Eine Reise in Deutschland

Es ist Jahre her, seit ich das letzte Mal mit dem Zug eine längere Reise gemacht habe. Nun geht es in die ungarische Provinz, wo man hoffen darf, nur wenige Deutschsprachige zu treffen. Die Verbindung schaut vernünftig aus. Es wird auch nichts Spektakuläres passieren – aber gerade in den kleinen Beobachtungen mag man das neue Deutschland erkennen und begreifen. Weiterlesen

Der Aufmarsch – Das Buch zum Krieg

Daß der russische Angriff auf die Ukraine nicht aus dem Nichts kam, sondern eine lange Vorgeschichte hat und also Verantwortlichkeiten verteilt, ist in unseren Lesezirkeln Konsens. Gemeinhin wird dann das eine oder andere Ereignis, die eine oder andere Konferenz oder Konvention angeführt, um beispielhaft zu beweisen. Dabei hat Jörg Kronauer den gesamten Vorlauf akribisch aufgearbeitet und in ein Buch gepreßt. Er kann sich dabei auf jahrelange Vorstudien beziehen, denn mit seinen Arbeiten  „Ukraine über alles“ (2014) und „Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“ (2018) hatte er das komplexe Terrain bereits abgeschritten.

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Russen und Ukrainer

Zwei Fragen zuvor: Darf man aus verschiedenen Nationalliteraturen auf so etwas wie einen „Volkscharakter“ schließen? Und darf man über etwas schreiben, von dem man eigentlich keine Ahnung hat? Beide Fragen werden hier mit „ja“ beantwortet, nicht weil die Antwort als unbedingt richtig angesehen wird, sondern nur, weil ich sonst diesen Text nicht schreiben dürfte.

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Mein Kriegstagebuch IX

Putin bestrafen: Sagt mir einer im Brustton der Überzeugung: „Also ich habe zu Hause alle Heizungen runter gedreht. Dieser Putin bekommt mein Geld nicht. Da ziehe ich mich lieber wärmer an.“ Ich verbuche solche Aussagen unter Propagandaschäden – oder besser: – erfolgen.

Butscha – ein neuer Name, den man sich merken muß? Ist das das neue Srebrenica?

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Mein Kriegstagebuch VIII

Loyalität: In der lokalen Zeitung – Freie Presse Auerbach – wird das Schicksal eines ghanaischen Flüchtlings thematisiert, das uns schlaglichtartig das Problem der Migration aufzeigt. Nicht über diesen Einzelfall ist zu urteilen, denn es mag tausend gute Gründe geben, warum der Mann so handelt, wie er es tut, aber als Verallgemeinerung taugt die Geschichte gut.

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Kriegstagebuch VII

Wahrheit: Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst – diesen Satz hört man allerorten. Doch Achtung! Wer ihn sagt, sagt mit ihm zwar die Wahrheit, daß er ihn sagt, kann aber mitunter das Vorhaben zu lügen vertuschen. Mit der Feststellung stellt man sich auf die Seite der Wahrheit und nimmt einen Wahrheitsanspruch für sich selbst in Beschlag, in dessen Schatten sich besonders gut die Unwahrheit verbreiten läßt. Muß nicht, kann aber. Der Satz entspricht exakt dem Paradoxon des Epimenides.

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Mein Kriegstagebuch VI

Trauer: Daß die Ukrainer und Russen uns näher sind, wie ich kürzlich behauptet habe, findet selbstredend seinen konkreten Ausdruck und ist keine abstrakte Behauptung. Sie sind uns nicht nur in ihrer Geschichte – die mit der unseren eng verwoben ist –, ihren Traditionen oder ihrer Verwurzelung im christlichen Erbe und damit auch in der Moralität und Begrifflichkeit nahe, sondern ihr Verhalten ist uns unmittelbar, mit nur geringen Abstrichen, verständlich. Und im Falle der Trauer, des Schmerzes und der Verzweiflung, die wir nun tagtäglich und doch nur in kleinsten Ausschnitten sehen – denn das Meiste bleibt ungefilmt – sind uns ihre Gefühle und Gedanken unmittelbar zugänglich.

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Mein Kriegstagebuch V

Entgrenzung: Sollte dieser Krieg sich weiterhin als Entgrenzungsphänomen entpuppen, dann ist vielleicht auch die komplette Schleifung der russischen Bastion denkbar – zu welchen Kosten und mit welchen Folgen auch immer. Gerade weil Putin über diese enorme militärische Macht verfügt, wird seine Vernichtung wahrscheinlicher, je mehr Schreckensnachrichten die Welt erreichen. Der Angriff auf den Atommeiler Saporischschja hat der Welt nun vor Augen geführt, daß dieser Krieg bald unser aller Krieg werden kann – wenn seine Strahlkraft das Kampfgebiet übersteigt.

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Mein Kriegstagebuch IV

Willkommenskultur: Wir haben wieder Flüchtlingsströme in Europa und Refugees auch in Deutschland. Aber die Wahrnehmung ist eine ganz andere, das äußere Bild stellt sich komplett anders dar, verglichen zu damals ist die Medienabdeckung dünn – all das entlarvt die Verlogenheit der „Willkommenskultur“. Die Medienberichterstattung bleibt gedämpft, trotz zehnfach höherer Flüchtlingszahlen. Damals kamen viele junge Männer aus Kriegsgebieten in Syrien und noch mehr mischten sich darunter, die aus keinem Krieg flohen. Frauen und Kinder waren die Ausnahme und hatten unterwegs oft traumatisierende Ereignisse zu bestehen. Es kamen just jene Männer, die die Diktatoren, vor denen sie zu flohen angeben, aktiv hätten bekämpfen können und sie ließen ihre Mütter, Frauen und Kinder in der Hölle zurück, aus der sie flohen.

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Mein Kriegstagebuch III

Hintergrund: Daß ich hier schreibe: Sinnvoll ist das nur vor dem Hintergrund, daß alles andere genauso sinnlos ist!

Die Völkischen. Scholz: Putin vergeht sich am ukrainischen Volk.“ Eins muß mal klar sein! Wenn es kein deutsches Volk gibt, dann erst recht kein ukrainisches. Korrekter wäre zu sagen: Putin vergeht sich an der Bevölkerung, die in der Ukraine lebt. Übrigens schon deswegen, weil dort mehr als nur Ukrainer leben: Russen in erster Linie, aber auch Ungarn, Rumänen, Bulgaren, Juden, Weißrussen, Polen, Krimtataren und Juden, um nur einige zu nennen.

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Mein Kriegstagebuch II

Endsieg: Biden will „vernichtende Sanktionen“, Baerbock will Sanktionen, die „Rußland ruinieren“ … es ist exakt diese Rhetorik, die den Konflikt anheizt. Sie zeigt das wahre Ansinnen des „freien Westens“: die Ausschaltung Rußlands als globale Macht. Das ist seit eh und je amerikanische Staatsdoktrin – die Deutschen sind nur belanglose Vasallen in diesem Spiel. Putin war dumm genug – so zumindest nehme ich das wahr –, den Amis nun den Vorwand zu geben, wenn schon Rußland nicht in die Steinzeit zu bomben, so es doch dahin zu sanktionieren. Psychologisch ist der Versuch, sich aus dem sich immer enger schließenden Schlangengriff zu befreien, durchaus verständlich, offensichtlich aber führte die – eingebildete? – Luftnot zu irrationalen Entscheidungen, die den Griff letztlich verstärken könnten. Es könnte nun sogar ein Regimechange in Moskau zur Debatte stehen. Damit hätte sich der Regimechange in der Ukraine hundertfach bezahlt gemacht. Selenykyj sprach in seiner Mutrede auch vom Mut, in Gesprächen mit Rußland über die Neutralität der Ukraine zu verhandeln – ein klares Signal des Eingeständnisses, das vermutlich Grund der jetzigen Verhandlungen ist –, der Westen hingegen denkt offen über EU- und NATO-Mitgliedschaft nach: ein sicheres Rezept für Konfrontation – solange das Putin-Lager an der Macht ist. Erst mit einem Regimechange wäre Rußland gefügig zu bekommen. Bis dahin jedoch müßte noch manche Abschußrampe unschädlich gemacht werden. Wie dem auch sei: offen ausgesprochene Vernichtungsphantasien können schwerlich hilfreich sein!

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Mein Kriegstagebuch

Innerhalb weniger Stunden ist das Wolkenkuckucksheim der links-grünen Politikblase in großen Teilen zusammengebrochen. Scholz verspricht 100 Mrd. für die marode Bundeswehr, die Heimstatt des ewigen Nazis sendet Waffen an den Gegner jenes Landes, dem man den Großen Krieg aufgezwungen hatte, schon wird die Wehrpflicht wieder diskutiert, das große energetische Umpolungsprogramm steht vor unlösbaren Problemen und wird wohl fallen müssen, die Einforderung politisch korrekter, feministischer und gendergerechter Sprachformen erscheint plötzlich als absurd … und das alles haben wir Putin zu danken.

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Komplettversagen?

Gerade geht ein kurzer Videoausschnitt herum, über den man nachdenken sollte.

Der Reporter des öffentlich-rechtlichen Senders fragt: „Hat tatsächlich unsere Regierung, hat Deutschland in den letzten Jahren komplett versagt, was ein militärisches Aufstellen betrifft in so einem Konflikt?“

Der Professor oder Experte antwortet: „Da ist die Antwort einfach. Ja! Dieser Zustand der Bundesregierung hat einen Namen und die Namen sind Merkel, Steinmeier, Gabriel, Scholz, plus die dazugehörigen Verteidigungsminister – und Ministerinnen.“

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Darf der Putin das?

Vermutlich wird es vielen Lesern so gehen – wenn man morgens erwacht und sich die Nachrichten anschaut, dann stets mit einem gewissen Erwarten oder einer Furcht vor dem nächsten großen Ereignis. Wir werden immer öfter befriedigt, die Einschläge von welthistorischer Dimension nehmen scheinbar zu. Das kann einerseits ein Wahrnehmungsproblem sein, geschaffen durch die komplette und globale Durchmedialisierung der Aufmerksamkeitssphäre – deshalb zählen auch größere Naturereignisse dazu – , zum anderen handelt es sich um „menschengemachte“ Katastrophen, also um Phänomene der allgemeinen historischen Akzeleration.

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Die Arroganz des Westens

Was ich im Folgenden sage, sage ich ohne Autorität und ohne tiefere Kenntnis der komplexen Zusammenhänge und ganz ausdrücklich nur auf der Spitze meines Nicht-Wissens – als Meinung, die man gern ignorieren kann.

Als Joe Biden zum Präsident gewählt worden war, da unkten einige Kommentatoren, daß man nun in kürzester Zeit mit Krieg rechnen könne. Sie sollten Recht behalten. Die Feststellung mag absurd erscheinen, denn immerhin sind nicht die Amerikaner die Aggressoren, sondern die Russen. So zumindest lesen wir es an allen Fronten und man müßte schon Arabisch beherrschen, Russisch oder Chinesisch, um etwas anderes lesen zu können. Dennoch ist die hypothetische Frage berechtigt: Hätte es zur jetzigen Eskalation kommen können, wenn Trump – der Vielgescholtene – eine zweite Regierungsperiode bekommen hätte? Man darf die Frage im vermutenden Gestus wohl mit „Nein“ beantworten und Trump selbst stellte diese These in „wirren Worten“ auf.

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