Der große Austausch

Das Massaker von Christchurch und die unsägliche Affäre um Martin Sellner hat den Topos des „großen Austausches“ wieder an die Oberfläche der medialen Wahrnehmung gespült. Dort wird er nahezu unisono als „Verschwörungstheorie“ behandelt. Die Art und Weise, wie die meisten Journalisten und Experten über den Begriff oder den philosophischen Überbau der „Identitären Bewegung“ schreiben, deutet darauf hin, daß sie sich weder mit dem Gründungsdokument dieses Erklärungsansatzes noch mit den zahlreichen Veröffentlichungen Sellners und anderer Identitärer – hervorzuheben ist etwa Patrick Lenart – unvoreingenommen auseinandergesetzt haben.

Gerade eben brachte Götz Kubitschek den Gedanken ins Spiel, den Begriff aufzugeben, da er verbrannt sei. Dafür gibt es weitere gute Gründe, die – wie nachfolgend gezeigt werden wird – auch in seiner beschränkten Tauglichkeit, die Realität zu erfassen, zu suchen sind.

Um den Begriff zu durchdringen muß man Renaud Camus‘ Arbeiten kennen, von denen der Antaios-Verlag die wesentlichsten seit 2016 veröffentlichte. Dort müssen wir suchen.

Das Buch hatte keinen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht, einen Denker von Format konnte ich in Camus nicht ausmachen, sein Verdienst hat er als Wahrnehmer, Stichwortgeber und mutiger Mahner, der auch die soziale Isolation, die juristische Verfolgung und den Haß der politischen Gegner nicht scheut.

Schon beim Titel sollte man aufhorchen: „Der große Austausch oder: Die Auflösung der Völker“. Was bedeutet dieses „oder“? Drückt es eine Gegenüberstellung, einen Gegensatz oder eine Variante, eine Erläuterung aus? Wohl doch letzteres: „Großer Austausch“ heißt: „Auflösung der Völker“ und die Auflösung der Völker, ihre Verwischung ist ein allerorten einfach zu sehender Prozeß, dessen Existenz anzufechten den Verlust der intellektuellen Satisfaktionsfähigkeit bedeutet.

Camus‘ Ausgangsfrage: „Wenn man nun mit bloßen Augen erkennen kann, daß ein Volk mit rasender Geschwindigkeit gegen ein anderes oder mehrere andere ausgetauscht wird, auf seinen Straßen, in seinen althergebrachten Wohnbezirken, in seinen Stadtgrenzen, in seinen U-Bahnen, in seinen Schulen, auf dem Fernsehschirm und in seinen ältesten Dörfern, handelt es sich dann wirklich noch um dasselbe Volk, auch wenn sein offizieller Name derselbe bleibt?“ (45)

Hier offenbaren sich auch Camus‘ Grenzen, denn der Austausch „gegen ein anderes oder mehrere andere“ Völker findet insofern nicht statt, als nicht eine feste Größe durch eine oder mehrere andere ausgetauscht wird, sondern durch eine flüssige, identitär nicht mehr benennbare Größe, deren Zusammenhalt – sollte es ihn geben – kein volklicher mehr sein wird, sondern maximal ein religiöser oder, sollte Habermas doch recht haben, ein verfassungspatriotischer, also gesellschaftsvertraglicher. Das Buch enthält eine Reihe solcher Unschärfen.

Die Metapher vom „Großen Austausch“ beschreibt das Phänomen also nur ansatzweise, der Begriff deckt es nicht komplett ab, er kann nur einen Arbeitsstatus beanspruchen. Für Camus ist er „die Essenz und die äußerste Zuspitzung der Ideologie der permanenten Einwanderung“ (57). Derartige Äußerungen machen die Problematik des Bildes eines ökonomischen Tauschaktes deutlich.

Später konkretisiert Camus den Begriff und weitet ihn aus: „Der Große Austausch: damit ist zwar vor allem der Austausch eines Volkes gemeint, im konkreten Fall des eingeborenen französischen Volkes durch ein anderes Volk oder mehrere andere Völker; seiner Kultur durch die multikulturalistische Antikultur; seiner einst großen und viel bewunderten Zivilisation durch ein pluriethnisches ,globales Dorf‘, das seinerseits Rivale des muslimisch-fundamentalistischen Projekts der Eroberung der Welt für den Islam und ihrer Bekehrung zum Islam ist.“ (95) Ein Mal nutzt er auch den Begriff der „ethnischen Substitution“, der möglicherweise präziser ist, weil er weiter gefaßt werden kann, weniger konkret ist.

Austausch bedeutet aber auch, die Ersetzung „der ethnischen oder allgemeiner gesprochen historischen und politischen Faktoren durch ökonomische und soziale“ in den öffentlichen Debatten sowie der „sinnlichen Wahrnehmung“ durch die „Scheuklappen eines Diskurses“ (95). Die „klassischen oder archaischen Kriege“, die Camus auf unseren Straßen bemerkt, dürften als solche nicht mehr benannt werden, stattdessen spricht man im Klassenkampfvokabular, soziologisiert das Phänomen also, als fänden die Konflikte „innerhalb eines einheitlichen Volkes“ statt (94)

In seiner Schrift „Revoltiert“ macht Camus für den Großen Austausch ein „effizientes Zusammenspiel von drei benebelnden Faktoren“ aus, die da lauten: Schulwesen, „mediale Verblödung der Massen“ und „organisierter Drogenhandel“. Leider konnte ich keine Erklärung für diesen Kategorienwechsel finden.

Die meisten Medien unterstellen Camus ja ein doppeltes Aufdecken von Plänen. Zum einen planten die (europäischen) Regierungen hinterrücks den Austausch, zum anderen würden die arabischen und nordafrikanischen Länder ihre Jugend (gezielt) nach Europa schicken und dort rüde und rücksichtslos die alteingesessene Bevölkerung vertreiben.

Man muß schon etwas beschränkt sein, um die zahlreichen textinternen Warnungen Camus‘ vor zu simplizistischen und deterministischen  Darstellungen zu überlesen, aber man agiert bösartig und mit offensichtlicher Agenda, wenn man die ausdrücklichen Distanzierungen überliest.

Camus spricht eindeutig von einer „unglaublichen Fahrlässigkeit“ bzw. „einer totalen Besinnungslosigkeit“ (65) der politischen Entscheidungsträger, um damit ebenjenen Verschwörungstheorien vorzubeugen. Nirgendwo wird ein „großer geheimer Plan“ einer sinistren Macht unterstellt, sondern ein objektiv ablaufender Prozeß beschrieben und die falsche politische Reaktion darauf, die in einer Ideologie wurzelt, analysiert. Diese Ideologie sei das eigentliche Übel.

Mehr noch, er schreibt unmißverständlich: „Ich glaube kaum, daß sich eines schönen Tages eine Gruppe von mächtigen und übelwollenden Personen in einem Büro, einem Salon oder einem Konferenzsaal getroffen hat, um zu beschließen, Frankreich und sämtlichen Ländern Europas eine radikale Umwandlung ihrer Bevölkerung aufzuzwingen“ (61), wendet sich also ganz ausdrücklich gegen verschwörungstheoretische Erzählungen! Er erachtet es für „fruchtlos, darüber zu streiten, wer nun die Verantwortung dafür hat, die Auflösung der Völker erlaubt, gewollt, ermutigt zu haben“ (67).

Das ändert nichts daran, daß es Gewinner des Austausches gibt, die demnach auch ein genuines Interesse haben, ihn weiter zu unterstützen oder doch zumindest nicht abzubremsen und diese Gewinner müssen mit Namen und Adresse benannt werden dürfen.

Zum einen sind das bestimmte politische Parteien, die aus dem Thema politischen und ideologischen Profit schlagen, ihre eigene Legitimität damit begründen, die aber auch durch den immer stärker werdenden Faktor der ethnischen Wahl[1] – „mehr als drei Viertel der Neo-Franzosen haben während der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen des Jahres 2012 für die Kandidaten der Sozialisten gestimmt“(54) – sich kurzfristige politische Macht versprechen, selbst wenn der Kollateralschaden irreversibel und systembedrohend ist. Diese vor allem linken Parteien müssen dem Migranten demzufolge Versprechungen machen, müssen den Einwanderungsprozeß am Laufen halten, die Einwanderung alimentieren, um diese wachsende Klientel bei Laune zu halten.

Zum anderen sind das natürlich auch „die Arbeitgeber“. Es genügt ein Blick auf die Gastarbeiterepoche, um zu begreifen, daß die Arbeitgeber „es für eine gute Idee hielten, weitere Anreize zur Einwanderung zu schaffen, sahen sie doch die Chance, sich ebenso unerschöpfliche wie billige Arbeitskräfte zu erschließen, mit deren Hilfe man gleichzeitig die Lohnforderungen der Eingeborenen im Zaum halten konnte.“ (55) Das sind ganz basale ökonomische Prozesse, die die linke Denktradition selber erst aufgedeckt hat.

Fast marxistisch klingt Camus, wenn er den „dürftigen Patriotismus“ des Kapitals beschreibt: „Getrieben von einem rein ökonomischen Denken, einer rein ökonomischen Sicht auf die Dinge, betrachteten sie das Gebiet des Vaterlandes als eine völlig abstrakte, ihrem Eigeninteresse dienende Angelegenheit, als einen zu ihrer Verfügung stehenden Aktionsradius für all ihre industriellen, kommerziellen und finanziellen Vorhaben, völlig losgelöst von allen anderen Erwägungen, seien sie emotionaler, hegender, bewahrender, ich wage kaum zu schreiben: patriotischer Art.“ (56) Diese Zeilen klingen nahezu wie ein Plagiat aus dem „Kommunistischen Manifest“.

Das führt letztlich zur dritten Variante: „Das ganze Volk ist unter den Zwang eines reinen Ökonomismus geraten, der sich jeglichen nationalen, patriotischen, ethnischen oder kulturellen Bewußtseins entledigt hat“ (57) – die Leidtragenden sind – um für einen Moment im marxistischen Duktus zu bleiben – durch ein „falsches Bewußtsein“ selber zum Träger der gegen sie gerichteten Ideologie und Verblendung geworden.

Wenn Camus die Akteure konkret benennt, dann tut er das – wie Marx – jenseits des Individuums: es ist die gesellschaftliche Funktion, die die Rollen verteilt:

„Die Herren des internationalen Handels, die Geldgeber des globalen Dorfes, die Unternehmer der globalisierten Industrie, die Manager der übernationalen Konzerne, die Schar der Manipulateure und Spekulanten, die vom Ausverkauf oder auf Kosten der Vergangenheit leben: auf dem ganzen Planeten haben sie sich die Sichtweise zu eigen gemacht, daß einer Welt ohne Nationen, ohne Grenzen, ohne Unterschiede der Vorzug zu geben ist. Der Große Austausch unseres Volkes ist nur eine, wenn auch besonders spektakuläre und – in unseren Augen, nicht in ihren – katastrophale Folge der Ideologie der universalen Austauschbarkeit aller Dinge, die ihrem Denken fundamental zugrunde liegt. Der austauschbare Mensch, eine entwurzelte Spielfigur, der man alle Ecken und Kanten ihrer nationalen, ethnischen und kulturellen Zugehörigkeit abgeschliffen hat, von Geburt an entortet, daher nach Belieben versetzbar, ein solcher Typ Mensch ist in den Augen der überbezahlten Geschäftsführer ein unverzichtbares Basismodul in der Maschinerie der planetaren Geld- und Güterströme“ (60f.)

„Es geht nicht darum, die Masseneinwanderung für sämtliche Übel verantwortlich zu machen, sondern einzugestehen, daß sie einige davon vehement verschärft hat.“ (103)

Der Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ fällt wie ein Kartenhaus zusammen.

Ähnlich sieht es mit dem von Kritikern angeführten Begriff der „gezielten Gegen-Kolonisierung“ aus. Camus ist sich der Problematik dieses Begriffes bewußt – immerhin hat er dafür jede Menge Kritik, von links und rechts, einstecken müssen. Die einen sahen darin eine Relativierung der imperialistischen Kolonialgeschichte, die anderen können in ihr die Kultivierungs- und Wertschöpfungsleistung nicht sehen, die ein Effekt der Kolonialgeschichte war (77).

Zudem, das muß Camus zugeben, betrifft der Prozeß der Einwanderung ja nicht nur ehemalige Kolonialstaaten, sondern umfaßt mittlerweile ganz Mittel- und Westeuropa (72). Er hält an dem Begriff trotzdem fest, weil er ihm als taktisches Mittel dient, die Dinge in ihrer Dialektik und Drastik sichtbar zu machen.

Allerdings bewegt sich auch dieser Begriff ins Unscharfe, wenn er ihn später als „rasch fortschreitende Rekonstitution dominanter sozialer Modelle, die inzwischen zu regelrechten Gemeindeverbänden herangewachsen sind“ (128) bezeichnet.

Wie dem auch sei: an keiner Stelle wird, wie die immer wieder insinuiert wird, von einer gezielten, gesteuerten Einflußnahme arabischer, nordafrikanischer Länder oder muslimischer Gemeinschaften gesprochen.

Problematisch ist in diesem Kontext allenfalls der Begriff des „Eroberers“, insofern er einen bewußten Eroberungsakt des Einzelnen evoziert. So viel historisches Bewußtsein traut Camus den kulturfremden Neuankömmlingen denn auch nicht zu. Sie stellten stattdessen „instinktiv genau jene Bedingungen wieder her, die die besagten Mißstände (in ihren Herkunftskulturen) nicht nur möglich, sondern unvermeidlich machen.“ (71) Instinktiv ist eben gerade nicht reflektiv.

Allerdings gibt es natürlich Politiker und religiöse Instanzen, die die Besiedlung Europas durchaus und auch ganz offen als Teil einer Eroberung betrachten – es ist allerdings zu bezweifeln, ob der je einzelne Migrant in diesem Kontext denkt oder nicht doch lediglich an seinen persönlichen Nutzen. Objektiv wird er damit freilich Teil des „Eroberungsprozesses“, ob er es weiß oder nicht, ob er es will oder nicht, es sei denn, er legt seine alte Identität ab und nimmt die des Gastgeberlandes an. Nur wenn man sie so versteht, scheinen Camus‘ Worte vom Eroberer bestehen zu können: „Und schließlich kommt hinzu, daß ein enormer, überproportionaler Teil dieser Schikanen, Belästigungen und Verbrechen den Eroberern eindeutig als objektives Mittel ihrer Eroberungsstrategie dient.“ (90)

(Was mir an diesen Worten zudem nicht gefällt, ist die unausgesprochene Unterstellung, Migranten wären in der Masse und zwangsläufig kriminell. Man muß es immer wieder wiederholen: auch im Islam ist unmoralisches Handeln nicht statthaft! Dieses Moralkorsett, das anders als unseres begründet ist, haben die meisten dabei. Auch wenn die Kriminalitätsrate unter den Migranten höher ist und auch höher sein muß – aus verschiedenen Gründen – ist sie relativ gering; die übergroße Mehrzahl dieser Menschen führt ein integres Leben ohne aktiven Diebstahl, sexuelle Belästigung etc. Die steigende Kriminalitätsrate ist ein statistischer Wert, der nicht auf das Individuum heruntergebrochen werden darf!)

Zum Schluß: Was die Presse in der Regel verschweigt, sind Camus‘ wesentliche Gedanken, den Umkehrprozeß demokratisch, gewaltfrei, menschlich, ökologisch und europäisch zu gestalten. Wir haben es hier mit einem offenbar warmherzigen, mitfühlenden Menschen zu tun, der die europäische Idee retten will und sie gerade durch die EU gefährdet sieht, der sich für einen allgemeinen Geburtenrückgang – auch in Europa – einsetzt, weil die Überbevölkerung die Kapazitäten eines endlichen Systems übersteigt.

Seine Sensibilität zeigt sich auch im Eingeständnis des Schmerzes, den er und seinesgleichen (mich inbegriffen) fühlen, wenn sie zusehen müssen, wie alles Eigene an Kultur, Sprache, „Seele und Geist“, an „Heimat und Land“ verspielt wird.

[1] Die Senats-Wahl in Alabama hat dieses Phänomen gerade überwältigend sichtbar gemacht!

siehe auch: Kritik der Migration

Augen auf und durch!

Europas eigenartiges Ende

Gehört Merkel zu Deutschland?

9 Gedanken zu “Der große Austausch

  1. T.Kruse schreibt:

    „Überbevölkerung und Geburtenschwund“:
    Es ist natürlich REINER Zufall, dass der Papst moderne Empfängnisverhütung verbietet, ebenso wie islamische und hinduistische Gelehrte, aber Abtreibungsbefürworter nicht exkommuniziert und verdammt werden. Millionenfacher Fötenmord in Europa und den USA ist natürlich auch KEIN Autogenozid, sondern wirtschafts- und umweltbewusste Familienplanung… und auch KEIN Geschäft.

    Schaut man sich die 3 monotheistischen Religionen an, sieht man, welche die für die Dummies (IQ <90), welche für die "Arbeitsbienen" ist und welche für die Herrscherkaste/-rasse passt. Analog zu den jeweiligen Gebetshaltungen.
    Die mittlere wird ja von Europa nach China und Korea outgesourct, dafür hat die untere dann hier mehr Raum. Passend zum geplanten BGE, aufgefasst als Dschizia.
    Rein zufällig lässt die WHO im südlichen Afrika (angeblich als Schutz vor AIDS!!) auch gleich Millionen Männer beschneiden; die können sich dann ja schon mal als Angehörige der niedersten Glaubensrichtung einordnen -passend zum IQ.
    Auch gewisse Entwicklungen im Mittelmeerraum lassen erahnen, welches die künftige "Schaltzentrale" sein soll. Gibt dazu eine passende Rede vom Bobo, wo die informationstechnische Macht liegt. Eine Insel von Erleuchteten in einem Meer voller "Esel".
    Dauert noch ein bisschen, aber man liegt im Zeitplan.
    Vorher noch die bisherigen Wirte USA und Europa abwirtschaften, ein Jahrhundert Wachstum in Asien abschöpfen (gibt noch viel zu verdienen dort, alles ungesättigte Märkte; ein Welt-Hegemon ohne verfassungsmäßige Rede- und Waffenfreiheit daheim ist auch vieeel bequemer), noch ein paar technische Fortschritte erarbeiten lassen (KI, Weltraumtechnologie) und dann biegt man so langsam in die Zielgerade ein.

    So manches protokollarische Falschdokument könnte die passende Erklärung liefern, aber man will ja kein Gedeonist (Kreuzung aus Verschwörungstherotiker und Gegen-Jodler) sein! Dann lieber unwissend stellen…

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  2. JJA schreibt:

    Falsch! Sie essentialisieren hier Abstammung, Kultur oder Volk und machen sich einer petitio principii schuldig!

    Gehen Sie mal lieber bei Herrn Zorn in die Schule!!!

    Im Ernst: Ich habe selten einen Philosophen gesehen, der so sophistisch agiert.

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  3. Tommy schreibt:

    „Wie dem auch sei: an keiner Stelle wird, wie die immer wieder insinuiert wird, von einer gezielten, gesteuerten Einflußnahme arabischer, nordafrikanischer Länder oder muslimischer Gemeinschaften gesprochen.“

    So abwegig finde ich diese Vorstellung eigentlich nicht, in der Berichterstattung (in „alternativen“ Medien) zum globalen Migrationspakt kam ja durchaus hervor, dass bei den Verhandlungen für den Pakt afrikanische (dabei eher subsaharische Länder als die Maghreb-Staaten) und teils auch asiatische Staaten wie Bangladesch sich für sehr weitreichende Formulierungen, die geradezu auf ein Migrationsrecht abzielen, eingesetzt haben.
    Eine solche Haltung ist aus Sicht der Regierungen dieser Länder ja auch durchaus naheliegend; die Emigration entschärft die soziale Lage im eigenen Land, die Rücküberweisungen der Migranten in die Heimat sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, und die Präsenz einer Diaspora im westlichen Ausland eröffnet potentiell Einflussmöglichkeiten.
    Ich würde auch nicht prinzipiell ausschließen, dass hier durchaus auch der Gedanke einer Rache an den Europäern für den Kolonialismus eine Rolle spielt. Der Gedanke, dass Europa ihnen ein Recht auf Einwanderung schulde, scheint zumindest bei vielen Afrikanern ja durchaus verbreitet zu sein.

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    • Es mag sicher Gründe geben, die Auswanderung bestimmter Menschen zu unterstützen – das ist ähnlich wie bei der Einwanderung oben beschrieben: es gibt Gewinner und die haben ein vitales, meist wirtschaftliches Interesse, den Fluß am Laufen zu halten.

      Aber – das ist der entscheidende Punkt, in beiden Richtungen -: es liegen bisher keine seriösen Daten dafür vor, daß die Migration konzertiert gesteuert wird, daß also eine „große Macht“, die meist nur geraunt wird, ein „geheimer Rat“, eine „Weltverschwörung“, eine „Geheimgesellschaft“, eine „Konferenz“ oder „die Juden“ und was dergleichen durch gewisse Spalten wabert, hinter dieser Entwicklung steht. Viel mehr setzt sich dieser Strom aus einer großen, sehr unübersichtlichen Menge an Einzelinteressen zusammen, die natürlich auch hier und da politisch oder ökonomisch gebündelt werden … aber auch von diesen Bündeln gibt es unsäglich viele. Die jeweiligen Interessen sind in sich selber auch oft widersprüchlich (Bangladesch mag ein Interesse daran haben, die Rohinga „auswandern“ zu lassen aber sollten Dammbauingenieure darunter sein, dann wird man die Flucht nach Norderney kaum unterstützen; private Rückzahlungen der Migranten helfen unmittelbar konkreten Menschen sind gesamtwirtschaftlich aber ein Desaster …) usw.

      Am Ende – das ist Geschichte – bewegt sich der Raum der Zeit, der Geschehnisse, der Menschen nun mal in bestimmte Richtungen und wenn sich viele Einzelinteressen aus objektiven Gründen in ähnliche Richtungen bewegen, dann entstehen Strömungen, Ströme, Tendenzen. Diese sind weit weniger formbar als naive Geschichtsvorstellungen oft annehmen.

      Geschichte und Politik sind zum Großteil arbiträr: Zwar kämpfen verschiedenste Interessen um die Hegemonie, aber das Ergebnis wird nur ganz selten einem je einzelnen Interesse entsprechen, sondern in der Regel ein unentwirrbares Gemisch sein, das keiner wollte, aber alle akzeptieren müssen. Auch daher leitet sich die Notwendigkeit ab, daß die konstitutive Zeit der Geschichte nicht das Präteritum, sondern der Futur II ist. Wir können Geschichte immer erst dann beurteilen, wenn wir sie nicht mehr beurteilen können, dann nämlich, wenn sie zu Ende, wenn sie vorbei ist.

      siehe: Die Geschichte der Zukunft.

      Mir selbst haben zwei ganz wesentliche Arbeiten diese tiefen Zusammenhänge bewußt gemacht. Zum einen Friedrich Engels: Der große deutsche Bauernkrieg (hier vorgestellt), zum anderen Arthur C. Danto: Analytische Philosophie der Geschichte, nebst den Arbeiten von Koselleck und Lübbe.

      Zum „großen Austausch“ – der Begriff ist in beiden Teilen verführerisch für Fehlinterpretationen. „Groß“ suggeriert eben jene Verschwörung und „Austausch“ suggeriert die Aktivität – wenn man es denn so lesen will.

      Migration ist aber eher als ein Naturereignis zu verstehen, als ein Objektivum. Wenn Überbevölkerung, Globalismus und Universalismus, Gleichzeitigkeit der Ereignisse und die Medien als Schaufenster in alle Welten zusammenkommen, wenn zudem wohlhabende Regionen Identitätsschwäche zeigen, dann sind Bevölkerungsströme objektive Folgen. Wenn wir sie steuern wollen, müssen wir den objektiven Charakter durchschauen – damit haben wir es zu tun. Wer seine Argumente nur auf „Geheimnisse“ baut, verfehlt die Realität und wird demzufolge auch nicht in der Lage sein, diese Prozesse in seinem Sinne zu beeinflussen.

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      • Tommy schreibt:

        Bezogen auf die teils sehr abstrusen Theorien, die durch diverse Kommentarspalten geistern („Kalergi-Plan“, „Hooton-Plan“, oft zitiert auch ein – vermutlich gefälschtes – Zitat des amerikanischen Globalismusvordenkers Thomas M. Barnett, Ziel sei „das Entstehen einer leicht kontrollierbaren Mischrasse mit IQ 90“) haben Sie Recht, aber m.E. ist es ein Fehler, die Massenmigration nur als natürlichen Prozess zu sehen, der eben einfach so passiert aufgrund der massiven Gefälle von Wohlstand und Bevölkerungsentwicklung (auch wenn diese natürlich eine wesentliche Voraussetzung sind). Der Prozess ist m.E. zumindest in Teilen durchaus die Folge – auch ganz bewusst getroffener – politischer Entscheidungen. Ein Abkommen wie der globale Migrationspakt oder auch die Aktivitäten der Internationalen Organisation für Migration zielen m.E. schon eindeutig auf Ausweitung und Verstetigung der Massenmigration ab, wobei die Verantwortlichen vermutlich durchaus im Glauben handeln, im Sinne von mehr globaler Gerechtigkeit, einem „Zusammenwachsen der Menschheitsfamilie“ oder ähnlich nobel anmutenden Motiven zu handeln.

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        • Ich habe nicht den Eindruck, daß wir uns hier widersprechen. Es gibt, wie gesagt, Institutionen, die eine Migration aktiv vorantreiben. Viele davon versuchen das Faktum Migration auch nur zu steuern – so lese ich den Migrationspakt, der eine politische Reaktion auf eine doppelte Tatsache ist (Überbevölkerung und Geburtenschwund). Nur weil er eine andere Lösung präferiert als ich, kann ich ihn nicht ursächlich für die Tatsache verantwortlich machen. Die fatalste politische Entscheidung Deutschlands ist die Anhebung der Alimentierung, die faktische Gleichsetzung mit Hartz IV seit 2012 – ich hatte das bereits unter „Verladebahnhof Deutschland“ durchexerziert.

          Diese politische Entscheidung ist aber nicht die Folge eines großen Umvolkungsplanes, sondern das Ergebnis eines langen, komplizierten politischen und demokratischen Prozesses, der – wie oben beschrieben – genauso den Aporien der Geschichte unterliegt, wie alles andere.

          Die politischen Entscheidungen sind, wie Sie sagen, bewußt getroffen worden (wollen wir hoffen – bei Junker darf man zweifeln), aber eben in einem Ringen. Wir erleben gerade live, wie Demokratie paradigmatisch aufgrund dieses Ringens an ihre Grenzen gerät und selbstdestruktiv werden kann und zwar im englischen Unterhaus. Journalisten, die hier den einen oder anderen Teilnehmer schelten oder gar das Parlament, haben von Politik keine Ahnung – am Ende kommt etwas heraus, was keiner will, wollen kann und auch niemandem Vorteile bringt. Die Rolle der EU ist dabei unvorstellbar destruktiv und der beste Beweis dafür, daß der Brexit – fundamental gedacht – aus dieser EU voll und ganz gerechtfertigt ist. Es stellt sich allmählich die Frage, ob diese Entscheidung nicht eine straffe Hand benötigt, die eine Idee des Austritts konsequent verfolgt … Das ist aber ein Strukturfehler der parlamentarischen Demokratie – sie kann existentielle Fragen nur bei klaren Mehrheiten lösen und sie ist für zügige Entscheidungen zu träge.

          Und prinzipiell läuft es auch so mit der Migration. Die von Ihnen genannten Pläne und Institutionen können durchaus eine Rolle spielen, sie sind Teilnehmer dieses Spiels – verschwörungstheoretisch wird es dann, wenn die Bedeutung eines der Teilnehmer ins Allmächtige überhöht wird. Stichwort Soros z.B.

          Gemeint war: man sollte Migration im Allgemeinen wie ein Naturphänomen behandeln, aber menschliche und konkret historische Migration hat natürlich auch kulturelle, ökonomische, ethnische, politische, soziale, ideologische Facetten.

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          • Pérégrinateur schreibt:

            Wenn eine bewusste Absicht zu erkennen ist, dann am ehesten die, jede Maßnahme gegen die Immigration zu hintertreiben. Wenn Sie die Zahl der jährlichen „Asylanten“ in Japan mit der in Europa vergleichen, sehen Sie, dass man 5 Größenordnungen weniger durchaus erreichen könnte. Und statt des für Japan hilfreichen umgebenden Meeres könnte das Hemmnis auch anders errichtet werden, etwa durch Abschaffung jeder pekuniären Anreize. Aber das will man eben nicht.

            Übrigens kann man auch allein im Hinblick auf den Import unerwünschter Ideologien vom (historischen) Japan lernen. Nach der anfänglichen christlichen Mission im Land erwiesen sich viele der Missionierten als illoyal. Man kreuzigte einige (ich rate ab) und ließ nur noch die ins Land, die dabei auf ein am Boden installiertes Kreuz treten mochten. Die Fanatischsten war man so schon mal los; bei den Gläubigen mancher Religion ist selbst die Bereitschaft zur Heuchelei schon ein gewaltiger Vorzug.

            Unsere Entsprechung heute wäre: Man verbrennt vor gewissen Migranten Abschnitte eines gewissen heiligen Buches (solche, die zu Hass und Mord aufrufen, genügen), und die dabei aus der Rolle fallen, schickt man stante pede zurück. Ich finde, diesen Test schulden Humanisten den Ankömmlingen, die sonst nachher vielleicht aus allen Wolken fallen, wenn sie aus moralischer Schicklichkeit einen Blasphemiker getötet haben und deshalb dann unbillig Ärger mit der hiesigen Justiz bekommen. Es entspricht also unserer promigrantischen Fürsorgepflicht, so zu handeln.

            Die andere Möglichkeit wäre, dass wir als brave Biedermänner Blasphemie wieder gehörig strafbar machen, natürlich nur gegenüber den Göttern gewisser Religionen, die ich hier jetzt nicht nennen will.

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            • Ja, Japan kann das, weil es ein sehr homogenes Land ist, historisch, geographisch, sprachlich, ideengeschichtlich …

              Ungarn ist das in gewissem Maße ebenfalls. Hier ist nicht zuletzt die Sprache identitätsstiftend, aber natürlich auch die einzigartige Geschichte, die zu einer Sonderstellung führt. Obwohl das Land innenpolitisch sehr gespalten ist, ist man sich in der Migrationsfrage überparteilich wesentlich einig. Allerdings tut die EU auch hier ihr Werk: je jünger die Wähler, je internationaler, je europäischer … umso mehr nimmt die Akzeptanz des Zaunes ab, umso mehr wünscht man sich ein „offenes“ Ungarn. Wie in vielen Belangen, ist man hier 30 Jahre „zurück“.

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  4. Absalon von Lund schreibt:

    Der Schmerz ist unendlich groß, wenn man einmal hinabgestiegen ist zu den Vätern und zum, nach meinem Glauben, ewigen Vater, der die Quelle allen Lebens ist. In Europa ist durch unsere Vorfahren eine einzigartige Kultur entstanden, im Orient eine andere. Der Urheber ist derselbe und seine Schatztruhe unendlich groß. Es ist aber alles in der Zeitgeschichte an einem Ort vertikal übereinander anzuordnen, eine Generation baut auf der anderen auf. Was gerade nicht erlaubt ist, ist die oberflächliche Vermischung und der Austausch. Und es ist doch unübersehbar, daß diese von Frauen vorangetrieben wird, die ihre Väter, ihre Vorfahren und den ewiigen Vater, den Urheber, verworfen haben. Sie nennen es Politik, aber es ist pure Zerstörungswut und Boshaftigkiet, die Aufhebnung jeder Ordnung. Versuchen Sie nicht, darin irgendeinen Sinn zu erkennen. Es gibt keinen!

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