Die Sprache der Trikots

Die letzten Spieltage der großen europäischen Ligen gaben uns die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die Trikots der kommenden Saison zu werfen. Es ist fester Bestandteil der Merchandising-Industrie, jedes Jahr neue Designs einzuführen und die Fans zum Kauf derselben zu animieren. Ein Shirt wird mittlerweile von 70 bis 120 Euro gehandelt – die weltweiten Umsätze dürften enorm sein, bei den großen Klubs macht das Merchandising zwischen 25 und 50% der Gesamteinnahmen aus – wir sprechen hier von hunderten Millionen. Ein neues, hochwertiges und attraktives Trikot anzubieten – genau genommen sind es drei verschiedene: Heim, Auswärts und drittes – ist ein wesentliches Ereignis, Star-Designer werden engagiert, Ausstatter gewechselt, um immer nahe am Bedarf zu sein.

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*innen

Nur mal so im Vorbeifahren: Las diesen Satz im Parteiorgan „Frankfurter Rundschau“ über „Rassistische Polizeigewalt“:

„Trotz der Polizeiaktion harrten rund 50 Demonstrierende weiter aus. Sie riefen den Polizist*innen Begriffe wie „Mörder“ zu und forderten sie auf, ihren Dienst zu quittieren.“

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Das Fremde enträtseln

Das Fremde erkennt man daran, daß es einem fremd ist. Man muß es enträtseln, wenn man es verstehen will. Manchmal hilft uns dabei unsere Presse, aber manchmal eben auch nicht. Wie etwa in dem mysteriösen Fall, den „Die Welt“ dieser Tage aufgedeckt hatte – allerdings waren Leser dieses Blogs darüber bereits früher informiert.

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Viro-Logisches III

Das Corona-Virus hält uns in Atem, die Menge der Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Veränderungen überfordert uns alle; selbst sogenannte Experten verlieren den Überblick, es geistern Zahlen und Theorien im Netz umher. Nachfolgend ein paar lose, freie Gedanken, allein aus dem fehleranfälligen Denken geboren und ohne jegliche Expertise.

Wie muß das Corona-Virus eigentlich auf jene Geister wirken, die an ein Gottesgericht glauben und die westliche Lebensform als Ausgeburt der Hölle begreifen? Das kann man anhand des Islamischen Staates studieren. Der rät nun – wie die Berlingske Tidende mitteilt – seinen Schläfern, den Westen zu verlassen, um das Virus nicht in den eigenen Reihen zu verbreiten. Wenn man allerdings schon infiziert sei, so ändere sich die heilige Pflicht, dann gilt es, so viele Ungläubige wie möglich anzustecken. Vielleicht läßt sich auch so die exorbitante Krankenrate in NRW erklären? In einem Nachrichtentelegramm an die eigenen Anhänger, wird das Virus als Strafe Gottes ausgegeben, denn der strafe jeden, wie er will und „Plagen“ würden ausschließlich auf Gottes Befehl hin ausgesandt. Wohl dem, der den richtigen Gott hat. Ist er infiziert, wird er zum Gotteskrieger, bleibt er verschont, hält der, der immer größer ist, seine schützende Hand darüber.

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Der AfD-Schlüssel

Wenn es stimmt, was die Medien, Meinungsinstitute und Statistikbüros nun lautstark unters Volk bringen, dann ist endlich die Königsstrategie, das Antidot gegen das Gift der AfD gefunden. Nach dem Massaker von Hanau – eine Tat, die sich mehr und mehr als die eines schwer psychisch Kranken darstellt, die aber noch immer als „rechtsextremistisch motiviert“ verkauft wird –, nach dieser irrationalen Tat, die von den Massenmedien und Parteien unisono als eine Art aufgehender Saat des AfD-Giftes dargestellt wurde, sind, so wird uns vom statistisch-medialen Komplex versichert, die Umfragewerte für die AfD dramatisch gesunken und glauben, nach tagelangem medialem Konnex-Bombardement, 60 Prozent der Deutschen an eine Mitverantwortung der AfD.

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Grenzen der Freiheit

Georges Perec hatte bekanntlich einen Roman geschrieben, in dem er auf den Buchstaben „E“ komplett verzichtete – das hätte er mal auf Ungarisch probieren sollen – aber dazu später.

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Gombrowicz und Gummischutz

PDF-Version: Gombrowicz und Gummischutz
Never before has pornography been this rampant. And those films are lit so badly! Woody Allen

„Gummischutz“ war eines der ersten Wörter, die ich zu lesen vermochte. Die väterliche Zeitung, nach der Lektüre achtlos liegen gelassen, enthielt zahlreiche Hieroglyphen, an denen sich der Jüngling üben konnte. Aber „Gummischutz“ blieb hängen und beschäftigte die kindliche Phantasie. Was sollte man sich darunter vorstellen? Die Eltern dreier kurz nacheinander geborener Kinder reagierten ausweichend, man ahnte also, daß es was mit „unten“ zu tun haben mußte. Und einen vagen Sinn ergab das Wort ja. Nicht umsonst hatte man sich jahrelang mit Reinlichkeitsübungen abgegeben. Eins und eins macht zwei: ein Gummischutz konnte nur jene große rote und penetrant riechende Gummiunterlage im Bett sein, die, wie etwa im Krankenhaus gesehen, die Matratze vorm Einnässen schützen sollte. So erklärt man sich die Welt – und es funktioniert … für eine Weile, bis eine neue Realität andere Erklärungsmuster verlangt.

Dies ist ein Artikel für Leute mit Freude an und Gespür für Differenzen. In ihm werden vier verschiedene Übersetzungen von Gombrowiczs „Pornografia“ miteinander verglichen: die deutsche, die zweite englische, die dänische und die italienische.

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Meine Wende

Vor einigen Jahren schrieb ich ein Erinnerungsbuch. In ihm wollte ich eine ganz normale Kindheit – so auch der Untertitel – in der DDR beschreiben, eine Kindheit, wie sie wohl die meisten Menschen dieser Generation erfahren haben: weder im Opfer- noch im Tätermodus. Na klar, wir waren indoktriniert, man hat uns eine starke Identifikation mit diesem kleinen Land verordnet, wir sahen die Welt aus dieser Perspektive und es dauerte lange, sich eine Draufsicht zu erkämpfen. Daß Vieles im Argen lag, war den allermeisten bewußt. Man hatte vor allem zwei Möglichkeiten der Referenz: den Westen mit seinen materiellen Erfolgen und den weiteren partiellen Freiheiten oder aber die „Klassiker“, die weit ausgearbeitete Theorie, wie der Sozialismus zu sein habe. In beiden Hinsichten hatte die DDR versagt.
Nachfolgend ein kleiner Ausschnitt aus besagtem Erinnerungsbuch – das noch immer in der Schublade liegt. Es beschreibt die Wendezeit aus der Sicht eines jungen, naiven Studenten.

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Eines Mannes würdig

Wenn es sich ermöglichen läßt, besuche ich gern Vorträge im Ort. Davon gibt es eine ganze Reihe – es existiert hier in dieser ungarischen Kleinstadt eine ausgesprochene Vortragskultur. Die Bibliothek, die alte Synagoge, der Kulturpalast oder Schulen dienen als Austragungsorte. Und meistens sind die Vorträge über Geschichte, Traditionen, Projekte, Bücher oder Reiseerlebnisse auch gut besucht.

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Misanthropieübungen zu Hause

„Wer mit vierzig nicht Misanthrop ist, hat die Menschen nie geliebt.“
Chamfort

Durch Plauen zu schlendern ist ein Trauermarsch. Es scheint in dieser Stadt nur noch Rentner, Versehrte, Sonderbegabte, Volltätowierte, sozial Schwache – um es politisch korrekt zu sagen – und Migranten zu geben.

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Einsame Frauen

Vor Jahren schockierte mich eine Anwältin, deren beeindruckende Bücherwand ich befragte, mit dem Satz: „Wenn ich lese, will ich nicht nachdenken“. Ihre Sammlung bestand aus hunderten Krimis und Thrillern und sogenannten Bestsellern aller Art.

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Ich gebe zu Protokoll

Als Fördermitglied von Greenpeace, erlaube ich mir auch – als Gegengewicht – den Newsletter des Antaios-Verlages zu beziehen. Von dort erreicht mich am 19.8. die Information, daß der renommierte Heyne-Verlag ein kürzlich erschienenes Buch des Autors Pedro Baños aus dem Repertoire genommen habe, und zwar nachdem Alan Posener in der „Welt“ das Buch als „antisemitisch“ bezeichnet hatte.

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Die Angst-Maschine

Ich saß heute im Garten, las ein Buch und beobachtete die Natur um mich herum. Die Katzen hatten die Hälfte ihres Futters verschmäht. Bald fanden sich Wespen ein und brauchten eine Stunde, die Schüssel sauber zu fressen. Mit Eifer durchbissen sie mit ihrem scharfen Mundwerkzeug die Fleischfasern und flogen mit ihrer Beute davon. Trafen sich mehrere Exemplare, dann gab es erbitterte Kämpfe, manchmal waren vier oder fünf Tiere in einander verknäult. Mit meinem Nahglas war ich unmittelbar dran.

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Der Mensch als Demutsübung

Dieser Tage sah ich ein sich paarendes Libellengespann – vermutlich zwei Azurjungfernan der Regentonne Eier ablegen. Das war eine schlechte Entscheidung, denn der Trog trocknet in der Regel mehrfach im Jahr aus und wird noch öfter durch heftige Regengüsse gewaltsam überflutet.

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Blumen für Habermas

Frage: Habermas sucht die gesellschaftspsychologische Ebene erst gar nicht, sondern sagt: Entzieht doch diese Dinge dem Nationalstaat. Wir brauchen neue europäische Institutionen. Er betätigt sich als Neukonstrukteur einer zusätzlichen überstaatlichen Ebene, die unsere Probleme in diesem eher auch vordemokratischen Raum mit neuen Institutionen lösen soll. Er baut sich da ein neues Europa. Was halten Sie davon?

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Neueste Stammtischparolen

 Man muß nicht immer alles bis ins Kleinste ausdeuten. Manchmal – auch aus Selbstschutz – genügt das Stammtischniveau.

Was haben Martin Schulz, Emmanuel Macron, Robert Habeck und Nigel Farage gemeinsam? Sie alle waren Lichtgestalten. Sie alle haben einen dramatischen Aufstieg und z.T. auch einen tragischen Abstieg hinter sich. Innerhalb kürzester Zeit, in Wochen oder Monaten, mitunter ohne jegliche politische Ankündigung wurden sie an die Spitze der Politik gespült.

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