Am Abend mancher Tage

In letzter Zeit ertappe ich mich immer öfter – spät in der Dunkelheit, wenn die Welt schläft und nur die Marder sich weit nach Mitternacht mit aufgeregten Schreien durch die Gassen jagen –, wie ich beim zweiten Glas des rubinroten „Primitivo“, der die Zunge ein wenig pelzig macht (leider scheinen die ungarischen Weine die melancholische Herbheit zu scheuen und also kommt er aus Puglia), im gelben Lichtkegel der Leselampe gedankenverloren im großartigen Grimm-Wörterbuch Magyar-Német blättere – es gibt nichts Vergleichbares auf dem deutschen Markt – und mit selbstvergessenem Lächeln wundersame ungarische Wörter kaue und leise vor mich hin spreche, um ihr Geheimnis zu erlauschen.

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Das neue Frauenbild

Was in Ungarn sofort auffällt: es gibt keine ningelnden, nörgelnden, nervenden Kinder. Zumindest habe ich noch keines gesehen. In Deutschland jedoch genügen in der Regel fünf Minuten im Stadtzentrum oder einem Einkaufspalast, um gestressten Müttern, die ihre Kleinen anblaffen, und weinenden, schreienden, zappelnden Kindern zu begegnen.

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Sprache und Sein – produktives Paradox

Lesen ist auf etwas zugehen,das gerade entsteht und von dem noch keiner weiß, was es sein ­wird … Italo Calvino

Es gibt seit je eine Schere zwischen der Sprache und dem Sein, doch erst mit der Moderne beginnt diese sich in einem solch rasanten Tempo zu spreizen, daß es zunehmend schwie­riger wird, das Sein sprachlich bewältigen zu können, dem Sein zu ent-sprechen. Zu­nehmend werden die Menschen vom Sein überrannt – sie werden, im Verhältnis zu diesem, sprachlos. Dabei wird das überschüssige Sein erst vom Menschen in die Existenz gesetzt. Überschüssig ist das Sein, das nicht sein oder nicht wahrgenommen werden müßte. Nicht, daß es den Men­schen je­mals ge­lungen wäre, selbst dem nicht überschüssigen Sein zu entspre­chen – aber das muß­te auch nie sein. Daß die Sprache keine Seinsverdopplung sein und auch nicht an­streben kann, ist evident, und die Sprache in der Geschichte entsprach, alles Über­schüssige abge­zogen, immer nur dem, was sein mußte – um zu überleben. Die neu­zeitli­chen Proble­me betreffen folglich nicht den Überlebenswortschatz und auch nicht dessen Mangelerscheinungen, die auszufül­len das Überlebenwol­len nicht verlangte.

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Das Problem ist das Problem

Ein schönes Beispiel falschen Bewußtseins schmückt gerade deutsche Werbeflächen:

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Betreutes Denken

Kleines erhellendes Nachspiel der Kubitschek-„Affäre“ (seidwalk berichtete).

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Ästhetik und Autorität

Auch eine Allegorie

Hegel, nachdem er seinen Status als Gelehrter, Beamter und Ehemann gefestigt hatte, entwickelte, aus Gesundheits- und Bildungsgründen, auch um Freunde zu besuchen, eine bis dahin ungewöhnliche Reisefreude.

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