Der ewige Timmermans

Gerade macht Frans Timmermans‘, seines Zeichens „SPE-Spitzenkandidat bei der Europawahl 2019″ – „S“ steht für „Sozialdemokratisch“ und „Europa“ meint die EU – und Träger der Ehrenpalme Bulgariens, gerade macht sein kleiner faux pas genüßlich die Runde, worin er dem Islam eine 2000-jährige Zugehörigkeit zu Europa bescheinigt hatte.

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Freiheit ist schwer

Über Berdjajews großes Manifest für den selbstwaltenden Menschen

In Berdjajew liest man sich am besten von hinten ein. Sein letztes großes Buch hat Testamentscharakter. Daraus macht er gleich zu Beginn keinen Hehl, wenn er die notwendige, weil existentielle Widersprüchlichkeit seines Schaffens betont.

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Besetztes Gelände

Autobahnraststätte Göttlesbrunn, 10 Minuten hinter Wien in Richtung Ungarn. Wir parken zwischen zwei Fahrzeugen mit holländischem Kennzeichen. Vor einem sitzt eine Familie im Gras und kocht sich auf arabische Weise Tee. Die Frau mit Kopftuch. Auch der andere Holländer hat eine Frau mit Kopftuch und jetzt werde ich aufmerksam – tatsächlich, wir sind von Holländern umgeben, muslimischen Holländern. Noch ist Holland nicht verloren?

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Untergang des Imperiums

Historische Vergleiche hinken immer. Immer! Allein weil es diese konkreten Menschen nicht mehr gibt mit ihren ganz konkreten Denk- und Fühlweisen. Und da wir zum ersten Mal seit Menschengedenken in einem Zeitalter der Gleichzeitigkeit, der permanenten Verfügbarkeit und der Schrumpfung der Erde zu einem gemeinsamen Ort leben, dessen Karte wir zudem im Kopf haben, können wir uns mit keiner historischen Epoche der Vergangenheit vergleichen, die länger als 20 Jahre zurück liegt.

Dennoch: wenn gesagt wird, es gebe keinen historischen Präzedenzfall für die epochalen Ereignisse des Jahres 2015, also das freiwillige Öffnen einer administrativen, durch ein politisches und/oder ethnisches Gefüge definierten Grenze und das gewollte Hereinlassen von Millionen Menschen anderer Kulturkreise, dann kann die Geschichtsschreibung mindestens einen Fall vorweisen, wo derartiges bereits geschehen war. Wir können den Ablauf vergleichen und die Folgen abschätzen.

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Gute Wünsche, fromme Hoffnung

Seit zweieinhalb Jahren gibt es in Dänemark eine neue national-konservative und wirtschaftsliberale Partei, die „Nye Borgerlige“.

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Warum das Ende naht

Das Langsamste wird im Lauf niemals vom Schnellsten eingeholt werden; erst einmal muß doch das Verfolgende dahin kommen, von wo aus das Fliehende losgezogen war, mit der Folge, daß das Langsamere immer ein bißchen Vorsprung haben muß.
Aristoteles über das Achillesparadox des Zenon von Elea (Physik VI 9. 239 b)

Seit Jahrzehnten gehörte in ein gutes allumfassendes Schachbuch die Computerrubrik, und die wiederum konnte es sich offensichtlich nicht leisten, ohne Prognose auszukommen: Wann würde der Computer endgültig den Menschen – gemeint sind natürlich immer nur die besten der Spezies – hinter sich lassen. Gesucht wurde der Zeitpunkt, an dem auch die hervorragendsten Geister keinerlei Chance mehr haben werden, so als würde Max Mayer tausend Mal gegen Magnus Carlsen antreten und tausend Mal verlieren.

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Entdeckung der Kollektivseele

Die fünf Jahrzehnte nach dem Verlust Schleswigs und Holsteins 1864 bis hin zum ersten Weltkrieg haben Dänemark derart fundamental verändert wie keine andere Periode seit der letzten Eiszeit. Die „kollektive Seele“ der Dänen läßt sich nur verstehen, wenn man die tektonischen Verschiebungen in Politik, Wirtschaft und Umwelt, aber auch in Kultur und Alltagsleben begreift. Eine ganze Generation von sehr unterschiedlichen und erstrangigen Autoren arbeitete daran, den Veränderungen aus der Retrospektive der 20er und 30er Jahre habhaft zu werden.

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