Härte und Vernunft

Wir sind doch alle schon längst infiziert. Vom Humanitarismus und vom strukturell linken Denken, also jenem Konstrukt, daß von einer prinzipiellen Gleichheit der Menschen ausgeht und daraus eine apriorische Gerechtigkeit ableitet und althergebrachte Regeln und Normen durch „fortschrittlichere“ ersetzen will. Das ist sogar als Zivilisationsfortschritt beschreibbar. Dabei spielen richtige und falsche Überlegungen ein verwirrendes Spiel – man kann das an Kleinigkeiten gut illustrieren.

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Vegetarismus – Pro und Contra I

Antwort auf die Kritiken zu „Warum ich kein Vegetarier bin

Ernährungsfragen polarisieren, allein schon, weil sie mit Gewohnheiten und Traditionen, letztlich also auch Identität, zu tun haben. Wenn einem das Problematische der eigenen gewohnten Ernährung bewußt gemacht wird, reagiert der Mensch in der Regel mit Ablehnung. In heutigen Zeiten steht ihm zudem das bewährte Mittel der ideologischen Vorhaltung zur Verfügung. So kommt es, daß auch Ernährungsfragen entlang des politisch-ideologischen Risses diskutiert werden. Es gibt eine gewisse Tendenz: als Rechter hat man nicht nur Masseneinwanderung abzulehnen, sondern auch menschengemachten Klimawandel, Impfpflicht, Fleischverzicht, Evolution, sechs Mio., Bienensterben, Dekonstruktion, Dieselverzicht etc. … tut man es nicht, gilt man als links. Umgekehrt funktioniert das genauso. So hält die Idiotie durch Ideologie Einzug in alle Lager.

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Warum ich kein Vegetarier bin

Seit Marx‘ Zeiten hat vielleicht kein philosophisches Werk unser tatsächliches Leben derart geformt wie Peter Singers „Animal Liberation“ und kaum ein literarisches Werk dürfte die Gesellschaft bis in die Gesetzgebung hinein praktisch so geprägt haben wie Upton Sinclairs „The Jungle“. Beide Bücher wurden zur „materiellen Gewalt“ und beide behandeln unseren Umgang mit den Tieren. Das ist kein Zufall!

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Geteiltes Leid ist doppeltes Leid

Man entsinnt sich sicher der Geschichte der Katze, die fast verhungert bei uns auf der Terrasse lag. Die Geschichte ging weiter und hat nun ein Ende, wie es jede Geschichte haben muß und auch nur haben kann.

Trotzdem kann man etwas daraus lernen, sogar vieles. Vor allem, wenn man sie mit anderen Geschichten vergleicht.

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Der Deutschen Sorgen

„Am kommenden Mittwoch“, verkündete Michael Klonovsky auf seinem Blog, „werden Vera Lengsfeld, Henryk Broder, Alexander Wendt und ich dem Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Bundestags die zur Petition umgewandelte ‚Gemeinsame Erklärung 2018‘ übergeben“.

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Die Katze

Als wir in Ungarn ankamen, haben wir die Katze der Vorgängerin übernommen. Kein Problem – wir sind Katzenliebhaber und der kleine schwarze „Kormos“ (der Rußige) hat sich schnell angepaßt.

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Tod eines Papageien

Seit Ende August flatterte ein grüner Papagei in der Gegend herum. Ausgebüxt. Anfangs bemühten sich ein paar Kinder, ihn einzufangen, doch ohne Erfolg. Dann versuchten wir uns. Mit Netz, mit Anfüttern, mit zärtlichen Gesprächen, schließlich beschallte ich sogar die Gegend mit einer Tonaufnahme seiner wilden Artgenossen. Sie stammen aus dem Amazonas – er zeigte kein Interesse.

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Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: heute vor 20 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Die Welt von gestern

Kurt Droffe, geschätzter Leser und Kommentator dieses Blogs, empfahl vor einigen Monaten eine mehrbändige Reisebeschreibung durch Mittel- und Südosteuropa. Ein junger Engländer, noch keine 20 Jahre alt, durchwanderte 1934 entlang der großen Flüsse Rhein und Donau den halben Kontinent und beschreibt diese unglaubliche Reise ein halbes Jahrhundert später.

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Auf den Hund gekommen

„Man muss erst lassen können, um gelassen zu sein.“ Meister Eckhart

Was die linkspopulistische „Huffington Post“ uns in letzter Zeit als Aufklärung und Friedensangebot präsentiert, gibt uns in Wirklichkeit einen Vorgeschmack dafür, was bald kommen wird. Wie lebt man mit Muslimen zusammen, ohne sie zu beleidigen und zu verletzen. Zum Beispiel mit Hunden.

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ISIS verstehen I

Was den einen der „Playboy“ ist den anderen das IS-Magazin „Dabiq“. Beide Zeitschriften haben einiges gemeinsam: Mit hoher ästhetischer Perfektion wird der Zeitgeist eines Milieus eingefangen und beide lieben Oben-Ohne-Bilder. Die einen ohne BH und die anderen ohne Kopf. Wie dem auch sei, beide Magazine lohnen die Lektüre. Zwar: kennt man eines, kennt man alle, aber eines sollte man eben kennen. Warum nicht Nummer 15 – die neue „Dabiq“ ist da!

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Der Araber von morgen …

… ist der Titel eines Comic-Doppelbandes, der gerade in ganz Europa Furore macht. Darin beschreibt Riad Sattouf, ein syrisch-französischer Karikaturist, sensibel und hintergründig seine Kindheit in Libyen, Frankreich, vor allem aber in Syrien. Es ist ihm ein selten eindrücklicher Einblick in eine einst ferne und nun sehr nahe Welt gelungen, die kennenzulernen den meisten unter uns wohl nicht erspart bleibt. An ihrer Authentizität ist nicht zu zweifeln.

zum Glück kein Jude © Riad Sattouf/Knaus Verlag

zum Glück kein Jude © Riad Sattouf/Knaus Verlag

Auf schier magische Weise gelingt es dem Künstler, sich den Blick des kleinen Kindes zu bewahren. Es sieht oft das Nebensächliche, Kleine, Individuelle und (miß)interpretiert es in den ihm zur Verfügung stehenden Kategorien, aber gerade dadurch wird das Allgemeine unverhofft sichtbar. Was Sattouf, dem man die Liebe zu seiner Heimat durchaus anmerkt, leisten will, ist wohl dieses: dem Westen jene Menschen vorzustellen, mit denen dieser jetzt konfrontiert ist. Das läßt sich selbstredend nicht unmittelbar ins Subjektive übersetzen, doch zeigt er eine Erziehung auf, die zwangsläufig Menschen formt. Seine extraordinäre Position – halb Franzose und zudem strohblond gewesen zu sein – ermöglicht ihm einen paradox distanzierten Nahblick. (Aus meinen eigenen Begegnungen mit vielen Syrern und deren Geschichte(n) bestätigt und erklärt sich vieles, manches relativiert sich auch.)

Sattoufs Vater, ein in Frankreich zum Doktor studierter Syrer, nimmt Frau und Kind mit in die Heimat. Er ist die dominierende Figur. Die Mutter existiert und leidet nur im Hintergrund, muß sich der patriarchalen Kultur vollkommen unterwerfen. Gegensätzlicher kann man sich einen Vater nicht vorstellen. Sobald er arabischen Boden betritt, wird er eine andere Person. Gerade eben noch ein säkularer Mensch, verfällt er nun in die rituellen religiösen und patriarchalen Rituale. Alles wird zur Fassade. Rationalisierung und Selbstbetrug sind konstitutionelle Eigenschaften, ohne die man in einer wertumgewandten Welt nicht zurecht kommen kann. Einerseits sinkt er der eigenen Mutter wie ein kleines Kind in den Schoß und küßt ihr die Füße, andererseits überläßt er alle Erziehungsarbeit der eigenen Frau, wird plötzlich aber zum Angsthasen, wenn dieser einmal der Geduldsfaden reißt.

Bei seinen arabischen Verwandten beobachtet das Kind eine tief eingeprägte Bigotterie. Vorsichtig wird die Welt nach Gefahren permanent abgescannt, man beäugt sich und reagiert je nach Status. Die Großmutter etwa bekommt diesen starren Blick nach innen, sobald sie sich beobachtet fühlt – jener Blick, den streng islamisch sozialisierte fast Frauen alle eingeübt haben.

Es ist, in Stichworten, eine Welt der geistigen Enge, der Autorität und Autoritätsgläubigkeit, des Scheins und des Erscheinen-Wollens, der permanenten Gewalt und Brutalität den Menschen, Kindern und Tieren gegenüber, eine Männer- und Väterwelt, frauenverachtend, fest strukturiert, voller Intrigen, Vetternwirtschaft, Korruption, unübertretbarer Regeln und Hierarchien, eine Welt der Angst, der Verstellung und der Lüge, in der man ununterbrochen kämpfen muß und in der jeder Moment der Unaufmerksamkeit grausam bestraft werden kann. In ihr spielt die „Ehre“ der Familie eine überbordende Rolle – bis hin zum Ehrenmord. Schläge sind das täglich Brot, sei es in der Schule, unter den Kameraden oder seien es die verbalen Nackenschläge, die jeden erwarten, der einen Moment der Schwäche zeigt. Es gibt einen Waffenkult und der krudeste Antisemitismus ist allgegenwärtig. Der kleine Sattouf leidet ob seiner hellen Haare selbst unter der antijüdischen Verfolgung. Letztlich ist es eine Welt der Dummheit und des Aberglaubens, zu dem ein Volksislam unter politischer Repression verkommen ist. Hitzige Temperamente wechseln in Sekundenbruchteilen von sadistischen Machtspielen und hündischer Unterwürfigkeit, wenn es die Situation verlangt. Man kriecht und buckelt einerseits, tritt und verleumdet andererseits. …

Eine Kindheit in der Hölle? So könnte man meinen. Aber Sattouf ist nicht so eindimensional. Er selbst ist in seiner liebevollen Art ein Beispiel dafür, daß Erziehung viele Resultate zeitigen kann. Aber er warnt uns auch vor einer Generation an Einwanderern, die Resultat solcher edukativen Prozesse sein könnten. Oft sprechen die subtilen Bilder, denen man sich lange hingeben kann, eine deutlichere Sprache als das geschriebene Wort.

In der deutschen Presse wurden die beiden Bände euphorisch besprochen – doch kein Rezensent hat es gewagt, die offensichtlichen Schlüsse zu ziehen. Stattdessen ist man sich einig, Sattoufs Meisterwerk würde dazu beitragen, die „syrische Krise“ besser verstehen zu können und es bestätige den soziologischen Ansatz, daß Armut, Schmutz und Dreck gesellschaftliche Strukturen verfestige. Das stimmt – doch leuchtet dieses überraschende Werk weit tiefer: es erhellt die arabische Seele, den Araber von morgen, der nun auch der Araber – unter uns – von heute ist.

Lesen!

© Sattouf/Knaus

© Sattouf/Knaus