustige Menschen, gute Menschen auch, mit denen man einträglich zusammen sein kann – solange man keine eminenten Themen anspricht.

Weiterlesen

Rechtsextremismus- und Klimawahn

Der Mord an Walter Lübcke war ein Mord. Punkt. Wenn es denn einer war. Mehr muß man dazu nicht sagen, alles andere ergibt sich aus dem Strafgesetzbuch § 211. Das gleiche gilt, wenn es sich um einen Totschlag handeln sollte: Der Totschlag Walter Lübckes war ein Totschlag. Punkt.

Weiterlesen

Der ewige Timmermans

Gerade macht Frans Timmermans‘, seines Zeichens „SPE-Spitzenkandidat bei der Europawahl 2019″ – „S“ steht für „Sozialdemokratisch“ und „Europa“ meint die EU – und Träger der Ehrenpalme Bulgariens, gerade macht sein kleiner faux pas genüßlich die Runde, worin er dem Islam eine 2000-jährige Zugehörigkeit zu Europa bescheinigt hatte.

Weiterlesen

Das Elfte Gebot der Traurigkeit

Das Denken bringt die Herrschaft des Menschen über die Natur mit sich und, mit gewissen Einschränkungen, wie etwa Gebrechlichkeit oder seelisches Leiden, auch jene über sein Wesen. Es ist Garant der Freiheit, sich das Leben zu nehmen, sich selbst aus freien Stücken und zu einem selbstgewählten Zeitpunkt ein Ende zu setzen. Warum dann diese unvermeidbare Traurigkeit? (George Steiner)

George Steiner ist ein wahrlich multikultureller Denker und ein lebendes Fossil europäischer Hochkultur. Die drei bedeutendsten Kultursprachen Europas sind seine Muttersprachen, tief in der englischen, französischen und deutschen Kultur verwurzelt, mit vielen freiwilligen Ausblicken ins Griechisch-Lateinische, ins Spanische, Italienische und Russische umfaßt sein Werk Arbeiten über die Antike Tragödie und über Dostojewski, reicht es vom Schach bis zu Heidegger, von Dante bis zur modernen Sprachphilosophie and beyond.

Weiterlesen

Die Greta-Vision

Ich muß mich korrigieren! Die Gretaisierung von Politik und Gesellschaft wird nicht spurlos an uns vorübergehen, wie ich bis vor kurzem annahm – sie könnte unser Leben sehr bald sehr drastisch verändern.

Heute hatte ich eine Vision. Während ich mir die Sendung mit der Anne Will anschaute, stieg vor meinem geistigen Auge die Zukunft auf.

Weiterlesen

Die Satanischen Verse

Vielleicht sehen sie auch, daß die Kontroverse um die Satanischen Verse im Grunde ein Streit um die Frage war, wer die Macht über die große Erzählung, die Geschichte des Islams, ausüben soll, und um die Meinung, daß diese Macht allen Gläubigen gleichermaßen zusteht. (Salman Rushdie)
Romanfiguren werden geschaffen, damit sie auf eigene Rechnung leben. (Umberto Eco)

Vor 30 Jahren wurde die Fatwa gegen Salman Rushdie, den Verfasser des bedeutenden Buches „Die Satanischen Verse“, verhängt.

Weiterlesen

Die Frage der Menge

Kürzlich wurden öffentliche Äußerungen nach einem gesetzlichen Fleischverbot laut. Dieses könne man – ähnlich wie bei der Feinstaubbelastung durch Dieselfahrzeuge – gerichtlich durchsetzen. So argumentiert etwa die „Vegane Gesellschaft“: „Wer A sagt und gerichtliche Fahrverbote durchsetzt, muß auch B sagen und Fleischverbote durchsetzen“.

Weiterlesen

Den Terror sehen

Begriff und Konzept des Terrors werden – wie so viele Kategorien – in unseren Medien inflationär gebraucht.

Umso verwunderlicher ist es, daß dort, wo nach allen Definitionskünsten der Welt reiner Terror vorliegt, man auf den Begriff verzichtet. Das Attentat auf den Bundestagsabgeordneten und Bremer Parteivorsitzenden der AfD erfüllt – sofern politisch motiviert – nun alle Kriterien des Terrors.

Weiterlesen

Ein Wink aus der Zukunft

Wenn man sich Erdogans dreitägigen Deutschlandbesuch noch einmal vor Augen führt, nur gespeist aus den offiziellen Medienmitteilungen, dann kann es aus deutscher Sicht nur ein Wort, ein trumpeskes Wort geben: Desaster!

Weiterlesen

Ontologie des Tötens

Daß tausende Menschen auf die Straße gehen, wenn Migranten deutsche Bürger töten, hat einen tiefen Grund, den die meisten vermutlich nicht denken und erst recht nicht ausdrücken können, den sie aber – und darauf kommt es an – tief innerlich fühlen. Und solange dieses Gefühl noch funktioniert, hat das Volk in beiderlei Gestalt – als „der Mensch“ im Plural und als historisch-soziales Gefüge –  noch eine Seele.

Wenn Heinz seine Ulla absticht, dann liegt ontologisch ein anderer Fall vor, als wenn Ulla von Hussain[1] abgestochen wird.

Weiterlesen

Zur Ökonomie des Nazis

Angesichts der entlarvenden Reaktionen linker Politik und Presse auf die Feststellungen (!) Kretschmers und Maaßens, daß es keine Hetzjagden, Mobs und Pogrome in Chemnitz gegeben habe, erlaube ich mir, noch einmal den Artikel „Zur Ökonomie des Faschismus“ einzustellen, der seine Aktualität gerade wunderbar bestätigt bekommt. Die Linke braucht den Nazi, sie hängt von ihm ab, sie verteidigt ihn, sie pflegt ihn und wenn er im virtuellen Raum verschwindet, gerät sie sofort in Schnappatmung, in Panik. Ein glänzender Beweis dafür, daß am sinistren Ufer der Vernunft sich die Realität den eigenen ewigen Wahrheiten zu beugen hat.

Weiterlesen

Nachrichten eines Tages

Das Bildungsniveau an Schulen verschlechtert sich rasant, es fehlt an Lehrern, man warnt vor dem „Bildungsnotstand“, in einer Woche kann man „Quereinsteiger“ werden, massenhafte „Integration“ erweist sich unmöglich; die Infrastruktur bröckelt – der Brückeneinsturz bringt es an den Tag -; die Bundeswehr ist wehrlos und funktionsuntüchtig, sie gleicht einem „Ersatzteillager“ und ist durch die Entmilitarisierung strukturell beschädigt; die Nationalmannschaft rutscht auf Platz 15 in der Weltrangliste; die Banken stecken in einer systemischen Krise; unsere Topmanager entpuppten sich als Raffkes und Verbrecher; die politische Stabilität im Land zerbröselt vor unseren Augen; die Gesellschaft erodiert, die Stimmung verschlechtert sich, „es fehlt der Sinn“; der Meinungskorridor des Sagbaren nimmt dramatisch ab, „Toleranz“ wird zur Zirkusnummer; der Tag, an dem Deutsche im Lande die Minderheit sein werden, läßt sich bereits berechnen; wir klagen abgeschobene Prime-Gefährder zurück ins Land; die Polizei kapituliert vor Clan-Kriminalität; kein Tag vergeht, an dem nicht Menschen Opfer werden, die sie nicht geworden wären, wenn … Aber wir nehmen Migranten auf – darunter vereinzelt Flüchtlinge – und versorgen sie komplett.

Demokratie – ein schönes Wort

Am 29. April 1933 schreibt Kurt Hildebrandt an Stefan George: “Ich bin gestern in ‘die‘ Partei eingetreten. Die Beamten sind in den letzten Tagen in solchen Mengen übergetreten und eingetreten, daß ein Nicht-Eintreten geradezu Widerstand und freiwillige Selbstausschaltung bedeutet. Der Universität gegenüber könnte der Eintritt eine eher positive Bedeutung haben und ich glaube, es besteht kein Grund, dieser auszuweichen.“

Weiterlesen

Gedankensplitter

Die Geschichte der Menschheit war ein ewiger Kampf der sich widersprechenden Eigeninteressen. Sie war blutig, aber sie hat auch das Überleben garantiert. Daß wir sind, was wir sind, haben wir dieser Geschichte zuzuschreiben. Aufklärung, Befreiungskämpfe, philosophische Ideologisierung und liberale Demokratie haben in einem komplizierten Prozeß einen neuen Aggregatzustand geschaffen. Man kämpft nun für die Interessen der Anderen: Männer für Frauen, Weiße für Schwarze, Christen für Muslime, Arme für Reiche, Heterosexuelle für Homosexuelle, Deutsche für Syrer und Afghanen … Das utopische Element daran ist der Glaube, daß damit beides erreicht werden könnte: das Blutvergießen beenden und die Fortexistenz sichern. Es könnte jedoch nur funktionieren, wenn alle Teilnehmer des Weltprozesses auf gleicher altruistischer Ebene stünden. Andernfalls werden die sich selbst Verleugnenden hinweggefegt werden – blutig.

Weiterlesen