Wie es weitergeht

Bevor es zurück nach Ungarn geht, noch ein letzter Besuch bei Hussain. Auf dem Weg dorthin fahre ich mit dem Fahrrad an zwei dunkel gekleideten Muskelprotzen vorbei. Das sind also die „schwarzen Sheriffs“, Männer eines privaten Sicherheitsdienstes, die die Stadt beauftragt hat, die seit zwei Jahren überforderte Polizei im Stadtzentrum zu unterstützen. Zu bunt gehört offenbar auch schwarz.

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Starke Bilder – Schwarz und Weiß

Mir kommen zwei starke, angelesene Bilder zu Bewußtsein, als ich die dunkelschwarzen Männer im Park an der Lutherkirche und die Gruppen nordafrikanischer junger Männer an der Straßenbahnhaltestelle beobachte.

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Terror als Ausweg

Angesichts der Bilder (nur für Hartgesottene!), wie sich fünf junge Männer in Cambrils von der Polizei hinrichten lassen, indem sie sich verweigern, die Arme zu heben und ohne effektiv etwas ausrichten zu können – die Sprengstoffgürtel erweisen sich später als Attrappen –, darf man sich erneut fragen, welche Psycho-Logik hinter solch scheinbar absurden und aller menschlichen Natur widersprechenden Verhaltensweisen steckt. Ein Grund, ein starker, wenn auch nicht der einzige, dürfte sich im Religiösen verbergen. Daher noch einmal der Versuch, den „Terror als Ausweg“ zu beschreiben:

Euthanasie ist heutzutage ein Unwort geworden – die systematische Vernichtung „unwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten hat einen einst ehrenwerten Begriff entwertet.

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Das rechte Narrativ

Wenn es noch eines Beweises bedarf, daß in unserer linksverdrehten Öffentlichkeit ein rechtsverdrehtes Narrativ – also eine erklärende, sinnstiftende Erzählung – installiert werden soll, ob nun konzertiert oder durch individuellen Idealismus, dann lese man den heutigen Beitrag in der „Zeit“, die sich am Tag der Aufarbeitung der beängstigenden Ereignisse in Barcelona, Cambrils und Alcanar – mit allein drei toten und 13 verletzten Deutschen – veranlaßt sah, uns über in Deutschland steigende Gewalt gegen Muslime, über zunehmende Islamfeindlichkeit zu informieren.

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Alles Makulatur

Zuletzt erkennen auch immer mehr Marxisten und sonstige Ideologen, die im 20. Jahrhundert hängengeblieben sind, daß ihre abstrakten Debatten und Fragen in einem kaum bewußten kulturellen Resonanzraum stattfanden, der mit dem Großen Austausch vernichtet wird. (Martin Sellner)

Irgendwann im Herbst 2015, als die Meldungen sich überschlugen, tagtäglich neue phantastische Zahlen von Menschen, die die Landesgrenze meist unkontrolliert überschritten hatten, genannt wurden, dazu Bilder scheinbar endloser Menschenschlangen und –mengen, die auf Autobahnen oder über Felder liefen, an Grenzstationen in großen Trauben hängen blieben, während offenbar verrückt Gewordene die Massen mit Heilsgesängen, Blumen, Teddybären und Tonnen an Altkleidern empfingen, irgendwann in dieser Zeit, saß ich mit meiner Frau – mit der ich damals jeden Tag, jede Stunde dieses eine Thema immer und immer wieder und immer fassungsloser besprach – im Wohnzimmer, das vom Boden bis zur Decke mit einer wunderschönen Buchtapete – in sechs europäischen Sprachen – ausgekleidet ist, an der seit Jahren der Blick mindestens ein Mal am Tag liebe- und auch ein wenig vorwurfsvoll – Warum hast du keine Zeit mehr für Fontane? Wie lang willst du den Goethe noch hinausschieben? Du wagst es, über skandinavische Literatur zu schreiben und hast den Olav Duun noch immer nicht gelesen! … – entlang glitt, und sagte plötzlich zu ihr, auf die Regale weisend: Das ist alles Makulatur!

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Magyar Katharsis

Wenn das Schuljahr auf das Ende zugeht und die Lehrerschaft allmählich den Kopf wieder etwas frei bekommt, dann häufen sich die Einladungen und Zusammenkünfte. Abende mit den deutschen Kollegen meide ich nach Möglichkeit – es sind verlorene, verlogene und verlegene Stunden, die einerseits einen unfaßbaren Reichtum an geistiger Armut offenbaren, eine innere Leere, die durch endlose Small-Talk-Kaskaden ausgefüllt, durch Reisen, Essen, Messen – und nicht Lesen – übertüncht wird, aber auch durch eine ganz leicht zu erspürende Unaufrichtigkeit und Verstellung zustande kommt.

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