Das innere Werdeziel der Kellerassel

„Ich sammle Kellerasseln“ – mit diesem Eingangssatz fängt Fritsche seinen Leser sofort ein. Noch weiß man nicht, was der Titel „Pan vor den Toren“ bedeuten soll, aber schon sind alle Sinne gespannt.

Weiterlesen

Was die Pfütze lehrt

„Wenn du am Wassergraben vorüberkommst, unvorbereitet und ohne Zeit zu besinnlichem Aufenthalt, so bleibe getrost stehen. Ich weiß, du hast Pflichten. In Wahrheit haben die Pflichten dich. Laß einmal die Dinge, die dich rufen, vergeblich auf dein Kommen warten. Denn hier ergeht ein höherer Ruf an dich.“

Weiterlesen

Das ist Fortschritt!

Während ich durch einen alten Band der Kant-Studien (Band XXIX, Heft 1/2) blättere, fällt mir eine kurze Bekanntmachung auf.

Weiterlesen

Alles Makulatur

Zuletzt erkennen auch immer mehr Marxisten und sonstige Ideologen, die im 20. Jahrhundert hängengeblieben sind, daß ihre abstrakten Debatten und Fragen in einem kaum bewußten kulturellen Resonanzraum stattfanden, der mit dem Großen Austausch vernichtet wird. (Martin Sellner)

Irgendwann im Herbst 2015, als die Meldungen sich überschlugen, tagtäglich neue phantastische Zahlen von Menschen, die die Landesgrenze meist unkontrolliert überschritten hatten, genannt wurden, dazu Bilder scheinbar endloser Menschenschlangen und –mengen, die auf Autobahnen oder über Felder liefen, an Grenzstationen in großen Trauben hängen blieben, während offenbar verrückt Gewordene die Massen mit Heilsgesängen, Blumen, Teddybären und Tonnen an Altkleidern empfingen, irgendwann in dieser Zeit, saß ich mit meiner Frau – mit der ich damals jeden Tag, jede Stunde dieses eine Thema immer und immer wieder und immer fassungsloser besprach – im Wohnzimmer, das vom Boden bis zur Decke mit einer wunderschönen Buchtapete – in sechs europäischen Sprachen – ausgekleidet ist, an der seit Jahren der Blick mindestens ein Mal am Tag liebe- und auch ein wenig vorwurfsvoll – Warum hast du keine Zeit mehr für Fontane? Wie lang willst du den Goethe noch hinausschieben? Du wagst es, über skandinavische Literatur zu schreiben und hast den Olav Duun noch immer nicht gelesen! … – entlang glitt, und sagte plötzlich zu ihr, auf die Regale weisend: Das ist alles Makulatur!

Weiterlesen

Worum es geht

Wer nicht von dreitausend Jahren
sich weiß Rechenschaft zu geben,
bleib im Dunkeln unerfahren,
mag von Tag zu Tage leben. Goethe

Um mit der Tür ins Haus zu fallen: 25 Jahre deutsche Einheit, 100 Jahre Demokratie, 250 Jahre Aufklärung, 350/450 Jahre Religionsfrieden, 1000 Jahre deutsche Geschichte, 2000 Jahre christliche Geschichte, 2500 Jahre europäische Zivilisation stehen auf dem Spiel, der Abbruch dieser Traditionen wird riskiert und wird stattfinden, wenn … Mit Worten, die uns aus der Wetterprognose und dem Klimawandel bekannt sind: das ist die größte europäische und nationale Krise seit Beginn der Aufzeichnungen.

Weiterlesen

Islam in homöopathischen Dosen

In regelmäßigen Abständen beglücken uns die Zeitungen mit Meinungen zur Homöopathie – neun „Das-ist-alles-Humbug“-Artikeln steht vielleicht eine bejahende Studie oder ein Erfahrungsbericht entgegen (Beispiele unten).  Die Hauptargumente sind immer die gleichen: Placebo und „Da ist doch nichts drin“. Die Alltagsrealität sieht anders aus: Millionen Menschen (und Tiere) fühlen sich geheilt.

Wer so argumentiert, stellt nur unter Beweis, daß er von der Homöopathie nicht das Geringste verstanden hat. Allopathie denkt körperphysikalisch, chemisch und vor allem kausal, für die Homöopathie ist die Abwesenheit des Materiellen aber essentiell, es ist die Verabschiedung des chemo-physikalischen Materialismus. Die zugrundeliegende Signaturenlehre – Similia similibus currentur – gehört zu den kultur- und zeitübergreifenden Weisheiten der Menschheit. Sie fragt weniger nach dem Warum als nach dem Wozu, sie heilt den Menschen im „entelechalen Sog“ seiner Individualität, sie erkundet das „Wesens-Werdeziel“. Das sind Begriffe, die Herbert Fritsche, der bedeutendste deutsche Homöopathie-Philosoph entworfen hat und der die Homöopathie in mehreren Anläufen bis zur „Homöopathie Divina“ verallgemeinerte.

Doch die Homöopathie ist im Moment unser kleinstes Problem. Und trotzdem wirft sich die medizinisch-journalistische Fortschrittspartei, die Berufsrationalisten, immer wieder mit Furor auf sie, um sie zu diskreditieren. Dabei stecken die eklatantesten metaphysischen Auswüchse in ganz anderen Büchern und Lehren. Zum Beispiel im Koran und im Islam. Warum wohl hat sich noch niemand der Entzauberer auf dieses dankbare Ziel eingeschossen?

Nehmen wir etwa die Frage der Engel. Daß es sie gibt, belegt der Koran selbst – schönes Zirkelargument – und also ist jeder Muslim, der einer sein will, verpflichtet, daran zu glauben. Auch an die verschiedenen Typen der Engel. Sie sind aus reinem Licht erschaffen, sind frei von menschlichen Bedürfnissen und Eigenschaften, müssen nicht essen noch trinken, mögen aber Knoblauch- und Zwiebelmundgeruch nicht und auch keine Hunde.

Da gibt es Gabriel, den Oberengel mit mehr als 600 Flügeln, der zu Mohammed gesandt wurde und den Koran brachte. Oder Michael, der sich um Regen und Pflanzen kümmert. Oder Israfil, dessen Aufgabe es ist, am jüngsten Tag die Posaune zu blasen – was er in der Zwischenzeit so treibt, wissen wir nicht. Anders bei Azrail, der immer viel zu tun hat, denn er ist der Todesengel und zieht die Seele aus dem Körper. Ganz allein schafft er das nicht, weswegen er „Helferengel“ zur Seite hat. Davon wiederum gibt es zwei Arten: die Engel der Barmherzigkeit und die Engel der Bestrafung.

Ridwan ist so eine Art Gärtner im Paradiesgarten und zugleich Chef der „Dienerengel“. Sie dienen den Paradiesbewohnern, also, wie manche glauben, den Selbstmordattentätern oder aber auch den wahren und gläubigen Muslimen. Nicht weniger als 8000 – manchmal liest man 80000 – solcher Diener sollen jeden einzelnen Paradiesbewohner bedienen – im Hier und Jetzt hätte man schon Probleme, sich überhaupt hundert Bedürfnisse auszudenken: ich komme nur bis 72.

Auch wenn Engel per definitionem weder das Böse kennen noch tun, arbeiten die „Wärterengel der Hölle“ im Dauerdienst, um das Höllenfeuer am Glühen zu halten und darauf zu achten, daß die Verdammten dieser Erde den Flammen nicht entkommen. Ihrer gibt es – jemand hat das exakt gezählt – 19 an der Zahl. Und um es nicht ausufern zu lassen, erwähne ich nur noch die „ehrenwerten Schreiberengel“, die auf Ihren Schultern sitzen, etwas ausführlicher, die jeden Menschen begleiten – also auch Sie, lieber Leser, liebe Leserin – und die guten und bösen Taten in ein Buch einschreiben, das „Buch der Taten“, das Allah am Tag des Jüngsten Gerichts studieren wird, um den Daumen zu heben oder zu senken. Erstes Kapitel dürfte die Frage sein: Hast du diese Phantastereien bzw. Offenbarungen auch alle geglaubt?

Und nicht nur an das: auch an den Mutterleibengel, der das Geschlecht bestimmt, den „Engel der Berge“, der die Berge beaufsichtigt – wozu eigentlich? –, die „umherziehenden Engel“, die die an Mohammed gesandten Segens- und Friedenswünsche der Gläubigen sammeln, die „Engel des Bittgebets“, die „Engel des Aufsteigens“, die „Befragenden Engel“ usw.

Von den Djinn – aus rauchfreiem Feuer geschaffen, darunter Muslime, Christen und Juden, Gläubige und Ungläubige – und Teufeln, die noch komplizierter sind, soll der Ermüdung wegen hier geschwiegen werden.

Nun, das ist Religion, ist Glaube ohne Aber und muß daher geschützt und respektiert und geachtet werden und frei gelebt werden können … Trotzdem, so scheint mir, sollte das Berufsrationalisten beunruhigen, aber um derartiges zu erfahren, muß man schon die islamischen Klassiker lesen und nicht die Presse.

Homöopathen sind in der Regel sehr friedliche Zeitgenossen, sie sind ein dankbares Ziel …

Freiwillige vor!

Quellen:
Herbert Fritsche:
Samuel Hahnemann. Idee und Wirklichkeit der Homöopathie
Der Erstgeborene. Ein Bild des Menschen
Die Erhöhung der Schlange. Mysterium, Menschenbild und Mirakel homöopathischer Heilkunde
Die unbekannten GesundheitenVom therapeutischen Eros
IATROSOPHIA – Metabiologische Heilung und Selbstheilung
Ahmad A. Reidegeld: Handbuch Islam. Die Glaubens- und Rechtslehre der Muslime
Der Koran

Homöopathie als Gegner in: Focus, Welt, Zeit, Süddeutsche, Spiegel. …

Selbstanalyse

Das ist der 200. Artikel auf diesem Blog.

Eigentlich wollte ich in aller Ruhe und in aller Ausführlichkeit ein Buch über den außergewöhnlichen und seltsamen Denker, Heilpraktiker, Homöopathen, ZoologenEsoteriker, Lyriker und Sonderling Herbert Fritsche schreiben. Doch schon im Sommer letzten Jahres ging mir die Konzentration mehr und mehr verloren, zogen die Ereignisse an den Grenzen und auf den Landstraßen Europas, bald darauf auch die chaotischen Zustände in Deutschland alle Aufmerksamkeit auf sich. Schnell war klar: es geht um unser aller Zukunft, es geht um Sein oder Nichtsein. Fritsche, der im seligen Jahre 1961 verstorben war und auf einem ganz anderen Planeten lebte, konnte darauf keine Antwort geben: Demographie, Demokratie, Islam, Integration.

Mit jedem Tag stieg die Spannung. Freund- und Bekanntschaften wurden plötzlich brüchig, der Eindruck, von den meisten Medien manipuliert zu werden, war nicht mehr wegzudiskutieren, das Land begann sich in zwei unversöhnliche Parteien zu spalten, der Dialog zwischen den Positionen mißlang immer öfter. Mir wurde schwer ums Herz, diese seltsame Zukunftsangst kroch hoch, irgend etwas mußte geschehen, den Druck abzulassen, die Sorgen umzuleiten.

Zuerst warf ich mich in die Flüchtlingsarbeit. Ich wollte diese Menschen kennen lernen und ich wollte zumindest denjenigen helfen, die mit größter Wahrscheinlichkeit im Lande bleiben würden, denn wenn diese Personen in die Anonymität absinken würden, in die Parallelgesellschaften, in die Sozialsysteme oder gar in den Untergrund, so dachte ich, dann werden die an sich schon unlösbaren Probleme noch größer. Zuerst waren es Eritreer und Somalier, dann kamen die Syrer hinzu. Mit ihnen konnte ich die Krise auch als persönliche Chance begreifen, denn um den Islam verstehen zu können – das wurde schnell deutlich – wird man wenigstens Grundkenntnisse des Arabischen benötigen und die Syrer, durchschnittlich besser gebildet als sie anderen, eröffneten die Möglichkeit des gegenseitigen Lernens.

Aber je mehr ich von, mit und über die Zugewanderten lernte, umso differenzierter konnte ich die Lage einschätzen, umso mehr Druck zur Entäußerung entstand. So wurde in einer Spontanaktion der Blog gegründet, innerhalb weniger Tage standen mehr als 20 Artikel und noch heute stehen viele in der Warteschleife. Schnell hatte sich eine kleine und, wie ich mit großer Freude feststelle, auch exklusive Leserschaft gebildet. Einige Leser mochten die vielseitige und multiperspektivische Darstellung der Probleme offensichtlich. Ein Artikel, der sich mit dem medialen Mißbrauch in Hinsicht auf die AfD beschäftigte, explodierte mir plötzlich unter der Hand und zog tausende Leser aus aller Welt an und wird selbst heute noch häufig gefunden. Einige dieser Leser sind dem Blog treu geblieben und manchmal kann ich erahnen, wer sie sind und was sie denken.

Und das schafft einen eigenartigen Effekt! Die Vorstellung einer bestimmten Klientel verändert die Art des Schreibens: Kann ich das so sagen? Wird X oder Y dadurch abgeschreckt, provoziert, beleidigt? Wie könnte Z darauf reagieren? …

Auch die Menge der Leser geht nicht unbemerkt an einem vorbei. Selten stimmen die Zugriffszahlen mit der Bedeutung der Texte überein. Grundsätzlichere Beiträge wie „Eritrea unplugged“, „Das Habermas ist voll„, „Mit dem Hammer“, „Warum Köln uns trifft“, „Das Christopherus-Syndrom“, „Clash of civilizations“, „Katastrophendidaktik“, „Die satanischen Verse“, „Die Sloterdijk-Debatte“, „Die Lessing-Legende“, der „Haßprediger“, die Ahmadiyya-Trilogie und einige andere finden oft weniger Leser als Gelegenheitsartikel mit provokanter Überschrift. Es entsteht also eine innere Versuchung, den jeweiligen Titel lärmender, skandalisierender zu gestalten. „AfD“ zieht, „Faschismus“ und „Hitler“ ziehen, „PEGIDA“ zieht … Ein politisch nicht korrektes Wort, eine steile These, ein rotes Tuch voranzuhängen, die Sprache aggressiver zu wählen, deutlicher zu werden, die Offenheit in verschiedene Richtungen aufzugeben, gerade jetzt, wo die nachlassende innere Spannung im Lande auch zu einem Zugriffsrückgang führt … diese Versuchung ist da und es ist davon auszugehen, daß alle Schreibenden, auch die Pressevertreter, dieser Versuchung ausgesetzt sind.

Eine gefährliche Logik – Vorsicht ist geboten –; eine wichtige Erfahrung, die es mir gestattet, auch andere besser zu verstehen.