Warum ich kein Vegetarier bin

Seit Marx‘ Zeiten hat vielleicht kein philosophisches Werk unser tatsächliches Leben derart geformt wie Peter Singers „Animal Liberation“ und kaum ein literarisches Werk dürfte die Gesellschaft bis in die Gesetzgebung hinein praktisch so geprägt haben wie Upton Sinclairs „The Jungle“. Beide Bücher wurden zur „materiellen Gewalt“ und beide behandeln unseren Umgang mit den Tieren. Das ist kein Zufall!

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Nachdenken über Seifenblasen

Auf dem Pécser Széchenyi Tér vor der einstigen Moschee, dem sehenswerten Dzsámi, wie die Ungarn sagen, steht ein Straßenkünstler und formt riesige Seifenblasen. Sie fliegen – man kann das an der Ausrichtung des Gotteshauses kontrollieren – Richtung Mekka. Eine kleine Schar Kinder hat sich eingefunden und hascht nach den Blasen, bringt sie zum Platzen.

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Intensität – ein Kryptodialog

Eine Buchbesprechung

Manche Bücher versteht man erst, wenn sich erschließt, was fehlt, was sie verschweigen, umso mehr, wenn es wissensgesättigte Werke sind, wenn man also davon ausgehen muß, daß der Autor tatsächlich meidet, was er kennt. Dies könnte der heimliche Dirigent sein. In Tristan Garcias philosophischem Bestseller sind es zwei absente Namen: Husserl und Heidegger.

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Warum das Ende naht

Das Langsamste wird im Lauf niemals vom Schnellsten eingeholt werden; erst einmal muß doch das Verfolgende dahin kommen, von wo aus das Fliehende losgezogen war, mit der Folge, daß das Langsamere immer ein bißchen Vorsprung haben muß.
Aristoteles über das Achillesparadox des Zenon von Elea (Physik VI 9. 239 b)

Seit Jahrzehnten gehörte in ein gutes allumfassendes Schachbuch die Computerrubrik, und die wiederum konnte es sich offensichtlich nicht leisten, ohne Prognose auszukommen: Wann würde der Computer endgültig den Menschen – gemeint sind natürlich immer nur die besten der Spezies – hinter sich lassen. Gesucht wurde der Zeitpunkt, an dem auch die hervorragendsten Geister keinerlei Chance mehr haben werden, so als würde Max Mayer tausend Mal gegen Magnus Carlsen antreten und tausend Mal verlieren.

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Ist Sterben noch modern?

I’m not planning to die. Ray Kurzweil

Schlägt man ein beliebiges Werk zur Spiel- oder Kulturgeschichte des Schachs auf, so wird man mit großer Wahrscheinlichkeit die Reiskornlegende finden; der Kundige kann sie schon nicht mehr hören, die Erzählung vom klugen Bauer/Wesir/Weisen/Zauberer, der den König/Sultan zu einer Schachpartie überredet/das Schachspiel erfand/einen Krieg damit abwendete und den Herrscher derart damit begeisterte, daß dieser ihm einen hohen Lohn versprach. Der Weise mimt den Bescheidenen und erbittet sich lediglich ein Reis/Weizenkorn auf dem ersten der 64 Felder, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten, acht auf dem vierten und so fort, immer die jeweils doppelte Menge des vorherigen Feldes. Der Machthaber wird anfangs von der Genügsamkeit des Weisen überrascht, muß aber bald feststellen, daß alles Korn der Welt nicht genügte, dem Wunsch nachzukommen, und wird durch dieses kathartische Erlebnis geheilt und ein besserer Mensch.

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