Grenzwertig

Wenn man die frischen Bilder von der Grenze zum Gaza-Streifen sieht, dann kann einem das Herz bluten.

Man kann sich aber auch fragen, ob die zahlreichen Verletzten tatsächlich alle an israelischen Schußwunden leiden, wie man uns erzählen will. Wer sich die Bilder anschaut, der sieht grenzenloses Chaos auf der einen Seite, Mengen an umher laufenden, schreienden, gestikulierenden Menschen. Schwarze Rauchwolken steigen auf und verdecken die Sicht.

Davor und dahinter Menschenmassen. Eindeutig hinter den Rauchbarrikaden stehen junge Männer und werfen mit körperlangen Schlingen Steine in Richtung Grenze, Frauen versuchen sich mit traditionellen Steinwürfen. Es sollte nicht wundern, wenn viele dieser Geschosse ihr Ziel nicht erreichten, stattdessen in den Menschenhaufen vor ihnen einschlugen. Tatsächlich sieht man einen jungen Verletzten, der sich noch, während er abtransportiert wird, den Hinterkopf hält. Eine israelische Kugel hätte vermutlich schlimmeren Schaden angerichtet.

Goldene Ernte hinter dem Zaun, Chaos davor

Das Bild ist symptomatisch. Auf der einen Seite Chaos, Schutt, Dreck, Müll, Wüste, auf der anderen Prosperität und stille Präzision. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht fahren israelische Militärfährzeuge am Zaun entlang. Was mögen die Soldaten denken (wenn z.B. ganze Wellen junger Kämpfer auf sie zulaufen)?

Mich erinnert das an meine eigene Militärzeit. Drei Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht, verbringen müssen, ein hochsensibles militärisches Objekt in der DDR zu bewachen. Lebenslang zu verschweigen, worum es sich dabei handelt, hatte ich damals geschworen und auch wenn ich historisch auf der falschen Seite gestanden habe und die „Einheit“ diesen Schwur wohl juristisch entkräftet, behalte ich es für mich. Es war ein Hochsicherheitsobjekt, das die DDR auf vielen Ebenen verstecken wollte.

Darum gab es Zäune. Mehrere und in verschiedenen Bauweisen. Wir standen innen und bewachten den ersten Zaun.

Ein Zaun ist eine Grenze – wenn man viele Tage und Nächte daran entlangläuft, mitten im Wald, mitten in der Stille, dann lernt man das begreifen. Wir liefen zu zweit oder allein, je nach Abschnitt. Ich liebte besonders die Einzelwachen, die langen stillen Stunden in der Nacht, in denen die ganze Kunst darin bestand, sich selbst unsichtbar zu machen, um sehen und hören zu können. Ansonsten war der Kopf frei.

Anfangs waren die Geräusche des Waldes beunruhigend und beängstigend, aber die Erfahrung lehrte einen schnell zu unterscheiden.

Wir trugen eine AK 74, ein verbessertes Modell der Kalaschnikow, das gerade erst eingeführt wurde. Die Waffe war zielgenauer und in ihrer Wirkung verheerender als ihr Vorgänger. Dazu 90 Schuß in drei Magazinen, wovon eines in der Waffe steckte.

So stand man und bewachte eine Grenze, einen Zaun, ein sichtbares Zeichen – ob zu Recht oder Unrecht dort stehend, spielt keine Rolle –, daß es hier nicht weiter geht.

Hätte jemand diesen Zaun angegriffen oder gar überwunden, dann hätte ich handeln müssen. Und wer es dennoch täte, der muß um die Konsequenzen gewußt haben.

Dazu gab es eine fest eingeübte Routine. Zuerst wird der Eindringling angerufen: „Halt, stehen bleiben, wer da!“ Bleibt die Person stehen und gibt sich zu erkennen – z.B: „Wachhabender“ oder „Major X“ –, wird sie mit einer für jeden Wachgang neu ausgegebenen Parole befragt – in unserem Falle war das eine Rechenaufgabe: eine bekannte Zahl mußte mit der von mir gewählten richtig ergänzt werden …, was manchen Unteroffizier auf Kontrollgang in Schwierigkeiten gebracht hat.

Wäre die Person nicht stehen geblieben – man muß sich das auch bei düsterer Nacht mitten im Wald vorstellen –, dann folgt der Anruf: „Halt, stehen bleiben, oder ich schieße!“ Dabei wurde die Waffe gut hörbar entsichert und durchgeladen. Jetzt befand sich die erste Patrone im Fach und eine einzige Fingerbewegung hätte den Schuß oder die Salve ausgelöst. Nun blieb nur noch der Warnschuß und wenn der nicht zum Erfolg führte, dann der gezielte Schuß, wenn möglich nicht tödlich, aber niemand kann einen Feuerstoß wirklich kontrollieren.

Tatsächlich mußte ich diese Prozedur ein Mal ausführen. Wir waren in jener Nacht zu zweit als plötzlich Schritte hinter uns, also schon im „Objekt“, zu hören waren. Wir riefen die Person an, die blitzartig, ohne zu antworten, ohne einen Mucks von sich zu geben, stehen blieb. So ging es eine Weile: Schweigen auf beiden Seiten, nur unser Puls und Atem ging rasend schnell. Dann schlagartig erneut die Schritte und beschleunigt. Es war kaum zu unterscheiden, ob sie auf uns zu kamen oder sich von uns entfernten. Also rief ich, schrie ich mit rauer Stimme: „Halt, stehen bleiben, oder ich schieße!“ und wir luden beide die Gewehre durch. Da plötzlich änderten sich die Schritte in ein schnelles Galopp und wir begriffen, schweißgebadet und hellwach, daß es sich um ein Reh gehandelt haben muß, dessen Schritt dem menschlichen sehr ähnlich klingt, so wie auch die Füchsin mitunter schreckliche Menschenschreie von sich geben kann. Zum Glück haben wir nicht geschossen – es hätte großen Ärger bedeutet.

Aber eines ist klar: Wenn das ein Mensch gewesen wäre, wenn dort jemand über diese Grenze geklettert wäre und wenn alle Warnungen ignoriert worden wären, dann hätte ich geschossen! Und ich hätte mir danach vermutlich nicht das Hirn zermartert, denn das Vergehen, das Verbrechen, wäre der Übertritt gewesen. Und letztlich weiß niemand, ob so ein Einbruch nicht eine Aug-Aug-Situation ist.

Das ist jetzt über 30 Jahre her. Unsere Welt hat sich radikal geändert. Die Welt der Palästinenser, die ich damals noch unterstützte, scheint noch immer die gleiche zu sein. Die Bilder jedenfalls sind kaum von den alten zu unterscheiden.

Man kann zu diesem Konflikt politisch stehen, wie man will (und ich habe Verständnis für fast alle Positionen) – kulturell und zivilisatorisch zeigen uns diese immer gleichen Bilder jedoch, auf welcher Seite wir letztlich zu stehen haben.

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18 Gedanken zu “Grenzwertig

  1. Emil Kriemler schreibt:

    Mit Verlaub hält sich mein Mitleid in Grenzen, zumal offensichtlich ist, von wem die Agression ausgeht.
    Historisch sind die „Palästinenser“ nach 1945 nach Jordanien geflüchtet, vielfach freiwillig.
    Dort haben sie Anfangs der 70’er Jahre versucht, gegen König Hussein zu putschen, was allerdings schief ging weil er das vorher spitzgekriegt hatte und sie in den Libanon ungesiedelt sind.
    Allsdann hatten sie gegen Israel agiert und Aerger gemacht, was diese sich auch nicht gefallen liessen (Sabra und Schatila-Lager) worauf sie nach Lybien migriert sind, wo Muhammar Ghaddafi dafür sorgte, dass sie sich benommen haben, zumindest in Lybien, wenn auch nicht anderswo (z.B. Lockerbie)
    Den Libanon mit seiner zumeist christlichen, drusischen Bevölkerung muss man heute wohl als gescheiterten Staat ansehen.
    Das Problem ist an sich nicht das palästinensische Volk, sondern seine „Führer“, die diese Leute auf Hass gegen Israel konditionieren und sich dabei die Taschen füllen (obwohl, wenn man sich Frau Oezguz ansieht, Zweifel kommen könnten).
    Immerhin sind die Palästinenser die erste Gruppe, bei der der Flüchtlichsstatus erblich ist……

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Na, dann will ich mal den advocatus diaboli machen.

      Zunächst eine sachliche Korrektur. Meines Wissens hat nie irgend jemand die Palästinenser beschuldigt, für Lockerbie verantwortlich zu sein. Vielmehr wurde dies dem libyschen Staat vorgeworfen, der es dann zumindest pro forma eingestanden hat, um aus der Isolation herauszukommen. Schon dabei allerdings hat man zur Seite gesprochen, dass die Beschuldigung gar nicht stimme und man dies nur aus pragmatischen Gründen anerkenne. In der Presse konnte man übrigens von einem Schweizer Unternehmer lesen, der von Beweismanipulation im Zusammenhang mit einem zur Zündung verwendeten Wecker sprach. Wer weiß, was da wahr ist … ich weiß es jedenfalls nicht. Wenn man zu den „üblichen Verdächtigen“ gezählt wird, spielen übrigens die Fakten oft keine Rolle mehr, « si ce n’est toi, c’est donc ton frère ». Eine Assoziation, aus der sie entnehmen können, dass ich nicht zu den Gläubigen welcher Couleur auch immer gehöre.

      Aber nun zum eigentlichen Thema.

      Zur „vielfach freiwilligen Flucht“ um den israelischen Unabhängigkeitskrieg herum empfehle ich, sich in Sachen Plan Dalet(h) kundig zu machen. Das Thema wurde vom israelischen Historiker Benny Morris anhand von israelischen Archiven beforscht, er kam zu dem Schluss, es gebe zwar wohl keinen expliziten Befehl von Ben Gurion zur Vertreibung gegeben, aber er habe seinen Kommandeuren schon zu verstehen gegeben, was er von ihnen erwartete. Es gibt da ein berühmtes Interview, das er einem Ha’aretz-Journalisten gab. Morris war wegen seiner Ergebnisse, die gegen das nationale „Narrativ“ gingen, als Verräter verschrieen, er sagte in diesem Interview dann zu dessen nicht geringem Entsetzen dem Journalisten, er sei heute der Ansicht, man hätte am besten alle Palästinenser vertreiben sollen, denn die Juden hätten das größere Anrecht auf das Land und aus den (damals laufenden) Anschlägen könne man ja entnehmen, dass eine Versöhnung nicht möglich sei. Als der Journalist ihm dann eine Brücke zu einer irgendwie nichtabsichtlichen Vertreibung baute, lehnte er es ab, über sie zu gehen. Was er gefunden habe, habe er gefunden und Punktum. Offenbar ein redlicher und seriöser Mensch, dem die eigene Parteinahme nicht die Wahrnehmung und die rechte Interpretation des Geschehenen trübt; so etwas ist nicht allzu häufig.

      Was heute dort unten geschieht, ist natürlich nur die Fortsetzung der Ereignisse von 1947/48. Die UNO, damals vor der Dekolonialisierung im großen Stil noch von den westlichen Ländern dominiert (Indien und Pakistan waren schon unabhängig und sprachen sich gegen den Teilungsplan aus, man hatte dort eben keine Ahnung, was Befreiung von Kolonialismus ist), hatte jüdische DPs in Mitteleuropa befragt, ob sie nach Palästina wollten, war aber nie auf die Idee gekommen, etwa die autochthonen Araber zu dieser Frage der Immigration von Juden Stellung nehmen zu lassen; ein bisschen wie Frau Merkel heute, finden Sie nicht?. Es gab dann einen Teilungsplan, und die Israelis eroberten dann noch einen Großteil des für die Araber vorgesehenen Gebietes. (Vielleicht war der Teilungsplan ja überhaupt nur moralische Schaufensterdekoration, und man dachte sich, die Israelis würden schon wissen, was sie zu tun hätten. Die Vorbilder des europäischen Siedlungskolonialismus sprachen ja für sich.) Ben Gurion meinte nämlich, man solle zustimmen, udn dann sehen, was sich daraus machen ließe. Ein bisschen wie die Haltung der Südeuropäer bei der Schaffung des Euro mit seinen „Stabilitätsregeln“, finden Sie nicht?. Die lokalen Araber hatten übrigens nie raumgreifende Operationen ausgeführt, sondern nur mit alten Flinten ihre Dörfer verteidigt. Die Israelis waren besser gerüstet, weil sie Waffen aus der Tschechoslowakei bekommen hatten. (Stalin wollte sichergehen, dass die Briten endlich aus der Ecke verschwinden, und die Kibbuzim schienen ihm wohl auch irgendwie vielversprechend kolchosisch) sowie besser ausgebildet, weil sie von den Briten während des arabischen Aufstands in der 30er Jahren als Hilfstruppen rekrutiert worden waren. Divide et impera, wie üblich.

      Heute haben wir es also mit einem arabischen Revanchismus zu tun. Die palästinensischen Araber von 1947 hatten es dagegen mit einem 2000-jährigen Revanchismus von zionistischen Juden zu tun. Stellen Sie sich vor, die Staatsgründung Israels hätte nicht im Nahen Osten stattgefunden, sondern sagen wir mal in Andalusien – schließlich gab es dort auch eine starke jüdische Präsenz, die sogar nur gut 500 Jahre her ist. (Das römische Palästina war übrigens auch nicht gerade exklusiv jüdisch besiedelt – wenn sie nichts objektiv-Historisches zu Hand haben, dann achten sie nur mal auf die Mühen, die sich der Evangelist Lukas macht, die Abkunft Jesu jüdisch aufzuhübschen – diese Galiläer galten für sehr fragwürdige Juden, dazu gab es in der Küstenebene andere Bevölkerung usw.) Glauben Sie, die Europäer oder insbesondere die Spanier hätten gegen einen solchen Staat heute nichts einzuwenden? Eine Zeitlang meinten die Zionisten ja auch, sie könnten in Ostafrika einen Staat bekommen (Uganda-Plan). Wenn das gelungen wäre, würde heute wohl stete Klage über den Antisemitismus der Kikuyu ertönen, deren barbarische Unmenschlichkeit man ja schon damals beim Mau-Mau-Aufstand gegen die Europäer gesehen habe … Übrigens fanden die Europäer die „historischen Rechte“ der Serben auf das Amselfeld weniger überzeugend. Sind halt wohl nicht alt genug. Dann finde ich allerdings, dass die historischen Rechte der Araber wie Juden auf Jerusalem gegenüber denen der Jebusiter zurückstehen müssten. Man muss halt nur klären, wer die legitimen Nachfolger der Jebusiter sind. Wenn sie philistinischer Kultur wären, könnte es sogar sein, dass ich selbst als Indogermane die besseren Rechte auf Jerusalem hätte. Ich nähme sie gerne an und vertriebe dann daraus exklusiv nur die Pfaffen jeder Couleur mit ihrem allzeit auf das Wort des einzigen Gottes gegründetem Recht.

      Ich nehme an, Sie haben den Spott über dieses Legitimisierungsgeschwätz bemerkt. Es ist in der Geschichte immer so, dass das Recht der stärkeren Gewalt folgt. Oder wie das Napoleon so schön sagte, der etwas davon verstand: „Gott ist immer auf Seiten der stärkeren Bataillone“. Das wären dann derzeit die Israelis. Allerdings mit einem Vorbehalt, den diesmal Napoleons Mutter schön formuliert hat: „Vorausgesetzt, dass es anhält“.

      Bei diesem Konflikt geht es nämlich für beide Seiten um die ganze Wurst, und nur naive Europäer mit ihrer Vorstellung einer Welt-Rechtsordnung bemerken das nicht. Die Israelis kolonisieren möglichst still und leise weiter. Vor Jahren, als Ha’aretz noch nicht hinter einer Bezahlschranke stand, konnte man ds dort schön verfolgen: Siedler gründen mal wieder drei outposts, einer oder zwei werden geräumt, der Rest hat nach wenigen Tagen Anschluss ans israelische Wasser- und Stromnetz, denn ein Rechtstaat kann ja schließlich so etwas nicht verhindern. Erinnert mich ein bisschen an die unzähligen Abschiebungshindernisse für selbst hier im Land, zu ihrem illegalen Grenzübertritt hinzu, gewaltkriminell gewordene „Flüchtlinge“.

      Glauben Sie, dass die Reislamisierung des arabischen Orients und seine Feindlichkeit gegenüber dem Westen gar nichts mit dessen Stellung im geschilderten Konflikt und seiner Politik gegenüber den dortigen Staaten zu tun hat? Die Menschen sehen die Dinge meistensteils aus der Perspektive der ihnen nahestehenden Opfer. Es gibt da eine schöne jüdische Anekdote aus dem Ersten Weltkrieg. Der jüngste Sohn einer jüdischen Mutter, ihr Liebling, wird zur zaristischen Armee eingezogen udn soll an die türkische Front, sie begleitet ihn zum Bahnhof:

      – „Hast du auch ein Taschentuch in der Hose?“
      – „Ja, Mama.“
      – „Lege immer deinen Schal um!“
      – „Ja, Mama.“
      – „Putz dir täglich die Zähne!“
      – „Ja, Mama.“
      – „Und überanstrenge dich ja nicht. Du schlägst also einen Türken tot. Dann ruhst du dich erst mal aus. Dann schlägst du wieder einen Türken tot. …“
      – „Weißt du Mama, so ein Türke könnte auch einmal mich totschlagen …“
      – „Wie?! Dich, meinen Schatz?! – Aber der hat doch gar keinen Grund dazu!“

      Felix qui potuit rerum cognoscere causas.

      ――――――――

      Meine unverstellt eigene Position zum Konflikt können Sie übrigens einer anderen Stellungnahme hier entnehmen. Sie ist fürchterlich unmoralisch, ich bin für unsere Abschottung. davon. Sollen sich die Völker hinten in der Türkei doch …

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      • Emil Kriemler schreibt:

        Besten Dank für Ihre ausführliche Antwort.
        Ja, bei Lockerbie war gerade Ghaddaffi als der alleine böse Terror-Förderer im Fokus.
        Es gibt jedoch mehr als genügend Anschläge unter palästinensischer Beteiligung/Führung:
        Olympische Spiele München 1972, Achille Lauro etc.
        Die RAF war übrigens auch mal vor Ort, zur Ausbildung.

        In Palästina waren und sind viele verschiedene Völker, richtig. Lt. Altem Testament müsste man nun noch die Kanaaniter ausfindig machen resp. wieder ausgraben und noch ein paar Völker mehr.
        M.W. gibt es auch heute noch viele Araber in Israel, auch in der Knesset. Entscheidend ist, sind sie bereit friedlich mit anderen zusammenzuleben und andere Werte zu akzeptieren, was durchaus auf viele Araber zutrifft.
        Die jüdische Geschichte ist etwa 5000 Jahre alt, wogegen der Islam auf ca. 1400 Jahre kommt.
        Seither hat er sich im nahen Osten, Indien, Nordafrika, Teilen von Afrika, Kleinasien, auf dem Balkan und auch in Tschetschenien, Kirgisien etc. ausgebreitet.

        Richtig, die Staatsgründung Israels war 1948, war mir gerade nicht so präsent.
        Allerdings hatten die umliegenden arabischen Staaten Israel den Krieg erklärt, nicht etwa umgekehrt.
        Lawrence von Arabien (offenbar vom britischen Geheimdienst eingesetzt) hatte den Auftrag den arabischen Aufstand gegen das osmanische Reich zu forcieren. Im Zuge des 1. Weltkriegs klappte das dann auch und Frankreich und England teilten das Gebiet unter sich auf.

        Es gäbe noch viel dazu zu schreiben und zu erörtern aber für mich zählt, wer will in Frieden leben und wer will dem/den anderen an die Kehle.
        Dass man Krawalle organisiert und sich danach als armes Opfer hinstellt, sorry!

        Wobei: leid tut mir das palästinensische Volk, das von seinen Führern aufgehetzt und verheizt wird.
        Aber das kann uns Europäern sicherlich nie passieren, oder?

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      • „2000-jähriger Revanchismus“, soso.

        Wofür und an wem sollten sich die Juden denn revanchieren, da das damals herrschende Römische Reich längst untergegangen ist?

        „Legitimierungsgeschwätz“, soso.

        Frage ist, woher kann eine „Letzt-Legitimation“ wohl kommen. Am Ende wird es immer (und überall) auf etwas Religiöses hinauslaufen. Und da haben die Juden ein feines asset, sie haben das älteste Buch, sie haben sich immer danach gerichtet und werden sich weiterhin stets danach richten. Ihre darin zu findende Legitimation ist nicht zu toppen.

        Daß diese Legitimation für alle anderen etwas Provozierendes hat, liegt in der Natur der Sache. Schauen wir mal, wie die Auseinandersetzung weitergeht…

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        • Pérégrinateur schreibt:

          In der Gegend, wo ich wohne, gibt es im Altsiedelland überall Hügelgräber aus keltischer Zeit. Nun nehmen wir einmal an, die Waliser würden von den Engländern übel traktiert und gingen ins Exil. Hätten sie dann nicht ein Anrecht, in der historischen Heimstatt der Vorväter Wohnung zu nehmen? Ich müsste dann wegen der älteren Rechte natürlich weichen, ob ich darüber glücklich wäre und von ihren Begründungen überzeugt? Das Beispiel mit den Serben und dem Kosovo hatte ich schon genannt, bei dem die allgemeinwestliche Einstellung dann ist, solche historischen Begründungen für verderblich zu halten. Vor ein paar Jahren habe ich gelesen, bei den Hamasleuten gelte Palästina als islamischer Wafd (religiöse Stiftung), der nur Gott allein (und seinen Anhängern) zustehe. Wie kommen die nur auf so eine irre religiöse Begründung, wo doch die bessere Religion, also die eigene , eine ganz andere liefert?

          Ich werde mich hüten, in diesem Konflikt irgendeiner Seite beizutreten, aber ich will ihn in seinem Ursachengefüge geschichtlich verstehen, und dazu gehört vor allem auch das Audiatur et altera pars. Die Haltung meiner Landsleute zu allen Weltkonfikten, die nämlich immer ganz schnell wissen, wer die Guten und wer die Bösen im Spiel sind, dieses meist uninformierte, provinzielle Weltrichtertum, erinnert mich an Voltaires Spott über Leibnizens Philosophie: « Il postulait dans le Nord de L’Allemagne, que Dieu ne pouvait créer qu’un seul monde. » Sowenig ich an eine moralisch durchwirkte Welt glaube – man sollte jedenfalls nicht nur aus der hier vorherrschenden, meist medial vorgegebenen Perspektive auf die Dinge schauen, sondern auch aus den anderen. Alle blenden viel aus, wohl weil viele Menschen moralische Ambiguität nicht ertragen und sie nach vorlaufender Parteilichkeit die Dinge schon selektiv wahrnehmen. Ein propalästinensisch eingestellter Freund von mir regte sich, wie wir mal bei ihm gemeinsam Nachrichten anschauten und dort die Szene eines Anschlags in Israel geboten wurde, entsetzlich auf – weil, so meinte er, die Israelis das jetzt bestimmt wieder als Vorwand nähmen, um die Palästinenser zu terrorisieren. Mir erschien seine prompte Reaktiob etwas eigentümlich, aber er hatte nun mal seine Partei gewählt, und damit war das zugehörige Raster etabliert. Üblicher ist bei uns, die andere gewählt zu haben.

          Letztbegründungen sind Firlefanz, welchen man natürlich immer sehr gerne an einem Himmelshaken aufhängt, unter dem man dann den logischen Fasching feiert. Die stärkere römische Macht unter Trajan hat die jüdische Letzbegründung für den Anspruch auf Palästina damals getoppt. Die gültige Münze auf der Welt ist kein wie auch immer begründetes Recht, sondern die Macht.

          Ambrose Bierce (bitte auf Ironie achten):

          KORAN, n. A book which the Mohammedans foolishly believe to have been written by divine inspiration, but which Christians know to be a wicked imposture, contradictory to the Holy Scriptures.

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          • Emil Kriemler schreibt:

            Na, wenn die Waliser vertrieben werden und zu Ihnen kommen, weshalb sollten Sie dann weichen müssen. Soweit ich weiss sind das ganz nette Leute, etwas laut manchmal und vielleicht können Sie ja auch gälisch?
            Angeblich soll man ja auch friedlich zusammenleben können….

            In Ihrem ersten Kommentar hatten Sie geschrieben, dass ja die Juden vor 2000 Jahren vertrieben wurden, also ihr Land aufgegeben hatten und somit keine Rechte mehr auf das Land hätten.
            Nun, Ihren Kommentar weitergedacht – da hätten die Palästinenser halt nicht flüchten und ihr Land aufgeben sollen.

            Wobei ihr Land ebenfalls zu hinterfragen wäre, gehörten grosse Ländereien einigen wenigen Grossfamilien/Clans (el Husseini z.B) wo Fellachen das Land bestellten, wie vor 2000 Jahren.
            Rothschild, Schumann und andere hatten um die Jahrhundertwende Ländereien von eben diesen Familien gekauft, um jüdische Siedlungen zu gründen.

            Die Fellachen wurden dann so ca. um 1928 u.a. von Hadsch Amin el Huseini aufgehetzt, die Juden hätten ihnen das Land gestohlen.
            Hadsch Amin wurde später Mufti von Jerusalem, war auch bei Hitler in Berlin wo sie die deutsch/arabische Freundschaft besiegelten.

            Seit Jahren beobachte ich dass die Konflikte immer schön am köcheln gehalten werden.
            Wie erwähnt ist der Verlierer das palästinensische Fussvolk, das lediglich als Manipulationsmasse dient.
            Nur: seit Jahrzehnten halten arabische Machthaber ihre Völker bewusst unwissend, sie sind dann leichter zu beeinflussen.
            Erst als in Europa der Buchdruck erfunden wurde und die Leute lesen konnten, verloren Pfaffen und Kirche ihre Macht.
            Mittlerweile verblöden sie allerdings wieder.
            Na dann Prost – die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst (J.M.Simmel)

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            • Pérégrinateur schreibt:

              There’s two to tango. Wenn die Waliser freundliche Leute sind und hier keinen eigenen Staat ausrufen, in den dann jeder Bewohner von Llanfair­pwllgwyn­gyll­gog­ery­chwyrn­drob­wll­llan­ty­si­lio­go­go­goch, der plötzlich seine „Wurzeln entdeckt“, jederzeit zuziehen und Bürger werden kann, während ein Autochthoner, dessen nachverfolgbare Ahnen immer im Lande gelebt haben, plötzlich ausgebürgert werden kann und dann nie mehr eingelassen wird, weil er durchs Studium zu lange im Ausland gelebt hat, dann könnten die Autochthonen nichts dagegen haben.

              Wenn die Zugezogenen hier aber einen eigenen Staat gründen, dazu einen großen Teil der Ansässigen vertreiben, ihnen dann ihren Besitz enteignen, weil diese “absentees” durch ihre Flucht ihre Illoyalität gezeigt hätten, dann schon weniger. Und wenn dann sogar diejenigen, die damals nicht einmal ins Exil geflohen sind, sondern im Lande geblieben, entgegen den expropriationsförderlichen Gesetzen der Neuankömmlinge ihr Eigentum nicht zurückerhalten, dann dürften nicht nur diese amtlich so genannten “present absentees” (!) den Eindruck haben, der neue Staat arbeite systematisch gegen ihre Interessen und sei überhauot in Rechtsfragen ein ziemlich heuchlerisches Gebilde, auf das von ihrer Seite nie wird Verlass sein können, weil er es auf ihre Expropriation und Vertreibung anlegt.

              Diese Siedlerkolonien erzeugen immer einen tiefen Riss, der sich dann, ganz unabhängig davon, ob das auch noch politisch geschürt wird, auch noch rassistisch und sogar exterminatorisch auflädt. Da ist so etwas wie ein massenpsychologisches Naturgesetz am Werk, denn jedem ist das Wohlergehen selbst noch des entferntesten Verwandten, der sich verbrecherisch gegen die andere Seite verhalten hat, reflexhaft wichtiger als das Leben des unschuldigsten Säuglings der anderen Seite.

              Der Topf ist aufgesetzt, das Feuer brennt, und ich möchte nicht in der Küche stehen, Feuerholz liefern. oder auch nur zugunsten meiner Lieblinge im Stück die Geschichte einfärben, damit ich weiter an eine im Prinzip gute und gerechte Welt glauben kann, in der nur die anderen, die Bösen, aus völlig unerfindlichen, also offenbar nur in ihrem endogenen bösen Willen gründenden Ursachen den Frieden stören.

              Emil Kriemler: Nachdem die Hamas den Grenzsturm organisiert und sowohl Hams als auch Iran als Ziel die Vernichtung Israels angegeben haben, muss nicht spekuliert werden wozu das ganze dienen soll.

              Pérégrinateur: Sie sehen das Ganze aus der Perspektive des einen Schützengrabens, was schade ist. Man tut besser daran, die Welt und das Treiben der Menschen von ferne anzuschauen, so wie ein Besucher vom Sirius, der sich diese merkwürdigen krabbelnden Ameisen beschaute

              Emil Kriemler: Interessanter Gedanke.
              Die wollen nur spielen.
              Aber aus der Ferne zuzuschauen ist sicherlich ratsamer

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              • Zum Abschluß dieses Diskussionsstranges darf ich auf das neue Lied der ungarischen Band Kárpátia hinweisen.

                Einfach mal den Text durch den Google-Translator jagen oder sich die Bilder erschließen. Darum geht es letztlich. Was fühlt man da? Was wären die Konsequenzen? … Manch einen wird das erschrecken – ich mußte herzhaft lachen.

                AZ IRREDENTA

                Mennyi vér folyt el a délvidéken
                Mennyi részük volt a szenvedésben, de
                Eljön majd a szabadulás napja
                Mert a nép haragja azt akarja, hogy
                Mindent vissza! Mindent vissza!

                Idegen parancsol szép Erdélyben
                Rablók járnak minden szegletében
                De a magyar lesújt a tolvajra, és
                Nem lesz többé, aki fosztogassa
                Nem, nem, soha! Nem, nem, soha!

                Megfeszített szegény Kárpátalja
                Kínok között Trianont átkozza, de
                Visszavesszük Vereckén a hágót
                Kiűzzük hazánkból a megszállót
                Revíziót! Revíziót!

                Elbitorolt kincses Felvidékre
                Üzenjük, életünk adnánk érte,
                Mint az anyja, saját gyermekéhez
                Úgy ragaszkodunk minden rögéhez
                Így volt! Így lesz! Így volt! Így lesz!

                Muravidéken és Őrvidéken, a
                Földjeink hamis papok kezében
                Felcsatoljuk rég levetett kardunk
                Isten mellett újra zászlót bontunk
                Feltámadunk! Feltámadunk!

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          • Sie haben das Hauptargument übersehen: die Kelten haben leider kein Buch. 🙂

            Ein derartig streng überliefertes, derart verbindliches Buch entfaltet eine Schlagkraft und einen Identifizierungsfuror, da kann keiner gegen an. Die Geschichte beweist es sehr gut.

            Übrigens haben die Araber dasselbe Buch bzw. könnte sich darauf berufen, denn deren Story ist auch drin enthalten, sind es doch auch Semiten. Jedoch nicht mit ganz so guten scores. 😉

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      • Den Ansichten Ihres Kommentars kann ich mich weitgehend anschließen, vor allem der, daß man sich aus solchen Konflikten tunlichst raushalten sollte. Global betrachtet ist der Konflikt Israel/Palästinenser zu vernachlässigen. Regional, auf Europa bezogen betrachtet, ist er allenfalls Peripherie. Da mag es sinnvoll und erlaubt sein, eine gewisse befriedende Macht auszustrahlen – nur daß Europa die ja gar nicht besitzt und noch nicht einmal besitzen will. Und, da stimme ich SW zu, letztendlich wird man sich als Europäer auf der Seite der europäischen Zivilisation sehen, und das ist nun einmal Israel. Aber, wie gesagt, „Que diable allait-il faire dans cette galère?“, was hat Europa damit zu schaffen? Ich habe mich Zeit meines Lebens gewundert, was für ein Stellenwert dem Konflikt in den deutschen (eigentlich auch französischen, englischen, italienischen?) Medien eingeräumt wird. Die Meldungen aus Nahost begleiten mich medial seit meiner Kindheit, und es sind eigentlich immer die gleichen geblieben, aber es füllt halt die Abendnachrichten.
        Nun hört man oft, daß Deutschland da historische Verantwortung trage; doch wenn dem so wäre, dann müßte die anders aussehen. So aber ist es verlogenes Gewäsch, denn welche Regierung würde sich hier denn trauen, deutsche Soldaten zur Verteidigung Israels zu entsenden („Mourir pour Dantzig?“)? Zumal, nachdem man sich diese Problem großzügig ins Land gewunken hat und die Neubürger da entschieden eigene Ansichten haben.
        Ansonsten erlaube ich mir, mit Bezug auf diese Sache eine Passage eines eigenen Kommentars zu zitieren:
        „Das Problem bei Frau Merkel, um diesen Schlag rüber in die Gegenwart zu machen, scheint mir, daß sie den Unterschied von Moral und Interessen eben nicht wirklich verstanden hat, m. E. nirgendwo konziser zu sehen als in ihrem dummen Spruch, der Bestand Israels gehöre zur deutschen Staatsraison. Eben nicht, für die deutsche Staatsraison ist Israel im wesentlichen unerheblich, für die deutsche Moral aber nicht – was das Eintreten für Israel aber aufwertet, statt daß es zum schnöden „Eigeninteresse“ wird.“

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        • Pérégrinateur schreibt:

          Wir sind da wohl ziemlich derselben Ansicht; ich will es gleichwohl noch einmal ausführen.

          Dass die deutsche Statsraison gebiete, für den Fortbestand Insraels einzutreten, das Sprüchlein hat ja Frau Merkel nicht erfunden, sondern das hat sie nur Joschka Fischer nachgeplappert. Natürlich, so ein dummer, moralisierend verwendeter Spruch musste natürlich zuerst von grüner Seite ins Spiel gebracht werden. Da wollte halt einer ein Bekenntnis ablegen, das den gefühlvollen Seelen imponiert.

          Schauen wir uns doch einmal an, zu welchem Zweck das Wort von der Staatsraison vorgebracht wird; meistens meidet man eher, es zu tun. Man benutzt es, wenn man in der Verlegenheit ist, nun gar keine der üblichen Rechtfertigungen der menschlichen Alltagsmoral für jene ihr ganz fremde Feld der nackten Interessenpolitik mehr zu finden. Es ist sozusagen die ultima ratio regorum im Feld der Begründungen. Der andere Aspekt daran ist, dass ihre Verwendung auf die nackten Eigeninteressen beschränkt ist, weil jeder Vernünftige eben nur die im Sinn hat. Und natürlich muss man überhaupt erst einmal die Macht haben, also der Stärkere sein, um so zu argumentieren, also erst einmal etwas ais eigener Machtvollkommenheit durchsetzen können, welchem Tun man dann ein netteres Mäntelchen umhängen will.

          Die Briten sind in den Ersten Weltkrieg eingetreten wegen ihrer Staatsraison, die über Jahrhunderte konsequent darin bestand, auf dem Kontinent keine dominante Macht zuzulassen, die ihnen dann selbst irgendwann vielleicht einmal gefährlich werden könnte. Davon war bei Kriegseintritt selbstverständlich keine Rede, vielmehr verließ man sich auf den adretten Faltenwurf der „Verletzung der belgischen Neutralität“. Das arme, mitleiderregende Belgien! Woraus man ersehen kann, dass man eben tunlichst die eigene Staatsraison gar nicht im Munde führen sondern mit weniger kalten Argumenten das eigene Handeln begründen sollte. Welche eigennützigen Vor- oder Nachteile für Deutschland aus dem Fortbestand oder Nichtfortbestand Israels für Deutschland erwachsen, habe ich noch nie dargelegt gefunden. Und in welcher Weise ein ungerüsteter Staat , dessen Verteidigungsministerin sich ersatzweise überwiegend mit der „Querschnittsaufgabe“ der Gleichstellung in seiner Armee beschäftigt, also realistisch gesehen mit der Einrichtung von staatlich subventionierten Quotenarbeitsplätzen für Frauen, denen dann selbstverständlich nie jemand einen Kriegseinsatz zumuten wollen wird, in welcher Weise solch ein Staat einer Nuklearmacht mit einer der besten Armeen der Welt zur Hand gehen können sollte, ist ein Rätsel, dessen Lösung wohl nirgend zu finden ist.

          Was für ein „politisches Denken“ bei den Deutschen verbreitet ist, kann man daran ermessen, dass man mit einem so sinnwidrig verwendeten Begriff einen Publicity-Treffer landen kann. Hierzulande wird ganz offensichtlich beständig Interesse mit Moral, Machtausübung mit Predigen und Eigenes mit Fremdem verwechselt. Das kommt uns teuer und wird uns noch viel teurer kommen. Geschwätz von Fensterrednern, die sich unerachtet daraus vielleicht einmal folgender Handlungszwänge ein hübsches Ansehen bei den eigenen Narren geben wollen. Der späte Helmut Schmidt hat vor diesem Spruch gewarnt – er gehörte noch zur gebrannten, skeptischen Kriegsgeneration, deren Umsicht uns heute überall fehlt, denn inzwischen haben wir anscheinend nur noch in Sorglosigkeit aufgewachsene Esel, die es auf jedes Eis lockt, weil sie den von den Vätern aufgebauten Wohlstand für ein selbstverständliches Menschenrecht halten, und da nun mal Rechtsanspruch, deshalb auch für völlig gesichert. Man kann dann übrigens auch alles leichtfertig verschleudern; denn wenn das nur moralisch „verdienstvoll“ geschieht, wird unsere himmlische Mutter, die die Guten allzeit wohltätig belohnende Geschichte, es uns ja doppelt und dreifach zurückzahlen. Hier ist jeder Alltagsverstand verloren und eine Art von seiner selbst gar nicht bewusstem sälularisiertem religiösen Denken am Werk: „Schick dein Brot übers Wasser, es wird zu dir wiederkehren nach langer Zeit.“ Daher zum Beispiel auch der Glaube an das Gold aus den Booten, die Bereicherung durch bildungslose bloße Kostgänger auf wenigstens drei Generationen. Die meisten der Anhänger solcher Politik sind wohl so blöde, sie tun nicht nur so.

          Stefan Kunze: Dieser Kommentar verdient großen Beifall. Bestens dargelegt!

          Und ein Extra-Bienchen für intensive Bibelkenntnis – dies in Verbindung mit dem Nicknamen läßt spekulieren…

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        • Emil Kriemler schreibt:

          Die deutsche Verantwortung…
          Die Juden haben den Spruch: die Deutschen werden uns den Holocaust nie verzeihen.
          Kann ich unterschreiben, das ganze Geseisere von der unendlichen, nie wieder gutzumachenden Erbschuld, die den Deutschen täglich in nahezu allen Medien aufs Brot geschmiert wird, ist schon für mich als Nichtdeutschen nicht mehr auszuhalten. Aber wie mein Sohn richtig bemerkt hat – wer sich schuldig fühlt, ist einfacher zu kontrollieren.
          Nur: haben US-Amerikaner oder Engländer Denkmäler errichtet für alle die Ureinwohner, die sie auf dem Gewissen haben? Die Türken wollen bez. Armeniern schon gar nichts hören.
          Die finale Lösung hat das britische Colonization-Office allerdings auf Tasmanien gefunden – man hat die Ureinwohner schlicht ausgerottet, also keiner mehr da, der Ansprüche geltend machen könnte.

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          • Pérégrinateur schreibt:

            Ich finde, die Mongolen haben die blutige Welteroberung ihrer Ahnen, mit den aufgeschichteten Pyramiden aus deb Schädeln der hingeschlachteten Bewohner in den zerstörten Städten Turkestans, noch nicht zureichend „aufgearbeitet“. Sie zeigen viel zu wenig „Kollektivscham“. Die Welt ist deshalb in der Gefahr, dass sich die damaligen Ereignisse jederzeit wiederholen können. Denn „wer die Vergangenheit ignoriert, ist gezwungen diese zu wiederholen.“ Usw. usf.

            Gibt es vielleicht in der Mongolei einfach zu wenige Medien, so dass diese sich auf aus dem Polizeibericht abgeschriebene Meldungen über gestohlene Pferde beschränken können und nicht gezwungen sind, um ihre Seiten möglichst aufwandslos zu füllen, beständig ihre Artikel mit Klischees von angeblichen Gefahren und historischen Gesetzmäßigkeiten aufzufüttern, auf die die Artikelschreiber selbst zwar nie einen eigenen Gedanken verwandt haben, deren Trefflichkeit aber ja schließlich dadurch erwiesen ist, dass sich die meisten Kollegen doch genauso ihrer bedienen.

            Vielleicht aber sind die Mongolen in Wirklichkeit nur umweltbewusster als das typische, über die drängenden Themen der Gegenwart allzeit vorzüglich aufgeklärte deutsche Mitglied der Informationselite. In der nordasiatischen Steppe tut man vermutlich gut daran, die wenigen Wälder zu schonen, statt daraus halbkiloschwere Hamburger Bildungsblätter herzustellen, in denen dann im Wesentlichen doch immer wieder nur dasselbe steht.

            Wissen Sie schon, was die Zeit nächste Woche bringen wird? – Der Verband der teilzeitbeschäftigten Tierpräparatorgehilfen hat sich in der Nazizeit in wirklich tadelnswerter Weise mit den damaligen Machthabern eingelassen, statt ihnen Widerstand zu leisten, wie wir geschichtsbewussten Bildungsbürger von heute das selbstverständlich an ihrer Stelle getan hätten. Es muss also dringend eine unabhängige, von den üblichen Profis auf diesem Felde besetzte Historikerkommission zur Prüfung der Verbandsarchive bestallt werden, damit die hilfstierpräparatorische Vergangenheit korrekt aufgearbeitet wird. Denn wer weiß, was sonst jederzeit wieder an Schrecklichem aus ihren Pelzen kriechen kann.

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    • Es bekam mal einer drei Tage Bau, weil er im Urlaub in einer Bar – die Wände hatten Ohren – eine Frau durch Wichtigtun ins Bett bekommen wollte (was ihm in der Regel gelungen ist), indem er ihr erzählte, wir würden Atomraketen bewachen. Das war eine Lüge! Offiziell wußten wir selber nicht, was es war, aber man konnte sich einiges denken und das hat sich später auch bewahrheitet.
      Wir waren übrigens so geheim („Legende“ hieß das), daß wir verkleidet in den Urlaub reisten, mit falscher Uniform, falschen militärischen Rängen und „gefälschten“ Pässen. Das hatte immerhin den Vorteil, daß man – sollte man mal bei Polizei oder Militärpolizei landen – schnell wieder frei kam, weil die sich die Finger nicht verbrennen wollten. Damit aber genug Wichtigtuerei … Im Grunde genommen war das eine lächerliche Scharade

      Pérégrinateur: Karl Marxens Investments in Goldminenaktien waren am Ende doch phantastisch erfolgreich und wurden in Naturalien an den geistigen Erben DDR ausbezahlt. S. hat das Moselgold bewacht. Kein Wunder, wie die DDR da enden musste!

      Kurt Droffe: Das klingt ja spannend und höchst amüsant! Den Film „Top Secret“ kennen Sie vielleicht? War damals im Westen ein Brüller. Auch heute noch sehenswert, aber schon ein arger Klamauk.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Top_Secret

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Nein, den Film kenne ich nicht, wohl aber „Die nackte Kanone“ aus derselben Werkstatt A&Z&Z. Für gewöhnlich hat es mich im Kino immer schlagartig ernüchtert, wenn die Mitzuschauer über Klamauk zu lachen begannen; in der Vorführung aber habe ich mitgelacht, obgleich die komödiantischen Leistungen einer der Hauptpersonen doch sehr zu wünschen übrig ließen; im Sport und für anderes taugte er wohl mehr.

        Absurdeste Szene: Der von ihm gespielte Dauerleidtragende rattert im Rollstuhl die Stufen der Stadiumstribüne hinunter (Anspielung auf die Treppenszene im „Panzerkreuzer Potjomkin“), stößt unten an die Brüstung, kippt über sie hinweg in die Tiefe, der reglos Daliegende wird sogleich von einer Straßenwalze überrollt, hinter dieser marschiert eine Kompanie Majoretten zu klingendem Spiel über ihn, worauf der abgehärtete Polizist in Tränen ausbricht, denn „Mein Vater ist genauso gestorben“.

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Bilder sind gefährlich, sie verführen dazu, mit dem Herzen zu urteilen und nicht mit dem Kopf. Ich habe das bei einem Freund beobachtet, der ein starker Konsument von Fernsehnachrichten war. Der Mechanismus, der seine Einstellungen hervorbrachte, war offensichtlich „Das erste Bild von einem Konflikt gewinnt“, denn nach diesem war er, obgleich sonst ein kritischer Mensch, unbeirrbar Partei. Empfehlenswert gegen diese Falle ist vielleicht wie auch anderswo Chamforts Regel: « Il faut que notre cœur se brise ou se bronze » – „Unser Herz muss brechen oder sich verhärten.“

    Sie waren unlängst, meiner Erinnerung nach beim Thema Erderwärmung, mit gutem Recht ärgerlich über die ideologischen Koppel­käufe mancher Anschauungs­wechsler, welche sogleich zum neuen Gesinnungs­stamm übertreten und dessen Einstellungen alle übernehmen. Ich empfinde ähnlichen Ärger darüber, dass so viele ihre Meinung im Konflikt Israel/Palästinenser wie die Eisen­feil­späne im Magnet­feld ausrichten lassen, und wenn sie sie denn doch ändern, dann nur umkehren, offenbar weil sie nun gleich voll und ganz zur anderen Herde gehören wollen. Beim Nahostkonflikt habe ich sogar den Eindruck, dass die üblichen zwei Partei­nahmen hierzu für viele die Pole der Ausrichtung in anderen Fragen liefern, vermutlich wegen der notorisch emotion­alisier­enden Vergangenheits­bewältigungs­industrie. Und da die Medien auch weiterhin Elends­bilder der Palästinenser zeigen werden, wird wohl bei uns mehr und mehr die Partei­nahme für diese Seite zunehmen, erst bei der Bevölkerung hierzulande und irgendwann auch in der Politik.

    In Studientagen kam ich in Berührung mit drei im Westen auftgewachsenen und säkularisierten Personen nahöstlich-muslimischen Herkunft, darunter ein Bahai und eine Natur­wissen­schaftlerin aus schah­nahen Kreisen, beides exilierte Iraner, die gleichwohl die Gegen­position zur zumindest damals üblichen westlichen in diesem Punkt vertraten – natürlich nicht allen Kommilitonen gegenüber, weil sie wussten, dass sie damit bei vielen eine moralische Mine gezündet hätten. Montaigne meint, man komme zu seiner Religion genauso wie dazu, ein Bewohner des Périgords oder ein Deutscher zu werden; der Satz trifft es wohl für die meisten Menschen und ganz genauso auch für nichtreligiöse Weltanschauungen. Zumindest einer der Genannten würde ich jedoch mehr an Reflexion als üblich zubilligen; über den Islam sprach sie etwa mit trockenem Understatement so: „Der Islam ist eine Religion, die gut ist für Männer.“

    Ich schaue zuweilen in Broders „Achse des Guten“ hinein, erspare mir dort aber inzwischen die Lektüre aller Artikel mit Bezug zu Israel, wegen des penetranten Eindrucks, dass man einen Eid auf den Zionismus abgelegt haben muss, um sich dort zum Thema äußern zu dürfen. Ich denke dazu anders, nämlich neutralistisch wie der christliche Heilige Niklas: „Mischt euch nicht in fremde Händel ein.“ Und dazu auch noch: „Macht den Zaun nicht zu weit.“

    Erst hunderttausend russische Juden ins Land zu holen und dann ein bis zwei Millionen Muslime aus Ländern des Konfliktes dort – dass solches, angesichts der recht verlässlichen Gesinnungs-Filiationen, s. o., großen Ärger bei uns geben wird, hätte sich eigentlich jeder nicht ganz verblödete und mit etwas Weitsicht agierende Politiker denken können. Ebenso übrigens, dass man bei den muslimischen Ländern und ihrer Bevölkerung als verächtlicher Heuchler dasteht, wenn man hysterisch davor warnt, Iran könne eine Nuklearmacht werden, und andererseits als Signatarstaat des Nichtweiterverbreitungsvertrags der Nuklearmacht Israel zu Trägersystemen verhilft – wenn auch die unter der eigenen Moralisierungsdusche stehende eigene Bevölkerung nicht auf diesen naheliegenden Gedanken kommen mag. Zu ihrem Glück können unsere Regierungsnarren noch von der arabischen Achtung für Hitler zehren.

    Sobald sie den Misserfolg der Bekehrung ihrer jetzigen Mündel zu ihrem Universalismus sich nicht mehr werden verhehlen können, werden übrigens unsere Menschheitsretter verlässlich wieder ihre alte Litanei anstimmen: „Es ist nur unsere Schuld, weil wir sie nicht gründlich genug integriert haben!“ Und dann heißt es Buße tun …

    Armes Deutschland, oh du Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt!

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    • Chamforts Regel sagt alles und der Heilige Niklas hat ebenfalls recht – nur leider geht das nicht immer. Hat im Übrigen schon Buddha als Voraussetzung begriffen, auf den rechten Pfad zu gelangen, um gepflegt aus der ganzen Chose heraus zu kommen.

      An dieser Frage (Nahost/Israel) wird die Rechte sich ebenso spalten, wie die Linke. Das kann man auf gewissen Foren wunderbar nachverfolgen. Logisch: Die Frage ist nicht mehr konsensual lösbar – es gab zu viel Unrecht auf allen beteiligten Seiten. Man kann nur hoffen, daß sie für uns nie existentiell wird. Sollten allerdings irgendwann mal die Juden an unserer Grenze „Asyl“ sagen müssen, dann würde ich den einen oder anderen Teddybären werfen.

      Pérégrinateur: Gegen Asyl für tüchtige Leute spricht ja auch überhaupt nichts. Ich denke allerdings auch, dass Sie dann weniger sentimentalisch-selbstverliebt-bekennntnishaft agieren würden, als nun gerade mit Teddybärenwürfen.

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