Der ersehnte Gast

Über Goethe hat uns neuerdings jemand belehren wollen, daß er mit seinen 82 Jahren sich ausgelebt habe: und doch würde ich gern ein paar Jahre des »ausgelebten« Goethe gegen ganze Wagen voll frischer hochmoderner Lebensläufte einhandeln, um noch einen Anteil an solchen Gesprächen zu haben, wie sie Goethe mit Eckermann führte, und um auf diese Weise vor allen zeitgemäßen Belehrungen durch die Legionäre des Augenblicks bewahrt zu bleiben. Wie wenige Lebende haben überhaupt, solchen Toten gegenüber, ein Recht zu leben! (Nietzsche)

Man hat, wenn unerwartet Gäste kommen, mitunter das Bedürfnis, Tür und Fenster weit zu öffnen, den Drang nach Luft und Weite.

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Widerstand und Verschwörung

Auf einer Austauschplattform übe ich gelegentlich das Fremdsprachvermögen mit Muttersprachlern. Ein junger Pole hat sich als besonders angenehm erwiesen – er spricht nicht nur beeindruckend gutes Deutsch, er spielt auch Schach auf meinem bescheidenen Niveau. Die erste Partie habe ich gewonnen, weil er in ein typisches Kombinationsmuster hineinlief, das ihm offenbar fremd, mir als Blackmar-Diemer-Aficionado aber in Fleisch und Blut übergegangen war. Ich mußte an alte Zeiten denken und plötzlich ging mir ein wichtiger Gedanke auf.

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Mein Kriegstagebuch

Innerhalb weniger Stunden ist das Wolkenkuckucksheim der links-grünen Politikblase in großen Teilen zusammengebrochen. Scholz verspricht 100 Mrd. für die marode Bundeswehr, die Heimstatt des ewigen Nazis sendet Waffen an den Gegner jenes Landes, dem man den Großen Krieg aufgezwungen hatte, schon wird die Wehrpflicht wieder diskutiert, das große energetische Umpolungsprogramm steht vor unlösbaren Problemen und wird wohl fallen müssen, die Einforderung politisch korrekter, feministischer und gendergerechter Sprachformen erscheint plötzlich als absurd … und das alles haben wir Putin zu danken.

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Bernd Zeller – das Interview

zu Bernd Zeller siehe: Das Phänomen Zeller

S: Kommen wir gleich zur Sache! Sie sind 1966 in Gera geboren, heute ein Ort der Renitenz, wie so viele Städte in Sachsen, Thüringen und im Rest des Ostens. Wie viel DDR steckt in Ihren Arbeiten?

Z: Nein, DDR steckt gar nicht drin, ich trachte vielleicht etwas mehr als Westhumoristen danach, dass das so bleibt, wobei auch hier „Westhumorist“ eine mentale Angelegenheit ist und keine geographische. Wie mir scheint, ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit einer Abneigung gegen Totalitarismus ostdeutsch ist, größer als fünfzig Prozent, also überproportional, weil man da eben wissen kann, wie es funktioniert, und es wiedererkennen kann. Wenn man das will.

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Die woke Woge

Die Woge des Wokismus schwappt wie das steigende Meer tagtäglich an unsere Küsten, läßt die Ränder des festen Landes erodieren und verschlingt immer mehr unschuldige Opfer.

Relativ unschuldige zumindest, denn die Vergehen sind meist klein, die Strafen dafür gigantisch. Ich fürchte, so stellen sich Future-Friday-Kinder – „Keine Zeit für Kompromisse“ –  die Zukunft vor: du hast deinen Joghurtbecher im Glasmüll entsorgt! Verflucht sei dein Name bis ins zehnte Glied, besiegelt dein Schicksal und in die ehernen Tontafeln des Wikipedia-Gerichts eingehauen.

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Der doppelte Ehrlich

Manche Leute kennen keine Grenzen. Wenn man sich einmal einem solchen Telegram- oder WhatsApp-Kreis anschließt – ich selbst tue das aus Mangel an entsprechender Technik nicht, beobachte es aber aus den Augenwinkeln –, dann wird man ununterbrochen mit Clips, Videos, Artikeln, Kopien, Hördateien und allem möglichen, also mit Meinung bombardiert. Und manchmal ist auch ein Fakt dabei – aber der ist meistens Fake. Wie überhaupt 90% dieses Erregungsdopings schlichtweg Unsinn oder in Ton und Methodik unerträglich sind.

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Judäische Volksfront oder Volksfront von Judäa?

Wo wir stehen II

… in der Welt und speziell in Deutschland, das kann man oft am besten an Marginalien, Petitessen und Nebeninformationen sehen.

In der „Jungen Welt“ etwa war ein kleiner, aber aufschlußreicher und zugleich verstörender Artikel zu lesen. Darin war zu erfahren, daß im Studienrat der Universität Halle über den Arbeitskreis Antifaschismus gestritten wird. Es gebe dort demnach „drei Hochschulgruppen mit linkem Selbstverständnis – die Jusos, die Grüne Hochschulgruppe und die Offene Linke Liste“ und die versuchten den „Arbeitskreis Antifaschismus aufzulösen, können das auch, denn sie stellen die Mehrheit im „Studierendenrat“. Denn dieser hat gesündigt. Und das, obwohl er auf 27 verdienstvolle Jahre verweisen kann.

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Mein Corona-Tod

Im aktuellen „Focus“ kommt der Chefarzt der Intensivstation einer Münchener Klinik zu Wort und darf dort auch über seine Wut auf Ungeimpfte reden. Demnach arbeite man seit 19 Monaten bis zur Erschöpfung hauptsächlich wegen Corona-Patienten. Alle, zu 100%, der dort Behandelten seien Ungeimpfte gewesen, sagt der Mann. Die Opfer werden immer jünger, – meine Alterskohorte ist deutlich überrepräsentiert –, die Hälfte habe Vorbelastungen wie Diabetes oder Fettsucht, die andere Hälfte aber sei kerngesund. Ob er auch einen Groll auf Adipöse, Trinker, Raucher, Autofahrer, Suizidale – und was weiß ich, wer noch so statistisch überrepräsentiert auf der Intensivstation landet – hat, erfahren wir nicht.

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Hasnain Kazim: Mein Kalifat

„Demokratie? Ich bin hier, um die Demokratie zu verteidigen! Nicht, um sie zu praktizieren.“  (Der Kalif)

Hasnain Niels Kazim liebt seine deutsche Heimat! Das meint das Dorf Hollern-Twielenfleth und das Alte Land und das liegt irgendwo da oben. Er liebt die Landschaft, den Dialekt, die Leute, das Essen, alles. Aber er liebt auch Österreich, Wien und die Wiener, oder Pakistan, wo seine Familie herstammt, und überhaupt kann der Weitgereiste jeder Gegend, in der er gelebt hat, etwas abgewinnen, nur Sachsen nicht, denn dort gibt es Pegida. Von dort her wird – so empfindet er ganz aufrichtig – seine geliebte Heimat bedroht. Der sächsische Dialekt ist ihm ein Graus – man kann das verstehen –, die Teilnahme an einer Pegida-Demonstration war ihm Schlüsselerlebnis.

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Zeit, „Neger“ zu sagen

Wozu braucht man eigentlich Philosophie, wenn man Annalena Baerbock hat?

Mit ihrer neuesten Volte – nämlich das Wort „Neger“ aus ihrem Munde zu „muten“ – hat sie ein bedeutsames philosophisches Problem aufgerissen und zugleich eine Lösung vorgeschlagen.

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Nichts gegen meine Ungarn

Die Kraft und Qual der fünf Herzen in meiner Brust:

Nichts gegen meine Ungarn. Sie haben gekämpft wie wahre Männer und wie immer verloren. Aber in der Niederlage haben sie Größe gezeigt und mit der Hand auf dem Staatswappen gemeinsam mit ihren härtesten Fans – von denen man sich in unseren Gefilden hätte distanzieren müssen – stolz und leidenschaftlich die Nationalhymne gesungen, ein Lied, das exakt die Geschichte dieses Spieles beschreibt: kämpfen, verlieren, und danach sich verhalten, als hätte man gewonnen – das ist so typisch ungarisch wie Pálinka und Paprikahuhn. Die Ungarn waren ein Nachruf, die letzte wahre europäische Nationalmannschaft des Turniers und vielleicht der Fußballgeschichte.

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Die Delta-Variante

Am Wochenende fand in den Tiefen des Darknets ein Schachturnier statt, die meisten Teilnehmer waren Insulaner und – wie das bei Schachspielern die Regel ist – immer auf dem neuesten Stand und konform. Folgender kleiner Dialog entspann sich in der Analyse eines Spiels:

–        Sorry, ich war schlecht drauf, hatte Corona und fühle mich noch ein wenig schwach, die Eröffnung ging in die Hose.

–        Welche Variante denn?

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Die Deutungshoheit über das Lachen

Viele dürfte die unglaubliche Vehemenz überrascht haben, mit der die eine Meinungsseite auf die gut 50 Corona-Clips reagiert hat, während die andere sogleich in Begeisterung fiel. Die Filmchen wirkten wie Marmite – You either love it or hate it. Man kann an der Reaktion grob die Linie zwischen rechts und links ziehen.

Die Empörung hat Geschichte – wir sprechen über die zweite subtextuelle, meta-mediale Frage des Medienereignisses. Denn es ist bei weitem nicht der erste Fall medial generierter Entrüstung über den Humor, es ist der bisherige Höhepunkt einer längeren Reihe an „Skandalen“: Uwe Steimle oder Kay Ray wurden entlassen, Andreas Thiel gilt ob seiner Islamwitze als fragwürdig, Dieter Nuhr oder Lisa Eckhart sind rote Tücher für das linke Feuilleton …, um nur einige Namen zu nennen.

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Die ewige Rechte

Die mediale Aufarbeitung einiger ironischer Videos bekannter Kulturschaffender wirft mindestens zwei subtextuelle oder meta-mediale Fragen auf. Die eine ist die Frage nach Rechts.

Nur wenige der Delinquenten hatten bisher den Mut, für ihr eigenes Handeln offensiv einzustehen, dazu gehören ein Schauspieler namens Liefers und ein Regisseur Brüggemann. Viele andere haben den Schwanz eingezogen oder das schon längst eingeübte Reueritual vollzogen, das alten DDR-Zeitzeugen so unangenehm bekannt vorkommen sollte, müßte man darüber nicht jedes Mal laut lachen.

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