Zeit, „Neger“ zu sagen

Wozu braucht man eigentlich Philosophie, wenn man Annalena Baerbock hat?

Mit ihrer neuesten Volte – nämlich das Wort „Neger“ aus ihrem Munde zu „muten“ – hat sie ein bedeutsames philosophisches Problem aufgerissen und zugleich eine Lösung vorgeschlagen.

Sie hatte eine Geschichte referiert, in dem ein Schüler sich weigerte, eine Aufgabe zu bearbeiten, weil in der Aufgabenbeschreibung das Wort „Neger“ in Klarform vorkam. Ihr Fehltritt lag nun darin, in ihrem Referat ebenjenes Wort in Klarform ebenfalls ausgesagt, in den Mund genommen zu haben. Die Erwähnung des Wortes war natürlich konstitutiv, denn sonst wäre ihre Wiederholung der Geschichte gar nicht verstehbar, zumindest hätte sie ein verständliches Substitut finden müssen – im Moment scheint man sich auf „das N-Wort“ geeinigt zu haben, was neue philosophische Probleme aufwirft –, aber politische Korrektheit fragt nicht mehr nach Sinn und Verstand.

Sicher kann man als Außenstehender mit etwas Schadenfreude genießen, wie die Korrekten und Hypermoralischen – Baerbock zeigt in diesem Bereich Hochbegabung – immer öfter in die eigenen Fallen tappen; das sei jedermann gegönnt. Aber man kann auch versuchen, etwas tiefer zu schürfen.

Was Baerbock hier unwissentlich aktualisiert, ist als „Freges Paradox“ bekannt geworden. Strukturell sind hier Ähnlichkeiten zu den Zenonschen Bewegungsparadoxa auffällig, nur wird hier im Bereich der Sprachbewegung agiert. Die menschliche Sprache enthält in sich scheinbar unauflösbare Widersprüche. Es geht letztlich um Identität. Wenn man die Paradoxien durchdringt, dann kann man auch die Frage der Identität besser verstehen, denn alles Ungemach stammt letztlich nicht aus den Tatsachen, den Realitäten, dem Sein etc. sondern aus seiner sprachlichen, also menschlichen Bearbeitung.

Gottlob Frege führte die Differenz von Bedeutung und Sinn ein – er war nicht der einzige. A=A, das sieht jeder ein. Aber A kann auch B sein, wenn ihre Bedeutungen gleich sind. Aristoteles ist Aristoteles, aber Aristoteles auch der Stagirit, oder 5 ist auch die Wurzel aus 25 usw. Aristoteles = Stagirit. Der Satz ist jedem unmittelbar einsichtig, der weiß, das Aristoteles aus Stageira stammte. Dieses Wissen ist freilich Voraussetzung, um die Gleichung zu verstehen, ebenso, wie die Reflexion, das Bewußtsein davon, daß dieses Wissen Voraussetzung ist, Voraussetzung ist, um sie zu verstehen. Man sieht, es wird kompliziert: so sprechen macht Sprache spannender, reicher, schöner aber auch komplexer. Beide Seiten haben also die gleiche Bedeutung, aber einen anderen Sinn.

In seiner „Logik des Sinns“ (1969) widmete sich Gilles Deleuze ausgiebig einer ganzen Serie von Sinn-Paradoxa am Leitfaden der Werke Lewis Carrolls. Carroll hat das „Paradox der Regression und der unbegrenzten Wucherung“ exemplarisch inszeniert in jener berühmten Szene aus „Alice im Spiegelland“, in der der weiße Ritter anhebt, Alice mit einem schönen Lied zu trösten[1]: „Der Name des Liedes heißt ‚Heringsköpfe'“, läßt er sie wissen. Alice reagiert darauf mit der Frage: „Ach! Das ist wirklich sein Name?“… – „‚Nein, du hast mich falsch verstanden“, sagte der Ritter etwas unmutig. „So heißt sein Name nur. Der Name selbst ist ‚Der uralte Mann'“. – „Dann hätte ich also sagen sollen: ‚So heißt das Lied also?‘, verbesserte sich Alice“. – „Aber nein doch, das ist wieder etwas anderes. Das Lied heißt ‚Trachten und Streben‘; aber vielleicht heißt es nur so.“ – „Ja, aber welches Lied ist es dann?“ fragte Alice, die sich nun gar nicht mehr auskannte. – „Das wollte ich dir eben sagen“, erwiderte der Ritter. „Es ist das Lied ‚Hoch droben auf der Pforten'“[2] Alle genannten Namen und Titel kommen anschließend im Lied vor.

Deleuze schreibt, daß „jeder Name, der ein Objekt bezeichnet, seinerseits Objekt eines neuen Namens werden kann, der seinen Sinn bezeichnet: Das gegebene N₁ verweist auf N₂, das den Sinn von N₁ bezeichnet, N₂ auf N₃ usw.“ Es ist ein glücklicher Zufall, daß die Mathematik das N-Wort „natürliche Zahl“ und „Nullstelle“ ebenfalls mit „N“ wie „Neger“ bezeichnet.

Jedenfalls kann das „Abwechseln zwischen einem wirklichen Namen und einem Namen, der diese Wirklichkeit bezeichnet, bis ins Unendliche verlängerbar“ sein. N₁ ist also „Neger“, N₂  ist „das N-Wort“ oder anders: „das N-Wort“ ist der Name des Wortes „Neger“ auf erster Stufe. Entsprechend dem „Paradox der Regression und der unbegrenzten Wucherung“ ist dieser Prozeß fortsetzbar und wird wohl auch irgendwann fortgesetzt werden, denn warum sollte jemand, der sich vom Wort „Neger“ getroffen fühlt oder glaubt, sich getroffen zu fühlen, oder glaubt, sich getroffen fühlen zu müssen, sich nicht auch vom Wort „das N-Wort“ getroffen fühlen, zumal das „N“ in „das N-Wort“ doch eindeutig auf das „N“ im Wort „Neger“ verweist. Man kann mithin gar nicht „das N-Wort“ sagen, ohne an „Neger“ zu denken, man kann nicht nicht „Neger“ sagen.

Auch Baerbocks „N-Wort“ ist äußerst voraussetzungsreich: ihre langwierige Erklärung und Entschuldigung ist überhaupt nur jenen verständlich, die wissen, daß „das N-Wort“ das Wort „Neger“ ersetzt bzw. benennt – spätere oder frühere Generationen würden ratlos vor diesen Worten sitzen.

Nicht an das Wort „Neger“ zu denken – übrigens kennt die Rechtschreibfunktion das Wort gar nicht mehr -, wäre erst möglich, wenn es „Neger“ oder Menschen, auf die „das N-Wort“ zutrifft, nicht mehr gibt und das kann einerseits durch deren Verschwinden oder das Verschwinden des Kontrastes geschehen. Das Wort wird in beiderlei Form spätestens dann aussterben, unnütz werden, wenn alle neugeborenen Kinder dereinst mit gleicher kaffeebrauner Hautfarbe zur Welt kommen – allerdings wird es dann andere Differenzen geben, von denen wir heute noch nichts ahnen, die aber ebenfalls zu Ungleichbehandlungen führen werden.

Frege und Carroll und vermutlich auch Deleuze hätten sich vor die Stirn geschlagen, aber wir sind mit derartiger Wortakrobatik mittlerweile vertraut – man denke nur an die Debatten um das Wort „Flüchtling“ oder „Studenten“, an all die Gender-Kreativität usw. Vermutlich befinden wir uns erst am Anfang dieses Prozesses.

Auflösen läßt es sich nur historisch. Wir müssen uns fragen, wie das Wort „Neger“ in die Welt kam. Wie jedes Wort ist es nicht die Sache selbst, also im Schöpfungsakt liegt ein arbiträres Moment, allerdings selten in der klassisch biblischen Vorstellung (Gen. 2.19f.).

Im Falle „Neger“ ist die Rückführung dennoch recht einfach, denn es läßt sich auf „negro“ ableiten, was in latinischen Sprachen „schwarz“ bedeutet. Daran sieht man schon, daß Sprache und Sein zwei verschiedene Dinge sind, denn was als „schwarz“ bezeichnet wurde, das sind Abstufungen des Dunklen oder des Braunen, so wie es an sich auch keine „Weißen“ gibt, sondern nur Menschen mit rosafarbenen, gelblichen, ockerfarbenen, bräunlichen, rötlichen oder anderen seltsamen Schattierungen der Haut. Man kann dennoch davon ausgehen, daß die Erstbeschreibung – die es in Reinform aufgrund der Sprachentwicklung selten gegeben hat – noch vollkommen wertfrei stattgefunden hat, möglichweise sogar von den dunkelhäutigen Menschen selbst als Selbstbeschreibung stammt. Noch Martin Luther King komponierte seine berühmte Rede („I have a dream“) um den Begriff „negro“ herum, den er wie in einer Litanei ganz selbstbewußt viele Male wiederholt.

Wer sich die Mühe macht, durch die Schichten der Bedeutungsverschiebungen hindurchzulauschen, durch seine langjährigen und zahlreichen pejorativen Formen ebenso wie seine neueren ideologischen, dem wird dieser Sinn des Wortes „Neger“ wieder verständlich. Ein Weg – der beste übrigens – aus dem Paradox wäre also, sich dieses ursächlichen Sinnes zu besinnen und ihn wieder zu affirmieren.

Im Moment scheint das unwahrscheinlich. Man kann es auch mit Substituten versuchen, aber die Erfahrung lehrt, daß Menschen, wenn sie Sprache mit Absicht „machen“, nicht sehr begabt sind. Ein Begriff wie „people of colour“ oder „PoC“ steht dafür exemplarisch. Er ist unhandlich und leistet im Prinzip nichts, denn er wiederholt den Inhalt des Wortes „Neger“, diversifiziert ihn zwar, aber was soll „Farbe“ hier bedeuten? – der „Neger“ bleibt präsent, man kann nicht nicht „Neger“ sagen. Es ist nicht anzunehmen, daß „PoC“ lange Bestand haben wird, er wird das Schicksal der LGBTQI+ … XY erleiden und an seiner eigenen Binnenvielfalt zugrundegehen, weil Überdifferenzierung gleich Entdifferenzierung ist.

Dem Ganzen liegt auch ein magisches Denken zugrunde, wie man es aus Märchen, Mythen und Religionen kennt. Der, dessen Namen nicht genannt werden darf, ist der Unantastbare, der Unvorstellbare. Der Islam etwa kennt die 99 Namen Allahs, die Juden sprechen lieber vom Herrn als von JHWH, mit „In nomine patris“ beginnen die christlichen Gebete, man sagt auch „Dein Name werde geheiligt“, und Rumpelstilzchens Macht über die Königstochter erlischt, als sie seinen Namen sagt.

Magisches Denken beinhaltet auch der Glaube, daß etwas Seiendes durch Umbenennung oder Verschweigen verschwindet. Begriffe wie „Krüppel“, „Buckliger“, „Klumpfuß“ und dergleichen sind aus unserer Sprache fast verschwunden und alle damit beschriebenen Menschen haben die gleichen Rechte wie alle anderen, aber wenn wir vor – durch Menschen verursachten Klimawandel – Feuerwalze oder Springflut um unser Leben laufen müssen, dann wird sich das Überleben an diesen Tatsachen sortieren.

Der wahrhaft, der einzig magische Moment ist jedoch die Erstbenennung. Statt „Neger“ wäre jeder andere Begriff denkbar gewesen – an der Sache hätte sich nichts geändert. Er ist in gewisser Weise sogar gut „gewählt“, weil er seinen Inhalt beschreibt. Es gibt also eine dritte Möglichkeit, den Paradoxa teilweise zu entkommen: man müßte eine Sprachregelung finden, die der Evidenz entspricht. Demnach wäre „Dunkelhäutige“ etwa denkbar oder auch das bereits satirisch verbrannte „stark Pigmentierte“ und dergleichen.

Tatsche ist, daß uns die Baerbock und Co. in die sprachliche Wüste, in die Ausdrucks- und Sprachlosigkeit führen. Bis auf weiteres kann es daher sinnvoll sein, sich – statt der absurden Verrenkungen – des ursächlichen Sprachgebrauchs zu befleißigen, wie überhaupt ein Verbot am besten durch bewußte Überschreitung gekontert wird. Freiheitsliebende Menschen reagieren habituell und instinktiv auf Verbote, wenn auch oft nur im Verborgenen, mit reflexhafter, aber absichtlicher Übertretung, so wie ein Zaun ein Haus zwar schützt, es aber auch als Schützenswertes besonders kenntlich und damit ungeschützt macht. Die Übertretung  kann sogar zur moralischen Pflicht werden. Man sollte dann bewußt in jene Fallen treten, um sie zu entschärfen. Möglicherweise ist der Aufwand, dunkelhäutigen Menschen zu erklären, daß in der jetzigen Nutzung des Wortes „Neger“ kein Insult (mehr) liegt, geringer, als sich der ausufernden Gehirnakrobatik, der Zerstörung gewachsener Sprache, der künstlichen Schaffung von Sinnparadoxa, letztlich der Verunmöglichung von sinnvoller Kommunikation zu unterwerfen.

Übrigens feiert ein ganz anderes N-Wort seit einigen Jahren steile Karriere: das Wort „Nazi“, das ein viel höheres Recht auf Substitution hätte, da es reine Zuschreibung, reine Abstraktion ohne natürliche Evidenz ist. Darüber ließe sich eine Menge sagen.

[1] Nach der Übersetzung Enzensbergers – original: ‘You are sad,’ the Knight said in an anxious tone: ‘let me sing you a song to comfort you.’
‘Is it very long?’ Alice asked, for she had heard a good deal of poetry that day.
‘It’s long,’ said the Knight, ‘but very, VERY beautiful. Everybody that hears me sing it–either it brings the TEARS into their eyes, or else–’
‘Or else what?’ said Alice, for the Knight had made a sudden pause.
‘Or else it doesn’t, you know. The name of the song is called “HADDOCKS’ EYES.”’
‘Oh, that’s the name of the song, is it?’ Alice said, trying to feel interested.
‘No, you don’t understand,’ the Knight said, looking a little vexed. ‘That’s what the name is CALLED. The name really IS “THE AGED AGED MAN.”’
‘Then I ought to have said “That’s what the SONG is called”?’ Alice corrected herself.
‘No, you oughtn’t: that’s quite another thing! The SONG is called “WAYS AND MEANS”: but that’s only what it’s CALLED, you know!’
‘Well, what IS the song, then?’ said Alice, who was by this time completely bewildered.
‘I was coming to that,’ the Knight said. ‘The song really IS “A-SITTING ON A GATE”: and the tune’s my own invention.’
[2]Leider versagt an dieser Stelle die Übersetzung von Remané, die den Sinn von Carrolls Paradox nicht erfaßt, indem sie die Differenz von „sein“ und „heißen“ verwischt und durch die Ver­wendung des Partizip II des Verbs „nennen“, statt des treffenderen „heißen“, die logische Schärfe des Dialogs entzaubert. Deshalb wurde hier die Übersetzung Enzensbergers gewählt.

Quelle: Gilles Deleuze: Logik des Sinns (1969). Frankfurt 1993

Nichts gegen meine Ungarn

Die Kraft und Qual der fünf Herzen in meiner Brust:

Nichts gegen meine Ungarn. Sie haben gekämpft wie wahre Männer und wie immer verloren. Aber in der Niederlage haben sie Größe gezeigt und mit der Hand auf dem Staatswappen gemeinsam mit ihren härtesten Fans – von denen man sich in unseren Gefilden hätte distanzieren müssen – stolz und leidenschaftlich die Nationalhymne gesungen, ein Lied, das exakt die Geschichte dieses Spieles beschreibt: kämpfen, verlieren, und danach sich verhalten, als hätte man gewonnen – das ist so typisch ungarisch wie Pálinka und Paprikahuhn. Die Ungarn waren ein Nachruf, die letzte wahre europäische Nationalmannschaft des Turniers und vielleicht der Fußballgeschichte.

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Die Delta-Variante

Am Wochenende fand in den Tiefen des Darknets ein Schachturnier statt, die meisten Teilnehmer waren Insulaner und – wie das bei Schachspielern die Regel ist – immer auf dem neuesten Stand und konform. Folgender kleiner Dialog entspann sich in der Analyse eines Spiels:

–        Sorry, ich war schlecht drauf, hatte Corona und fühle mich noch ein wenig schwach, die Eröffnung ging in die Hose.

–        Welche Variante denn?

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Die Deutungshoheit über das Lachen

Viele dürfte die unglaubliche Vehemenz überrascht haben, mit der die eine Meinungsseite auf die gut 50 Corona-Clips reagiert hat, während die andere sogleich in Begeisterung fiel. Die Filmchen wirkten wie Marmite – You either love it or hate it. Man kann an der Reaktion grob die Linie zwischen rechts und links ziehen.

Die Empörung hat Geschichte – wir sprechen über die zweite subtextuelle, meta-mediale Frage des Medienereignisses. Denn es ist bei weitem nicht der erste Fall medial generierter Entrüstung über den Humor, es ist der bisherige Höhepunkt einer längeren Reihe an „Skandalen“: Uwe Steimle oder Kay Ray wurden entlassen, Andreas Thiel gilt ob seiner Islamwitze als fragwürdig, Dieter Nuhr oder Lisa Eckhart sind rote Tücher für das linke Feuilleton …, um nur einige Namen zu nennen.

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Die ewige Rechte

Die mediale Aufarbeitung einiger ironischer Videos bekannter Kulturschaffender wirft mindestens zwei subtextuelle oder meta-mediale Fragen auf. Die eine ist die Frage nach Rechts.

Nur wenige der Delinquenten hatten bisher den Mut, für ihr eigenes Handeln offensiv einzustehen, dazu gehören ein Schauspieler namens Liefers und ein Regisseur Brüggemann. Viele andere haben den Schwanz eingezogen oder das schon längst eingeübte Reueritual vollzogen, das alten DDR-Zeitzeugen so unangenehm bekannt vorkommen sollte, müßte man darüber nicht jedes Mal laut lachen.

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Habeck und das Ende der Metapher

Hier stehe ich und kann nicht anders und muß es sagen: Da beißt die Maus keinen Faden ab, die Grünen werden wohl die Wahl gewinnen und dann ist Polen offen. Aber Wahltag ist auch Zahltag und noch sind die Würfel nicht gefallen, noch haben die Deutschen den Rubikon nicht überschritten. Denn fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit und hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gefangen.

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Maos Spatzen in Berlin

Sicheres Anzeichen dafür, daß Politik durch Abkapselung vom realen Leben in die gefährlichen Sphären der selbstimmunisierenden Phantasie abwandert, ist es, wenn die Protagonisten damit beginnen, ihre eigenen, ganz persönlichen Wahrnehmungen, Erfahrungen, Empfindungen und die daraus gezogenen Schlüsse zu verallgemeinern, als Universallösung anzupreisen und die Öffentlichkeit dazu bringen wollen – durch Zwang, Überredung oder Propaganda – diese auch zu verwirklichen. Stalin und Mao gelten als klassische Beispiele.

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Kunst wird Machwerk

Die spannendste Frage hinsichtlich des neuen Borat-Filmes war, inwieweit Sascha Baron Cohens geniale Travestie- und Rollenkunst von vor einem anderthalb Jahrzehnt, heutzutage – in Zeiten der alles durchsetzenden Politischen Korrektheit, in Zeiten von BLM, in Trumps Epoche, in Corona-Zeiten etc. noch machbar ist und ob sie noch wirkt, noch wirken kann, noch wirken darf.

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Die Sprache der Trikots

Die letzten Spieltage der großen europäischen Ligen gaben uns die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die Trikots der kommenden Saison zu werfen. Es ist fester Bestandteil der Merchandising-Industrie, jedes Jahr neue Designs einzuführen und die Fans zum Kauf derselben zu animieren. Ein Shirt wird mittlerweile von 70 bis 120 Euro gehandelt – die weltweiten Umsätze dürften enorm sein, bei den großen Klubs macht das Merchandising zwischen 25 und 50% der Gesamteinnahmen aus – wir sprechen hier von hunderten Millionen. Ein neues, hochwertiges und attraktives Trikot anzubieten – genau genommen sind es drei verschiedene: Heim, Auswärts und drittes – ist ein wesentliches Ereignis, Star-Designer werden engagiert, Ausstatter gewechselt, um immer nahe am Bedarf zu sein.

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*innen

Nur mal so im Vorbeifahren: Las diesen Satz im Parteiorgan „Frankfurter Rundschau“ über „Rassistische Polizeigewalt“:

„Trotz der Polizeiaktion harrten rund 50 Demonstrierende weiter aus. Sie riefen den Polizist*innen Begriffe wie „Mörder“ zu und forderten sie auf, ihren Dienst zu quittieren.“

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Das Fremde enträtseln

Das Fremde erkennt man daran, daß es einem fremd ist. Man muß es enträtseln, wenn man es verstehen will. Manchmal hilft uns dabei unsere Presse, aber manchmal eben auch nicht. Wie etwa in dem mysteriösen Fall, den „Die Welt“ dieser Tage aufgedeckt hatte – allerdings waren Leser dieses Blogs darüber bereits früher informiert.

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Viro-Logisches III

Das Corona-Virus hält uns in Atem, die Menge der Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Veränderungen überfordert uns alle; selbst sogenannte Experten verlieren den Überblick, es geistern Zahlen und Theorien im Netz umher. Nachfolgend ein paar lose, freie Gedanken, allein aus dem fehleranfälligen Denken geboren und ohne jegliche Expertise.

Wie muß das Corona-Virus eigentlich auf jene Geister wirken, die an ein Gottesgericht glauben und die westliche Lebensform als Ausgeburt der Hölle begreifen? Das kann man anhand des Islamischen Staates studieren. Der rät nun – wie die Berlingske Tidende mitteilt – seinen Schläfern, den Westen zu verlassen, um das Virus nicht in den eigenen Reihen zu verbreiten. Wenn man allerdings schon infiziert sei, so ändere sich die heilige Pflicht, dann gilt es, so viele Ungläubige wie möglich anzustecken. Vielleicht läßt sich auch so die exorbitante Krankenrate in NRW erklären? In einem Nachrichtentelegramm an die eigenen Anhänger, wird das Virus als Strafe Gottes ausgegeben, denn der strafe jeden, wie er will und „Plagen“ würden ausschließlich auf Gottes Befehl hin ausgesandt. Wohl dem, der den richtigen Gott hat. Ist er infiziert, wird er zum Gotteskrieger, bleibt er verschont, hält der, der immer größer ist, seine schützende Hand darüber.

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Der AfD-Schlüssel

Wenn es stimmt, was die Medien, Meinungsinstitute und Statistikbüros nun lautstark unters Volk bringen, dann ist endlich die Königsstrategie, das Antidot gegen das Gift der AfD gefunden. Nach dem Massaker von Hanau – eine Tat, die sich mehr und mehr als die eines schwer psychisch Kranken darstellt, die aber noch immer als „rechtsextremistisch motiviert“ verkauft wird –, nach dieser irrationalen Tat, die von den Massenmedien und Parteien unisono als eine Art aufgehender Saat des AfD-Giftes dargestellt wurde, sind, so wird uns vom statistisch-medialen Komplex versichert, die Umfragewerte für die AfD dramatisch gesunken und glauben, nach tagelangem medialem Konnex-Bombardement, 60 Prozent der Deutschen an eine Mitverantwortung der AfD.

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Grenzen der Freiheit

Georges Perec hatte bekanntlich einen Roman geschrieben, in dem er auf den Buchstaben „E“ komplett verzichtete – das hätte er mal auf Ungarisch probieren sollen – aber dazu später.

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Gombrowicz und Gummischutz

PDF-Version: Gombrowicz und Gummischutz
Never before has pornography been this rampant. And those films are lit so badly! Woody Allen

„Gummischutz“ war eines der ersten Wörter, die ich zu lesen vermochte. Die väterliche Zeitung, nach der Lektüre achtlos liegen gelassen, enthielt zahlreiche Hieroglyphen, an denen sich der Jüngling üben konnte. Aber „Gummischutz“ blieb hängen und beschäftigte die kindliche Phantasie. Was sollte man sich darunter vorstellen? Die Eltern dreier kurz nacheinander geborener Kinder reagierten ausweichend, man ahnte also, daß es was mit „unten“ zu tun haben mußte. Und einen vagen Sinn ergab das Wort ja. Nicht umsonst hatte man sich jahrelang mit Reinlichkeitsübungen abgegeben. Eins und eins macht zwei: ein Gummischutz konnte nur jene große rote und penetrant riechende Gummiunterlage im Bett sein, die, wie etwa im Krankenhaus gesehen, die Matratze vorm Einnässen schützen sollte. So erklärt man sich die Welt – und es funktioniert … für eine Weile, bis eine neue Realität andere Erklärungsmuster verlangt.

Dies ist ein Artikel für Leute mit Freude an und Gespür für Differenzen. In ihm werden vier verschiedene Übersetzungen von Gombrowiczs „Pornografia“ miteinander verglichen: die deutsche, die zweite englische, die dänische und die italienische.

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