Ramadan in Kopenhagen

Vorgestern schrieb ich vom ideologieinduzierten Gruppenzwang, heute lese ich ein Beispiel, das mich tief erschüttert.

In Dänemark will man ins ikonische Gesangsbuch der Volkshochschulen einen Song mit dem Titel „Ramadan in Kopenhagen“ aufnehmen.

„Weltpremiere“ im Mai- als Isam B. ankündigt, das Lied ins Højskolsangbogen zu bringen, da lacht sogar das linke Publikum ungläubig.

„Man“, das ist Jørgen Carlsen, der selbst einmal Vorstand einer der prestigeträchtigsten Folkehøjskoler war und der heute der Leiter jenes Gremiums ist, das alle zehn, zwölf Jahre eine aktualisierte Version des Gesangsbuches herausgibt.

Man muß dazu wissen, daß diese Volkshochschulen ein von Grundtvig ausgehendes Unikum sind, in denen Dänen und Norweger für wenig Geld Bildung und Kultur vermittelt bekommen, mit dem Ziel der allgemeinen Volksbildung, die die Teilnehmer zu mündigen Menschen und Staatsbürgern machen sollen.

Ich selbst hatte das Glück, an einem solchen 10-wöchigen Kurs teilnehmen zu dürfen. Jeden Morgen traf man sich zum gemeinsamen Morgensingen. Es wurden Lieder aus jenem legendären Gesangsbuch ausgewählt. Der darin versammelte Liederschatz stellt einen Kanon dar – seine große Klammer ist die „danskhed“, das Dänischsein. Seit 1894 gibt es dieses Buch, ich selbst habe die 17. Auflage und liebe es, habe auch einige Lieder auswendig gelernt. Viele der Volkslieder gehen auf Grundtvig, Holberg, Andersen, Blicher, Aakjær, Ingemann und andere dänische Klassiker zurück, sie wurden von Carl Nielsen, C.E.F. Weyse u.a., den Größen der Komposition, geschrieben.

Kurz: dieses Buch ist „kernedansk“, urdänisch, dänisch durch und durch und nichts anderes. Es ist ein nationaler Schatz, ein Gral des Dänischen.

Wer Dänemark liebt, liebt dieses Buch! Jeg elsker den! © Højskolesangbogen

Wikipedia: „Es ist weithin dafür bekannt, daß es die wichtigsten Lieder des dänischen Kulturerbes sammelt.“

Als solches hat es seit 125 Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Identitätsfindung beigetragen und diese Identität war Grund und Ursache sowohl für den Erfolg dieses kleinen Landes und des Überstehens der – oft von Deutschland zugefügten – Leiden, war Motiv dieses großartigen, fast familiären Zusammengehörigkeitsgefühls, für das man die Dänen nur beneiden kann bzw. konnte.

Die im Buch versammelten Lieder müssen sich als geschichtlicher Bestand bewährt haben, sie sind oft vom Volk legitimiert, sie drücken die nationale Seele aus.

Jørgen Carlsen plädiert nun dafür, in der 19. Ausgabe ein Lied mit dem Titel „Ramadan i København“ aufzunehmen. Das Lied wurde von einem Liedermacher namens Isam Bachiri geschrieben, der in Kopenhagen geboren wurde, dessen Vater marokkanischer Abstammung ist. Isam B., wie er sich nennt, war der Kopf der bekannten Gruppe „Outlandish“.

Der Zufall will es, daß ich „Outandish“ selbst während meines Aufenthalts an der dänischen Volkshochschule kennenlernen durfte. Dort führten die drei Musiker Gespräche mit den Schülern. Es waren aufgeregte Zeiten: Dänemark zitterte noch unter den Folgen der sogenannten „Mohammed-Krise“. Die war im Herbst 2005 ausgebrochen, als einige „dänische“ Imame ein paar Mohammed-Karikaturen instrumentalisierten und unter Lügen und Täuschung einen weltweiten Aufruhr initiierten[1].

 Wie alle Muslime, die ich damals kennenlernte und sprechen konnte, versuchten auch „Outlandish“ die Sache zu relativieren und vor allem Verständnis für die muslimische Sicht zu wecken. Zwar wurde alles unter dem Mantel „Toleranz“ abgehandelt, aber diese konnte nur in eine Richtung wirken. Meinungs- und Pressefreiheit wurden damals großflächig einer falsch verstandenen „Religionsfreiheit“ – einer bestimmten Religion gegenüber – und einem fiktiven Recht, das Schutz vor „verletzender“ Ironie gewährt, geopfert.

Isam B. machte sich einen Namen, als er jenes ikonische und patriotische Lied „I Danmark er jeg født“ (In Dänemark bin ich geboren) sang, aber auch, als er sich etwa weigerte, Frauen aus religiösen Gründen die Hand zu geben oder Terrorverdächtige unterstützte.

Nun wurde er von Jørgen Carlsen gefragt, ob er nicht ein Lied mit islamischem Inhalt für die kommende Ausgabe des Liederbuches schreiben könne. Dieses Lied widerspricht also in doppelter Weise der Tradition des Buches. Es hat weder eine Geschichte, es ist also nicht bekannt, noch vertritt es dänische Werte. Seine fünf Strophen sind wie das fünffache Gebet angeordnet und gipfeln in einer direkten Anbetung Allahs:

Die Sterne schauen hinab
Der Körper wendet sich gen Südost
Die Stirn auf dem Teppich
Worte, die Trost suchen
Licht trifft auf Licht
Dankbarkeit in Seinem Namen
Nun geht der Tag auf über Kopenhagen
Ramadan in Kopenhagen.[2]

Immerhin hat der Vorschlag Jørgen Carlsens, nachdem er ihn in „Berlingske Tidende“ ausgeplaudert hat, breiten Protest hervorgerufen. Er will 150 der nun 600 meist alten Lieder austauschen – aber vor allem dieses eine Lied macht Furore. Carlsen erklärt Isam B. für „ærkedansk, erzdänisch, denn er habe einen dänischen Paß. So kann man das sehen.

Man kann aber auch, wie Poul Erik Andersen, sich darüber wundern: „Bisher hat es geheißen, daß sich die Muslime in die dänischen Werte integrieren sollen. Aber nun sagt man: wenn sie nun einmal da sind, dann sollen sie auch ihren eigenen Gesang im Gesangsbuch haben, ein Lied, das nicht von dänischen Werten handelt, sondern von muslimischen.“

[1] Die Hintergründe wurden hier aufgezeigt: Islamismus – Ein- und Ausstieg
[2] Übertragung Seidwalk

Siehe auch:

Something is rotten

Mein zweiter Muslim

Du schönes junges blondes Mädchen

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