Aule Schwede Dans

Es vergeht kein Tag – daher ist die leidige Wiederholung kaum vermeidbar, sorry! –, es vergeht kein Tag, an dem sich die Pressehorde nicht an irgendeiner Aussage oder Geste Trumps oder deren Absenz abarbeitet. Das Wort „Horde“ wird hier ganz bewußt genutzt, denn die Synchronizität, das Schwarmverhalten, aber auch der aggressive Drive sind unübersehbar.

Es kann für dieses Verhalten – stark vereinfacht – nur zwei Erklärungen geben: entweder die Medienmeute hetzt oder Trump ist wirklich ein Idiot. Die Wahrheit liegt, wie fast immer, irgendwo dazwischen und ist eben nicht einfach. Der ἰδιώτης ist, darauf hat Sloterdijk verschiedentlich verwiesen (Sphären 1, 479ff.), erst in der modernen Bedeutung der Trottel – einst beschrieb das Wort einen Zurückgezogenen, der sich der politischen Querelen entzog. Immer wieder erstaunt Trump selbst, wenn er sich als politician bezeichnet: „I can’t believe I’m saying I’m a politician but I guess that’s what I am now.

Idiotie ist also eine ehrenwerte Sache – nur etwas befremdlich, wenn man amerikanischer Präsident ist. Zum Idioten im streng pathologischen Sinne wird er erst durch unsere Informationsorgane gemacht.

Nun also Schweden. „You‘re looking what’s happening last night in Sweden“, sagte Trump. Daraus macht die Presse “Trump erfindet Terror-Anschlag“ und einige sogar: „Schon wieder! Trump erfindet Terror-Anschlag“. Aber Trump hat eben nicht von einem Terroranschlag, schon gar nicht „wieder“, sondern über etwas, was letzte Nacht in Schweden passierte, gesprochen. Diese Aussage auf einen Terror-Anschlag zu beziehen, stellt sich auf die gleiche, die kritisierte Argumentationsstufe, denn natürlich war Trumps Aussage „unglücklich“ und ungelenk. Aber wäre die normale Reaktion nicht gewesen, zu fragen, was er gemeint haben könnte, anstatt sich einer globalen Hexenjagd anzuschließen und „Fake News zu brüllen und damit selber Fake News zu produzieren?

Aber man will nicht wissen, will nicht aufklären, man will Position beziehen und legt Trump gnadenlos unters Mikroskop und jede kleinste Falte wird zum Canyon aufgebauscht.

Mittlerweile wissen wir, was Trump gemeint hat: einen TV-Beitrag auf Fox über Schweden. Darin wird offenbar von Problemen mit der Einwanderung gesprochen. Allerdings nicht im Sinne der Willkommenskultur. Also nimmt man auch diesen Beitrag unter die Lupe und findet Fehler: eine Jahreszahl wurde verwechselt und überhaupt sei die Waffenkriminalität auf Sinkflug. Die exorbitant erhöhte Vergewaltigungsrate habe mit anderen Erfassungsmethoden zu tun und nicht mit unerzogenen jungen Männern …

Als kritischer Leser steht man perplex vor solch einer Situation. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, daß ein drastischer Bevölkerungswechsel zu Problemen der Art führen müßte. Jede Menge statistisches Material wurde uns geliefert, welches in diese Richtung deutet. Selbst Schwedenurlauber beschreiben, daß man insbesondere im Süden kaum noch das Auto parken könne, ohne Einbruch und Diebstahl zu gewärtigen. Spinnen wirklich alle?

Vielleicht hat der große Weltreisende Helge Schneider doch recht, wenn er aus Schweden ironisch berichtet: „Die Schwedinnen sind liebesgebefreudig“. Vielleicht wollen die das so? Und: „Das Schönste an Schweden ist die gastgeberische Heiligkeit. Für die ist es so eine Art Religion, wenn du kommst als Außenstehender, dann sagen die ‚Guten Tach‘ … Die Gastfreundschaft ist dort so groß, weil die wissen, daß der Weg dorthin sehr strapazierfähig ist.“

Schaut man sich aber die skandinavische Presse an, entsteht ein anderes Bild. Schon der Fox-Filmemacher berichtet dem ungläubigen Interviewer, wie großartig die Schweden in moralischer Überlegenheit sind und wie vergiftet die Atmosphäre für jeden Skeptiker ist.

Gerade hatte ein Facebook-Eintrag eines Polizisten zu landesweiten Diskussionen geführt. Peter Springare – ein Name, den man in deutschen Medien vergeblich sucht – machte seinem Frust Luft. Er habe jetzt die Schnauze voll, schreibt er. In dieser Woche habe er Vergewaltigung, Vergewaltigung, schwere Vergewaltigung, Überfall mit Vergewaltigung, Erpressung, Gewalt gegen die Polizei, Rauschgiftdelikte, Mordversuch, wieder Vergewaltigung etc. erlebt und die Täter hießen fast immer Mahmud, Mohammed, Ali, dazwischen ein Christoffer wegen Rauschgift und dann wieder Ali, Mohammed, Mohammed und so weiter.

Verzweifelter Polizist macht sich Luft- Facebookeintrag Peter Springare

Verzweifelter Polizist macht sich Luft- Facebookeintrag Peter Springare

Der Aufschrei war groß. Unterstützung auf der einen Seite, Beschimpfungen auf der anderen. Öffentlich wird er examiniert, auf welcher Seite er denn stehe. Natürlich könne er seine Meinung haben – klar. Meinungsfreiheit –, aber wenn du sie hast und äußerst, dann machen wir dich fertig. Psychisch, subtil, shitstorm, nicht juristisch, denn natürlich kannst du sagen, was du willst, schließlich Meinungsfreiheit.

Selbst die „Welt“ mußte letztes Jahr die restriktive Öffentlichkeitspolitik der schwedischen Polizei bemerken.

Eine ähnliche Situation hatten wir gerade im deutschen TV. Bei Sandra Maischberger waren sich drei Polizisten einig: es wird schlimmer und schlimmer und ein Großteil geht auf ausländische Täter. Sie liefen fast bildlich gegen den massiven Berg an Verleugnung und Spitzfindigkeit und Zynismus an, verkörpert durch den Wohlstandsmenschen Bundesgerichtshofvorsitzenden Thomas Fischer und das Rumpelstilzchen Christopher Lauer (Ex-Pirat und SPD). Fischer ist enorm intelligent und differenzierend, eine Eigenschaft, die ein Richter mitbringen sollte, nutzte seine Intelligenz, wie Lauer seine Statistiken, um nachzuweisen, daß es kein Problem geben kann und daß die Blumenhändlerin, die alle paar Wochen ausgeraubt – Fischer korrigiert: bestohlen – wird, sich eben arrangieren müsse und nicht verallgemeinern dürfe. Lauer bringt es sogar soweit zu sagen, daß die Kriminalitätsrate in Berlin sinke und man solle sich nicht so haben – auch bei ihm sei der Keller schon drei Mal aufgebrochen worden; na und, das melde er schon gar nicht mehr. So geht Statistik. …

 Zurück nach Schweden. Hat man in Deutschland die Prognose des Ökonomen Tino Sanandaji vernommen – Autor des Buches: „Moral Superpower. A book on immigration“ – der dem Land prognostiziert, daß die Schweden bereits 2025 zur ethnischen Minorität werden könnten, wenn die Zuwanderung in diesem Tempo fortgesetzt wird?

Hat man etwas von der Gruppenvergewaltigung einer geistig minderbemittelten Frau durch drei migrantische Teenager gehört, die alles live ins Internet gestreamt hatten?

Hat man etwas von den dutzenden Brandanschlägen in Nörrköping, einem „Problemviertel“ Malmös, gehört?

Wird man etwas über die Krawalle und Tumulte der letzten Nacht im „Problemviertel“ Rinkeby hören, über die Angriffe auf die Polizei, die in Brand gesetzten Autos, die Warnschüße? (Ergänzung 21.2., 23.00 Uhr: „Welt“ bringt es – mit dem Abschlußsatz: „Die Polizei ist in der Vergangenheit mehrfach für einen ungeschickten Umgang mit den Problemen in dem Viertel kritisiert worden“ – die Randalierer kommen davon …)

Nein, nur daß die Kriminalitätsrate sinke, die Erhebungsmethoden andere seien … Wo liegt die Wahrheit? Wahrscheinlich hat sie nur Helge Schneider:

Aule Schwede Aule. Dans Schwede Dans. Hollebolle


PS: Ein zauberhaftes Ereignis: fast auf die Minute genau stellt fauxelle ins Netz: Das Ereignis

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