Die Frage der Menge

Kürzlich wurden öffentliche Äußerungen nach einem gesetzlichen Fleischverbot laut. Dieses könne man – ähnlich wie bei der Feinstaubbelastung durch Dieselfahrzeuge – gerichtlich durchsetzen. So argumentiert etwa die „Vegane Gesellschaft“: „Wer A sagt und gerichtliche Fahrverbote durchsetzt, muß auch B sagen und Fleischverbote durchsetzen“.

Unterstützung erhofft sie sich von der „Deutschen Umwelthilfe“, der es zum Großteil zuzurechnen ist, daß in Deutschland kaum noch jemand weiß, ob das Dieselfahrzeug eine Zukunft hat und wer wann womit wo noch fahren darf.

Dabei sind die Argumente gegen das In-die-Luft-Blasen von Auspuffgasen oder gegen den Verzehr von Fleisch und das damit verbundene Töten von Tieren auf verschiedene Art und Weise einer rationalen Abwägung fähig und durchaus ernst zu nehmen – dazu später ein paar Gedanken.

Hier soll eine andere Tatsache im Fokus stehen. Denn der Zeitpunkt der Ansage der „Veganen Gesellschaft“ ist kein Zufall, ja, sie ist sogar konsequent und zu erwarten gewesen.

Neben der Ursachenargumentation als erklärendes, also antreibendes Element, stützt sie sich auch auf eine teleologische Begründung, also ein ziehendes Element. Unmittelbar könnte diese Forderung mit jener Studie zusammenhängen, die gerade weltweit die Runde macht. Demnach hat eine „Eat-Lancet-Kommissioneine Ernährungsformel aufgestellt, mit der man, wenn man sie weltweit umsetzte, nicht weniger schaffen können soll, als „die Welt zu retten“.

Das erlaubt der tägliche Essensplan der Zukunft:

  • 7 Gramm Schweinefleisch und 7 Gramm Rind- oder Lammfleisch (das entspricht etwa je einem halben Hackbällchen)
  • 29 Gramm Geflügel (eine Hähnchenbrust wiegt oft das Zehnfache)
  • 28 Gramm Fisch (ein Fischstäbchen ist in etwa so schwer)
  • 13 Gramm Eier (das entspricht etwa anderthalb Eiern pro Woche)
  • 30 Gramm zusätzlichen Zucker (rund sechs Teelöffel)
  • 550 Gramm Obst und Gemüse, davon aber nur 50 Gramm stärkehaltige Sorten (also zum Beispiel eine kleine Kartoffel)
  • 230 Gramm Vollkornprodukte wie Reis, Weizen oder Mais und 125 Gramm Linsen, Nüsse und Erbsen
  • 250 Gramm Milchprodukte (das entspricht in etwa einem großen Glas Milch)
  • 50 Gramm Öle und Fette

Das käme einer massiven Ausweitung, vielleicht sogar einem systemischen Vegetarismus in weiten Teilen der Bevölkerung gleich. Im Moment essen Deutsche im Durchschnitt täglich 62 Gramm Fleisch und lassen im Lebensdurchschnitt bis zu 700 Tiere für den Genuß töten – Vegetarier inklusive.

Daß solche Forderungen gestellt werden, beweist die allmähliche Herankunft einer Ökodiktatur, ohne die es vermutlich tatsächlich kein langfristiges Überleben von 12 Milliarden Menschen in modernen oder sich modernisierenden Gesellschaften geben wird, da die Geschichte der Menschheit wenig empirisches Material liefert, die eine erfolgreiche politische und internationale Umsetzung von größeren und „freiwilligen“ materiellen Einschnitten für wahrscheinlich halten ließe.

Die Forderung zeigt aber auch, daß der Vegetarismus und Veganismus im Westen mittlerweile festen Fuß gefaßt hat – 4% der deutschen Bevölkerung sind Vollblutvegetarier -, daß er Lobbygruppen hervorbringt und daß man sich als relevante politische Kraft begreift. Sie fällt umso leichter, als man sich im Recht wähnt. Der Vegetarismus trug schon immer ein missionarisches Element mit sich – eben aus der Überzeugung heraus, das Bessere, wenn nicht gar das Richtige zu tun. Er gleicht in dieser Funktion den Erlösungsreligionen. Aus argumentativer Überlegenheit wird Heilsglaube.

Wenn eine solche Gruppe eine „kritische Masse“ bildet, dann wird sie zwangläufig Forderungen an die Gesellschaft stellen, anfangs still und leise und vielleicht vornehmlich im individuellen Bereich, später auch offen und laut und mit Unterstützung gleichgesinnter medialer Vertreter bis hin zu Lobbyisten und Industriemagnaten, die eben jenen Bedarf zur Geldquelle erkoren haben.

Diese zunehmende Aggressivität mit zunehmender Zahl an Adepten, der Versuch, politischen Einfluß zu erlangen, ist ganz logisch und konsequent – es kann nicht anders sein.

Wenn das für mutmaßlich hauptsächlich säkularisierte Gesinnungstäter gilt, wie blauäugig muß man sein, um nicht zu sehen, daß eine Religionsgemeinschaft, die von einem einzigen Gott inspiriert wurde, die einen einzigen Gott anbetet, die ein unhinterfragbares Heiliges Buch hat, einen einzigen und mit allen Wassern gewaschenen Propheten verehrt, die sich ganz strengen Ritualen und Übungen unterwirft, die die Trennung von Staat und Religion nicht kennt, die streng patriarchalisch aufgebaut ist …, daß ausgerechnet diese Gemeinschaft sich in die Aufnahmegesellschaft still und leise integrieren soll?

Es wird passieren, was passieren muß und wie es uns die Vegetarier vormachen – der südafrikanische Autor Peter Hammond zeichnete folgende Entwicklung als Menetekel an die Wand:

Demnach korreliert der Grad der normativen Islamisierung einer Gesellschaft mit dem Bevölkerungsanteil, ganz gleich, welcher konkreten islamischen Ausrichtung. Er ist friedlich und submissiv, solange der muslimische Bevölkerungsanteil unter 2% der Gesamtbevölkerung liegt. Werden es bis 5%, beginnt die systematische Missionsarbeit, nicht zuletzt in Gefängnissen, Vorstädten, bei Immigranten. Die nächste Stufe sei dann die direkte Einflußnahme auf mikropolitische Prozesse und die durch die „Religionsfreiheit“ abgedeckte Einforderung eigener Rechte, wie etwa das Tragen der Verschleierung, der Bau von Moscheen oder die Versorgung mit Halal-Produkten. Diese Interessen werden sowohl juristisch als auch mehr oder weniger offen durch Gewaltandrohung durchgesetzt. In der Heimgesellschaft finden sich zusehends Interessenvertreter in Medien und Verbänden, eine Islam-Lobby, die diese Forderungen unter freiheitlich-demokratischem Mantel und edlen Motiven zu den ihrigen machen.

Es folgen Forderungen nach parteipolitischem Einfluß einerseits und nach Selbstregulierungen andererseits, Scharia-Zonen, geschlossene Moscheen etc.; man verbittet sich die Einmischung staatlicher Stellen – wie wir es aus bestimmten Stadtteilen in Deutschland und Europa bereits kennen. Ab 10% wird Gewalt zunehmend normal, oft „getarnt“ als „soziale Gewalt“, wie man sie in Paris in den Banlieues, oder als Empörungsgewalt, in vielen Städten Europas im Zuge der Mohammed-Karikaturen beobachten konnte. Dort wurden offen und polizeibeschützt Plakate getragen mit der Aufschrift: „Behead those who insult Islam“, „Britain go to hell“, „Islam will dominate the world“ oder „Muslims rise up! Establish the Sharia“.

Die Lage wird zusehends volatil, jederzeit kann das beliebige Tun eines „Anti-Islamisten“ zu Eruptionen eines „beleidigten“ Mobs führen. Die Zivilgesellschaft erstarrt dann in der Regel in Furcht, reagiert mit Vorabentschuldigungen, beschneidet „freiwillig“ die Presse- und Meinungsfreiheit und versucht immer wieder „Verständnis für die Belange der Muslime“ aufzubringen. Ab 20% nehmen Terror und militärische Konflikte zu, Kirchen und Synagogen werden in Brand gesetzt, wie man das in Zentralafrika beobachten kann. Es folgen sukzessive, nach Hammond, Scharia, Bürgerkrieg, ethnische Säuberungen, Genozid, Terror, kurz: die Verfolgung Andersgläubiger, wie man sie im Iran, in Pakistan und zunehmend in der Türkei studieren kann.

Dann allerdings, bei Komplettislamisierung, so beschreibt es Hammond, könnte der Islam tatsächlich die Religion des Friedens sein: wenn alle Muslims sind und alle das gleiche wollen. Aber da auch das nie der Fall sein wird, wird man sich an gemäßigteren Muslimen gütig tun oder über die Landesgrenzen schauen, denn das Ziel sei der weltumspannende Islam.

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Du brauchst keinen BH

Wir waren im Thermalbad in Harkány. Da lief eine junge Blonde in knappem Bikini an mir vorüber, mit einer klassischen Büste – vielleicht sogar ein bißchen mehr – fest und weiß wie Marmor! Ich dachte: Die braucht auch keinen Bikini, an der Form würde sich nichts ändern.

Hatte ich diesen Satz nicht gerade erst gelesen?

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Ein Brief an den Feind

Es dürfte im Umkreis dieses Blogs ein mehrfaches Interesse an Helmut Lethens neuem Buch „Die Staatsräte“ geben. Das Zeitsujet, die Jahre des Nationalsozialismus und ihre Verwindung, gehören seit je zum engeren Aufmerksamkeitsspektrum, Carl Schmitt, Ernst Jünger oder Gottfried Benn zählen zum spezifischen Kanon, aber es kommt nun ein dritter wesentlicher Punkt hinzu: Lethen, Jahrgang 39, 68er, emeritierter Professor, Literaturwissenschaftler, einst in KPD-Kreisen aktiv und noch immer bekennender Linker, ist mit Caroline Sommerfeld verheiratet, die seit zweieinhalb Jahren einen kometenhaften Aufstieg im Sezessions-Milieu feierte. Das führte zu Verunsicherungen, hüben wie drüben.

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Gibt es noch Meinungsfreiheit?

Auf jede Frage ohne Fragewort gibt es mindestens zwei Antworten: Ja und Nein. Meistens gibt es noch viele mehr, die sich im Bereich des „vielleicht“, „Ja, aber“, „Nein, aber“ bewegen. Den Riß in einer Gesellschaft – z.B. links/rechts – kann man dann letztgültig feststellen, wenn sie dazu tendiert, die Vielfalt der Antwortmöglichkeiten in der Mitte zu negieren und Ja/Nein-Antworten zu favorisieren.

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Helmut Lethen – 80 Jahre

Von Lethen lernen

„Es ist ja auffällig, wie in Augenblicken der Depression die Linke zu den Konservativen schielt.“ Helmut Lethen

Müßte ich unter Helmut Lethens Büchern eines wählen, dann wäre das nicht sein Hauptwerk „Verhaltenslehren der Kälte“, worin er die Topoi der Gefühllosigkeit und Frostigkeit in den „Lebensversuchen nach dem Krieg“ systemisch nachzeichnet, es wäre auch nicht sein lehrreiches Buch über Gottfried Benn, das bewußt keine Biographie sein will, sondern ein szenischer Einfühlversuch in einen hermetisch sich absondernden Paradigmenmenschen und es wäre schließlich auch nicht sein neuestes Werk „Die Staatsräte“, selbst wenn man es als lobenswertes Gesprächsangebot an den politischen Gegner mißverstehen kann, nein, meine Wahl fiele ohne zu zögern auf das schmale autobiographische Bändchen „Suche nach dem Handorakel“ und ich möchte sogleich hinzufügen, daß man es exakt als solches lesen müsse, nämlich als ein eigenes Handorakel! Vor allem die Rechte täte gut daran, dieses erzlinke Brevier genauestens unter die Lupe zu nehmen.

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Nachdenken über Seifenblasen

Auf dem Pécser Széchenyi Tér vor der einstigen Moschee, dem sehenswerten Dzsámi, wie die Ungarn sagen, steht ein Straßenkünstler und formt riesige Seifenblasen. Sie fliegen – man kann das an der Ausrichtung des Gotteshauses kontrollieren – Richtung Mekka. Eine kleine Schar Kinder hat sich eingefunden und hascht nach den Blasen, bringt sie zum Platzen.

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