LGTBQ am Marterpfahl

Solomon Aschs legendäres Konformitätsexperiment hat nun mehr als sieben Jahrzehnte auf dem Buckel. Asch konnte in einer außergewöhnlich einfachen und seither in tausendfach wiederholter oder variierter Versuchsanordnung einen grundlegenden menschlichen Drang zur Gruppenkonformität nachweisen. So wurden den Versuchspersonen etwa Striche gezeigt und sie sollten aus einer Vergleichsgruppe den gleichlangen benennen. Was die Leute sahen, war objektiv eindeutig. Was sie freilich subjektiv wahrnahmen, hing signifikant von der Gruppenwahrnehmung ab. Wenn also alle Mitglieder einer Gruppe eine kurze Schnur lang nannten oder eine lange kurz, dann tendierte die Versuchsperson dazu, sich dem unsinnigen Urteil anzupassen. Aus Angst, in der Gruppe isoliert zu stehen, änderte sich zuerst das Urteil und dann sogar die Wahrnehmung. Weiterlesen

Tödliche Torheit

Es gibt negative und positive Lektüreweisen – die eine sucht nach Widersprüchen, Fehlern, Ungereimtheiten und reibt sich habituell an der eigenen festen Position, die zweite blendet diese Faktoren aus und will lernen, fahndet nach dem Neuen, Anderen der vorgestellten Denkart. Die letztere sollte immer primär sein, die negative hingegen als Korrektiv dienen.

Nachdem ich Manfred Kleine-Hartlages schmales Buch über den „Krieg in der Ukraine und das Desaster der deutschen Politik“ zur Hälfte gelesen hatte, legte ich es beiseite, nahm Stift und Zettel zur Hand und begann es von vorn, denn es war klar, daß man hier eine wesentliche Schrift in der Hand hat. Es geht ums Eingemachte. Weiterlesen

Nazi Schreck Heidegger

Für einen Euro bei Ebay erwischt und zugeschlagen: Zimmermann: Martin und Fritz Heidegger. Philosophie und Fastnacht. Buch kam pünktlich, guter Zustand, alles bestens.

Aber dann sieht mein Auge eine Handschrift über Heideggers Vornamen. Hat da doch jemand „Nazi!“ – mit Ausrufezeichen – drüber gekritzelt. War in der Artikelbeschreibung natürlich nicht angegeben. Weiterlesen

Baños: So beherrscht man die Welt

 Rezension von: Pedro Baños: So beherrscht man die Welt. Heyne 2019
Es gab in den letzten Wochen ein verstärktes Interesse für Baños‘ Buch. Woher es kommt, darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht war Erik Lehnerts Vortrag zur Geopolitik der Auslöser oder sein entsprechender Beitrag in der „Sezession“ Heft 110. Dort findet sich auch eine sehr kurze Vorstellung des Buches. Aufgrund des Interesses stelle ich meine sehr ausführliche Rezension des Werkes erneut ein. Sie entstand vor drei Jahren und ist noch immer weit und breit die umfassendste und neutralste. Das Buch ist auf dem deutschen Markt weiterhin „verschwunden“, das spanische Original, eine italienische oder polnische Übersetzung kann man erwerben.
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Dank des Angebotes des „Antaios”-Verlages und meines schnellen Entschlusses, kam ich in die Lage, jenes Buch lesen zu können, das den meisten Menschen in diesem Land verwehrt bleiben wird, weil ein Journalist – Alan Posener – dieses Buch als antisemitisch bezeichnete. Daraufhin nahm der namhafte Heyne-Verlag es aus dem Programm und ihm folgten in einer seltsam konzertierten Aktion alle – alle! – kommerziellen Anbieter auf dem Fuß. Ich versprach daraufhin, das Buch hier öffentlich zu besprechen.

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Orbán in Berlin

Man muß nicht viele Worte machen, Bild und Ton sprechen für sich. Vom offiziellen Teil abgesehen, hat der Besuch des demokratisch gewählten Ministerpräsidenten eines EU-Mitgliedslandes aus zwei Gründen Furore gemacht. Beide Male empörte sich die Allerweltspresse und im Twitter- und Facebook-Reich war schnell von „Autokrat“, „Diktator“, „Faschist“ und anderem die Rede. Weiterlesen

Das ist Fortschritt!

Während ich durch einen alten Band der Kant-Studien (Band XXIX, Heft 1/2) blättere, fällt mir eine kurze Bekanntmachung auf.

Wir befinden uns im Jahr 1924. Diese seinerzeit sehr verbreitete „Philosophische Zeitschrift“, begründet von Hans Vaihinger, bringt auf über 300 Seiten Abhandlungen zu Kant und die Psychologie, Kant und die Religion, die reine Rechtslehre, die deutsche Kultur, das Eherecht oder Kant als Naturwissenschaftler. Kant von vorn bis hinten und manch prominenter Name, wie Nicolai Hartmann oder Max Dessoir, arbeitet sich vor weitem Publikum an Kant ab. Weiterlesen

Die Macht der Vierten Gewalt

Die Frage ist noch nicht endgültig entschieden: Schadet es einer Sache mehr, wenn sie aktiv bekämpft wird oder wenn man sie mit falschen Mitteln verteidigt? Ist also der Gegner der eigentliche Feind oder ist es doch eher der in der Sache Verbündete, der diese aber schlecht vorträgt und falsch begründet?

Man kann David Richard Prechts und Harald Welzers Mut, sich gegen die Fehlentwicklungen in der „Vierten Gewalt“ – und damit, wie die gestrige Sendung bei Lanz zeigt gegen diese selbst – zu stellen, begrüßen, man kann aber auch über die viel zu kurzen Sprünge der beiden entsetzt sein. Weiterlesen

Was auf uns zukommt III

Daß Geschichte unverfügbar ist, zeigen die Anschläge auf beide Nord Stream-Leitungen. Daß sie dennoch eine Tendenz hat, wird davon ebenso bestätigt. Der Niedergang Deutschlands (des Westens) in kurzer Zeit ist die nun unaufhaltbare Tendenz, das konkrete Wie und Wann bleibt offen. Weiterlesen

Der Polnisch-Deutsche Krieg

Polen hat uns mit seiner unsinnigen Reparationsforderung von 1,3 Billionen Euro offiziell den Krieg erklärt – dieser Satz stimmt natürlich nur unter der Annahme, daß es so etwas wie die Position Polens gibt; tatsächlich haben wir es mit Meinungen einzelner Politiker zu tun. (siehe dazu: Nationale Interessen)

Überhaupt geht die polnische Regierung zunehmend auf Konfrontationskurs mit seinem einst mächtigen Nachbarn. Das allein ist ein Hinweis darauf, wie man Deutschlands Stärke einschätzt. Weiterlesen

Der falsche Verzicht

Sparen ist der neue Luxus. Um sich gewisse Idiotien bewußt zu machen, hilft es manchmal, sich des Erstimpulses zu erinnern. Jeder kennt das: wenn man in eine neue Arbeitsstelle kommt, dann fallen einem schnell die Unsinnigkeiten im System auf, man wagt aber als Neuling und Machtloser nicht das kritische Wort, will es sich für später aufheben, hat sich dann aber schnell eingelebt und sich an die Schwachstellen gewöhnt, partizipiert möglicherweise an ihnen oder profitiert gar. Weiterlesen

Profitiert Ungarn vom deutschen Niedergang?

Da ich in freundschaftlicher Beziehung zu Ungarn des linken und des rechten Spektrums stehe, kommen auf meiner Facebook-Seite, die ansonsten ruht, immer wieder entsprechende Propagandawerke an. Dies hier ist von einem rechten Freund gepostet. Weiterlesen

Eine Reise in Deutschland

Es ist Jahre her, seit ich das letzte Mal mit dem Zug eine längere Reise gemacht habe. Nun geht es in die ungarische Provinz, wo man hoffen darf, nur wenige Deutschsprachige zu treffen. Die Verbindung schaut vernünftig aus. Es wird auch nichts Spektakuläres passieren – aber gerade in den kleinen Beobachtungen mag man das neue Deutschland erkennen und begreifen. Weiterlesen

Das Monster wächst

Martin Wagener – Politikwissenschaftler an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung – hatte es auf 500 ausladenden, aber sehr rationalen Seiten einer Untersuchung unterzogen. Das Buch wurde ein szeneinterner Bestseller, verdient aber eine weitere Lektüre; darin zeigt er u.a. die Kompetenzüberschreitungen des Verfassungsschutzes unter Haldenwang und zeichnet die inneren Denunziationsmechanismen nach. Der Versuch, damit eine sachbezogene und offene Diskussion anzufachen, wurde mit weiteren Restriktionen beantwortet. Darüber berichtet Wagener – noch immer sachlich-trocken –  in diesem Podcast: Haldenwangs Rache Weiterlesen

Mediale Realitätserschaffung

Wie im Reagenzglas ließ sich dieser Tage der Prozeß der Realitätserschaffung durch Medien verfolgen. Der Fall ist besonders instruktiv, da er das Werk nur eines Blattes, ja nur eines einzigen Journalisten ist. So konnte ein Nicht-Ereignis über mehrere Tage die Leser in Atem halten – es war die berühmte Wertschöpfung aus dem Nichts im medialen Bereich.

Der „Focus“ setzte nach Einführung des 9-Euro-Tickets einen seiner Männer in einen Personen-Zug nach Sylt – mehr braucht es nicht, um Geschichte zu machen. Das Ziel stand von vornherein fest: den Un- und Wahnsinn einer solchen Volksbefriedung aufzuzeigen und Klicks zu generieren. Daß der „Focus“ sich damit auf „Bild“-Niveau begibt, wird eingepreist.

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Transversale Vernünfteleien

Ein jegliches Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüst; und eine jegliche Stadt oder Haus, so es mit sich selbst uneins wird, kann’s nicht bestehen. (Matth. 12.25)

Wenn man sich plötzlich gezwungen sieht, Jürgen Habermas recht zu geben, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Wir sind im Reich des Transversalen angekommen. Auch allerletzte Gewißheiten verschwinden, Fronten lösen sich auf und immer mehr politisch-historische Tatsachen lassen sich immer weniger mit dem gewohnten Besteck sezieren. Selbst der Riß bekommt Risse.

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Mein Kriegstagebuch

Innerhalb weniger Stunden ist das Wolkenkuckucksheim der links-grünen Politikblase in großen Teilen zusammengebrochen. Scholz verspricht 100 Mrd. für die marode Bundeswehr, die Heimstatt des ewigen Nazis sendet Waffen an den Gegner jenes Landes, dem man den Großen Krieg aufgezwungen hatte, schon wird die Wehrpflicht wieder diskutiert, das große energetische Umpolungsprogramm steht vor unlösbaren Problemen und wird wohl fallen müssen, die Einforderung politisch korrekter, feministischer und gendergerechter Sprachformen erscheint plötzlich als absurd … und das alles haben wir Putin zu danken.

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Komplettversagen?

Gerade geht ein kurzer Videoausschnitt herum, über den man nachdenken sollte.

Der Reporter des öffentlich-rechtlichen Senders fragt: „Hat tatsächlich unsere Regierung, hat Deutschland in den letzten Jahren komplett versagt, was ein militärisches Aufstellen betrifft in so einem Konflikt?“

Der Professor oder Experte antwortet: „Da ist die Antwort einfach. Ja! Dieser Zustand der Bundesregierung hat einen Namen und die Namen sind Merkel, Steinmeier, Gabriel, Scholz, plus die dazugehörigen Verteidigungsminister – und Ministerinnen.“

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Die Arroganz des Westens

Was ich im Folgenden sage, sage ich ohne Autorität und ohne tiefere Kenntnis der komplexen Zusammenhänge und ganz ausdrücklich nur auf der Spitze meines Nicht-Wissens – als Meinung, die man gern ignorieren kann.

Als Joe Biden zum Präsident gewählt worden war, da unkten einige Kommentatoren, daß man nun in kürzester Zeit mit Krieg rechnen könne. Sie sollten Recht behalten. Die Feststellung mag absurd erscheinen, denn immerhin sind nicht die Amerikaner die Aggressoren, sondern die Russen. So zumindest lesen wir es an allen Fronten und man müßte schon Arabisch beherrschen, Russisch oder Chinesisch, um etwas anderes lesen zu können. Dennoch ist die hypothetische Frage berechtigt: Hätte es zur jetzigen Eskalation kommen können, wenn Trump – der Vielgescholtene – eine zweite Regierungsperiode bekommen hätte? Man darf die Frage im vermutenden Gestus wohl mit „Nein“ beantworten und Trump selbst stellte diese These in „wirren Worten“ auf.

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