Viro-Logisches II

Ursula von der Leyen beschwört die Europäische Union und tadelt jene Nationalstaaten, die souveräne Entscheidungen fällen. Tatsächlich bestätigt die Corona-Krise die Macht des Egoismus, nicht nur an den Verkaufsregalen, sondern auch auf nationaler Ebene. Die Nation zeigt sich nun als das, was sie ist: primär. Die nationale Frage ist – wie Bahro feststellte – „eine objektive Realität von tieferen Gründen als die Klassenfrage“. Nicht Klassen und Schichten finden in der Not zueinander, sondern die Nation. Entitäten wie ein die Nationen negierendes Ideal einer Europäischen Gemeinschaft, in der das Eigenartige nivelliert wird, entpuppen sich plötzlich als Konstrukte, sie sind noch nicht mal „eine objektive Realität“. Umgekehrt bedeutet das: Länder, in denen das Nationalgefühl – und also das Zusammengehörigkeitsgefühl –  systemisch gestört und zerstört wurde, werden derartige Krisen schlechter überstehen können, als mythisch geeinte Länder. Dort, wo sich ein Volk im Selbstverständnis gebildet hat, wird man gemeinsam handeln und auch leiden, sich opfern können; in einer parzellierten Gesellschaft dürften sich die Teile irgendwann gegeneinander wenden.

Weiterlesen

Gesetz des Konservatismus

Ein Gedanke

Menschen sind von Natur aus konservativ – werden sie progressiv, spielt ihnen der Kopf einen Streich.

Es gibt ein natürliches Verlangen nach Sicherheit und die stellt sich dann ein, wenn das Gewohnte sich hält, wenn Erwartungen bestätigt werden, wenn heute und morgen sich gleichen.

Weiterlesen

Hohepriester des Irrelevanten

Zum Tode George Steiners (23.4.1929 – 3.2.2020)

Warum soll ein großer Denker auch intelligent sein? Das ist eine schwierige Frage. (George Steiner)

Steiner gehört zu den ganz wenigen Autoren und Denkern, denen man sich aus ganz verschiedenen Richtungen nähern kann – vor allem von der Seite. Man hätte ihm literaturtheoretisch oder linguistisch oder kulturkritisch oder historisch begegnen können – das wären die Hauptstraßen gewesen –; meine Konfrontation mit ihm geschah jedoch über Nebenpfade, über die Fundamentalontologie und über das Schach.

Weiterlesen

Die mit dem ewigen Feuer spielen

Plötzlich wurde ich alt, steinalt. Ein Blick in den Spiegel, ein graues, fahles Gesicht, zerfurcht, überlebt, verbraucht.

Es waren Worte – was sonst? –, die mich ergrauen ließen, Worte eines Gleichaltrigen, der dennoch einer ganz anderen Generation, einer völlig anderen Welt zugehört.

Weiterlesen

Der Großmeister der Melancholie

Heute vor 30 Jahren starb – von eigener Hand – der große ungarische und europäische Autor, der Großmeister der Melancholie, Sándor Márai im Alter von 88 Jahren. Neben seinen zahlreichen Romanen schuf er als einer der wenigen ein umfängliches Tagebuch von bleibendem künstlerischen und historischen Rang. Ihm verdanken viele Leser unvergeßliche Stunden.

In letzter Zeit ertappe ich mich immer öfter – spät in der Dunkelheit, wenn die Welt schläft und nur die Marder sich weit nach Mitternacht mit aufgeregten Schreien durch die Gassen jagen –, wie ich beim zweiten Glas des rubinroten „Primitivo“, der die Zunge ein wenig pelzig macht, im gelben Lichtkegel der Leselampe gedankenverloren im gigantischen Großwörterbuch, dem Magyar-Német Nagyszótár blättere – es gibt nichts Vergleichbares auf dem deutschen Markt – und mit selbstvergessenem Lächeln wundersame ungarische Wörter kaue und leise vor mich hin spreche, um ihr Geheimnis zu erlauschen.

Weiterlesen

Vegetarismus – Pro und Contra I

Antwort auf die Kritiken zu „Warum ich kein Vegetarier bin

Ernährungsfragen polarisieren, allein schon, weil sie mit Gewohnheiten und Traditionen, letztlich also auch Identität, zu tun haben. Wenn einem das Problematische der eigenen gewohnten Ernährung bewußt gemacht wird, reagiert der Mensch in der Regel mit Ablehnung. In heutigen Zeiten steht ihm zudem das bewährte Mittel der ideologischen Vorhaltung zur Verfügung. So kommt es, daß auch Ernährungsfragen entlang des politisch-ideologischen Risses diskutiert werden. Es gibt eine gewisse Tendenz: als Rechter hat man nicht nur Masseneinwanderung abzulehnen, sondern auch menschengemachten Klimawandel, Impfpflicht, Fleischverzicht, Evolution, sechs Mio., Bienensterben, Dekonstruktion, Dieselverzicht etc. … tut man es nicht, gilt man als links. Umgekehrt funktioniert das genauso. So hält die Idiotie durch Ideologie Einzug in alle Lager.

Weiterlesen

Klassiker des Vegetarismus

Der Artikel „Warum ich kein Vegetarier bin“ wurde für eine Zeitschrift geschrieben. Dort wurde mir mitgeteilt, daß momentan „der Impuls fehle“, das ins Heft zu bringen. Das schien mir einleuchtend, bin ich mir doch der Unzulänglichkeit des Artikels bewußt. Es ist ein denkerischer Weg – ich bin noch nicht am Ende.

Die Zeitschrift unterlegt ihre Artikel mit signifikanten Randzitaten. Hiermit präsentiere ich in willkürlicher Reihenfolge die von mir vorgeschlagenen Zitate.

Weiterlesen