Gombrowicz: Kosmos

Von allen geheimnisvollen Romanen Gombrowiczs ist „Kosmos“ wohl der dunkelste. Dabei scheint es zu Beginn deutliche Parallelen zu „Pornographie“ zu geben: der voyeuristische Ich-Erzähler, gepaart mit einem mysteriösen Gefährten, die Konfrontation mit jungen Menschen … man glaubt, der polnische Seelenalchimist wolle erneut die Feinunzen der menschlichen Psyche abwiegen und die geheimnisvollen Signale der verbalen und nonverbalen Kommunikation belauschen. Und das tut er auch, aber bald verschiebt sich der Schwerpunkt, ein gehängter Spatz taucht auf, ein aufgehängtes Hölzchen, die Dinge erscheinen plötzlich in Figuren, Zusammenstellungen, Konstellationen, neben- und hintereinander, zunehmend auch ineinander, sie verhalten sich wie Sterne in Sternbildern zueinander, sind im All irgendwie aufgehoben und konstituieren es.

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Gombrowicz: Pornographie

Woody Allen sagte mal, er hasse Pornographie, die Filme seien immer so schlecht belichtet.

Nur unter einem umgekehrten Belichtungsimperativ kann Gombrowiczs legendärer Roman als pornographisch bezeichnet werden, denn man muß lange im Gedächtnis suchen um ein derart unverschämtes Werk in Erinnerung zu rufen – man wird nicht fündig werden.

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Leere Köpfe, tote Seelen

Es gibt Menschen, die sind jedwedem Höheren abhold. Nette Menschen, mitunter frohe, lustige Menschen, gute Menschen auch, mit denen man einträglich zusammen sein kann – solange man keine eminenten Themen anspricht.

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Über Elite und Gegenelite II

von Johannes Leitner

Wesen der Gegenelite

Gegenelite ist die Elite jener, die sich nicht solcherart als vom Volke abgegrenzt fühlen, ist die Elite des Volkes innerhalb des Volkes; Gegenelite sind jene, die sich auch bloß als Gegenelite verstehen, im Gegensatz zur und an Stelle der eigentlichen Elite und Oberschicht. Obwohl die Gegenelite nicht bedeutend weniger Anteil an jenen elitären Eigenschaften besitzt, wenigstens was die seelischen elitären Eigenschaften angeht, empfindet sie sich bei weitem nicht als so elitär wie die eigentliche Elite. Ihr fehlt das identitäre Bewusstsein, sich stark vom Volk zu unterscheiden; sie versteht sich weit eher als Vertreterin und Sprachrohr des Volkes und hebt sich damit bewusst von der Elite ab.

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Über Elite und Gegenelite I

von Johannes Leitner

Regierung der Elite

In den meisten Gemeinwesen wird eine Elite regieren und verwalten müssen. Wer sonst sollte dies tun? – Bloß regieren könnte anstatt der oligarchischen Elite ein Tyrann, ein Revolutionär, Volksführer und Demagoge, ein Mann der volklichen Gegenelite, gestützt durch die Liebe des Volkes und erhalten durch sein Charisma und seine scheints immerwährenden Erfolge:[1] Thomas Müntzer, Oliver Cromwell, Robespierre, Napoleon Bonaparte, Andreas Hofer, die römischen Soldatenkaiser. Sollte es diesem als Kind des Glücks gelingen, seine Herrschaft zu verstetigen, dann aber wird er wieder der Elite bedürfen, um das Volk zu verwalten und zu besteuern.

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