Nachdenken über Seifenblasen

Auf dem Pécser Széchenyi Tér vor der einstigen Moschee, dem sehenswerten Dzsámi, wie die Ungarn sagen, steht ein Straßenkünstler und formt riesige Seifenblasen. Sie fliegen – man kann das an der Ausrichtung des Gotteshauses kontrollieren – Richtung Mekka. Eine kleine Schar Kinder hat sich eingefunden und hascht nach den Blasen, bringt sie zum Platzen.

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Sezession mit Briefmarken

Hin und wieder bekomme ich Post von der „Sezession“. Und manchmal fragt mich jemand, was denn Sezession überhaupt bedeute. Man braucht nur den Briefumschlag hinhalten und sagen: „Siehst du, das ist Sezession.“

Und vielleicht sieht der Gesprächspartner das kleine Detail, das den Unterschied macht.

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Suche nach der verlorenen Zeit

Zufällig stieß ich auf diesen Film, an dem man sich nicht sattsehen kann. New York 1911, scharfe Bilder, plastische Menschen, natürliche Bewegungen. 90 Jahre vor 9/11. Ein schwedisches Kamerateam hatte „drauf gehalten“, alltägliche Szenen in verschiedenen Milieus – darunter in der Mitte vermutlich auch China Town – festgehalten.

Was sieht man? Was sehen wir? Was sehen Sie?

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Schach dem Schach

Ich könnte mich ärgern! Wieder jede Menge Zeit vertrödelt! Und zwar mit Schach!

Das ist nun gerade die Stärke dieses Spiels: daß man damit wunderbar Zeit vertrödeln kann. Diese hervorragende Eigenschaft war es sogar, die mich dazu verleitete, ein paar Jahre diesem Spiel zu opfern. Dem Spielen weniger als dem Spiel, und weiter als zu einem lausigen Turnierspieler der D-Kategorie habe ich es auch nie geschafft. Im Spielen selbst wollte ich nur das Spiel begreifen – und seine Macht.

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Lob der Faulheit

Offenbar hatte der kleine satirische Beitrag über den Unsinn des Laubblasens einiges Unverständnis ausgelöst. Daher lege ich hier eine Grundlegung der Faulheit in zwei oder drei Teilen vor, die sich mit dem Begriff der Arbeit in der Moderne und der modernen Literatur und Philosophie beschäftigt und im weiteren Kontext mit der Frage „Was ist Kynismus“ gesehen werden sollte. Auf Grund der Länge werden die Texte auch als PDF zur Verfügung gestellt.

Lob der Faulheit PDF


Geschichte und Philosophie der Faulheit Teil 1

“What is called a man or woman of action is almost always a deformed and deficient artist who yearns to express himself or herself but, unable to express by creating, must assert by interfering. Such people are our misfortune, and there are good many of them. They cannot find satisfaction in love, friendship, conversation, the creation of contemplation of beauty, the pursuit of truth and knowledge, the gratification of their senses, or in quietly earning their daily bread: they must have power, they must impose themselves, they must interfere. They are the makers of nations and empires, and the troublers of peace … They must impose their standards and way of life. Worst of all, they drive the less clear-sighted of the potentially civilized into self-defensive action – into semi-barbarism that is to say. From these pests comes that precious doctrine, the gospel of work: as if work could ever be good in itself.” (Clive Bell)

Im Nachfolgenden sollen Verteidiger eines „Rechts auf Faulheit“ vorgestellt werden, um eine heterogene Tradition sichtbar zu machen. Diese Tradition ist lang, sie reicht in die Anfangsgründe der Überlieferungen zurück. Besonderes Interesse verdienen dabei jene Köpfe, die der Moderne zugeordnet werden, jene also, die den aufklärerischen und eschatologischen Impuls der Technisierung und des Fortschritts bewußt erlebt und erlitten haben, denn ihre Erfahrungen sind mit den unsrigen noch am ehesten vergleichbar und unter Umständen auch nutzbar. Die Auswahl muß willkürlich bleiben, versucht jedoch, durch die Vielfalt der präsentierten Ansätze, ein Abstraktum jenseits der Ideologien und Weltanschauungen anzudeuten, denn wir arbeiten mit dem Verdacht, uns auf anthropologischer Ebene zu bewegen.

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Das ist Fortschritt!

Während ich durch einen alten Band der Kant-Studien (Band XXIX, Heft 1/2) blättere, fällt mir eine kurze Bekanntmachung auf.

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Noch eine ungarische Familie

Im Frühjahr werden wir säckeweise mit Topinambur und im Herbst freigiebig mit frischen Goji-Beeren versorgt. Die Geberin ist eine angeheiratete Hefner, ein häufiger Name in dieser Gegend und in der, aus der ich komme. Nach dem Krieg wurden die Ungarndeutschen vertrieben und eine größere Gruppe hat es just ins Vogtland verschlagen – eine (Frau Reitzenstein) war Lehrerin an meiner Schule (S. 34) – zwei Nachfahren dieser Menschen gehörten in der Jugend zu meinen besten Freunden …, aber erst jetzt wird diese Geschichte ein Thema.

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