Die Herrschaft des Mobs

oder: Das Gute besiegt die Demokratie

Ein neues Phänomen macht die Runde. Selbsternannte Hüter der Demokratie beenden die Demokratie.

Im Januar traf es die „Junge Freiheit.“ Im ARD-Magazin „Report Mainz“ bekam eine Journalistin die Gelegenheit, landesweit ihr Weltbild zu verbreiten. Dazu gehörte, Werbeanzeigen von Wirtschaftsriesen wie die Lufthansa, die Telekom oder von staatlichen Stellen wie der Bundespolizei und dem Arbeitsamt in „rechtspopulistischen“ Organen wie der „Jungen Freiheit“, den „Kopp Verlag“ und „Politically Incorrect“ anzuprangern. Es wird auch nicht zwischen diesen Meinungsmachern unterschieden, der Kamm „Rechtspopulismus“ ist sehr breit.

Im November erregte der Rückzug des dänischen Spielzeugherstellers „Lego“ Aufsehen, nach einer erregten Kundenpost die Zusammenarbeit mit der „Daily Mail“ zu beenden. Damit folgte man dem Aufruf einer Kampagne namens „Stop Funding Hate“, die durch Erzeugung sozialen Drucks die Werbepolitik großer britischer Unternehmen wie „Asda“, „Barclays“ oder „British Airways“ zu beeinflussen und diese davon abzuhalten versucht, in der „Daily Mail“, der „Sun“ und im „Daily Express“ zu werben. Im September knickte „Specsavers“ unter der Wucht von zehntausenden Likes auf der Facebook-Seite ein, Gary Lineker ging als Gesicht von „Walkers“-Chips mit dem Konzern ins Gericht und im November, unter großer Aufmerksamkeit, schlug sich Lego – selbst einst Opfer einer „Rassismus“-Debatte – auf die Seite der Guten.

Nun hat es also Den Korte Avis“ erwischt, eine einwanderungskritische Seite, die für viele Dänen – die sich vom linken Medienblock abgewandt haben – eine wichtige Meinungsquelle geworden ist. Dazu genügte ein einziger Eintrag in einer Diskussionsspalte einer einzigen besorgten Bürgerin. Die war über Facebook auf einen Artikel der „Korte Avis“ gelangt und sah dort wiederum eine Werbeanzeige ihrer Bank: „Nordea“, ein schwedenbasiertes skandinavisches Konsortium. Zwar kannte sie die Zeitschrift nicht, stufte sie aber dennoch als unakzeptabel ein. Sie schrieb einen kurzen Eintrag in ein Nutzer-Forum der Bank: „Macht ihr wirklich Werbung (und unterstützt damit) die „Korte Avis“? Unterstützt ihr noch mehr rassistische Webseiten?“ Innerhalb eines Tages zog der Finanzgigant Konsequenzen, andere namhafte Firmen (u.a. Ikea und McDonalds) folgten bei Fuß – mittlerweile ist es ein Schneeball geworden – und entzog der Zeitung bedeutende und existenzgefährdende Finanzierungsquellen.

Das ist die Herrschaft des Mobs, mindestens des Flashmobs.

So funktioniert's: „Ich will euch nur darauf aufmerksam machen, daß eure Anonncen für D.A.D. Auf DenKorteAvis zu sehen sind. Da ich nicht sehen kann, daß DKA's Werte mit eurer Vision, ein sicheres DK zu schaffen, übereinstimmen, gehe ich davon aus, daß es sich um einen Fehler handelt“ - „Danke für deinen Hinweis. Ich kann aufkären, daß 4safety ein größeres Werbepaket in verschiedenen dänsichen Medienhäusern aufgegeben hat. Die Annonce in der Korte Avis ist mittlerweile zurückgezogen worden.“

So funktioniert’s: „Kunde“: „Ich will euch nur darauf aufmerksam machen, daß eure Annoncen für D.A.D. auf „DenKorteAvis“ zu sehen sind. Da ich nicht sehen kann, daß DKA’s Werte mit eurer Vision, ein sicheres DK zu schaffen, übereinstimmen, gehe ich davon aus, daß es sich um einen Fehler handelt“ – 4safety (Sicherheitsunternehmen!): „Danke für deinen Hinweis. Ich kann aufklären, daß 4safety ein größeres Werbepaket in verschiedenen dänischen Medienhäusern aufgegeben hat. Die Annonce in der „Korte Avis“ ist mittlerweile zurückgezogen worden.“

Die dänische Pressemeute, anstatt Solidarität mit den Kollegen zu zeigen, kennt auch keine Beißhemmung und freut sich hämisch – den Letzten beißen die Hunde. Nur wer der Letzte ist, das kann sich schnell umdefinieren, wenn die rote Linie einmal überschritten wurde. Im staatlichen Rundfunk rief ein Moderator sogar zum Boykott der Zeitung auf.

Macher der Internetzeitschrift – die hier bereits mehrfach zitiert wurde – sind nicht etwa rechtsradikale Hooligans, wie man glauben könnte, sondern Ralf Pittelkow und Karen Jespersen nebst Gastautoren. Einen dieser Autoren kenne ich persönlich – ein ehemaliger Direktor einer internationalen Schule, der sein Leben der Idee Europa gewidmet hat. Pittelkow selbst ist ein führender marxistischer Literaturwissenschaftler gewesen (dessen Arbeiten in meinem früheren Leben eine gewisse Rolle gespielt haben). Später war er der Spin-Doctor des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Poul Nyrup Rasmussen, bevor er ins konservative Lager wechselte. Karen Jespersen war in verschiedenen Regierungen als Ministerin mehrerer Bereiche tätig. Beide erregten vor 10 Jahren mit ihrem besorgniserregenden Buch „Islamister og Naivister“ Aufsehen. Darin wurde den Dänen zum ersten Mal die Gefahr einer strukturellen Veränderung Dänemarks durch islamische Zuwanderung bewußt gemacht – aber es stigmatisierte die beiden verdienstvollen Politiker und Debatteure lebenslang.

Nordeas“ Boykott wurde nun von der Zeitung erwidert, man zog die Anzeigen zurück – doch es ist ein Kampf zwischen David und Goliath. Meinungsfreiheit wird über wirtschaftlichen Mittelentzug systematisch eingeschränkt.

Aber nicht nur das: das demokratische Konzept steht als Ganzes zur Disposition. Selbstverständlich kann ein Unternehmen seine Werbepartner frei wählen. In der Regel wird diese Aufgabe einer Werbeagentur übertragen. Die Anzeigen werden dann nach bestimmten Parametern – Cookies dürften eine entscheidende Rolle spielen – nach finanziellem Anteil etc. aus einem Pool gestreut. Der Rückruf auf „politisch korrekten“ Zuruf jedoch, setzt die Axt gleich an mehreren Wurzeln an.

Einerseits wird dem Bürger ein neues demokratisches Recht zuerkannt – er kann seine politische Meinung wirkmächtig einbringen. Andererseits werden systematisch „shitstorms“ generiert, bei denen es nur noch um Meinungshoheit gehen kann. Jacob Mchangama vom linken „Think Tank“ „Justitia“ hat gut jubeln, ohne den wahren Sinn seiner Wort zu begreifen: „Es handelt sich um eine neue Wirklichkeit und es ist bemerkenswert, daß so viele Inserenten so schnell Nordea gefolgt sind. Spontane Shitstürme können für Medien eine enorme Bedeutung haben und vielleicht auch für den Pluralismus in der politischen Debatte, besonders wenn sich Inserenten von Medien zurückziehen, die eine gewisse Seite der Debatte repräsentieren.“

Schöne neue Wirklichkeit! Schöne neue Welt?

PS: Gerade entdeckt: Broder auf Achgut: Der schmutzige Erfolg der Denunzianten

2 Gedanken zu “Die Herrschaft des Mobs

  1. Das Problematische ist, daß sich die User hier als Konsumenten verhalten, d.h. den Code Geld haben/nicht haben bedienen, und nicht als Akteure im politischen System. Sie denken, Politik funktioniert wie Ökonomie. Aufmerksamkeitsökonomie ist politisch relevant, logisch, aber im Kern ist Politik halt doch Freund/Feind, und wenn der Minuspol „kein Geld“ mit „Feind“ zusammengedreht wird, dann wird’s echt haklig. Demokratie wird dann endgültig von Ökonomie erledigt, die Logik ist etwa so, als wenn z.B. eine Oppositionspartei kein Geld mehr bekäme, weil genug Leute durch „dislikes“ verhindern können, daß sie ihre Abgeordneten, Kampagnen usw. bezahlen kann. Denn daß diese Disliker natürlich der gegnerischen Partei nahestehen, erklärt sich von selber. Da muß der Staat leider zwischenfunken, andere Abhilfe sehe ich nicht. Aber daß er das ggw. nicht tut, wird aus dem o.g. Satz deutlich, daß der „Feind“ die gerade nicht regierenden Parteien und Organisationen sind, also die Regierung es für geboten hält, genau die hier aufgezeigte Demokratiezerstörung selber zu befördern.

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    • Interessant wird so eine Geschichte in einem „gespaltenen Land“. Auch in Dänemark ist man 50/50. Gerade kamen die neuesten Umfragen: der rote Block knapp über, der blaue knapp unter 50%. Was folgt also? Die Reconquista! Wie „Berlingske Tidende“ schreibt, sieht sich „Føtex“ – eine der größten Handelsketten – gerade einem shitsorm ausgesetzt – Kunden verlassen massenweise das Haus, weil man sich gegen „Den Korte Avis“ positioniert hatte: Wütende Kunden boykottieren Føtex: „Ihr habt meine Familie gerade als Kunden verloren“.

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