Denkanstöße – Sloterdijk III

„Das Konservative, der Rechte: Sie sind ein wenig bestätigt und haben noch nichts gewonnen. Aber sie könnten erklären, warum es immer so ist, daß im Notfall handlungsfähige Größen zu handeln beginnen – nicht also ,die Menschheit‘ oder das mit allen Menschen verschwisterte Ich.“ (Götz Kubitschek)

„Die Hoffnung auf ein Lernen am Schlimmsten in letzter Minute läßt sich nur noch schwer von der Verzweiflung an der Möglichkeit des Lernens überhaupt unterscheiden.“

Über die Risiken des katastrophendidaktischen Denkens:

„Erst aus dem Scheitern dieser desperaten Lerntheorie wird plausibel, warum Alternativkulturen nur als Kultur der Panik möglich sein werden. Diese Anmerkungen liefern Kommentare zu der Frage, die jedem Zeitgenossen auf den Lippen liegt: was noch passieren muß, bevor etwas geschieht? Praktisch gewendet könnte das auch heißen: Welche Größenordnung müßte eine Katastrophe haben, ehe von ihr der erwartete allgemeine Erkenntnisblitz ausstrahlt? Von welchem Punkt an wären Katastrophen Evidenzgründe für radikale mentalitätsverwandelnde Einsichten? Wie schlimm muß es kommen, bevor es besser kommen kann? Muß es überhaupt schlecht kommen? Ist der unterstellte Zusammenhang zwischen Unglück und Einsicht gültig?“

„Es gibt offenbar kein quantitatives Maß, das als ,didaktisch‘ zureichende Größe des Unglücks angenommen werden könnte. Menschliche Bewußtseine besitzen auf vielfache Weise die Fähigkeit, gegen katastrophische Evidenz immun zu bleiben. Vermutlich hält sich die stumme Mehrheit immer außerhalb des Wirkungsradiuses großer Unglücke auf. In der Moderne kommt hinzu, daß die Bürger dieser Epoche ihre Zeit längst wieder als schicksalartiges Geschehen erfahren, das sich auf keinen vernünftigen Willen abbilden läßt. Der zweite Fatalismus, der allenthalben erwacht, gehört zu einem Bewußtsein, das merkt, wie sehr auch heute die Dinge anders kommen, als man denkt. Im übrigen haben die mächtigsten Gruppen der modernen Gesellschaften politisch, ideologisch, unternehmerisch und vital so viel in die gefährlichsten Mobilmachungstechniken investiert, daß selbst Unfälle größten Ausmaßes keine prinzipiellen Zweifel am Kurs und an der Gangart des zivilisatorischen Prozesses auslösen dürfen. Es gibt in diesen Kreisen massenhaft irreversibel auf Mobilmachung geeichte Mentalitäten, die im Bunker ihrer Reflexe jeder Erschütterung standhalten. An solchen Strukturen prallt die Evidenz der auch real anwesenden Katastrophe ab. Für sie findet die Offenbarung nicht statt. Zuletzt sind Bewußtseine härter als Tatsachen, und wer nicht hören wollte, als Hören noch möglich war, der wird sich auch gegen das Fühlen unempfindlich machen.“

„Mit der Frage nach der Lernfähigkeit der Gattung wird der kritische Punkt berührt: die Menschheit ist a priori lernbehindert, weil sie kein Subjekt ist, sondern ein Aggregat. Wenn wir von ,der Menschheit‘ reden, so bilden wir einen Allgemeinbegriff, der nur als allegorisches Subjekt durch spekulative Sätze geistern kann – Sätze, von denen das Zeitalter der Aufklärung einen sorglosen Gebrauch gemacht hatte. Was heute als Krise des aufklärerischen Universalismus erscheint, ist in der Sache der Übergang vom Stadium der humanistischen Gattungsallegorien  in das einer harten Ökologie lokaler Intelligenzen. Diese Ökologie beginnt erst nach vollzogener Einsicht, daß die Menschheit kein Ich hat, keine intellektuelle Kohärenz, kein zuverlässiges Wachheitsorgan, keine lernfähige Reflexivität, kein identitätsstiftendes gemeinsames Gedächtnis.

Darum kann die Menschheit nicht klüger sein, als ein einzelner Mensch – ja, sie kann als ganze nicht einmal so klug werden wie ein Individuum, das am eigenen Leib gelernt hat. Das Aggregat, das wir Menschheit nennen, hat keinen eigenen Leib, an dem es etwas lernen könnte, wohl aber einen fremden Leib, ihren Wohnort, die Erde, die nicht klug wird, sondern sich in eine Wüste verwandelt. An diesem Tatbestand scheitert das klassische Modell des Lernens aus Schaden. Alle künftigen Lernprozesse auf Gattungsebene werden von einem fast unlösbaren Transmissionsproblem belastet sein – der Frage, wie sich erworbene und verkörperte Intelligenz von klug Gewordenen auf Unkluge übertragen läßt, allgemeiner gesprochen, wie sich individuierte Einsichten in soziale Institutionen und technische Systeme einbauen lassen. Nur Individuen können weise sein, Institutionen sind im günstigsten Fall gut konzipiert.“

„Nur wenn die Katastrophe ein Subjekt hat – man kann auch sagen einen Schuldigen –, ist es sinnvoll, sie als Stimulus für selbstkritisches Umlernen zu deuten. Damit nach Katastrophen ein Lernen möglich wird, ist ein Subjekt zu unterstellen, das die Katastrophe als die seine versteht und sie als eigene Tat auf sich bezieht. Nur ,begangene‘ Katastrophen können diesen Reflexionsbogen ausbilden, der den Täter auf dem Umweg über das Ereignis mit sich selbst konfrontiert. Nur die Katastrophe als Handlung erzeugt diesen Rückprall, der das scheinbar unpersönliche Unheil einem bestimmten Subjekt als seine bisher verborgene ,wahre Wirklichkeit‘ vor Augen stellt. Die Katastrophe verstehen heißt demnach, eine Art von ödipaler Ermittlung in Gang zu setzen.“

Quelle: Peter Sloterdijk: Eurotaoismus. Zur Kritik der politischen Kinetik. 1989

6 Gedanken zu “Denkanstöße – Sloterdijk III

  1. Aus dem Bauch heraus mag man ja geneigt sein, P.S. recht zu geben. Und nach dem Verlust einer nahestehenden Person durch Covid-19 habe ich ein ganz anderes, persönliches Verhältnis zu dem, was sich ereignet, bin sozusagen geläutert, habe die Katharsis individuell durchlebt – etwas was P.S. der Gesellschaft insgesamt abspricht. Aber es liegt auf der Hand, dass P.S. von Evolution nichts versteht, gefangen bleibt in der klassischen Philosophie, die so tut, als habe es die naturwissenschaftlichen Einsichten der letzten Jahrhunderte nicht gegeben – übrigens eine Problematik, die der Philosophie allgemein zu schaffen macht. Biologische Evolution ist auch immer nur ein Einzelereignis, eine lokale, individuelle Mutation, sozusagen „genetische Erfahrung“, die sich dann aber als resilient und durchsetzungsstark erweist. Die Mutante bringt irgendeine Eigenschaft mit, die sie befähigt, aktuelle und künftige Lebensumstände besser zu bewältigen, als andere Individuen. Irgendwann wird daraus eine Population, eine Spezies womöglich. Ähnlich verhält es sich mit der kulturellen Evolution. Sie existiert, nicht als Massenbewegung, aber als Agens, das die Gesellschaften in Bewegung hält. Das Schöne daran: man muss nicht einmal genetisch programmiert sein, um mitzuwirken. Jeder kann sich einbringen, Erfolg ist freilich nicht garantiert. Das statische Weltbild von P.S. das das Geschehen menschlicher Gesellschaften quasi im ewigen Rundlauf denkt ist ein perspektivischer Irrtum: die Kreise sind eigentlich Spiralen. Er betrachtet die Dinge zweidimensional, doch die Erde ist eben keine Scheibe mehr.

    Seidwalk: Danke! Endlich eine überlegene Intelligenz, die den bedeutendsten Denker der Jetztzeit – dafür hielt ich ihn bis soeben – auf dem Bierdeckel erledigt und mich heilt.

    Liken

    • Pérégrinateur schreibt:

      @Seidwalk: Jetzt bemühen SIe aber das Autoritätsargument. Soll ich vielleicht auch mal? (Erborgt von einem Freund mit hoher Stellung in der Wissenschaft.) „Poona-Jugend, nicht mal ein angesehener Lehrstuhl der Philosophie, sondern Fernsehauftritte und dazu Philosoph an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, was ist denn das?“

      Seidwalk: Na klar bemühe ich das Autoritätsargument. Was ist dagegen einzuwenden – bei einer Autorität?

      Man muß Sloterdijks Art zu Sprechen, zu Schreiben, zu Denken nicht mögen – viele hassen es offensichtlich -, man muß auch nicht mit seinen Argumentationen übereinstimmen – das tue ich oft auch nicht – aber wer ihm vorwirft, von der Evolution keine Ahnung zu haben, in der klassischen Philosophie stecken zu bleiben und zweidimensional zu denken, ist ganz einfach mit einer überwältigenden Ahnungslosigkeit gesegnet, kennt also das Werk nicht oder aber ist einfach nur dreist und will – erneut – ein wenig herumtrollen. So etwas löst bei mir allergische Reaktionen aus und zwar weil ich mich sehr intensiv mit Sloterdijk geimpft habe, freiwillig und ganz bewußt. So viel traue ich mir nach 35 Jahren Arbeit an der Materie denn noch zu, einen großen Denker als solchen ausmachen zu können. Es wäre noch zu ertragen, wenn man mit konkreten Argumenten käme, vor allem, wenn man sich durch bisherige Darlegungen als kundig qualifiziert hätte …

      PS: Was nun Poona betrifft – hier sollte man sich mit Osho als Kopf ernsthaft auseinandersetzen und dann dazu Sloterdijks (leider zu wenige aber aussagekräftige) Äußerungen und lebensweltliche Einordnungen zu Rate ziehen.

      Auch was Karlsruhe betrifft: Daß er überhaupt Rektor wurde, war mir damals ein Rätsel, denn es widersprach seinem Denkhabitus. Aber erstens ist er von Akademia immer geschnitten worden – dort herrschten die Habermasianer etwa – und zweitens ließ sich in der Klein-Idylle ein seltenes Denkgelände aufbauen, wo man ganz konträr zum Mainstream arbeiten konnte: Man denke nur an Boris Groys, Peter Weibel, Bazon Brock etc. Zum weiteren Diskussionskreis gehören dort Safranski, Bruno Latour, Norbert Bolz, Slavoj Zizek, Thomas Macho, Heiner Mühlmann, Jan Assmann … und sogar mal Marc Jongen als Versprechung. Wenn das keine symphilosophische Elite, wenn das nicht ein lebenswichtiger frischer Wind in einer verknöcherten philosophischen Welt ist, dann muß ich leider passen.

      Wie wichtig dieser Kreis für mich gerade in den bedrängtesten Zeiten war, habe ich hier notiert: Gut zu wissen – ein Bekenntnis, das mich teuer zu stehen kam.

      Die Äußerung Ihres Freundes ist zuvörderst sehr altbackenes – man könnte sagen: autoritäres – Gerede an vollkommen untauglichen Kriterien ausgerichtet. Demnach wären Nietzsche, Heidegger, Spinoza, Marx, ja noch nicht mal Sokrates als ernsthafte Denker einzuschätzen – im Grunde genommen gäbe es dann gar keine Philosophie – sieht man mal von einer Handvoll Kants ab. Wir würden heute vielleicht das staubtrockene System eines Eduard von Hartmann oder eines Wilhelm Wundt studieren und von Nietzsche nie etwas gehört haben.



      Klaus D:
      Bazon Brock? Diesen Schwafler vor dem Herrn gibt’s immer noch (mit seiner tollen Haarlocke)?

      Liken

      • Pérégrinateur schreibt:

        Der Gerechtigkeit halber sei gesagt: Mein Freund ist viel weniger snobistisch, als er sich gibt, und Letzteres tut er wohl vor allem, um seine allzu ehrgeizlosen Studenten etwas anzustacheln, denen nach seinem Bekunden jede Provokation nur gut tue. Außerdem arbeitet er in einer exakten Wissenschaft, und da kommt so ein Tänzer wie Sloterdijk allemal quer.

        Ich gebe ihnen zu, dass Sloterdijk ein eigenständiger und einfallsreicher Kopf ist; letzteres aber für meinen Geschmack eher zu sehr, wenn er sich wieder mal auf seine Eisschollen-Hopspfade aus Wortassoziationen begibt.

        Der Sommer und Herbst 2015 war wirklich eine Stunde der Wahrheit, in der man sehr gut sehen konnte, wer selbst denkt und frei redet – und wer dagegen wie die Schafe naiv oder vorsichtig auf dem mit Bändern abgesperrten Viehtrieb ging. Man konnte da, leider zu selten, plötzlich Menschen schätzen lernen, von vielen derer man (oder zumindest ich) zuvor noch nie gehört hatte. Sloterdijk, der den Amtshilfe leistenden Berliner Kavalierstrategen zusammenfaltete, Safranski, der als einziger in der großen Öffentlichkeit etwas Vernünftiges zum kleinen Buch von Sieferle vorbrachte einige andere, auch „einfache“ Menschen.

        Mir widerfährt es heute sogar oft, dass ich Achtung vor stockkonservativen Pfarrern entwickle, von deren Dokrrinen ich ja gar nichts halte, einfach nur deshalb, weil es doch zumindest keine Waschlappen sind, die opportunistisch dem Zeitgeist folgen, bewegliche Ziele, die keinen intellektuellen Schuss Pulver wert sind.

        Es gibt eine Stelle irgendwo bei Nietzsche, wo er sich über Montaigne äußert und meint, der Gedanke, dass so ein Mensch auf Erden gewandelt ist, mache das Leben leichter.

        Ich habe damals nicht an meiner Ansicht gezweifelt, weil ich um mich herum lange nur die Gegenmeinung hörte. Wenn alle sagen, zwei und zwei sei fünf, werden sie für mich unbeachtlich. Alleine zu stehen tut nicht weh, jedenfalls sofern man nicht öhonomisch abhängig ist oder sonst Interessen hat, die einem gegenüber dem Interesse an der Wahrheit wichtiger dünken, wie etwa bei den allzu vielen Anschlussbedürftigen. Was soll man auch mit Menschen reden, die den Widerspruch zwischen den später im selben Äußerungskontext gefallenen Worten der Kanzlerin nicht bemerken, 2015 dürfe sich nicht wiederholen und sie habe damals alles richtig gemacht?

        Liken

      • „Der Kopierfehler zwischen den Generationen, gewollt und ungewollt, kommt dem Effekt gleich, den man nach Augustinus als die Erbsünde bezeichnete. Kopierfehler wiederholen und verstärken sich in der Folge – zunächst nur in der westlichen Welt, die vom 14. und 15. Jahrhundert als erste Zivilisation systematisch auf Neuerung ausgeht – so oft und so lange, bis das Kollektiv in seiner Mehrheit nur noch ein Aggregat aus Deserteuren aus dem älteren Herkommen darstellt – womit die Definition einer modernen »Gesellschaft« geboten wäre.“ Mutation heißt bei P.S. Kopierfehler.

        ————————-
        16:09 Uhr: Aus irgendeinem Grund wurde der halbe Kommentar verschluckt, ich versuche zu rekonstruieren: Der Begriff des Kopierfehlers ist technisch durchaus korrekt, wird aber von P.S. grundsätzlich negativ, als Entwicklung hin zu einem Verhängnis verstanden, als fehlerhaft eben. Er ignoriert bzw. argumentiert in den „Schrecklichen Kindern“ wortreich gegen mögliche positive Entwicklungen aus einer solchen Mutation. Wer den Kreis der „Sitte“ verlässt, fällt in den Strudel Hybris, der ihn fortreißt, so in etwas lässt sich seine Argumentation zusammenfassen.
        Um aus dem Blickwinkel des eben verstorbenen Mathematikers John H. Conway zu argumentieren: in P.S. Version des „Game of Life“ sind nur die „Stabilen Blöcke“ über die Zeit erfolgreich, die Möglichkeiten der „Raumgleiter“ oder „Absurd komplexen Raumschiffe“, die miteinander verschmelzen und ein stabiles Ganzes ergeben, ignoriert er. Und damit die Vielfalt und Möglichkeiten der Evolution. Er reiht sich willentlich in die Phalanx der Untergangspropheten ein, die, historisch betrachtet, noch nie recht hatten (aber immer einen guten Lebenunterhalt bestritten) und deren Spezialität stets darin bestand, nur winzige Ausschnitte des Ganzen zu betrachten, um sie in eine schlüssige Argumentation zu zwingen. Genau das ist eben anti-evolutionär – oder ahnungslos in Bezug auf die Evolution.

        Seidwalk:

        1. Es erschließt sich noch immer nicht, was das mit dem von mir zur Diskussion getippten Beitrag zu tun hat.

        2. Bringen Ihre Äußerungen zu „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ erneut den Beweis, daß sie des offenen Lesens – dieser Blog ist ja nun leider auch ein Archiv Lynxcher Leseunfähigkeit geworden – nicht mächtig sind, sondern offenbar nur anhand Ihrer persönlichen Voreingenommenheiten Texte zu entziffern versuchen. Alle Ihre wertenden Urteile über das Buch und über Sloterdijk sind kompletter Unsinn. Übrigens hatten Sie vor ein paar Wochen Ihn noch als von „intellektuell mehr Gewicht“ charakterisiert – je nachdem, wie man es eben braucht, Hauptsache immer dagegen.

        Erinnert mich an diese Szene:

        Sie bräuchten nur die letzten Zeilen fast aller Sloterdijk-Bücher zu lesen, um das Gerede vom Untergangspropheten zu widerlegen. Mir fehlen allerdings Zeit und Antrieb, mich mit Ihren gesammelten Absurditäten auseinanderzusetzen.

        Nur eine Frage: Warum sind Sie so besessen, hier unbedingt dauernd reinreden zu müssen? Sie kommen mir wie ein unerzogener Gast auf einer Gala vor, der – vielleicht betrunken oder mit einem „Klassendünkel“ ausgestattet – ständig obszöne Parolen in den Saal ruft und darauf wartet, vom Saaldienst entfernt zu werden, um dann behaupten zu können, man habe seine Meinung unterdrückt.

        @ Lynx: Ja, Sie haben recht: ich bin komplett unterbelichtet, profilneurotisch und des Lesens nicht mächtig. Dafür habe ich mich zwar professionell bislang ganz gut geschlagen aber das tut wiederum nichts zur Sache. Was bleibt ist meine unglaubliche Blödigkeit, der Herr möge mir verzeihen.

        Seidwalk: QED

        Liken

  2. Pérégrinateur schreibt:

    Dahinter steht immer noch das platonische Ideal des Philosophenkönigs, der dank seiner Weisheit einem Volk oder hier der ganzen Menschheit den rechten Weg weisen kann. Der Feldherr auf dem Hügel, dessen Hirngespinste und gelehrten Wortspiele durch Transmission der dummen Herde eingepflanzt werden müsste.

    „Nur Individuen können weise sein, Institutionen sind im günstigsten Fall gut konzipiert.“ – Das First Amendment ist weiser als alle in ihrem Alternativenradikalismus für aufgeblasene Gegenwartsprobleme gefangenen Philosophen und Jungcharismatikerinnen. Institutionen, solange sie noch nicht durch die im Ablauf der Zeit unvermeidliche Korruption ausgehebelt sind, können sicher wieser wirken (!) als jede Geburt eines einzelnen Kopfes, die gewöhnlich nur wenige Kilos auf die Waage bringt, wenn sie denn überhaupt abgewogen wird. Nicht aus jedem Haupte entspringt eine Pallas Athene.

    Das Prinzip der Evolution spricht auch nicht gerade dagegen, dass Gesellschaften und Kulturen, die es verbocken, dann eben auch untergehen können. DIe Erde aber und wohl auch andere Gesellschaften und Kulturen bleiben bestrehen. Man muss ja nicht unbedingt die Surpluspopulation der stur uneinsichtigen Kulturen aufnehmen, auf dass sich das Scheitern wie ein Ölfleck über die ganze Welt verbreite. Tut man es aber, geschieht es einem eben auch wieder recht.

    Denn zur Wüste wir die Erde nicht. In der Aufklärungszeit hätte man wohl eher die ungebändigte, nicht dem Menschen dienstbare Natur unter diesem Begriff gefasst. Hand aufs Herz, möchten Sie sich, außer vielleicht für ein paar Tage auf Südamerikaausflug, im schwülen Regenwald aufhalten, wo die Giftschlangen von den Bäumen hängen, einem die aufgescheuchten Vogelspinnen ins Gesicht springen und die Piranhas bei der Flussquerung an den Zehen säbeln?

    Der Wunsch nach der heilen Natur ist, recht besehen, meist nichts anderes als der Wunsch nach dem status quo ante der auch zuvor schon menschlich gestalteten Natur. (Bei mir in der Nähe gibt es aufgelassene Weinberge an Talhängen, die heute von „Naturschützern“ abgemäht werden, welche auch fleißig Heckenanflüge beseitigen und das sonst fatalerweise düngende Mähgut fortbringen, damit die an seltenen Arten reichen und deshalb „wertvollen“ Biotope erhalten werden. Der natürliche Bewuchs vor der Rodung bestand dort aus Eichen-, Buchen- und Eschenwäldern, aber die sind den Engagierten halt zu pofel.) Oder dieser Wunsch ist sogar nur Nostalgie nach einem Teilaspekt derselben, den man wegen um anderer, oft gewichtigerer Gründe wegen vorgenommener Veränderungen willen notwendig verloren hat. Von nichts kommt nichts und nur der Tod ist umsonst.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.