Immobilienkäufe in Sachsen

Innerhalb weniger Stunden werde ich über zwei Arten von Immobilienkäufen aufgeklärt.

In der FAZ unterrichtet uns der Sächsische Verfassungsschutz, daß es in Deutschland sage und schreibe 146 Immobilien gibt, die Rechtsextremen gehören. Institution und Organ nehmen das zum Anlaß, zu erhöhter Wachsamkeit aufzurufen. Demnach müsse also die Gesinnung eines Käufers eruiert werden, bevor man sich auf den Verkauf eines Hauses oder Hofes einläßt. „Es ist aber auch Aufgabe der Gesellschaft, der Wirtschaftsverbände und der Kreditinstitute, einen genauen Blick auf die Käufer von Immobilien zu haben. Es darf da nicht länger weggeschaut werden.“

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Das vernichtende Wort

Wenn ich Ungarn erzähle, daß ich mich hier viel freier fühle als in Deutschland, dann schauen sie mich meist verdutzt an, denken sich wohl im Stillen ihren Teil. Klar, die ungarische Gesellschaft ist keine freie mehr, zumindest nicht, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Aber die deutsche und westeuropäische, ja die ganze westliche, die „freie Welt“ ist es eben auch nicht mehr. Wir haben keinen Grund, mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen.

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Die Vielfalt der Menschen

Dieser Tage fragte ich einen Bekannten, wie er sich hier in Ungarn denn so fühle, nach einem Jahr etwa.

Ja, es sei ganz nett und interessant. Nur der Mangel an Demokratie störe ihn. Immer nur Orbán und keine Gegenstimme, keine Meinungsfreiheit.

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Polizeigewalt

Die deutsche Sprache hat die verblüffende Eigenschaft, in vielen Komposita uneindeutig zu sein – ein Begriff wie „Polizeigewalt“ kann theoretisch beides beschreiben: die Gewalt der Polizei und die Gewalt gegen die Polizei. Wir wurden in den letzten Tagen mit beidem reichlich versorgt.

Gleichwertig sind die beiden Gewaltformen nicht. Beide sind, wenn sie systemisch auftreten, besorgniserregend. Die eine signalisiert die Erosion des Staates, die andere seine Wucherung hin zur Gewaltherrschaft.

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I can’t breathe

Has it ever occcured to you, Winston, that by the year 2050, at the very latest, not a single human being will be alive who could understand such a conversation as we are having now?

Mir verschlägt es regelmäßig die Luft, wenn ich morgens die Zeitungen durchblättere. Orwells Vision ist längst keine mehr, sie ist Realität.

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Die Rassismus-Lüge

Geschichte verläuft in Wellen, auch die Mikrogeschichte. Gab Corona bis vor wenigen Tagen noch verschiedensten Eigenbrötlern – die man nur allzu gern unter dem Label „rechts“ subsumierte – die mediale Oberhand, so hat der Hype um den fragwürdigen Tod eines mutmaßlich Kriminellen, der nebenbei phänotypisch „schwarz“ war, der Linken wieder einen Vorwand gegeben, die Themenhegemonie zu beanspruchen.

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Der Weg aus der Rassismus-Falle

Zu den dramatischen Ereignissen in den USA wollte ich mich eigentlich nicht äußern. Die Sache ist zu komplex, um sie auf einem Blog abhandeln zu können. Bereits der auslösende Vorfall offenbart immer mehr Facetten, je mehr man sich informiert und das Problem „Rassismus“ ist ohnehin nahezu unlösbar. Erst ein kurzes Statement von Lewis Hamilton, dem Formel 1 Weltmeister hat mich getriggert, nun doch etwas zu sagen – ohne es auflösen zu wollen.

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3. Mohammed und Globalisierung

Dem erwartungsvollen Leser wird das Fehlen des Namens Mohammed – in all seinen Schreibweisen – auf der Liste der beliebtesten Namen aufgefallen sein. Das wäre ja ein stark identifikatorisch zuschreibender Rufname des alten Typs und frühere Schlagzeilen aus nah und fern machten uns auf seine zunehmende Popularität in Europa aufmerksam. Er taucht in dieser Liste nicht auf, noch nicht mal als „Problem“; man muß schon tiefer graben, um fündig zu werden. Erst auf der Webseite der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ findet man ihn auf Platz 21, wo er stagniere, aber immerhin noch vor den angekündigten Trends der Zukunft – Liam, Milan und Karl – steht.

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2. Name und Globalisierung

Die Globalisierung scheint ein unaufhaltsamer Prozeß zu sein. Eines ihrer Sinnbilder ist die Entwicklung der Namensgebungen. Gerade eben machten die jeweils zehn häufigsten Namen bei Neugeborenen in Deutschland die Presserunde. Sie lauten: Hanna(h), Emma, Mia, Emilia, Sophia/Sofia, Lina, Clara/Klara, Ella, Mila, Marie sowie: Noah, Ben, Paul, Leon, Luis/Louis, Henry/Henri, Felix, Elias, Jonas und Finn und wurden von einer freundlichen Erklärwissenschaftlerin auch sogleich für uns richtig eingeordnet.

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1. Weltbürgertum und Globalisierung

Heute fragte mich ein ungarischer Freund, ob ich nicht auch Weltbürger sei? Sein Sohn war zu Gast, nebst Familie. Die lebt nun in Spanien, hatte zuvor lange Jahre in der Schweiz gewohnt. Die Enkeltochter, um die 12 Jahre, mit der ich ein paar Worte sprechen konnte – auf Deutsch – nannte Englisch ihre bevorzugte Sprache. Die Muttersprache beider Eltern ist freilich Ungarisch, in Zürich lernte sie Deutsch als Umgangssprache und Schweizerisch als Lebensgefühl, und nun erlernt sie an einer englischen Schule in Spanien auch Französisch. Und Spanisch nebenbei auf der Straße.

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Don’t mention Calcutta!

Hach, was habe ich gelacht – oder doch geweint? – als ich heute diesen Artikel las. Dort gibt es „generelle Erkenntnisse der Migrationssoziologie“ zu lesen, von unglaublichem Neuheitswert.

unbedingt lesenswert: Artikel aus © Welt.de

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Das entscheidende Tor

Die Rede vom entscheidenden Tor hat mich immer verunsichert und nie richtig überzeugt. Nehmen wir an, eine Mannschaft liegt mit Null zu Eins im Rückstand, ihr gelingt der Ausgleich und in der Nachspielzeit schießt sie das zweite Tor. Mit großer Selbstverständlichkeit wird der Reporter vom „entscheidenden Tor“ sprechen, wenn nicht schreien. Dabei wäre dieses Tor nicht entscheidend gewesen, hätte es das erste Tor – also den Ausgleich – nicht gegeben. Damit das zweite Tor überhaupt entscheidend sein konnte, bedurfte es des ersten Tores, das damit entscheidend für das zweite Tor und letztlich für den Sieg war. Umgekehrt hätte es aber nicht für das zweite Tor entscheidend sein können, wenn dieses nicht gefallen wäre, womit das zweite Tor entscheidend dafür ist, daß das erste entscheidend sein konnte. Und von vorn.

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Meinung, Angst und Terror

„Was für Journalisten ein Volk hervorbringt, ist heute ein wesentliches Moment seines Schicksals.“ (Karl Jaspers)[1]

Sollte die Corona-Krise jemals eine gelassene, gut recherchierte und objektive Aufarbeitung erfahren, dann wird man vielleicht zu dem Schluß kommen, daß der größte Feind der Demokratie in Krisenzeiten zugleich ihr wichtigster Stabilisator in Friedenszeiten ist: die freie Rede und die freie Presse. Auf die Diskussion, wie frei unsere Presse tatsächlich ist, lasse ich mich in Anbetracht der Ernsthaftigkeit der Lage nicht ein, sie wird jedenfalls nicht zentralistisch gesteuert, auch wenn sich in ihr ein starkes Meinungsungleichgewicht gebildet hat. Man kann in ihr verschiedene Meinungen sagen – und das ist in existentiellen Krisenlagen das eigentliche Problem.

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Viro-Logisches IV

Das Corona-Virus hält uns in Atem, die Menge der Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Veränderungen überfordert uns alle; selbst sogenannte Experten verlieren den Überblick, es geistern Zahlen und Theorien im Netz umher. Nachfolgend ein paar lose, freie Gedanken, allein aus dem fehleranfälligen Denken geboren und ohne jegliche Expertise.

Das tatsächlich Beängstigende an der Epidemie ist, daß sie uns vor Augen führt, was für schwache Kämpfer unsere westlichen Demokratien sind. Sie wirkten von außen unantastbar, unschlagbar, ihr innerer Lebensstil ebenso wie die geistige Oberflächlichkeit zeugten von einer unvorstellbar arroganten Selbstgewißheit. Und nun hat man das Gefühl: es gab einen Schlag und der ganze Koloß wankt. Ein zweiter würde ihn vielleicht zu Fall bringen. Das tatsächlich Beängstigende der Epidemie ist also, daß wir einen zweiten Schlag, ein zweites Problem, eine weitere Krise – ob natürlich oder menschengemacht – nicht verkraften würden. Wir leben in einer Gesellschaft und wir sind selbst ohne Resilienz. Wer kann, sollte beten.

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Viro-Logisches II

Ursula von der Leyen beschwört die Europäische Union und tadelt jene Nationalstaaten, die souveräne Entscheidungen fällen. Tatsächlich bestätigt die Corona-Krise die Macht des Egoismus, nicht nur an den Verkaufsregalen, sondern auch auf nationaler Ebene. Die Nation zeigt sich nun als das, was sie ist: primär. Die nationale Frage ist – wie Bahro feststellte – „eine objektive Realität von tieferen Gründen als die Klassenfrage“. Nicht Klassen und Schichten finden in der Not zueinander, sondern die Nation. Entitäten wie ein die Nationen negierendes Ideal einer Europäischen Gemeinschaft, in der das Eigenartige nivelliert wird, entpuppen sich plötzlich als Konstrukte, sie sind noch nicht mal „eine objektive Realität“. Umgekehrt bedeutet das: Länder, in denen das Nationalgefühl – und also das Zusammengehörigkeitsgefühl –  systemisch gestört und zerstört wurde, werden derartige Krisen schlechter überstehen können, als mythisch geeinte Länder. Dort, wo sich ein Volk im Selbstverständnis gebildet hat, wird man gemeinsam handeln und auch leiden, sich opfern können; in einer parzellierten Gesellschaft dürften sich die Teile irgendwann gegeneinander wenden.

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Das letzte Gefecht

 

Turning and turning in the widening gyre
The falcon cannot hear the falconer;
Things fall apart; the centre cannot hold;
Mere anarchy is loosed upon the world …
William Butler Yeats

Vor vielen vielen Jahren las ich Stephen Kings „The Stand“ ein Endlosroman mit mehr als 1000 Seiten[1]. In erster Linie wollte ich mich gruseln und wurde bitter enttäuscht. Kings Fama eilte ihm voraus, King-Fans hatten mir von durchängsteten Nächten berichtet und ihre blutigen Fingernägel als Beweis angeführt. Schon beim Aufschlagen des Buches überlief mich ein kalter Schauer und nach jedem Umblättern erwartete ich den Herzinfarkt. Aber es geschah nichts und allmählich wurde mir klar, was für ein mittelmäßiger Schreiber der Gefeierte eigentlich ist. Das bestätigte sich bei zwei, drei späteren Lektüren: King hat kein Gefühl für Tempo und für Brüche, er ist der Vorreiter jener Und-dann-Autoren, die heutigentags die Regale vermüllen.

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Multikulti im Sandkasten

„Nicht ‚Rassismus‘ ist ein ‚strukturelles Problem‘, sondern der ‚Multikulturalismus‘. ‚Rassismus‘ ist die Hypothese der Multikulturalisten, warum ihr Projekt nicht funktioniert.“  (Martin Lichtmesz)

Die alltäglichen Schwierigkeiten des Zusammenlebens in einer bunten, multikulturellen Gesellschaft kann man vielleicht am besten auf einem großstädtischen Kinderspielplatz erleben.

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Identitätspolitik und Interessenspolitik

von Johannes Leitner

Identitätspolitik

Während identitäre Politik, wie jede gute Politik, darauf abzielt, die Gesellschaft als ganze zu erhalten und zu fördern, strebt Identitätspolitik danach, die eigene identitäre Sondergruppe auf Kosten der Gesellschaft zu begünstigen und zu bevorrechten. Man will nicht das Ganze mehren, sondern den eigenen Anteil am Ganzen, und sei es, indem man das dem feindlichen Widersacher Gebliebene schädigt. Identitätspolitik bedeutet ein Null- oder ein Negativsummenspiel des win-lose und win-lose-lose, nicht, wie die gesunde gemeinschaftliche Gesellschaft, ein Positivsummenspiel des win-win-win mit positiven Externalitäten.

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