Das Ende des Universalismus

Gerade werden einige Artikel geschrieben, die ein Entsetzen über unsere, der Deutschen, Gefühllosigkeit artikulieren.

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Terror als Ausweg

Angesichts der Bilder (nur für Hartgesottene!), wie sich fünf junge Männer in Cambrils von der Polizei hinrichten lassen, indem sie sich verweigern, die Arme zu heben und ohne effektiv etwas ausrichten zu können – die Sprengstoffgürtel erweisen sich später als Attrappen –, darf man sich erneut fragen, welche Psycho-Logik hinter solch scheinbar absurden und aller menschlichen Natur widersprechenden Verhaltensweisen steckt. Ein Grund, ein starker, wenn auch nicht der einzige, dürfte sich im Religiösen verbergen. Daher noch einmal der Versuch, den „Terror als Ausweg“ zu beschreiben:

Euthanasie ist heutzutage ein Unwort geworden – die systematische Vernichtung „unwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten hat einen einst ehrenwerten Begriff entwertet.

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Alles Makulatur

Zuletzt erkennen auch immer mehr Marxisten und sonstige Ideologen, die im 20. Jahrhundert hängengeblieben sind, daß ihre abstrakten Debatten und Fragen in einem kaum bewußten kulturellen Resonanzraum stattfanden, der mit dem Großen Austausch vernichtet wird. (Martin Sellner)

Irgendwann im Herbst 2015, als die Meldungen sich überschlugen, tagtäglich neue phantastische Zahlen von Menschen, die die Landesgrenze meist unkontrolliert überschritten hatten, genannt wurden, dazu Bilder scheinbar endloser Menschenschlangen und –mengen, die auf Autobahnen oder über Felder liefen, an Grenzstationen in großen Trauben hängen blieben, während offenbar verrückt Gewordene die Massen mit Heilsgesängen, Blumen, Teddybären und Tonnen an Altkleidern empfingen, irgendwann in dieser Zeit, saß ich mit meiner Frau – mit der ich damals jeden Tag, jede Stunde dieses eine Thema immer und immer wieder und immer fassungsloser besprach – im Wohnzimmer, das vom Boden bis zur Decke mit einer wunderschönen Buchtapete – in sechs europäischen Sprachen – ausgekleidet ist, an der seit Jahren der Blick mindestens ein Mal am Tag liebe- und auch ein wenig vorwurfsvoll – Warum hast du keine Zeit mehr für Fontane? Wie lang willst du den Goethe noch hinausschieben? Du wagst es, über skandinavische Literatur zu schreiben und hast den Olav Duun noch immer nicht gelesen! … – entlang glitt, und sagte plötzlich zu ihr, auf die Regale weisend: Das ist alles Makulatur!

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So geht Heidegger!

Ganz prinzipiell meine ich nämlich, daß man nicht nur die Erlaubnis, sondern sogar die Pflicht hat, zu den Gedanken eines Denkers Stellung zu nehmen, ohne Rücksicht auf den spezifisch persönlichen Hintergrund seiner Gedanken. (K.E. Løgstrup)
Hier erkennt man die gegenwärtige Tendenz, damalige Denker nazistischer zu machen, als sie waren. Je weiter man sich von dieser Zeit entfernt, desto nazistischer scheinen sie zu werden. (Hans Hauge)

Man mache den Test: Man erwähne den Namen Heidegger im Gespräch mit einem Nicht-Heideggerianer und man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich zu Beginn das Zauberwort „Nazi“ zu hören bekommen. Und meist ist das Thema damit beendet.

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Habermas‘ liberale Auslegung

In der „Rheinischen Post“ hat Jürgen Habermas ein kurzes aber sehr prägnantes Statement zum Thema „Leitkultur“ abgegeben. Die Bündelung der Mitteilung gestattet es, seinen Gedankengang Satz für Satz zu erläutern und kritisch zu kommentieren:

Leitkultur: Das sagt Jürgen Habermas zur Debatte Weiterlesen

Leib ist alles!

Das Leib-Seele-Problem bei Nietzsche

Von den Hinterweltlern

Das sogenannte Leib-Seele-Problem kennzeichnet – als eines von mehreren – den Beginn des westlichen, d.i. des europäischen Denkens schlechthin und hat, wie alle großen Gedanken unserer Geschichte, zwei Quellen: die griechisch-akademische Philosophie und die jüdisch-christliche Religionstradition. Von daher bestimmt sich die Bedeutung dieses Problems: wer es fundamental anzweifelt, wer es verwirft oder gar seinen Problemcharakter in Frage stellt, statt es zu modifizieren, rührt an den Grundfesten des westlichen Denkens, seiner Kategorien und seiner Sprache.

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Der Clash zweier Denkstile

„… die Entideologisierung … hat den symbolischen Wert der Kultur insgesamt und des philosophischen Diskurses sehr massiv nach unten gedrückt, weil sie praktisch nur noch die Bedeutung von Waren haben … Sie haben keine grundlegende Relevanz, weil sich die Fundamente der Gesellschaft nicht mehr auf einem Diskurs gründen.“ (Boris Groys)
„Es muß darum gehen, diese mysteriöse Tendenz der menschlichen Seele, sich zu opfern, einzubinden in moralische Prinzipien, die uns erlauben, zu unterscheiden, was ein legitimes Opfer ist und was ein illegitimes Opfer ist. Und dafür brauchen wir praktische Vernunft.“ (Vittorio Hösle)

Aus der akademischen Ecke kommt, wenn es um Sloterdijk geht – vom Karlsruher Kreis abgesehen – fast nur Schweigen oder Häme. Da werden dann auch Ersatzduelle interessant. Eines fand vor 10 Jahren zwischen Boris Groys, wohl einem Sloterdijk geistig nahestehenden Philosophen, den Sloterdijk selbst auch häufig diskutiert und zitiert, und dem einstigen Shootingstar der traditionellen deutschen Philosophieszene, Vittorio Hösle, statt. Daraus ist ein kleines Buch entstanden: „Die Vernunft an die Macht“. Da ich beide Autoren in ihrer Entwicklung verfolgte, entstand eine kleine Rezension des lang erhofften Dialogs:

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