Argumentum ad lapidem

Eine schöne Legende berichtet, daß Samuel Johnson den Solipsismus Berkeleys, sein esse est percipi – Sein ist Wahrgenommenwerden –, also den Gedanken, es gebe keine materiellen Dinge, sondern immer nur Ideen und Vorstellungen von ihnen, mit einem beherzten Tritt gegen einen Stein widerlegte oder zu widerlegen glaubte.

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Stammtischparolen

Jeder kennt das: man liest unsere Presse und greift sich alle paar Minuten kopfschüttelnd an den Kopf. Es gehen einem ein paar Gedanken durch selbigen, aber ehe man sie ausgefaltet hat, liest man schon den nächsten Artikel – das Drama beginnt von vorn. Man muß nicht immer alles bis ins Kleinste ausdeuten. Manchmal – auch aus Selbstschutz – genügt das Stammtischniveau.

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Männersache

Gerade hatte ich eine kleine Diskussion mit meiner Frau. Hmm! Woher weiß ich eigentlich, daß es meine Frau ist? Das eine, das meine, bestätigt mir ihr Bekenntnis, mir lebenslang zu dienen und hörig zu sein – das habe ich schriftlich und notariell bestätigt. Das andere, daß sie eine Frau ist, kann man sehen und hören und so weiter.

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Auf die Hündin gekommen

Frau Göring-Eckardt hat gelitten – „wie eine Hündin“. Das hat sie gesagt: „Ich habe an dem Morgen, an dem ich darüber nachgedacht habe, gelitten wie eine Hündin.“ Es geht um die Koalitionsverhandlungen, doch die sind nebensächlich. Die Hündin ist wichtiger! Das eine ist nur Politik, das andere Ontologie.

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Perversionen des Rassismus

Einen Ausblick in die schöne neue Welt der politischen Korrektheit liefert uns Tom Bartels – seines Zeichens Fußballreporter und Paradebeispiel jenes quasi aphasischen Kommentariats, dessen sich die deutsche Medienwelt bedient, um auch dem letzten couch potato die allerletzte Reststärke zu entziehen.

Gänzlich erfolgreich war Bartels nicht, selbst als Sedativ versagt er, denn als er ob einer etwas peinlichen Theatervorstellung Rüdigers (eines deutschen Fußballspielers in dunkler – es ist hier nur von physikalischer Reflexionsfähigkeit die Rede und nicht von Moral – Erscheinung, der nach einem Stupser schmerzverzerrt sich am Boden wälzte), meinte sagen zu müssen, „der soll jetzt nicht den Affen machen“, da waren einige Zuschauer sofort hellwach und witterten, na klar – Rassismus.

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Die Ehe als historischer Begriff

„Gott ist tot!“ – „Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen?  Stürzen wir nicht fortwährend?  Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts?  Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? “ (Nietzsche: Also sprach Zarathustra)
„Wenn die ‚Ehe für alle‘ kommt, dann wird vielen etwas gegeben, aber niemandem etwas genommen.“ (Thomas Oppermann, SPD)

Es ist ein trauriger Tag. Für die deutsche Sprache. Denn sie hat gerade ein weiteres Wort verloren, ist ärmer geworden, und ein wichtiges Wort dazu. Das Wort „Ehe“.

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Homo Phobienensis

Einer der Gründe, weshalb ich den deutschen Fußball nicht verfolge, ist das unsägliche Kommentariat. Jeder, der „Match of the Day“ kennt oder die Reporterlegenden Jonathan Pearce, Martin Tyler, Clive Tyldesley, John Motson, Guy Mowbrey, Jon Champion, Peter Drury oder Tony Gubba und deren Stimmbreite, Sprachwitz und Spielintelligenz zu schätzen gelernt hat, kann sich nur angewidert vom deutschen Reporter- und Expertentum, mit Ausnahmen natürlich, abwenden.

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Die autoritäre Revolte

Vor einiger Zeit beschrieb Götz Kubitschek auf „Sezession im Netz“ in halbironischem Ton eine kleine peinliche Szene während einer Buchvorstellung, der er soeben beigewohnt hatte. Volker Weiß stellte sein neues Buch vor – „Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“ –, das ihm sogleich sehr viel mediale Aufmerksamkeit bescherte – in der Regel natürlich positiv –, nebst der Nominierung zum prestigeträchtigen „Preis der Leipziger Buchmesse“. Das Buch erschien ausgerechnet im Klett-Cotta-Verlag, der u.a. die Werke Ernst Jüngers vertreibt.

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Das Problem ist das Problem

Ein schönes Beispiel falschen Bewußtseins schmückt gerade deutsche Werbeflächen:

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West-östlicher Dschihad

Man kann die Geschichte des Abendlandes als eine Geschichte des (wenngleich nicht immer erfolgreichen) Versuchs schreiben, Gewalt zu minimieren. Im Hinblick auf islamische Gesellschaften wäre eine solche Perspektive absurd. (Manfred Kleine-Hartlage: Das Dschihad-System)

Als Manfred Kleine-Hartlage diese Zeilen in seinem ausgesprochen diskutablen Buch schrieb – 2010 –, da kannte er Steven Pinkers Monumentalwerk „Gewalt – eine neue Geschichte der Menschheit“ (engl.: The better Angels of our Nature. Why violence has declined) von 2011 (dt.: 2013) noch nicht. Auf 1200 Seiten und mit allen empirischen, statistischen und soziologischen Wassern gewaschen, versucht Pinker nachzuweisen, daß die Welt sich seit 400 Jahren und akzelerierend seit 70 Jahren auf einer globalen abwärtsweisenden Gewaltspirale befindet.

Wohin man schaut und welche Form von Gewalt man auch nimmt – von der zwischenstaatlichen Konfrontation oder Formen der Tyrannei über Mordraten, Folter, Todesstrafe, Gefängnisstrafen, Sexualverstümmelungen, Kindesmißbrauch, Homophobie, Sklavenhandel, Vergewaltigungen … bis hin zu Tischsitten und gesellschaftlichen Umgangsformen, überall scheint es eine tendenzielle Verminderung von Brutalität und Unsitten zu geben.

Das Buch erregte viel Aufsehen, denn der medial vermittelte Anschein war doch ein ganz anderer: immer mehr und immer intensiver werden wir mit Gewaltbildern weltweit versorgt.

Doch die Zahlen lügen nicht. Pinker konnte sein Buch mit beeindruckenden Diagrammen pflastern, die fast alle einen beruhigenden Abwärtstrend zeigen.

Pinker Krieg

Das Buch freilich krankt an zwei Fehlern. Es pflegt den eurozentrischen Blick und es kann das Paradox aller Geschichtsschreibung nicht lösen, daß Historie eigentlich nur im Futur II ge- und beschrieben werden kann. Erst wenn sie beendet ist, läßt sie sich schreiben, nur stellt sich dann die Frage, wer sie noch schreiben können soll. Ignorieren wir diese geschichtsphilosophische Frage (die ich an anderer Stelle ausführlich besprochen habe). Eine notwendige Zwischenlösung ist stets die Abschnittsgeschichte und Pinker ist sich dessen natürlich bewußt: Seine ganze Argumentation könnte durch einen einzigen Akt des Wahnsinns widerlegt werden. Er löst das Problem hinreichend mit der Aussage: „Dieses Buch möchte nicht hypothetische Wahrsagerei über die Zukunft betreiben, sondern die Tatsachen von Vergangenheit und Gegenwart erklären.“ Akzeptiert!

Die Frage des Eurozentrismus – ein umgestülpter Euphemismus, denn natürlich meint sie die Frage des Islam – läßt sich nicht metaphysisch wegdiskutieren. Gelten Pinkers Einsichten auch für die islamischen Länder oder hat Kleine-Hartlage mit seiner Vermutung, die nicht empirisch belegt wird, recht?

Ganze neun Seiten (539ff.) werden der Thematik gewidmet – man könnte das schon für eine Antwort halten. Aber vielleicht kennt sich der Harvard-Professor in diesem Metier einfach nicht aus? „Muslime“, schreibt er, „machen ungefähr ein Fünftel der Weltbevölkerung aus und stellen in ungefähr einem Viertel der Staaten der Welt die Mehrheit, aber 2008 waren an mehr als der Hälfte aller bewaffneten Konflikte muslimische Staaten oder Aufständische beteiligt.“ Das würde den Erwartungen entsprechen, nähme man Huntington ernst. Vom „Clash of Civilizations“ will Pinker jedoch nichts wissen, denn die größte Anzahl der Konflikte finde doch zwischen muslimischen oder innerhalb von muslimischen Gesellschaften statt.

Er sieht „in islamischen Staaten zufällig (sic!) besonders viele Risikofaktoren für Autokratie“, weil sie ärmer, größer, ölreicher sind, muß aber zugeben: „Selbst wenn man diese Faktoren in einer Regressionsanalyse konstant hält, gibt es in den Staaten mit einem größeren Anteil an Muslimen weniger politische Rechte.“

„An den Gesetzen und Praktiken vieler muslimischer Staaten scheint die Humanitäre Revolution vorbeigegangen zu sein.“ Es gibt fast überall Todesstrafen, 100 Millionen Mädchen erleiden jährlich (sic!) Genitalverstümmelungen, Ehrenmorde, Sklaverei, körperliche Züchtigungen etc. seien noch immer an der Tagesordnung. „Religiöser Aberglaube“ und ein überzogener Ehrbegriff seien dafür ebenso mitverantwortlich wie ein „beeindruckender Katalog von Kränkungen“: Kreuzzüge, Kolonisation, Israel, amerikanische Truppen in arabischen Ländern, geringe Leistungsfähigkeit im Vergleich zum Westen. Die Frage, warum das als Kränkung empfunden wird, stellt sich Pinker leider ebenso wenig wie die Frage, weshalb der vermeintliche wissenschaftliche Vorteil des Mittelalters so leichtfertig aufgegeben wurde.

Das ist die Crux an Pinkers Argumentation. Er wagt sich nicht an die Religion heran und wenn doch, dann umschifft er die Untiefen der politischen Inkorrektheit. Zwar sind die Fakten eindeutig, doch meidet der ansonsten so messerscharfe Geist die Schlüsse zu ziehen: „Die Ergebnisse (verschiedener Umfragen) bestätigen, daß die meisten islamischen Staaten sich in absehbarer Zukunft nicht zu säkularen, liberalen Demokratien entwickeln werden. Die Mehrzahl der Muslime in Ägypten, Pakistan, Jordanien und Bangladesch gab in der Umfrage an, die Scharia … solle in ihren Staaten die einzige Quelle der Gesetzgebung sein, und die Mehrheit in den meisten anderen Ländern gab an, sie solle mindestens eine der Quellen sein.“ Aber: „Religion gedeiht auf wolkigen Allegorien, einer emotionalen Bindung an Texte, die niemand liest (sic!), und andere Formen der gutartigen Heuchelei.“

Hier offenbart Pinker eine spektakuläre Unkenntnis der Welt des Islam: Es ist eine Glaubenspflicht für Muslime, den Koran zu lesen, zu studieren und zu memorieren – die man freilich auch verletzen kann. Daher entbehrt der Vergleich mit den Amerikanern – von ein paar Evangelikalen abgesehen – jeder Grundlage: „Wie die Anhänglichkeit der Amerikaner an die Bibel, so ist auch die Anhänglichkeit der meisten Muslime an die Scharia wahrscheinlich eher ein symbolisches Festhalten an moralischen Einstellungen, die sie mit den besten Seiten ihrer Kultur in Verbindung bringen und kein buchstäblicher Wunsch, Ehebrecherinnen gesteinigt zu sehen.“ Ein verräterisches „wahrscheinlich“ und ein theatralisches Beispiel entlarven den guten Willen.

Wie schnell Unwahrscheinlichkeit wahrscheinlich werden kann, zeigt die Türkei: „Manche muslimischen Staaten, darunter die Türkei, Indonesien und Malaysia, sind auf dem Weg zu einer recht liberalen Demokratie.“ Der Katholik Rodrigo Duterte, Präsident der Philippinen, mag als Gegenbeispiel dienen.

Pinker Terror

Um seine schönen Abwärtsspiralen in diesem Kontext präsentieren zu können, muß Pinker, wenn es um Terrorismus geht, etwa Afghanistan und den Irak herausrechnen – heute würde er wohl auch Syrien ausschließen müssen. Und während die zwischenstaatlichen Konflikte weltweit abnehmen, verzeichnen die islamischen Staaten einen sanften, aber kontinuierlichen Anstieg.

Wer hat nun recht: Kleine-Hartlage oder Pinker? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte, das Ergebnis ist ambivalent und zukunftsoffen. Auch in den meisten islamischen Staaten dürfte es (im Moment) eine tendenziell kritische Auseinandersetzung mit vielen Formen der Gewalt geben – man kann in einer globalisierten Welt nicht so tun, als lebe man auf einer Insel – aber auch Pinkers Fazit hat noch eine gewisse Aussicht auf Realisierung: „… daß der ‚kommende Krieg mit dem Islam‘ in Wirklichkeit nie kommen wird.“

Quellen:
Kleine-Hartlage, Manfred: Das Dschihad-System. Wie der Islam funktioniert. Gräfelfing 2010
Pinker, Steven: Gewalt – eine neue Geschichte der Menschheit. Frankfurt 2013

Frauen im Schutze des Islam

„… daß Frauen niemals ihre vollen Rechte, natürliche Freiheit und vollständigen persönlichen Rechte genießen werden, als unter dem SCHUTZ des ISLAM. Der Islam hat eine Menge Rechte für Frauen festgelegt und eingesetzt. Dem entsprechend hat er auch bestimmte Pflichten benannt und festgelegt, die sie einhalten und erfüllen muß. All dies aus dem Grund, weil der Islam eine Göttliche Religion ist, im Gegensatz zu den von Menschen gemachten Gesetzen.“

Ist man mit Muslimen zusammen, läßt sich die Geschlechterfrage nicht umgehen. Nachdem es einige Mißverständnisse und Konfrontationen gegeben hatte und wir darüber zu diskutieren versuchten, legte Khaled mir ein kleines Büchlein vor: „Frauen im Schutz des Islam“. Darin sei alles erklärt. Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. In Hinblick auf die Frage der Integrierbarkeit, sollte man sich dessen stets bewußt sein! Sie sind weitgehend unantastbar und diskursiv nicht zu erschüttern, weil sie ausschließlich mit dem Autoritätsbeweis (Koran, Sunna, Hadithe), und nicht mit rationalen Argumenten arbeiten. Daher gilt es, dies zur Kenntnis zu nehmen – es ist kein Diskussionsbeitrag.

Eine Diskussion wird mit Menschen dieser Denkweise nicht möglich sein, denn, wie Norbert Bolz einmal schrieb: „Wenn der Dialog beginnt, hat der Liberalismus schon gewonnen. Und dafür haben die Frommen ein untrügliches Gespür … Wenn sich die Fundamentalisten auf einen ‚Dialog‘ einlassen würden, gäbe es gar keinen Grund mehr für einen Dialog“ („Konsumistisches Manifest, 29). Daß diese Positionen auch bei in Deutschland geborenen, aufgewachsenen, ausgebildeten Muslimen dominant sind, beweist dies ebenso wie die dem Islam genial eingearbeitete Veränderungsresistenz. Sie ist der Religion und dem Koran inhärent und wesenseigen: „Der Islam ist in jeder Hinsicht genau, fehlerlos und deutlich.

Die Apologie – auch das ein wichtiges Detail – stammt aus Saudi Arabien. Ich werde sie ausgiebig zitieren, empfehle darüber hinaus aber das eigene Studium; man kann sie hier herunterladen.

Der Autor macht aus seiner scholastischen Einstellung kein Hehl, betont gleich zu Beginn, nichts Neues präsentieren zu wollen, sondern lediglich „alles, was ich an Geschriebenem zu diesem Thema finden konnte, zu sammeln“. Seine Suche ging nicht weit: die heiligen Texte und zwei, drei islamische Traktate, aus denen wiederum er alle westlichen Quellen zitiert: Schopenhauer, Gustave Le Bon, Annie Besant, Will Durant … alles kreuz und quer. Mal schreibt er Lebon oder Le Bond und zeigt, daß er keinerlei Ahnung hat, die Autoren gar nicht kennt, und ausgerechnet Annie Besant, die Theosophin zu zitieren, zeugt auch nicht gerade von Durchblick. Es werden Quellen angeführt, die es nicht gibt und sogar ein „Sankt Trotolian“ muß herhalten (Tertullian?), ein Heiliger, den es (m.W.) gar nicht gibt – nur auf islamischen Agit-Prop-Seiten, die just vorliegende Schrift zitieren.

Überhaupt ist das intellektuelle Niveau der Broschüre erschreckend niedrig, sie folgt keiner inneren Methode, enthält zahlreiche logische Widersprüche … man würde sie angewidert weglegen, wenn man nicht wüßte, daß sie den geistigen Zustand eines gewissen Teils der muslimischen Welt widerspiegelt und damit große Wirkung erzielt.

Vorab gilt: Rufe nach „Freiheit der Frau, Unabhängigkeit und gleichen Rechten … sind in Gesellschaften und Ländern annehmbar, in denen den Frauen nicht die ihnen zustehenden Rechte gewährt werden“. Es erstaunt den Verfasser also, „derartige Rufe auch aus den islamischen Gesellschaften zu hören“, denn es gibt „kein einziges Gesetz, System oder Regelwerk, das Frauenrechte bereitstellt, enthält oder schützt, wie es der Islam tut“ – auch kein Grundgesetz.

Ein beliebter wenngleich leicht zu durchschauender Trick in derartigen Debatten ist der nun folgende: Es werden historische Beispiele von Frauenunterdrückung erwähnt – vorislamische Gesellschaften, alte indische, chinesische, römische, griechische, jüdische, christliche Gesellschaften –, überall wurden Frauen unterdrückt und im Vergleich dazu seien die Offenbarungen Mohammeds ein wahrer Fortschritt. Stillschweigend werden die antiken mit den modernen Gesellschaften gleichgesetzt, daß das Alte Testament etwa ein heute fragwürdiges Frauenbild malt, wird der in dieser fernen Kontinuität stehenden modernen Sozietät nahtlos angerechnet: „Hier werden wir die Rechte, die der Islam den Frauen zugesteht, mit denen vergleichen, die Frauen in anderen Gesellschaftsformen gewährt werden“ (nicht: wurden).

Die Einstellung zur Frau hängt ganz wesentlich von ihrer Rolle und ihrer Situation ab: Tochter, Gattin, Mutter, Witwe … heiratsfähig, Braut, menstruierend, schwanger, stillend …

Es war ohne Zweifel ein Fortschritt, als Mohammed den Arabern verbot, ihre ungeliebten neugeborenen Töchter im heißen Sand zu vergraben. Der Muslim – sowohl der Koran als auch die vorliegende Schrift spricht, ohne daß man sich dessen bewußt zu sein scheint, ausschließlich zu Männern – hat seither der jeweiligen Frau mit Nachsicht zu begegnen, ihr „Freundlichkeit, Respekt, Ehre, Würde und Integrität“ zukommen zu lassen. So darf ein männliches Kind dem weiblichen nicht bevorzugt werden. Auch „schätzt der Islam die Meinung der Tochter, wenn es um ihre Heirat geht“.

Und um Heirat geht es vor allem. Alles ist bis ins Kleinste durchreglementiert, weshalb die Frau als Gattin besonders ausgiebig behandelt wird. Sie hat das Recht auf eine Brautgabe. Später wird ihr diese negativ verrechnet, wenn sie nur halb so viel erben darf, wie ein Mann. Sie darf auch nicht „über alle Maßen mißhandelt“ werden. Nur eine Frau, „die Unzucht treibt oder Ehebruch begeht, darf streng behandelt werden und der Mann darf ihre Brautgabe zurückverlangen“. Rechte und Pflichten, Freiheiten und Gesetze werden hier gern verdreht: „Der Islam vergißt auch die seelischen und emotionalen Rechte der Frauen nicht … Frauen müssen vom Mann, vor allem vor unsittlichen Menschen, beschützt werden. Sie dürfen keinen Orten des sittlichen Verfalls, Nachtklubs oder ähnlichem ausgesetzt werden.“

Besonders wertgeschätzt wird die Mutter. Die Sorge um die Eltern soll sogar dem Djihad vorgezogen werden.

Daß das Frauenbild des Islam keinen guten Leumund hat, ist dem Verfasser nicht entgangen. Er widmet sich folglich ausgiebig den „Mißverständnissen“. Ganz oben auf der Agenda das Thema „Mehrehe“. Wieder wird der historische Dreh genutzt; es werden polygame Gesellschaften ebenso angeführt wie westliche Denker, die die Notwendigkeit der Vielweiberei begründet haben sollen. Bedingung für eine Mehrehe ist die Gleichbehandlung aller Frauen, sowohl materiell als auch sexuell – der Muslim scheint sich gern als Frauenglück zu sehen – und die Fähigkeit, einen großen Haushalt zu führen. Wann sollte der Mann über eine Zweit/Dritt/Viertfrau nachdenken?

  1. „Wenn eine Frau steril ist, und der Ehemann möchte gern Kinder haben; was ist das beste für eine Frau: geschieden zu werden, ohne daß sie eine Sünde oder ein Verbrechen begangen hätte, oder im Haushalt ihres Gatten gemeinsam mit seiner anderen zu verbleiben?“ Hier scheint die Logik wunderbar durch. Einerseits wird ein schwierig zu akzeptierendes Gegensatzpaar konstruiert – die Möglichkeit einer Mediation oder eines Verzichtes wird gar nicht erst erwogen –, andererseits ist die gesamte Argumentation nur sinnvoll in einer Welt, in der eine Scheidung per se als Urschande begriffen wird.
  2. „Wenn die Frau unheilbar krank ist und sie kann ihre ehelichen Pflichten nicht erfüllen; was ist in ihrem Fall besser: geschieden zu werden oder daß eine andere Frau hinzukommt …“ Man könnte die Frau ja pflegen – aber das ist (auch) Aufgabe der Neuen …
  3. „Manche Männer sind sexuell fordernd. Eine Frau könnte nicht in der Lage sein, das erlaubte Verlangen ihres Gatten zu erfüllen. Oder wenn ihre Menstruation oder ihre Wochenbettzeit beträchtlich länger als normal ist, oder sie besitzt kein sexuelles Verlangen, das dem des Gatten entspricht; was ist für beide, Ehemann und Ehefrau, in einem solchen Fall besser? Ist es besser für den Mann, irgendwo anders, außerhalb der Ehe, auf unerlaubte Weise sein sexuelles Verlangen zu befriedigen, oder eine zweite rechtmäßige Frau zu nehmen, die ihn rein hält?“ Erneut wird ein Scheinkonflikt aufgebaut und die zeitweise sexuelle Enthaltsamkeit, die Triebbeherrschung als zivilisatorische Errungenschaft, nicht erwogen – der Mann hat demnach ein Naturrecht auf dauerhafte sexuelle Befriedigung.
  4. Kriege und Bürgerkriege führen zu Frauenüberschuß. Ein valides Argument in kriegsfreudigen Gesellschaften – dies dürfte der eigentliche Grund sein, weshalb der Koran die Vielweiberei ermöglichte. Mohammed führte laut Ibn Ishaq innerhalb von 10 Jahren 27 Feldzüge persönlich an und initiierte 47 Raub- und Eroberungszüge, zudem war die weitere kriegerische Verbreitung des Islam systematisch angelegt. Daraus musste sich ein demographisches Ungleichgewicht ergeben (das im Übrigen durch ausgedehnten Sklavenhandel für Muslime teilweise kompensiert wurde) … Für Mohammeds Zeit, die Jahrhunderte der islamischen Expansion, die zudem die männlichen Gegner vornehmlich töten ließ, mag die Vielehe eine logische Konsequenz gewesen sein.
  5. „Eine andere Konsequenz der Kriege ist das Vorhandensein von vielen Witwen, Geschiedenen und alten Jungfern in den Gesellschaften. Was ist für Frauen in ihren Situationen besser: allein zu bleiben und unter Schwierigkeiten des Lebens und seinen fordernden Bedürfnissen zu leiden oder eine Ehe als zweite Frau mit einem ehrlichen, beschützenden, ehrbaren und reinen Ehemann anzunehmen?“

Aus alldem ergibt sich natürlich die Frage der Gleichberechtigung: „Wenn wir die Mehrehe für Männer erlauben, warum ist sie dann nicht auch für Frauen erlaubt? Die Antwort ist folgende: Völlige Gleichheit zwischen Mann und Frau in der Polygamie ist aus natürlichen und körperlichen Gründen nicht möglich, wie wir erläutern werden: Körperlich: In den meisten Gesellschaften der Welt besitzt der Mann die Autorität über den Haushalt. Nur zur Diskussion: Wenn eine Frau zwei oder mehr Ehemänner hätte, wer hätte dann die Autorität und die Führung im Haus? Und wessen Verlangen sollte die Frau erfüllen, das des ersten oder das des zweiten Mannes? Es ist für eine Frau zweifellos unmöglich, all die Begierden, Bedürfnisse und Verlangen der Männer zu erfüllen. Wenn die Frau den einen vor dem anderen bevorzugen würde, wären alle ärgerlich und entsetzt. Natürlich: Eine Frau kann nur einmal im Jahr schwanger werden, wenn überhaupt. Und sie kann nur von einem Mann schwanger werden. Der Mann andererseits kann jedoch von verschiedenen Frauen mehrere Kinder in demselben Jahr bekommen, wenn er mehr als eine Frau hat. Wenn der Frau darüber hinaus erlaubt wäre, mehr als einen Mann zu heiraten, wer wird denn dann im Fall der Schwangerschaft der wirkliche Vater ihres Kindes sein und wie würde das ermittelt?“

Nach diesen Kapriolen ist die Konklusion wenig überraschend: „Wenn wir fair und gerecht sein wollten, könnten wir sehen, daß die Polygamie im Islam die Frauen beschützt, ehrt, erhält und respektiert. Polygamie ist besser als die westliche Prostitution …“ und der Seitensprung. Daraus entstünden uneheliche Kinder und das ist die größte vorstellbare Schande.

Aus den natürlichen Gegebenheiten ergibt sich auch das verminderte Recht der Frau, vor Gericht auszusagen. Laut Koran muß eine Straftat von zwei Männern bezeugt sein oder von zwei Frauen und einem Mann, was der Halbierung der Gültigkeit der Frauenaussage gleichkommt. „Göttliche Weisheit gab den Frauen im Allgemeinen sehr sensible Emotionen, sanfte Gefühle, Fürsorge und Liebe. Dies befähigt die Frau zu ihrer natürlichen Aufgabe, Kinder zu bekommen, zu stillen … Aufgrund dieser emotionalen Eigenschaften der Frau kann sie sehr leicht ihren gefühlsbetonten Eingebungen folgen und von der Wirklichkeit abschweifen, weil sie sich in einen Fall sehr stark hineinversetzt. Die Liebe einer Frau und ihre Gefühle können über sie und das, was sie bezeugt hat, kommen und dadurch die Geschichte ihrer Zeugenaussage und das Zeugnis zerstören. Daher wurde eine göttliche Vorsichtsmaßnahme getroffen, um jegliche emotionale Betroffenheit der Frau, im Falle einer Zeugenaussage in ernsten, kritischen und extrem gefährlichen Fällen, wie Morde, ernste Verbrechen und Angriffe, auszuschließen. Wenn eine Frau bei einem Verbrechen anwesend ist, wenn ein Mord geschieht, dann könnte sie ihre Augen schließen.“ „Trotzdem akzeptiert der Islam aber die Aussage einer einzelnen Frau, wenn es um die Feststellung der Jungfräulichkeit, die Geburt eines Kindes, die Klärung von weiblichen, sexuellen Fehlern oder andere Dinge geht, die aufgrund eines Streits einer Untersuchung der Intimsphäre einer Frau bedürfen.“ Auch macht man sich um die Sicherheit Sorgen: „Ein Ergebnis der Zeugenaussage und Bezeugung können finanzielle und körperliche Lasten sein. Ein Zeuge könnte in manchen Einzelfällen ermordet werden. Der Islam beabsichtigt deshalb, viele dieser Schwierigkeiten, die die Zeugenaussage miteinschließt, den Frauen abzunehmen.“

Abnehmen will der Islam den Frauen auch die Bürde der Verantwortung. „Die finanzielle und moralische Verantwortung eines Haushaltes benötigt eine starke Persönlichkeit, Präzision und Entschlossenheit beim Treffen von Entscheidungen, usw. Die Haushaltsangelegenheiten führen, leiten und bewegen ist im Islam die Verantwortung des Mannes, und nicht die der Frau. Die körperliche und geistige Beschaffenheit des Mannes befähigt ihn dazu …“ Umgekehrt sind es die Schwächen der Frau, die sie davon ausschließen: sie menstruiert – der Islam ist menstruationsbesessen –, sie gebiert, sie stillt, sie ist körperlich schwach, sie mangelt der Rationalität, sie ist zu emotional, ihr Nervensystem ist anders organisiert, selbst ihr Gewebe ist ein weicheres. „Daher sind Männer von Natur aus schon dazu ausgestattet und qualifiziert, die Rolle des Führers über den Haushalt im allgemeinen und über die Frauen im besonderen zu übernehmen.“

Auch das Erbrecht sieht Unterschiede vor: Koran: „Auf einen männlichen Geschlechts kommt gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts“ (4.11). In der islamischen Logik wird das wie folgt erklärt: Der Mann bezahlt ein hohes Brautgeld, hat also bei Eheschluß ein Verlustgeschäft gemacht. Außerdem muß er bei Scheidung für die Kinder Unterstützung zahlen. „Männer und Frauen tragen nämlich im Islam nicht dieselbe finanzielle Verantwortung und Pflicht auf ihren Schultern.“ – was man ja verändern könnte – „Also wäre es unfair. Beiden dasselbe Erbe zukommen zu lassen. Allah nahm jegliche finanzielle Aufregung, Druck, Verantwortung und Pflicht von den Frauen. Zusätzlich ehrte Er die Frau, indem Er ihr das Recht zusprach, alles was sie braucht, von ihrem Ehemann, Bruder oder Sohn besorgt zu bekommen … Wenn also nach dem Islamischen Gesetz eine Frau nur die Hälfte des Anteils eines Mannes beim Erbe erhält, so ist dies wirklich fair und gerechtfertigt.“ Ein sich selbst bestätigendes System.

Dann gibt es noch ein sogenanntes Blutgeld. „Der Islam schreibt vor, daß das Blutgeld für den Mord an einer Frau die Hälfte dessen beträgt, was für einen Mann gezahlt wird.“ Eine Art Entschädigung für den Verlust eines Menschen. „In dem Fall einer unabsichtlichen Tötung ist das Blutgeld, das den Erben des Opfers halb so viel, wie das für die absichtliche Tötung eines Mannes, wegen des Schadens, den die Familie durch den Tod des Mannes erleidet.“ „Daß daher das Blutgeld für eine Frau die Hälfte dessen ist, das für einen Mann veranschlagt wird, erklärt sich von selbst.“

Diese archaischen Regeln sind für Deutschland im Moment noch wenig relevant. Spannender wird es beim Arbeitsrecht. Die Frau wurde „mit Liebe, Freundlichkeit, Mitgefühl, Fürsorge und Zuneigung begabt, damit sie ihre schwierigen Pflichten mit einem Lächeln im Gesicht und Stolz und Würde erfüllen kann.“ Es ist „die natürliche Aufgabe der Frau, die Arbeiten im Haus zu erledigen und im Allgemeinen für seine Bedürfnisse (sic!) Sorge zu tragen.“ „Der Islam beraubt die Frau aber trotzdem nicht des Rechtes, zu arbeiten. In der Tat erlaubt ja der Islam der Frau, sich persönlich um ihre Geschäftsverträge und finanziellen Transaktionen zu kümmern.“ Sollte sie trotzdem aus unerfindlichen Gründen das Bedürfnis spüren, für den eigenen Unterhalt zu sorgen, so sind folgende Regeln zu beachten:

  • „Die Arbeit der Frau außerhalb des Hauses, darf ihren Pflichten und Verantwortlichkeiten ihrem Ehemann und ihren Kindern gegenüber nicht entgegenstehen.“
  • „Eine Frau muß zusammen mit anderen Frauen arbeiten. Sie darf nicht in einer Umgebung arbeiten, in der sie in körperlichen Kontakt mit Männern gerät.“ Das bringe nur uneheliche Kinder und damit Katastrophen hervor.
  • Sie muß ihren Körper „anständig bedecken“, darf keine „anziehende, kurze, verführerische Kleidung tragen“, denn es laufen viele „schlecht gesonnene Männer“ mit „natürlichen Bedürfnissen“ herum, die sie dann an diesen Frauen bedauerlicher- aber verständlicherweise befriedigen könnten.
  • „Die Arbeit muß eine erlaubte Tätigkeit sein, die zur Natur der Frau paßt.“

Das alles ändert nichts an der Verwunderung: „Warum arbeitet die Frau eigentlich? Wenn die Frau für ihren eigenen Unterhalt arbeitet, so hat der Islam sie doch davor bewahrt“, sprich: ganz gleich ob Mutter, Tochter, Witwe, Schwester, Schwägerin … immer verpflichtet der Islam einen Mann, für die Frau zu sorgen.

Die Frau darf auch geschieden werden, aber „die Kraft der Scheidung liegt beim Mann“, der schließlich das Brautgeld bezahlt hat, besser in der „Lage ist, seine Launen, Gefühle und Reaktionen zu kontrollieren“, und also ist es „der natürlichste und logischste Weg, den Mann die Kontrolle über den Scheidungsprozeß haben zu lassen.“ Hochzeit und Scheidung sind ungültig „ohne einen (männlichen) Vertreter für die Frau“

Schwierig wird auch das Reisen ohne männliche Begleitung. „Der Islam verbietet der Frau (ob verheiratet oder nicht), allein, ohne die Begleitung eines nahen, nicht zu heiratenden Verwandten als Reisebegleiter zu reisen. … Solch ein Verwandter muß einer von denen sein, die ihr zum Heiraten durch die direkte Blutsverwandtschaft verboten sind.“ Umgekehrt sagte der Prophet auch: „Kein Mann darf das Haus einer Frau betreten, wenn kein männlicher Verwandter im Haus ist.“ Natürlich gibt es dafür auch gute und leicht einsehbare Gründe: „Frauen sind von Natur aus zumindest körperlich schwächer als Männer. Das sind sie aufgrund von Schwangerschaft, Menstruation, Stillen und Kinderbetreuung. Frauen sind auch gefühlsbetonter als Männer. Sie sind leichter geneigt, ihren Gefühlen eher als den Tatsachen zu folgen. Frauen werden ebenfalls leicht von der Umgebung und dem Milieu beeinflußt“, sprich, sind leicht verführbar. Daher muß sie in einer Welt des Mißtrauens vor sich und vor Männern geschützt werden: „Eine Frau stellt für Männer mit schlechten Hintergedanken durch ihre körperliche und emotionale Beschaffenheit ein leichtes Ziel und ein leichtes Opfer dar. Eine Frau benötigt einen Mann, der ihr hilft, ihren Bedarf zu sichern, auf sie aufpaßt und die benötigte Fürsorge, Sicherheit und Aufmerksamkeit entgegenbringt, damit sie nicht in Verlegenheit gerät, einen Fremden um Hilfe bitten zu müssen, der dann aus ihren Bedürfnissen einen Vorteil zieht.“

Das würde zwangsläufig zu Strafen führen. Darf man eine Frau auch schlagen? Die Antwort ist eineindeutig: „Tatsächlich untersagt der Islam das Schlagen der Frauen und warnt ernsthaft davor. Und zwar aus dem Grund, weil die Frau in ihrer körperlichen Beschaffenheit schwächer ist als der Mann. … Obwohl Schlagen verboten ist, erlaubt es der Islam in eingeschränkten und begrenzten Gelegenheiten.“ Es ist wie eine bittere Medizin, die scheußlich schmeckt, aber doch heilt. Zuerst muß die Frau ermahnt und gewarnt werden, dann meidet man das Bett der Frau und hungert sie sexuell aus und wenn das alles nichts hilft, als „dritte und letzte Stufe: Schlagen ohne zu verletzen, Knochen zu brechen, blaue und schwarze Flecken auf dem Körper zu hinterlassen und unter allen Umständen vermeiden, ins Gesicht zu treffen.“ „Diese Behandlung hat sich für zwei Sorten von Frauen als sehr wirkungsvoll erwiesen“: „Die kontrollierende und führende Frau“ und „die unterwürfigen Frauen. Diese Frauen genießen es, geschlagen zu werden.“ Das alles freilich nur „in absoluter Privatsphäre“, als „Disziplinierung und Erziehung“, so, wie der Vater dem Sohn einen Klapps gibt oder der Lehrer dem Schüler.

Es sind vor allem diese letzten Zeilen, die vor sechs Jahren, als man noch einen kritischeren Blick auf den Islam haben durfte, zu Razzien und Beschlagnahmungen in Moscheen, die diese Broschüre verteilten, führten. Heute liegt sie wieder öffentlich aus und den darin geäußerten Meinungen und Lebensweisen begegnet man in dieser oder jener Form aller Orten.

Kleiner Trick

Khaled will heiraten. Freimütig erzählt er von seinen Plänen. Aber immer, wenn er von seiner zukünftigen Frau spricht, nutzt er das falsche, das männliche Personalpronomen –  statt „ihr(e)“ sagt er „sein(e)“: seine Schwester, seine Wohnung usw.

Jedes Mal wird berichtigt und doch macht er es wieder falsch. Dann unterbreche ich ihn und sage: „Khaled, jetzt mal ehrlich! Willst du eine Frau oder einen Mann heiraten?“ Er stutzt für einen Moment, scheint die Frage nicht zu verstehen. Hussain lacht und übersetzt.

Dann bricht es auch aus ihm heraus. Schwer zu beschreiben, was da in Millisekunden passiert: Lachen und Überraschung und Erschrecken und Abscheu und Scham zugleich. Noch nie, das scheint deutlich zu werden, ist ihm der Gedanke gekommen, daß ein Mann auch einen Mann lieben könnte, noch nie hat er sich vorgestellt, wie sich das anfühlen oder wie ihn Freunde und Bekannte ansehen würden, und für einen kurzen Moment ist er gezwungen gewesen, diese Identität anzunehmen. Homosexualität ist undenkbar.

„Liebst du eine Frau, dann heißt es ‚ihre Schwester‘ und liebst du einen Mann, dann ist es ‚seine Schwester‘“.

Und plötzlich sitzt es und ich wette: für immer!

Heimatliebe

Wie das Leben so spielt: unerwartet und unerwünscht sitzt man früh morgens im Warteraum eines Krankenhauses und harrt viele Stunden. Aber nichts ist so schlecht, daß es nicht für etwas gut wäre, weiß der schlaue Volksmund. Ich werde gezwungen, einen Teil einer Realität kennen zu lernen, der mir bislang vollständig verborgen geblieben ist: das ARD-Morgenfernsehen. Statt ausgelegten Zeitungen und Zeitschriften, wie in den guten alten Zeiten, werden wir alle – Notfallpatienten – gnadenlos bestrahlt. Neben mir sitzt ein braunhäutiger Mensch, der später als Herr Hassan aufgerufen wird, und starrt versunken in diese fremde Welt auf dem alles überragenden Flachbildschirm. Was er sich dabei gedacht haben mag, wäre eine Frage wert gewesen.

Zwei Schönlinge beiderlei Geschlechts sitzen auf einer Couch und schwelgen in ihrer scheinbar einzigen Exzellenz, dem Small Talk. Da kann unsereiner noch was lernen. Kleine nichtssagende Filmchen werden eingespielt und mit leeren, quälend leeren Worten von den beiden Clowns kommentiert. Wenig später gesteht der „Moderator“ ein, nicht zu wissen, daß ein amerikanischer Präsident nur zwei Wahlperioden zur Verfügung hat. Diese politische Halb- oder gar Unbildung hindert ihn nicht daran, einen AfD-Politiker – es ist der Tag nach dem Parteitag – zu „grillen“, will sagen, ihn mit einem Dutzend Klischees zu konfrontieren, die den AfD-Mann zehn Mal dazu zwingen, seinen Satz mit „Das haben wir nicht gesagt“ oder so ähnlich zu beginnen.

Endlich ist auch diese Tortur überstanden, es folgen zwei deutsche Seifenopern mit den bezeichnenden Titeln „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ – Folge eintausendsiebenhundertnochwas und Folge 2284 respektive. Wenn das kein Witz ist, dann laufen diese Sachen also seit einem geschätzten Jahrzehnt! In ihnen wird ein hochinteressantes Gesellschaftsbild entworfen.

Neben dem Liebes-Hin-und-Her, dem Beziehungslabyrinth, das fast nur Extreme kennt – unsterblich verliebt und gefährlicher Haß, Freund- oder Feindschaft – überrascht ein erzkonservatives Weltbild, das kein AfD-Fritze sich besser hätte ausdenken können. Ausschließlich weißhäutige, oft blonde urdeutsche Übermenschen – hier streikt der innere Nietzsche; also besser: „letzte Menschen“, aber davon Prachtexemplare –, alle eloquent, alle erfolgreich, alle wie aus dem Ei gepellt, bewegen sich in einer urbanen und landschaftlichen Idylle, die direkt dem Märchenbuch entsprungen zu sein scheint. Weite Himmel, Berge, Wälder, Wiesen, mächtige Eichen und Linden, Landwege, darauf Pferdekutschen fahren. Die Städte und Dörfer bestehen aus engen Gäßchen, langen Alleen oder gut geharkten Eingängen, Fachwerkhäusern, wunderschönen kleine Kirchen, Gründerzeiträume mit Stuckdecken. Immer wieder werden aparte Details eingeblendet: dicke Holztüren mit Metallbeschlägen, farbige Fensterläden, schön gestaltete Fassaden. In alten Bauernhäusern sitzen alte Menschen in Lodenjacke und Trachtenkleid und geben jungen, von der Hektik der Moderne überforderten Menschen – eine junge Frau etwa, die nach einem „one-night-stand“ ungewollt schwanger wurde; eine andere, die als Postbotin nicht lesen kann – weise und nachsichtige Ratschläge in Dialekt.

Das Ganze trieft vor unerträglich übertriebener, aber durchaus ernst gemeinter Heimatliebe, Heimatidylle, schreit eine Sehnsucht nach Identität, nach familiärer und ethnischer Geborgenheit, nach Fortführung der Tradition, Bewahrung des Eigenen aus, daß einem schwindelig werden kann. Nur ein einziges Mal scheint das „wirkliche Leben“ hinein, als man erfährt, daß die junge Schwangere zuvor in einer lesbischen Beziehung lebte. Nun aber ist sie wieder ausgerichtet, hat den Mann ihrer Träume, einen richtigen Mann gefunden … der leider nicht Vater des Kindes ist.

Schaut das jemand? Vereinsamte Omas? Arbeitsloses Prekariat mit tätowiertem Körper und rosa Plüschhäschen auf dem Schoß und Bierflasche früh um Acht? Spricht sich darin nicht tatsächlich eine tiefe Sehnsucht zumindest eines Teils der Deutschen aus?

Die folgenden Nachrichten erden einen dann wieder: „Scharfe Kritik aller Parteien am Grundsatzprogramm der AfD“, „Wirre Rechtsaußen-Partei“ … Blablabla