Stammtischparolen

Jeder kennt das: man liest unsere Presse und greift sich alle paar Minuten kopfschüttelnd an den Kopf. Es gehen einem ein paar Gedanken durch selbigen, aber ehe man sie ausgefaltet hat, liest man schon den nächsten Artikel – das Drama beginnt von vorn. Man muß nicht immer alles bis ins Kleinste ausdeuten. Manchmal – auch aus Selbstschutz – genügt das Stammtischniveau.

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Faß mich nicht an!

Geht es nur mir so? Zeitunglesen macht immer depressiver. Immer öfter erwische ich mich, wie ich traurig vor einer Nachricht sitze und nicht fassen kann, was ich da gerade las. Oft sind es nur Kleinigkeiten. Fast immer stellt sich ein Gefühl des Erstickens ein. Deutschland ist ein sehr enges Land geworden! Ein Land der Verbote, des Tabus, der Schranken. Nein, ich meine nicht die Schranken an den Grenzen, die sich eine Barley nicht mehr vorstellen kann, ich meine die Schranken in den Köpfen.

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Verlockung

Im Kopf war meine Besprechung des voluminösen und spät wiederentdeckten Romans „Verlockung“ von János Székely nach 170 Seiten fast fertig. Ich wollte das fulminante Buch ob seines großartigen Zynismus an die Seite von Célines „Reise ans Ende der Nacht“ stellen, ob seines göttlichen Witzes es mit Hašeks Schweijk“ vergleichen und ob seiner psychologischen Tiefe mit Italo Svevos „Zenos Gewissen“ und seinen kindlichen Protagonisten einen Oskar Matzerat nennen. Später kam noch Döblins „Berlin Alexanderplatz“ hinzu und so manch anderer Klassiker der Weltliteratur.

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Die rattenscharfe Rechte

„Mit Rechten reden“ ist so ein Topos, der sich verbreitet hat, ohne je stattgefunden zu haben. Warum das so ist und auch so sein muß, wurde anhand eines Artikels von Liane Bednarz hier bereits dargestellt. Es ging um den blinden Fleck, den toten Winkel linkslastiger Argumentation.

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Männersache

Gerade hatte ich eine kleine Diskussion mit meiner Frau. Hmm! Woher weiß ich eigentlich, daß es meine Frau ist? Das eine, das meine, bestätigt mir ihr Bekenntnis, mir lebenslang zu dienen und hörig zu sein – das habe ich schriftlich und notariell bestätigt. Das andere, daß sie eine Frau ist, kann man sehen und hören und so weiter.

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Das Elfte Gebot der Traurigkeit

Das Denken bringt die Herrschaft des Menschen über die Natur mit sich und, mit gewissen Einschränkungen, wie etwa Gebrechlichkeit oder seelisches Leiden, auch jene über sein Wesen. Es ist Garant der Freiheit, sich das Leben zu nehmen, sich selbst aus freien Stücken und zu einem selbstgewählten Zeitpunkt ein Ende zu setzen. Warum dann diese unvermeidbare Traurigkeit? (George Steiner)

George Steiner ist ein wahrlich multikultureller Denker und ein lebendes Fossil europäischer Hochkultur. Die drei bedeutendsten Kultursprachen Europas sind seine Muttersprachen, tief in der englischen, französischen und deutschen Kultur verwurzelt, mit vielen freiwilligen Ausblicken ins Griechisch-Lateinische, ins Spanische, Italienische und Russische umfaßt sein Werk Arbeiten über die Antike Tragödie und über Dostojewski, reicht es vom Schach bis zu Heidegger, von Dante bis zur modernen Sprachphilosophie and beyond.

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