Pál Telekis historische Tat

„At the Conference table we shall place a chair for Count Paul Teleki. That empty chair will remind all who are there that the Hungarian nation had a Prime Minister who sacrificed himself for that very truth for which we too are fighting.“ Churchill

Vielleicht kann man Geschichte mit einem beweglichen Knoten vergleichen, der sich anhand des Zeitstrahls fortbewegt, in sich verschiedene Stränge vereint und immer neue aufnimmt, aber auch jederzeit geöffnet werden kann. Jeder historische Augenblick vereint dialektisch alle drei Elemente – Verstrickung, Bewegung, Lösung – in sich, aber es gibt Zeitpunkte, in denen ein Element für das Auge des historischen Betrachters dominant und sichtbar wird. Dort kann man viel über Geschichte lernen, über den Kairos und die Folgen, wenn er verpaßt wird, aber selbstverständlich auch über die Unmöglichkeit Geschichte im je eigenen Sinne erfolgreich schreiben zu können.

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Nietzsches Ungarn, Nietzsches Petőfi

PDF: Nietzsches Ungarn, Nietzsches Petőfi

Daß Nietzsche sich zu Ende seines schöpferischen Lebens gern als Nachfahre von polnischen Edelleuten ausgab, ist Nietzschelesern wohl bekannt. An der Geschichte ist nach allem Wissen nichts dran und man fand auch keinen genealogischen Grund, weshalb der Überphilosoph diese Selbstbeschreibung wählte.

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Petőfis Fluch

PDF: Petőfis Fluch

Ganz anders als Sándor Petőfis Leben begann das von Mór Jókai und es endete auch vollkommen ungleich, obwohl beide in der entscheidenden Phase ihres Lebens Seit an Seit standen.

Jókai wurde 1825 in eine adlige Familie hineingeboren, die seiner Bildung große Aufmerksamkeit widmete. Er starb 1904 als einer der größten und mit Sicherheit produktivsten Schriftsteller Ungarns in einer vollkommen anderen Welt. Petőfi war im Zuge der ersten großen gesellschaftlichen Umwälzung gefallen, Jókai durchlebte mehrere dramatische historische Wechsel und den Einzug der Moderne im Ungarnlande.

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Petőfi und die permanente Revolution

PDF: Petőfi und die permanente Rvolution

Am 31. Juli 1849 fiel Ungarns Nationaldichter Sándor Petőfi in der Schlacht von Segesvár. Das wird gemeinhin als ein trauriges Ereignis rezipiert, tatsächlich aber könnte es ein großes historisches Glück für beide gewesen sein: für Ungarn und für den Dichter.

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Geständnis und Aufklärung

 Albert Wass: Die Landnahme der Ratten

Nun muß ich etwas gestehen – es handelte sich gestern nicht um eines meiner Märchen, der Text wurde von Albert Wass verfaßt. Daß ich diesem lange vergessenen und unterdrückten ungarischen Autor in Zukunft besondere Aufmerksamkeit widmen werde, hatte ich an anderer Stelle bekannt gegeben.

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Wie Gott in Ungarn

Man kann in Ungarn sehr gut schlecht essen!

Die magyarische Küche ist kompromißlos und direkt, sie lehnt alle komplizierte Verfeinerung à la française und alle Leichtigkeit der cucina italiana ab. Ihre Hauptingredienzien sind Fett, Salz, Zucker, Alkohol und Paprika. Die Ungarn zahlen dafür einen hohen Preis – ein deutlich niedrigeres durchschnittliches Lebensalter – aber sie heimsen dafür auch einen großen Gewinn ein: puren Genuß!

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Die Heimat der Ungarn

Ungarische Freunde wollen nach Griechenland reisen, es entsteht die Diskussion um die Corona-Risiken. Ich schlage ihnen vor – das war gleich als Einladung gedacht – ihre Aufmerksamkeit auch mal gen Norden zu lenken, zum Beispiel ins Vogtland. Wir haben alles, sage ich, Berge, Wald, Seen. Darauf antwortet er – und wir müssen lachen -: És Duna is van? Und eine Donau gibt es dort auch?

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Märchenland für alle?

Wie weit Ungarn Deutschland geistig hinterherhinkt, wie es seelisch ganz anders verfaßt ist, kann man exemplarisch an einem kleineren, gerade ablaufenden Skandal anläßlich eines Kinderbuches erkennen.

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Lynx

Die antiungarische Rhetorik in unserer Presse ist nur mit der Anti-Trump-Kampagne zu vergleichen. Daß sie wirkt, erfahre ich immer wieder selber, wenn deutsche Gesprächspartner fragen, wie wir es in dieser „Hölle“ aushalten würden.

Doch hinter den Kulissen laufen ganz andere Prozesse ab. Während deutsche Politikerinnen Ungarn immer wieder an den Pranger stellen, fahren sie zugleich nach Budapest, um dort lukrative Waffendeals abzuwickeln. In einem aufsehenerregenden Geschäft hat der ungarische Staat nun zum Durchbruch eines neuen deutschen Waffensystems verholfen: Lynx.

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Der schwarze Ritter im Interview

Viele Leute kennen Götz Kubitscheks Namen und wissen, was sie über ihn zu denken haben, aber deutlich weniger Menschen wissen tatsächlich, was und wie er denkt. Denn gemessen daran, daß er als der spiritus rector der Schnellrodaer Neuen Rechten gilt – die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft werden – sind seine Wortmeldungen überschaubar und widmen sich meist nur dem Grundsätzlichen.

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Wass – Schund oder Kunst?

Als wir vor vier Jahren in Ungarn ankamen, fragte ich überall, was man denn kennen, was man lesen müsse, um dieses Land zu begreifen. Dabei fiel immer wieder ein Name, der mir vollkommen unbekannt war. In meinem Regal gab es zwar eine bescheidene ungarische Sektion, aber sie bestand vornehmlich aus den üblichen Klassikern wie Márai, Kertész, Szerb und Szép, daneben ein paar Moderne wie Nádas und natürlich die üblichen realsozialistischen DDR-Bestände. Immerhin waren unter den DDR-Ausgaben auch Petőfi, Jókai, Móricz und Kosztolyáni, die bis heute als die bedeutendsten Ungarn gelten. Gelesen hatte ich nur Weniges und auch davon das meiste vergessen.

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Die Vielfalt der Menschen

Dieser Tage fragte ich einen Bekannten, wie er sich hier in Ungarn denn so fühle, nach einem Jahr etwa.

Ja, es sei ganz nett und interessant. Nur der Mangel an Demokratie störe ihn. Immer nur Orbán und keine Gegenstimme, keine Meinungsfreiheit.

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100 Jahre Trianon

Der Abschluß dieses folgenschweren „Friedensvertrages“ jährt sich heute zum hundertsten Mal; er markiert zugleich das einschneidendste und tragischste historische Ereignis in einer für die Ungarn ereignisreichen und leidvollen Geschichte.

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1. Weltbürgertum und Globalisierung

Heute fragte mich ein ungarischer Freund, ob ich nicht auch Weltbürger sei? Sein Sohn war zu Gast, nebst Familie. Die lebt nun in Spanien, hatte zuvor lange Jahre in der Schweiz gewohnt. Die Enkeltochter, um die 12 Jahre, mit der ich ein paar Worte sprechen konnte – auf Deutsch – nannte Englisch ihre bevorzugte Sprache. Die Muttersprache beider Eltern ist freilich Ungarisch, in Zürich lernte sie Deutsch als Umgangssprache und Schweizerisch als Lebensgefühl, und nun erlernt sie an einer englischen Schule in Spanien auch Französisch. Und Spanisch nebenbei auf der Straße.

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Vorurteile retten!

Ich hatte mich verkalkuliert – mit meiner Blase. Unmittelbar vor der Grenzkontrolle in Nickelsdorf drückt sie unangenehm im langen Stau. Man ist auch ein wenig aufgeregt, weiß ja nicht, was einen am Schlagbaum in diesen panischen Stunden erwartet. Also fahren wir an der Raststätte raus und parken unmittelbar hinter der Tankstelle.

Genau an dieser Stelle hatten wir schon einmal ein paar interessante Erlebnisse.  Es weht ein genius loci über diesem Ort.

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An der Grenze

Puh, das war knapp! Hals über Kopf haben wir Deutschland verlassen, um wieder nach Ungarn zu kommen. Überall machten die Länder dicht, auch die Ungarn hatten begonnen, an den Übergängen zu kontrollieren, jeden Moment konnte gänzlich Schluß sein.

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Stuhlweißenburg

Bevor man nach Székesfehérvár reist, sollte man eine halbe Stunde in Zungenübungen investieren und lernen, den Namen der Stadt akkurat auszusprechen. Jeder Akzent muß sitzen! Andernfalls riskiert man, von jedem Ungarn mit dem man spricht, eine phonetische Lektion zu erhalten. Im phonetischen Alphabet sieht das so aus:ˈseːkɛʃfɛheːrvaːr – die deutsche Transkription vielleicht so: ßeehkeschfäheehrvaahr.

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