Neueste Stammtischparolen

 Man muß nicht immer alles bis ins Kleinste ausdeuten. Manchmal – auch aus Selbstschutz – genügt das Stammtischniveau.

Was haben Martin Schulz, Emmanuel Macron, Robert Habeck und Nigel Farage gemeinsam? Sie alle waren Lichtgestalten. Sie alle haben einen dramatischen Aufstieg und z.T. auch einen tragischen Abstieg hinter sich. Innerhalb kürzester Zeit, in Wochen oder Monaten, mitunter ohne jegliche politische Ankündigung wurden sie an die Spitze der Politik gespült.

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Weltgeschichtliche Betrachtungen

… auf der Autobahn (Achtung: Pauschalisierungen!)

Wir fahren drei Tage vor Weihnachten mit dem Auto von Südungarn über Wien nach Sachsen. Überall kann man gegenwärtige Weltgeschichte beobachten.

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Kreativ und selbständig ausführen

Es sind oft die kleinen Details, die uns über einen Menschenschlag aufklären.

Gerade komme ich aus dem Schwimmbad einer kleinen ungarischen Stadt. Es hat den Charme der DDR-Volksschwimmhallen, das Wasser ist zwei, drei Grad zu kalt und an den Rohren bildet sich Rost. Sonntagmittag ist es aber fast leer und man kann ungestört seine Bahnen ziehen.

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Ungarn 1956

„1956 ist auch für die Nachgeborenen eine unerschöpfliche Quelle geistiger, politischer und moralischer Kraft geblieben.“ Paul Lendvai

Erst in Ungarn wird einem bewußt, was der Herbst 1956 wirklich war und was er den Ungarn bedeutet. Selten wird Engels‘ Diktum[1] von den „sich mannigfaltig durchkreuzenden“ Interessen, die stets zu einem von keinem Teilnehmer gewollten historischen Ergebnis führen, den „verschiedenen Ständen“, einer „höchst verworrenen Masse mit den verschiedenartigen, sich nach allen Richtungen, durchkreuzenden Bedürfnissen“, „bald in offenem, bald in verstecktem Kampfe“ sich befindend, so klassisch bestätigt wie in diesen verwirrenden Herbstwochen.

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Eine ungarische Familie

Eine Endfünfzigerin – eine der wenigen Ungarn, mit denen man, meist hinter vorgehaltener Hand oder in Privatsphäre, ein bißchen über Politik sprechen kann –, klagt ihr Leid. Sie hat zwei Söhne, auf die sie stolz ist. Beide leben in Budapest. Der eine arbeitet bei Orbáns Fidesz und hat es auf der Karriereleiter schon ziemlich weit gebracht. Der andere an der Universität.

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Die Ungarn haben entschieden

Dieser Satz ist natürlich Unsinn, auch wenn er endlos in allen möglichen Varianten wiederholt wird. Er offenbart den blinden Fleck der Demokratie: sie ist konstitutionell ein Mittelmäßigkeitssystem und muß zwangsläufig Mediokrität vornehmlich durch instrumentelles Konditionieren, also durch Belohnungssysteme, gelegentlich aber auch durch Strafe, erzeugen.

So ist auch das gestrige Wahlergebnis die Summe aus fünfeinhalb Millionen individuellen Meinungen, die mutmaßlich keine einzige der fünfeinhalb Millionen adäquat widerspiegelt. Demokratische Wahlen und Prozesse sind in der Regel Negativauslesen, die den anfänglichen individuellen affirmativen Impuls versanden lassen und verwischen – das Ergebnis firmiert unter dem Namen „Konsens“.

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Quo Vadis Hungaria?

Es ist schon ein großer Trost bei Wahlen, daß von mehreren Kandidaten immer nur einer gewählt werden kann! (Mark Twain)
Rabok legyünk vagy szabadok?
Ez a kérdés, válasszatok! –( Petőfi Sándor)

Nehmen wir an, es tritt am Sonntag ein, wovon die deutsche Presse vielstimmig träumt. Nehmen wir an, es gelingt in mindestens 40 Wahlkreisen eine erfolgreiche Koalition gegen die Kandidaten des Fidesz. Nehmen wir an, die Fidesz-Gegner können mindestens 10 Prozent der habituellen Wahlverweigerer mobilisieren und eine allgemeine Wahlbeteiligung von 70 Prozent erreichen – dies gilt als Voraussetzung für einen Wechsel. Nehmen wir also an, Orbán wird in dieser oder jener Form entmachtet.

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