Toxische Menschen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVII

Über den Neid

Es gibt unheilbar verletzte Menschen, die sind so tief von Gier, Eitelkeit und Neid zerfressen, daß es keinerlei Möglichkeit gibt, sich ihrer kranken Seele zu nähern und sie zu besänftigen. Weiterlesen

Die tiefe Ordnung der Aufgaben

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVIII

Über die Ordnung der Bewegungen

Achte darauf, daß du nichts überstürzt und in deiner Arbeit, deinem Gesellschaftsleben, ja, in deinen tagtäglichen Handlungen die strenge Folgerichtigkeit der Tatsachen und Umstände befolgst. Weiterlesen

Über den Neid

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVII

Über den Neid

Es gibt unheilbar verletzte Menschen, die sind so tief von Gier, Eitelkeit und Neid zerfressen, daß es keinerlei Möglichkeit gibt, sich ihrer kranken Seele zu nähern und sie zu besänftigen. Weiterlesen

Die Angelegenheiten der Menschen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVI

Darüber, daß du an den Angelegenheiten der Menschen teilnehmen sollst

Wohin du auch fliehst, in die Arbeit, in eine Rolle oder in eine Haltung, die Menschen werden dich nicht loslassen, sie greifen nach dir, sie verlangen, daß du an ihren Bewegungen teilnimmst, ihre Sorgen teilst, ihre Pläne und Hoffnungen, sie greifen nach dem Saum deines Mantels, und sie greifen dich an und verstoßen dich, wenn du dich von den gemeinsamen Aufgaben zurückziehst. Weiterlesen

Dann geh doch!

In seinen autobiographischen Schriften entsinnt sich Albert Wass einer berührenden Szene.[1] Er war elf Jahre alt, als der Dichter Sándor Reményik folgendes Gedicht im Hause Wass verlas. Reményik galt damals als einer der begabtesten siebenbürgischen Dichter, ein Hauptvertreter des Transsylvanismus. Während der Dichter die Zeilen deklamierte, so erinnert sich Wass, marschierten draußen vor dem Fenster rumänische Truppen vorbei. Erdély – wie die Ungarn Siebenbürgen nennen – wurde von Rumänen besetzt und durch den Trianoner Vertrag dem südlichen Nachbarn zugeschlagen. Die Ungarn hatten eine schwere Entscheidung zu treffen – von dieser handeln die Zeilen. Weiterlesen

Die menschliche Substanz

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LV

Über die menschliche Substanz

Seit fünftausend Jahren, seit zehntausend Jahren hat sich die menschliche Substanz nicht verändert. Nur die Kostüme änderten sich, die Ordnungen und Bedingungen des Zusammenlebens. Das, was der Mensch ist – die Seele und der Charakter –, hat sich nicht verändert. In der Stadt Ur, in Babylon, lebten die gleichen Menschen wie im heutigen Budapest: und in ihren Seelen nahmen sie die Welt auf die gleiche Weise wahr und sie reagierten genauso auf die Welt. Weiterlesen

Über die Karotte

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LIV

Über die Karotte

Ich habe festgestellt, daß rohe Karotten, fein gerieben und mit Zitronensaft beträufelt, nicht nur eine erfrischende Nahrung sind, sondern auch die Nerven beruhigen, insbesondere die Nerven in den Augen. Weiterlesen

Packen macht alt

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LII

Darüber, wie das Packen altern läßt

Reise, aber mit wenig Gepäck. Reise, aber wisse in jedem Augenblick, daß es nirgendwo einen richtigen Aufenthalt für den Reisenden gibt. Vergeude nicht viel Zeit damit, deine Koffer zu sortieren, schleppe keine unnötigen Gegenstände mit auf deine Reise. Das Packen läßt nur altern. Weiterlesen

Menschlich leben

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LI

Darüber, daß wir nach menschlichem Maß leben

Du bist des Lebens müde? Ja, eines Tages hast du das Gefühl, dir eine zu große Aufgabe aufgeladen zu haben, als du auf diese Erde als Mensch geboren wurdest. Weiterlesen

Niedertracht und Hilfe

Sándor Márai: Das Kräuterbuch L

Über Gemeinheit und Hilfe

Das Maß menschlicher Niedertracht ist so schrankenlos, ihr Hitzegrad so brennend, ihr Erfindergeist so originell und abwechslungsreich, ihre sich offenbarenden Formeln so überraschend,  daß wir manchmal verdutzt sind und meinen, dies sei die größte menschliche Kraft. Weiterlesen

Laß dich nicht erschrecken!

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLIX

Darüber, daß dich nichts erschrecken kann

Was kann dich erschrecken, wenn deine Seele ruhig ist? Wenn du die Eitelkeit niederringst, die Lüsternheit und die Gier? Welche Mächte können dich quälen, wenn du dich selbst nicht quälst? Was ist schon ein Gefängnis, wenn deine Seele frei ist? Was ist schon der Tod, wenn du die Welt und deine Seele kennengelernt hast und du nicht nach überflüssigen und peinlichen Dingen gierst? Weiterlesen

Verräter nicht bedauern

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLVII

Darüber, daß man den Verräter nicht bedauern soll

Erwirke in Verfahren gegen Menschen nach Möglichkeit Freispruch. Nur dann nicht, wenn du den Angeklagten des langsamen und kalten Verrats für schuldig befindest. Dem Mörder kann man schneller vergeben als dem Verräter. Weiterlesen

Ärzte in anderen Weltteilen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLVI

Über die Ärzte und die Himmelsgegenden 

Im Mittelalter gab es den Irrglauben, daß die Ärzte durch ihren Beruf Krankheiten in bestimmte Regionen bringen, als Material ihrer Kunst[1]. Montesquieu wandte sich nach Jahrhunderten gegen diese Irrlehre. Nicht die Ärzte bringen die Krankheiten, sondern die Krankheiten bringen die Ärzte. Und wir können tatsächlich sehen, daß zu jeder Region ein jeweils anderer Arzt paßt.

Die Heilweise, die in Paris begeistert und kluge Anhänger hat, heilt nicht in Konstantinopel. Das Arzneimittel, das in Oslo ganz sicher wirkt, wirkt nicht ganz so sicher in Marseille oder Budapest. Der Arzt, der in London tausenden Kranken das Leben wieder schenkt, ist in Bagdad machtlos, wenn  ihn das Schicksal dahin verschlägt.

Der Mensch ist nicht nur seiner Natur und seinen Gewohnheiten gemäß krank und heilt, sondern auch in Abhängigkeit von den Himmelsgegenden. Was in Helsingfors abführend wirkt, ist in Khartum verstopfend, und der Gefäßkrampf, den in Budapest ganz sicher Pyramidon[2] löst, bleibt in China ein Gefäßkrampf, wie viel der Mandarin auch Pyramidon einnimmt. Chinin würgen wir in Budapest in Halbgrammportionen hinunter, in Sumatra nimmt man es mit Kaffeelöffeln. Der Mensch kann unter vielen Bedingungen krank oder gesund sein. Denke daran, wenn du den Arzt schiltst.

márai sándor – Idézetek

[1] mesterségük
[2] Aminophenazon https://de.wikipedia.org/wiki/Aminophenazon

Das gerechte Urteil

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLIV

Über das gerechte Urteil

Deine eigenen Angelegenheiten so gerecht beurteilen, wie du dich zur Gerechtigkeit in den Angelegenheiten der anderen erziehst. Du hast kein Recht auf Ungeduld, Unbill, noch nicht mal auf übertriebene Forderungen an dich selbst. Weiterlesen

Ordnung und Vorsehung

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLIII

Über Ordnung und Vorsehung

Ich habe herausgefunden, daß am Grunde des menschlichen Lebens eine Ordnung herrscht. Und da das menschliche Leben die komplexeste Manifestation der Schöpfung ist, ist es wahrscheinlich, daß es auch anderswo eine Ordnung gibt, in der Welt der primitiveren und einfacheren Existenz, in der Natur der Felsen, Waschbären, Reptilien und Planetensterne. Weiterlesen

Über das Lesen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLII

Über das Lesen

Mit Kraft lesen. Mitunter mit mehr Kraft lesen, als in die Schrift, die du liest, Kraft  hineingelegt wurde. Mit Andacht, mit Leidenschaft, mit Aufmerksamkeit und unerbittlich lesen. Weiterlesen

Freiheit und Liebe

Freiheit, Liebe!
Wenn mir nur beides bliebe.
Der Liebe gebe ich
Das Leben,
Der Freiheit gebe ich
Das Lieben.

Diese ikonischen Zeilen stammen von Ungarns Nationalschriftsteller Petőfi. Eine feine versteckte und verwirrende Dialektik zeichnet ihren Gedankengang aus. Schwer zu übersetzen ist ihr Klang. Oben, das ist mein Versuch. Weiterlesen

Den Schriftsteller verteidigen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLI

Darüber, daß niemand den Schriftsteller verteidigen kann.

Jedes Mal, wenn sie Verfolgung und Angriff gegen mich starteten – und im Laufe einer Schriftstellerlaufbahn wiederholen sich diese Verfolgungsjagden unweigerlich, manchmal mit lebensbedrohlichen Wendungen – habe ich erfahren, daß keine fremde Hilfe den angegriffenen Schriftsteller verteidigen kann. Weiterlesen