Das muslimische Zeitalter

Vor fünf Jahren sagte ein hochgebildeter Akademiker mir, als ich auf die Gefahren einer zu starken Einwanderung und der Islamisierung hinwies, ganz lapidar ins Gesicht: Nun, bisher hatten wir das christliche Zeitalter, jetzt folgt eben das muslimische – was ist dabei?

Wer wissen wollte, was das Wort „Terror“ bedeutet, der hätte es heute Nacht live erlernen können. Ein einzelner Verbrecher – vielleicht auch zwei –, der, wie wir nun wissen, gerade einmal neun Minuten mit seiner Bewaffnung unterwegs war, bevor ihn die tödliche Polizeikugel traf, hatte eine ganze Stadt, ein Land, einen Kontinent in Atem gehalten. Stundenlang überschlugen sich die Meldungen, klangen immer dramatischer. Zwischenzeitlich war sogar von zehn Tätern die Rede, von mehreren Festnahmen, von sieben bestätigten Toten, von kriegserprobten tschetschenischen Banden (die es natürlich trotzdem gibt) und man mußte ein weitaus schlimmeres Erwachen befürchten. Als ich gegen zwei Uhr ins Bett ging, wähnte man noch immer mindestens drei Attentäter unterwegs.

Das war Terror in Reinform. Das Wort bedeutet – ich wiederhole es – „Schreckensbotschaft“ und auf die Botschaft kommt es an. Die Angst, die Unübersichtlichkeit, die bereits tief verinnerlichte innere Bereitschaft – spätestens seit 9/11 halten wir alles für möglich – und die mediale Verstärkung – ohne Medien gibt es keinen Terror[1] – haben zu einer vollkommenen Überhöhung der Lageeinschätzung geführt. Wien war für einige schreckliche Stunden in einer Terrorblase gefangen, aus der es erst das Tageslicht erlösen konnte. Das ist der Blueprint für alle kommenden Ereignisse dieser Art.

Und daß sie kommen werden, daran zweifelt wohl niemand, denn sie sind der zu zahlende  Preis einer maßlosen Zuwanderung, einer Segregation der Kommunen, einer naiven, blinden und ideologisch verzerrten utopischen Politik, die von einer Buntheit und Diversity mit  eschatologischer Inbrunst träumt. Der Traum geht davon aus, daß sich dann die menschlichen Konflikte wie von selbst lösen und wir in einer quasi gewaltlosen Welt leben werden – die Realität ist aber schon da und zeigt uns just das Gegenteil.

Das ist bereits das muslimische Zeitalter – das wird es mehr und mehr sein.

Unsinn – damit behaupte ich nicht, daß alle Muslime oder daß der Islam etc. in ihrer Gesamtheit … Es ist doch ganz klar, daß die meisten Muslime – wie die meisten Menschen überall – friedliche Zeitgenossen sind, die allerallermeisten. Und auch der Islam zwingt niemanden – auch nicht den gläubigen Muslim – die kuffar zu töten und zu verfolgen, selbst wenn es derartige Passagen im Heiligen Buch dieser Religion oder in den Hadithen und Rechtsbüchern gibt (es gibt auch dem widersprechende) und Michael Stürzenberger es tagtäglich behauptet. Aber es ist als Potenz, als Möglichkeit in sein geistiges Erbgut eingepflanzt und dieses wurde – im Gegenteil zum Christentum, in das es ebenfalls (wenn auch deutlich weniger) eingepflanzt war –, nie tiefgründig reformiert, durch eine überbordende und tatsächlich vielfältige Theologie relativiert und totgequatscht, und ist erst recht nicht einer jahrhundertealten Säkularisierung und Selbstverdauung ausgesetzt gewesen. Der Grund dafür liegt vordergründig in einem mohammedanischen Geniestreich – aber der ist hier nicht das Thema.

Die Wahrscheinlichkeit, daß Muslime die religiöse Botschaft im Frontradio hören, ist vielfach höher als bei anderen geschichtsrelevanten Religionen – und die übersetzt sich auch in Terror. Sie ist außerdem von der Religion ganz unabhängig in einer Gesellschaft erhöht, in der die Menschen keine gemeinsame Grundkultur, Lebensweise, Sprache, ethnische Nähe teilen, weil dort, wo Menschen sich fremd sind und habituell bleiben müssen, das Gemeinsamkeitsempfinden und damit das gegenseitige Verantwortungsgefühl schwinden muß. Dieser Gedanke erscheint mir so einleuchtend und evident, daß er auch ein ideologisch stark vorbelastetes Hirn erreichen können müßte.

Selbst wenn Diversity die Endlösung wäre, so käme sie zu einem teuren Preis und eine Facette ist der Terror, andere sind Kriminalität, Alltagsgewalt, Parallelgesellschaften, innere Konflikte, soziale Kälte usw. Man kann unendlich viel Pluralismus-Scholastik und Sophistik, Wortdreherei dagegen anführen – es sind und bleiben Tatsachen. Entweder ihr kapiert das oder ihr kapiert es nicht, wollt es nicht kapieren.

Nun haben wir in Wien erneut den Glücksfall, daß zwei türkische Jugendliche die „Helden von Wien“ wurden – widerlegt das nicht den obigen Defätismus? Es ist aber ein weiteres Indiz dafür, daß das muslimische Zeitalter bereits angebrochen ist.

Wie hätte die Presse reagiert, wenn zwei junge Identitäre die Helden gewesen wären? Eine solche Frage muß man sich stellen, um die korrekte Antwort zu bekommen.

Die beiden Männer sind durchtrainierte Martial Arts-Athleten – man darf annehmen, daß eine gehörige Portion Abenteuerlust, ein Schuß Adrenalin und nahöstliches Machotum eine Rolle gespielt haben. Aber sie waren mutig, haben ihr Leben riskiert, um anderes zu retten – das muß man anerkennen.

Quelle: Mikail Özen Instagram

Sind sie deshalb schon Österreicher? Sie könnten es theoretisch sein – wenn man ihren Spuren im Internet allerdings ein wenig folgt, dann kommen Zweifel auf. In ihren martialischen Kämpfen treten sie stolz als Türken auf und in der Hagia Sophia heben sie in typischer Islamistenart den Zeigefinger zum Allah-Siegel oder posieren mit dem Fingerzeichen der „Grauen Wölfe“.

Eine Dummheit vermutlich, gänzlich ungefährlich – aber stünden die Türken mal wieder vor Wien, wer wollte die Hand dafür ins Feuer legen, daß die zwei auf europäischer Seite kämpften? Das ist die Wahrheit hinter eurer Multikultiblase. Sie sind vermutlich so österreichisch wie der Attentäter höchstselbst.

Statt sich diesen Evidenzen zu stellen, verliert die Linke nun Krokodilstränen. Hassnain Niels Kazim etwa schreibt in der „Zeit“: „Mein Wien war der Inbegriff von Frieden. Nun ist der Terror auch hier angekommen. Hoffen wir, daß die Terroristen ihr Ziel nicht erreichen, die Gesellschaft zu spalten.“ Kazim lebt in Wien, ist persönlich be- und offenbar auch getroffen. Aber den ursächlichen Zusammenhang will er nicht sehen, stattdessen ist es die „antiislamische Stimmung“, die den Terroristen in die Hände spiele.

Natürlich gibt es die, aber sie ist ein Resultat und der Terrorismus ist nur eine ihrer Bedingungen. Man müßte schon einen apriorischen Antiislamismus konstruieren, wollte man dieser Konstruktion folgen. Den aber gibt es nicht. Er ist stattdessen historisch evidenzgetragen und betrifft auch nicht nur Muslime.

Menschen sind in ihrer langen Menschwerdung evolutiv darauf getrimmt, es liegt in ihrer anthropologischen Natur, sich bevorzugt mit ihresgleichen zu umgeben. Das Gefühl zunehmender Fremdheit führt ganz natürlich zu Distanzen und Aversionen und wird deutlich verstärkt, wenn man das Empfinden hat, daß der Fremde sich dem Eigenen nicht anzupassen versucht. Die stark ausgeprägte Inklusion des Islam – theologisch seine größte Stärke – macht die Annäherung sehr schwer. Der Effekt wäre im Übrigen ähnlich, wenn Millionen Österreicher in kürzester Zeit nach Pakistan auswandern wollten.

Es nützt auch nichts, auf Christchurch oder Halle oder den allgegenwärtigen Rechtsextremismus hinzuweisen – den es freilich gibt und der zu bekämpfen ist –, vielmehr kommt es darauf an, zu verstehen, daß auch diese Form des Terrors ganz wesentlich – wenn auch nicht ausschließlich – eine Reaktion auf die rasanten demographischen und kulturellen Veränderungen ist. Er ist in keiner Form gerechtfertigt, aber er ist erklärbar.

Kazim sorgt sich nun um die Spaltung der Gesellschaft. Es gibt ihn in zweierlei Varianten. Wenn er für „Zeit“ und „Spiegel“ schreibt, dann säuselt er gern versöhnliche Worte, wer aber etwa seinen Äußerungen auf Twitter und Facebook folgt, der lernt einen verbitterten, vermutlich haßerfüllten[2] und hochgradig intoleranten Menschen kennen, der sich einen Spaß daraus macht, seine politischen Gegner zu triggern, und der allzu gerne in Verbotsphantasien seiner politischen Gegner schwelgt. Dieses „Spiel“ bewirtschaftet er auch noch, formt aus den Haßkommentaren, die er provoziert und dann meist grundsätzlich auf seine migrantische Herkunft projiziert, Bücher und wird zum Bestsellerautor und geschätzten Medienkommentator – er bedient die gierigen Bedürfnisse seiner eigenen Blase. Kazim ist ein Spalter par excellence und erntet dafür – wie sein Kumpan Igor Levit – Unterstützung, Anerkennung, Verträge und hochdotierte Preise vom Establishment.

Sein hintergründigstes Spiel ist nun die Rolle des Kalifen. Mit einem gewissen Sinn für doppelsinnigen Humor imaginiert er die Gründung eines eigenen Kalifats, dem sich seine Anhänger zu unterwerfen hätten. Hunderte oder Tausende folgen dieser Scharade und mimen Untertanen des Kalifen. Damit soll die Idee der Islamisierung und des Bevölkerungsaustausches karikiert und ins Lächerliche gezogen werden. Ein neues Buch beim Branchenriesen „Penguin“ ist auch schon angekündigt.

Vielleicht wird ihm das Spiel nun ein wenig vergällt, wenn er begreift, daß auch der Wiener Terrorist, der ihm letzte Nacht Angst gemacht hat, auf einen Kalifen geschworen hatte, vielleicht kann er nun verstehen, daß nicht alle diese Art Witz lustig finden, vielleicht denkt „Penguin“ sogar um und macht eine politisch korrekte Kehre? – aber dazu bedürfte es wohl noch eine Dosis mehr vom muslimischen Zeitalter.

Siehe auch: Ästhetik des Schrecklichen

 

[1] Am gleichen Tag kamen in Kabul 35 Menschen bei einem Terrorangriff ums Leben, ohne daß das größere Panik ausgelöst hätte – vermutlich nicht mal vor Ort.
[2] So zumindest kann er wirken, wenn man sich auf der anderen Seite der Argumentationen befindet.

Quelle: Info Direkt

7 Gedanken zu “Das muslimische Zeitalter

  1. Heinz schreibt:

    Ein muslimisches Zeitalter? Ich halte dies für Lachhaft. Mag sein, dass in Deutschlands Städten statt Kirchen Moscheen stehen. Das bedeutet aber nur ein finis germania und nicht das Ende des Christentums oder gar den Beginn eines Zeitalters, wo sich ein Großteil der Menschheit dreimal am Tag nach Mekka verbeugt. Etwas östlich von Berlin ist man bedeutend katholischer oder orthodoxer, als es der deutsche Gutmensch aushält ohne in ein Alles-Nazigestammel zu verfallen. Zu erwähnen wäre auch die Ungarn, die auch nichts von der deutschen Toleranzgründlichkeit zu halten scheinen. Wenn wir am Beginn einer Zeitenwende stehen, und das ist meiner Ansicht noch gar nicht als ausgemacht, dann wird sich das Zentrum von Kultur und Zivilisation in das ostpazifische Becken verlagern und sicherlich nicht in das Gebieter einer relativ rückständigen Zivilisation, deren Zentren am Persischen Golf und am Südrand des mittelmeerischen Beckens liegen. Dafür fehlen alle Voraussetzungen. Nicht zuletzt das Fehlen eines Kernstaates, wie Huntington festgestellt hat.

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  2. Michael B. schreibt:

    ‚u‘ vs ‚o‘ war nur noch die Spitze des Eisbergs, aber fiel mir halt irgendwann auf. Kein Riesenunterschied, aber war eben einmal anders. Und das klingt in meinen Ohren damit meist () aufdringlich ueberkorrekt. Wie das genannte *Belarus von einem Tag auf den Anderen ueberall durchgestanzt wurde – und das von Leuten, die kaum wissen wo das Land liegt, keinen Buchstaben kyrillisches Alphabet kennen, aber drauf achten dass da a statt o im Weissen steht (aus Gewohnheit gebrauche ich uebrigens weiterhin Belorussland – und dabei kenne ich sogar den Unterschied zwischen Rus und Russland nicht nur aus aufgepimpter zeitgeistkompatibler Pseudobildung).

    Das ist Beflissenheit.

    Frueher wuchs man in andere Begriffe durch langes Leben in entsprechender Umgebung.

    Mohammedanisch ist ganz unkorrekt und beleidigt u.U. die Muslime.

    Das Leben ist kein Ponyhof. Anspruchsdenken und seine Einforderung als Veraenderung meiner Muttersprache auf meiner Heimaterde – das beleidigt dann vielleicht mich? Denkt denn niemand an die Kinder in Afr… – ich meine die Biokartoffeln?

    () Wichtig. Es kommt immer auf die Quelle an. Und die darf eigentlich dann nur *native oder komplett naturalisiert sein.

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    • Über den Mohammedaner muß man nicht viele Worte verlieren – der Begriff ist theologisch einfach falsch und unpassend und wenn er zudem als unhöflich empfunden wird, kann man ihn getrost vermeiden – was natürlich seine historische Nutzung ausschließt. Andere Sprachen sind da freilich weniger sensibel.

      Der Kollektivsingular „der Moslem“ scheint mir heutzutage mehr und mehr pejorativ zu klingen. Ich denke, es ist kein Zufall, daß Stürzenberger und Co. auf dieser Vokabel bestehen. Außerdem ist die Pluralbildung unschön: Moslems.

      Muslim ist die bevorzugte Selbstbezeichnung und ich sehe keinen Grund, sich dagegen zu wehren. Sagt aus, was es soll, klingt gut, läßt sich grammatisch schön verarbeiten – ich denke, man sollte seine Kraft, die Differenzen auszuarbeiten, nicht an solchen Diskussionen verschwenden.

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      • Michael B. schreibt:

        ich denke, man sollte seine Kraft, die Differenzen auszuarbeiten, nicht an solchen Diskussionen verschwenden.

        Das war bis jetzt kein Kraftaufwand. Ich stelle fest, ich frage mich und andere. Das aufreibende Schlachtfeld an Befindlichkeiten ist ja gerade das, was ich nicht brauche.

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  3. Michael B. schreibt:

    Was mich immer schon einmal interessiert hat – warum ist eigentlich dieser Sprachgebrauch „muslimisch“ derart eingerissen. Ich kenne noch Moslem und noch eher Mohammedaner. Letzteres benutze ich selbst, mich hat auch noch niemand seltsam angesehen – aber ist das irgendetwas PC-maessiges, so eine Art hyperkorrekte Sinti-und-Roma-Belarus-Konstruktion?

    Weiss hier jemand Bescheid?

    Seidwalk: Wo ist das Problem? Beim „u“?

    Mohammedanisch ist ganz unkorrekt und beleidigt u.U. die Muslime. Weil die Religion Allah und nicht Mohammed in den Mittelpunkt stellt und es nur einen Gott geben kann.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Was spricht denn gegen das althergebrachte „Muselman“? Siehe auch französisch « musulman ».

      Da nach der Lehre doch Allah mit dem christlichen Gott (genauer: dem Herrn Papa) identisch ist und die Wurzel Allah selbst auch gar nicht in der anderen Bezeichnung Muslim auftritt, ist mir auch nicht eingängig, wieso man die Gläubigen nicht genauso gut nach ihrem Propheten unterscheiden dürfen sollte. Es mag ja sein, dass Muslime sich darob wieder mal beleidigt fühlen; aber das scheint ohnehin unvermeidlich zu sein, was immer man tut oder redet. Aus der Sicht spricht also auch nichts gegen die Bezeichnung Mohammedaner.

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    • Skeptiker schreibt:

      „Muslim“ oder „Moslem“ finde ich parallel gebraucht in kundigen Büchern der verflossenen Dezennien. Rein sprachlich wohl den beiden möglichen Vokaltranskriptionen im Deutschen geschuldet. Die Karriere der jetzt nur noch statthaften Etikettierungen „Muslim“ und auch „Muslima“ ist sprachpragmatisch-ideologisch zu verstehen.Ein langjähriger iranischer Freund erzählte mir schon vor Jahren, dass er Anfang der 90er Jahre bei der Frage nach der Herkunft noch gefragt wurde, ob er Türke, Araber oder Perser sei – dann engte sich die Herkunftsfrage auf die Frage: Sind Sie Muslim ? ein. Die Kategorie schafft eine Zwangsverallgemeinerung, die die Differenz der Herkunft in die heute gewünschte poltische Toalität zwingt. Ein islamisches Zeitalter wird es kaum geben – wenn der „Orient“ sich von der drückenden Last der religiösen Vorgaben gelöst haben wird, dürfte der intellektuelle Beitrag für die Weltkultur aus dem iranischen Traditionsbereich kommen – was Kazim und andere links(liberale) Differenzprediger leisten ist allenfalls orientalisierende politische Folklore.

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