Klassiker des Vegetarismus

Der Artikel „Warum ich kein Vegetarier bin“ wurde für eine Zeitschrift geschrieben. Dort wurde mir mitgeteilt, daß momentan „der Impuls fehle“, das ins Heft zu bringen. Das schien mir einleuchtend, bin ich mir doch der Unzulänglichkeit des Artikels bewußt. Es ist ein denkerischer Weg – ich bin noch nicht am Ende.

Die Zeitschrift unterlegt ihre Artikel mit signifikanten Randzitaten. Hiermit präsentiere ich in willkürlicher Reihenfolge die von mir vorgeschlagenen Zitate.

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Geteiltes Leid ist doppeltes Leid

Man entsinnt sich sicher der Geschichte der Katze, die fast verhungert bei uns auf der Terrasse lag. Die Geschichte ging weiter und hat nun ein Ende, wie es jede Geschichte haben muß und auch nur haben kann.

Trotzdem kann man etwas daraus lernen, sogar vieles. Vor allem, wenn man sie mit anderen Geschichten vergleicht.

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Die Katze

Als wir in Ungarn ankamen, haben wir die Katze der Vorgängerin übernommen. Kein Problem – wir sind Katzenliebhaber und der kleine schwarze „Kormos“ (der Rußige) hat sich schnell angepaßt.

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Mehr Licht!

Ab heute wähle ich FDP! Deutschland ist sowieso verloren – jetzt kommt es darauf an, es wenigstens noch erträglich zu halten.

Die FDP ist die einzige Partei, soweit zu sehen, die das lebenswichtige Problem Licht in die richtige Richtung treiben will. Sie will die Zeitumstellung abschaffen. Richtig! Aber nicht die „Winterzeit“, also die „Normalzeit“ ganzjährig durchsetzen, sondern die Sommerzeit!

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Weise Weihnacht

Zum 2. Advent

Gunnar Gunnarsson, in Deutschland leider nur noch einigen Kennern ein Name, ein isländischer Autor, der seine besten Bücher auf Dänisch schrieb, gehört zu den großen skandinavischen Erzählern, in einer Reihe mit Hamsun, Falkberget, Duun, Laxness – und das wäre schon wahr, wenn er nichts weiter als diese kurze, aber großartige Geschichte „Advent im Hochgebirge“ geschrieben hätte. Tatsächlich zählen auch „Die Eidbrüder“, „Die Leute auf Borg“ und „Schwarzvogel“ zum Kanon der skandinavischen Literatur.

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Segen der Erde

„Den lange, lange sti over myrene og inn i skogene hvem har trakket opp den? Mannen, mennesket, den første som var her. Det var ingen sti før ham.”

Es gibt Bücher, die entziehen sich einer Rezension – wollte man ihnen gerecht werden, müßte man selber Bücher, vielleicht sogar ganze Bibliotheken vollschreiben. Die Bibel ist so ein Buch und Hamsuns „Segen der Erde“ ist auch so eines. Es ist wie eine Bibel. Alles, was ein Mensch wissen kann, alles, was für ihn wichtig ist, ist in diesem Buch enthalten.

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Das dritte Geschlecht

Das dritte Geschlecht. — „Ein kleiner Mann ist eine Paradoxie, aber doch ein Mann, — aber die kleinen Weibchen scheinen mir, im Vergleich mit hochwüchsigen Frauen, von einem anderen Geschlechte zu sein“ — sagte ein alter Tanzmeister. Ein kleines Weib ist niemals schön — sagte der alte Aristoteles. (Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft)

Wir lesen in den Gazetten: „Das Bundesverfassungsgericht fordert, daß künftig ein drittes Geschlecht im Geburtenregister eingetragen werden kann. Intersexuellen Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, solle damit ermöglicht werden ihre geschlechtliche Identität „positiv“ eintragen zu lassen, entschieden die Karlsruher Richter in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluß.“

Was auf den ersten Blick wie ein zu begrüßender Akt der Gerechtigkeit klingt, enthält eine ganze Reihe an inneren Problemen.

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Die Welt von gestern

Kurt Droffe, geschätzter Leser und Kommentator dieses Blogs, empfahl vor einigen Monaten eine mehrbändige Reisebeschreibung durch Mittel- und Südosteuropa. Ein junger Engländer, noch keine 20 Jahre alt, durchwanderte 1934 entlang der großen Flüsse Rhein und Donau den halben Kontinent und beschreibt diese unglaubliche Reise ein halbes Jahrhundert später.

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Frühe Anzeichen

In Italien kippt die Stimmung, schreibt die „Junge Freiheit“.

Dort, in Italien war es, wo wir im Sommer 2015, einige Wochen vor der Geschichtszäsur, zum ersten Mal eine Ahnung davon bekamen, was auf Europa zukommt.

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Von einem, der das rechte Wort nicht fand

Ein Märchen

Mitten im Gebirge, den Ort kennt heute niemand mehr, steht eine alte Eiche, wohl tausend Jahre alt, die in vielen Zungen flüstert, wenn der Wind in sie fährt. Bei Unwetter und Sturm kommen die Tiere des Waldes und suchen Schutz unter ihrem dichten Laubdach oder kriechen in ihren hohlen Stamm.

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Das Terror-Rhizom?

…was in Wirklichkeit nicht darstellbar ist, weil es ein Rhizom ist, eine unvorstellbare Globalität. Umberto Eco

Der französische Soziologe Gilles Kepel gilt als einer der besten Kenner des Islamismus und des islamistischen Terrors. Gerade hat er in einer Reihe von Interviews im Zusammenhang mit seinem letzten Buch die neue Qualität des Terrors zu beschreiben versucht und sich dabei auf den singulären Philosophen Gilles Deleuze berufen. Kepel will den Begriff des „Rhizoms“ in die Debatte einführen, um den Aggregatzustand der Terrorgesellschaften zu beschreiben.

Nachfolgend wird in einem ersten Durchgang versucht, den philosophischen Begriff „Rhizom“ nach Deleuze zu entwickeln und in einem zweiten zu prüfen, was dieser Begriff im Kontext des Terrors zu leisten vermag und ob Kepel ihn berechtigterweise in Anschlag bringt. Teil 1 ist demnach eine ausführliche und streng philosophische Rede, Teil 2 eine politische.

Was ist ein Rhizom?

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Volk oder Völk? Grundtvigs Grundlegung

 Volk! Was ist denn Volk im Grunde?
Was bedeutet „volklich“ wohl?

Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783 – 1872), der Mann mit dem lustigen Bart, ist an Bedeutung kaum zu überschätzen.

© Den store danske

© Den store danske

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Deutschland, deine Wege

Der Kampf um die Deutungshoheit auf unseren Straßen ist in vollem Gange. Historisch Gewachsenes, aber politisch Unkorrektes – wie z.B. eine „Mohrenstraße“ – soll in Frage gestellt werden.

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Democracide

Face it! Die Demokratie ist am Ende.

Sie ist von innen ausgehöhlt und träge, erstickt an ihrer eigenen Wertetümelei und stolpert über die selbst geschaffenen ökonomischen und sozialen Widersprüche. Sie ist schon Posthistoire.

Sie wird von außen bedrängt

  • von zu vielen Menschen
  • vom entfesselten Markt
  • von weltumspannenden und synchronisierenden Lifestyle-Monopolen wie McDonalds, Coca Cola, Nestlé …
  • vom Islam
  • von der konservativen Revolution
  • vom Silicon Valley und der Technokratie
  • von der Natur

You have to choose!

Das Kreuz mit der Identität

Vielleicht hat Rudolf Bahro nie einen wirklichen Berg erstiegen, aber er hat einen wesentlichen Satz dazu gesagt:  Wenn du einsam eine Weile einen Gipfel erklimmst, dann fängt der Berg mit dir zu sprechen an.

Otto Barth (1876–1916), Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Otto Barth: Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Der marxistische und grüne Selbstdenker wollte das Mystische betonen, das tief verinnerlichte Gefühl, das Menschen beschleicht, wenn sie mit grandioser Natur konfrontiert sind, wenn sie sich ihrer Nichtigkeit unmittelbar bewußt werden. Es ist letztendlich eine religiöse Empfindung. Berge und Gott oder die Götter gehören seit jeher zusammen. Dort wohnen sie, dort wachen sie und dort glauben die Menschen, ihnen besonders nahe zu sein. Moses, Jesus und Mohammed stiegen mit ihren Gesetzesoffenbarungen alle von Bergen herunter.

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Wandern mit Fatiha und Fallersleben

Lange Wanderung mit den Syrern – ich mache es kurz. Nur ein paar Schlaglichter.

Kaum von der Hauptstraße abgebogen – auf der sich zufälligerweise auch die größte Erstaufnahme befindet – in ein kleines Garten- und Einfamilienhausgebiet, hält neben uns ein großer Wagen, werden wir gefragt: „Na, ihr habt euch wohl verlaufen?“ Man mag die Dunkelhäutigen nicht in den besseren Vierteln und man ist sie dort auch nicht gewöhnt. Kurzes Erstaunen des Dicken im Auto – ein Lokalpolitiker –, als ich in perfektem Deutsch antworte. „Männertag ist vorbei“, sagt er. „Man kann auch an anderen Tagen wandern, in diesem Land“ und Abfahrt.

Das Thema zieht sich freilich durch den gesamten Tag. Das erste warme Maiwochenende lockt viele Menschen in die Natur. Immer wieder begegnen uns abweisende, vornehmlich männliche Blicke. Araber im Stadtzentrum sind mittlerweile Alltag, Araber inmitten der Natur wirken befremdlich und scheinen als unerlaubtes Eindringen und Landnehmen empfunden zu werden.

Besichtigung einer alten Windmühle mit Führung. Beeindruckende Technik, alles aus Holz und genial konstruiert. Hussain ist begeistert, Khaled simst derweil seiner Verlobten.

Deutsche Ingenieurskunst aus arabischer Perspektive

Deutsche Ingenieurskunst aus arabischer Perspektive

Wir singen Wanderlieder und rezitieren den Osterspaziergang. Khaled beginnt, die deutsche Nationalhymne zu intonieren. Hussain übernimmt, singt den ganzen Text fehlerfrei herunter. Nur die Melodie geht schnell verloren und wird durch einen typisch arabischen tremoloartigen Singsang ersetzt. Zum Schießen! Vielleicht war ich Zeuge der Geburt der künftigen Hymne, ein Mix aus Fatiha und Fallersleben.

Neben Islam, Deutschland und Syrien sprechen wir auch über Pflanzenkunde. Immer wieder zupfe ich ein Blatt – junge Buche, Schaumkraut, Löwenzahn, Tannenspitzen, Spitzwegerich, Knoblauchrauke, Schlehenblüte, Brennessel, Gänseblümchen, Sauerklee, Sauerampfer usw. – und stecke es in den Mund. „Alles essen!“, lacht Khaled jedes Mal auf. Ich muß ihn bremsen, sich wahllos Pflanzen in den Mund zu stopfen.

Auf dem Weg repetiert er: Schlehe, Raps, Löwenzahn, Beinwell, Kastanie immer schneller, bis in seinem Munde alles nur noch ein Pflanzenbrei ist.

Eine wunderschöne einsame Tulpe steht am Wegrand. Er solle ein schönes Photo für die Verlobte machen, schlage ich vor. Statt sich neben der Schönheit niederzuhocken, reißt er sie zu unserem Entsetzen ab und hält sie lachend vors Gesicht.

Khaled nach zwei Stunden straffen Marsches: „Deutsche Chef (meint mich) keine Pause, arabisch Chef nach ein Kilometer Pause, dann ein Kilometer und wieder Pause …“

Katze scharf auf Chubz (arabisches Fladenbrot)

erste Pause: Katze scharf auf Chubz (arabisches Fladenbrot)

Unterwegs treffen wir eine andere kleine Wandergruppe: eine mir bekannte Flüchtlingshelferin geht mit einem Afghanen wandern. Sie fragt, ob ich eine 17-köpfige Gruppe von Afghanen unterrichten könnte – 15 bis 25 Jahre, vom Analphabeten bis gut Ausgebildeten.

Suche nach einem geeigneten Gebetsplatz im Dickicht. Man darf bei Wanderungen zwei Gebete zu einem zusammenziehen. Diskussion über die Gebetsrichtung, ohne Mekka-App. „ER wird es euch vergeben“, sage ich, aber nein, es muß alles stimmen.

Wir übersehen das Vogtland in voller Weite, der Himmel ist offen und frei. Khaled breitet die Arme aus und ruft: Alles meine Heimat! (In drei Tagen verläßt er uns und zieht Richtung Heilbronn.)

Ich erwähne die Bismarcktürme. Khaleds Augen strahlen. „Bismarck gut, Bismarck wie Hitler“, sagt er. Die alte Vorliebe für den starken, den eisernen Mann. Kurzer Stopp mitten auf der Treppe, Geschichtsminute: „Bismarck war … und einte Deutschland durch drei Kriege gegen …“ Zu meiner großen Überraschung ergänzt Khaled wie aus der Pistole geschossen: „Dänemark, Frankreich und Italien“. Letzteres ist entweder falsch oder zeugt von echtem, partiellem Geschichtswissen.

Auf dem Mosenturm über der Talsperre

Auf dem Mosenturm über der Talsperre

Auf dem Mosenturm. Von dort überblickt man die Talsperre. Direkt gegenüber der FKK-Strand (leer). Ich erkläre ihnen, was FKK bedeutet. Hussain übersetzt, Khaled kann nur lachen bei der Vorstellung. Für Hussain aber ist es falsch, verkehrt, nicht richtig. Warum? Ist es nicht unsere Natur, sind wir nicht nackt geboren, ist Kleidung nicht nur Konvention …? Nein, das geht nicht. Wir sind keine Tiere. Nacktsein ist wie ein Tier sein.

Nach 20 km gibt es Magnesiumtabletten; Hussains Knie schmerzen. In Mazedonien und Ungarn mußte er 40 km am Stück gehen – ohne Magnesium und ohne „deutschen Chef“.