Multikulti im Sandkasten

„Nicht ‚Rassismus‘ ist ein ‚strukturelles Problem‘, sondern der ‚Multikulturalismus‘. ‚Rassismus‘ ist die Hypothese der Multikulturalisten, warum ihr Projekt nicht funktioniert.“  (Martin Lichtmesz)

Die alltäglichen Schwierigkeiten des Zusammenlebens in einer bunten, multikulturellen Gesellschaft kann man vielleicht am besten auf einem großstädtischen Kinderspielplatz erleben.

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Identitätspolitik und Interessenspolitik

von Johannes Leitner

Identitätspolitik

Während identitäre Politik, wie jede gute Politik, darauf abzielt, die Gesellschaft als ganze zu erhalten und zu fördern, strebt Identitätspolitik danach, die eigene identitäre Sondergruppe auf Kosten der Gesellschaft zu begünstigen und zu bevorrechten. Man will nicht das Ganze mehren, sondern den eigenen Anteil am Ganzen, und sei es, indem man das dem feindlichen Widersacher Gebliebene schädigt. Identitätspolitik bedeutet ein Null- oder ein Negativsummenspiel des win-lose und win-lose-lose, nicht, wie die gesunde gemeinschaftliche Gesellschaft, ein Positivsummenspiel des win-win-win mit positiven Externalitäten.

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Vielfalt oder Vielheit II

Vielfalt oder Vielheit im öffentlichen Raum oder: Der Irrtum des Multikulturalismus

von: Johannes Leitner

Diversität schafft schuldhafte Identität

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Hotel Amerika

Es gibt in Plauen eine Bücher-Telefonzelle. Man stellt ein Buch hinein und nimmt sich eines heraus – im Idealfall. Funktioniert seit drei Jahren recht ordentlich. Deswegen gehe ich nie ohne ein, zwei ausrangierte Schwarten in die Stadt. Man fischt dort keine Edelsteine heraus, aber da es praktisch nichts kostet und für mich nur Recycling ist, kann man mal etwas mitnehmen, was man sonst nicht kaufen würde, mal was probieren.

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Neue Grenzen der Zivilreligion

Vielleicht eine Petitesse, aber eine signifikante, die beim täglichen Presserundgang ins Auge fiel.

Ein beliebtes Argument der Integrationsproblemwahrnehmungsverweigerer-fraktion ist die Frage: „Und wo tangiert es dich?“, „Wie hat es denn dein Leben verändert?“, „Geht es dir etwa schlechter?“ und dergleichen. Besonders häufig hört man solches in netten, gut gemähten und getrimmten Eigenheimsiedlungen, in denen die Gardinen wackeln und die Telefondrähte glühen, wenn sich doch ein Mal ein Dunkelhäutiger dahin verläuft.

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Kuczynski kommt!

Genau wie Marx und Engels vorausgesehen, geht die kapitalistische Gesellschaft bei dauernd steigernder Produktivität ihrem Untergang entgegen – ganz gleich, wie lange sich der Weg in den Untergang hinzieht. (Kuczynski)

Jürgen Kuczynskis Buch „Probleme der Selbstkritik“ hat Erinnerungen geweckt, an eine Lebensphase, die heute nahezu unwirklich erscheint. Vermutlich werden die westdeutschen Leser ratlos über den folgenden Zeilen sitzen, während mancher Ostdeutscher mich vielleicht begleitet bei diesem Abstecher in eine – ja, absurde Zeit.

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Jugendgewalt – einst und jetzt

Vor 20 Jahren hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, in einer Leipziger Straßenbahn von sechs Skinheads erbarmungslos zusammengeschlagen zu werden.

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Frühe Anzeichen

In Italien kippt die Stimmung, schreibt die „Junge Freiheit“.

Dort, in Italien war es, wo wir im Sommer 2015, einige Wochen vor der Geschichtszäsur, zum ersten Mal eine Ahnung davon bekamen, was auf Europa zukommt.

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Something is rotten

Ryanair machte es möglich. Im Jahre 2006 weilte ich zehn Wochen in Dänemark. Der Flug von London nach Tirstrup, nördlich von Århus, beinahe geschenkt. Fast in Laufdistanz davon entfernt die Folkehøjskole på Kalø – sie war mein Ziel, dort wollte ich Dänisch lernen und tat es auch.

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Müll in den Städten

„Als ich in diese Schule eintrat, wurde mir schwer ums Herz. Ich habe diese Mauern gesehen, voller Graffiti und voller Schmutz, alles ohne Liebe und ich habe verstanden: Gewalt erzeugt Gewalt. Ihr seht eine Welt, die vergewaltigt wurde. Wenn diese Mauern mit allerlei Schweinereien zugeschmiert sind, dann stimuliert das neue Schweinereien …“ (Tiziano Terzani: Vortrag vor Schülern in Pisa)

Das beklagt die „Welt“: „Und es wird immer schlimmer!“

Demnach sammelt sich in unseren Städten zunehmend unachtsam weggeworfener Müll. Gerade im Sommer verwandeln sich die Straßen und Parks über Nacht wie von Geisterhand in Müllhalden.

Was ist da los?

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Deutsche Bahn und Toleranz

Wer es noch nicht kennt, sollte sich jetzt die 52 Sekunden Zeit nehmen und das neue Werbevideo der Deutschen Bahn anschauen.

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Ghettoisierung

Wenn man sich eine vernünftige Harmonie der Gesellschaft wünscht, dann läuft mit der Verteilung der Einwanderer etwas schief. Aber ich werde nichts Schlechtes über die ethnischen Mitbürger sagen, und wir werden niemanden aus unserer Kommune hinauswerfen. (Ib Terp, Sozialdemokrat und Bürgermeister von Brøndby)

Einwanderung und mangelnde Integrationsbereitschaft der und in die Gesellschaft führt zu Segregationen. Das ist in der Theorie alles bekannt, doch braucht es offenbar die Empirie, um die Menschen aufzurütteln.

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Das Kreuz mit der Identität

Vielleicht hat Rudolf Bahro nie einen wirklichen Berg erstiegen, aber er hat einen wesentlichen Satz dazu gesagt:  Wenn du einsam eine Weile einen Gipfel erklimmst, dann fängt der Berg mit dir zu sprechen an.

Otto Barth (1876–1916), Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Otto Barth: Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Der marxistische und grüne Selbstdenker wollte das Mystische betonen, das tief verinnerlichte Gefühl, das Menschen beschleicht, wenn sie mit grandioser Natur konfrontiert sind, wenn sie sich ihrer Nichtigkeit unmittelbar bewußt werden. Es ist letztendlich eine religiöse Empfindung. Berge und Gott oder die Götter gehören seit jeher zusammen. Dort wohnen sie, dort wachen sie und dort glauben die Menschen, ihnen besonders nahe zu sein. Moses, Jesus und Mohammed stiegen mit ihren Gesetzesoffenbarungen alle von Bergen herunter.

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Unsichtbar macht straffrei

Ein Artikel in der heutigen „Zeit“ weckt Erinnerungen.

Schlecht bezahlt in Schwarzarbeit

Es geht um Schwarzarbeit unter „Flüchtlingen“. Nun werde sie zu einem systemischen Problem, logisch und folgerichtig, denn viele der Männer haben Schulden und brauchen Geld, mehr als die bescheidene Rundumversorgung des deutschen Staates beschaffen kann. Und da der Arbeitsmarkt aus den bekannten vielfältigen Gründen nur sehr wenigen offen steht, strömen Teile der Menge in die Löcher und Ritzen des Systems.

Im Artikel ist von krimineller „Arbeitsvermittlungen“ meist ebenfalls migrantischer Mitarbeiter der Asylzentren o.ä. die Rede. Ich erinnere mich an eine Gesprächsrunde, bei der ein anderer Weg zur Sprache kam.

Der junge Mann hatte massive Geldsorgen. Es ging nicht nur um Altschulden in Syrien, sondern auch um vergleichsweise hohe Ausgaben hier im Lande. Aus den Augenwinkeln bekam ich mit, wie er Freunde um Gaben bat. Kleine Euroscheine wechselten die Besitzer. Das sei so üblich, wurde mir berichtet, und die Ehre verlangte es, die Rückzahlung nicht zu vergessen. Fragte man nach, dann wurde schnell klar, daß es sich beim Empfänger um einen potentiellen „Vergesser“ handelte – kein Wunder, bei der unübersichtlichen Vielzahl der Darlehen. Offensichtlich fällt es Arabern trotzdem schwer, ein solches Ansinnen abzulehnen.

Jedenfalls kam er von einer Reise aus dem „Westen“ wieder und erzählte ganz ohne jegliches Schuldbewußtsein, daß er sich ein paar Euro dazuverdient habe. Ich fragte erstaunt nach dem Procedere. Der erfahrene Maurer hatte beim Hausbau geholfen. Wie das?

„Türkischmann auf Straße. Willst arbeiten? Zehn Euro.“ Zehn Euro die Stunde bot der Türke, um sein Einfamilienhaus zu renovieren und sprach dazu gezielt Asylanten auf der Straße an. Ich erläutere das Konzept „Schwarzarbeit“ und ernte erstaunte Blicke. „Illegal? Warum?“

Die Frage gibt mir die Gelegenheit zum wiederholten Male das Steuersystem zu erklären und die Arbeit von Zoll, Polizei und Bauaufsichtsbehörde. Ob es verstanden wurde, kann ich nicht sagen, daß es so nicht geht, wurde eingesehen und daß man seinen Aufenthalt riskiert oder zumindest verschlechtern kann, wohl auch. Es folgt das Versprechen, es nicht wieder zu tun.

Aber dann reibt er sich lachend die Hände – eine sehr typische arabische Geste – und sagt, daß die Behörden es gar nicht wissen konnten, denn der Türke sanierte sein Bad.

„Alles drin. Kann keiner sehen.“

Und unsichtbar macht straffrei.

Die häßlichste Stadt Deutschlands

Selbstverständlich steht mir ein solches Urteil gar nicht zu. Aber man wird ja noch sagen dürfen …

Eine altehrwürdige, jahrtausendealte Stadt mit glorreicher Geschichte und einer ganzen Latte an großen Söhnen und Töchtern. Heute ist sie grau, dreckig, dröhnend. Unzählige Architektursünden beleidigen das Auge. Neben jedem ansehnlichen Haus steht scheinbar systematisch ein bleierner Betonklotz, als wollte ein mächtiger Gestalter alle Freude im Keim ersticken. Neu und häßlich sind hier Synonyme.

typisch Bonn

typisch Bonn

Seit Jahren wurde offensichtlich nicht mehr renoviert. Alle Asphaltwege sind mit platt getretenen Kaugummis übersät. Müllberge häufen sich an den Straßenrändern, Abfall wird achtlos auf die Gehwege geworfen, Plastiktüten fliegen durch die Luft, Uringestank an vielen Ecken und Enden.

Vor einem grauen Betonklotz am Bahnhof demonstrieren ein paar Studenten mit bunten Luftballons lautstark gegen Einfalt und für den Erhalt der Vielfalt.

Die schwarzen Regenränder an den Häuserwänden wirken wie traurige Tränen geschminkter Frauen. Die Leute schauen mürrisch drein, die Sprachen der vorbeigehenden Paare sind mir unverständlich. Lange muß ich in der Universitätsstadt nach einem Buchladen suchen, der nicht „Thalia“ heißt, und finde einen unmittelbar neben dem Frauenzugang zu einer Moschee. Während ich die schweren Taschen raus trage, treten 20 vollverschleierte Frauen auf die Straße und schnattern ein kehliges Idiom.

Milli-Görus-Moschee neben Antiquariat

Milli-Görus-Moschee neben Antiquariat

Was ist mit Bonn geschehen? Der Verlust des Hauptstadtstatus wird der einstigen Metropole arg zugesetzt haben. Es mag andere strukturelle oder regionale Probleme geben, von denen ich nichts weiß. Bonn ist in den letzten 20 Jahren erst so geworden, versichern Einwohner.

Offensichtlich aber ist, daß der soziale Zusammenhalt in Bonn sehr leidet und wie sollte es auch anders sein, beherbergt die Stadt doch gleich mehrere Gruppen an kulturell diversen Menschen. Geschätzt hätte ich 40%, laut Statistik ist es nicht einmal die Hälfte – aber das zeigt, wie wenig es eigentlich braucht, um einen Ort kippen zu lassen.

Ginge es nach den Multikulti-Propagandisten, müsste Bonn eine helle, bunte, fröhliche Stadt sein. Doch statt bunter Vielfalt graue Tristesse.

Nun verstehe ich zweierlei: Gabriels populistische Forderung nach einer Aufbauhilfe West und das seltsame Erstaunen vieler westdeutscher Besucher Plauens, die von einer wunderschönen Stadt schwärmen. Bisher konnte ich sie selbst nicht sehen.

DITIB ist auch hier - ,ist Minarett

DITIB ist auch hier – mit Minarett

Kriminalität und Migration

Seit Erfindung des Autos ist die Zahl der Autounfälle rasant gestiegen.

Seit Einführung der Pille werden Frauen seltener schwanger.

Seit flächendeckender Verbreitung von Coca Cola, McDonalds und Co. steigt der Anteil der Übergewichtigen in der Bevölkerung.

Irgend jemand überrascht? Dann noch einer:

Seit Öffnung der Grenzen ist die „Zahl rechter Straftaten so hoch wie noch nie“. Die der linken übrigens auch.

Innenminister Thomas de Maizière schockt die Nation mit einer neuen Kriminalstatistik. Das Ding ist 135 Seiten lang und steckt voller Informationen, aber alle Gazetten sind sich einig, daß es eine Kernaussage enthält: diese eben.

Autounfälle sind tragisch und zu bedauern; „ausländerrechtliche Straftaten“ sind abscheulich und zu verurteilen, mehr noch „Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße“. Aber sie sind so folgerichtig und konsequent wie der Regen aus der schwarzen Wolke. Wann sonst sollte es denn Straftaten gegen Ausländer oder umgekehrt gegen Deutsche geben? Im Jahre 1960 dürfte die Zahl gegen Null tendiert haben, im Jahre 2016 erreicht sie einen neuen unrühmlichen Höhepunkt. Man muß kein Prophet sein, um …

Viel interessanter, weil nicht banal, sind die 6%  Zunahme an „Diebstahl insgesamt in/aus Kiosken, Warenhäusern, Verkaufsräumen, Selbstbedienungsläden, Schaufenstern, Schaukästen und Vitrinen“ oder die fast 7% „Einfacher Ladendiebstahl“ oder die 10% mehr Wohnungseinbrüche just im letzten Jahr! Folgerichtig auch, allerdings unerwähnt, sind der wachsende Anteil von 28,7% (2014) zu 38,5% (2015) an „nichtdeutschen Tatverdächtigen“, darunter 8,4% Zuwanderer vorletzten Jahres, aber 26% letzten Jahres …

ohne ausländerrechtliche Verstöße ((z.B. unerlaubte Einreise und unerlaubter Aufenthalt) © BMI

ohne ausländerrechtliche Verstöße (z.B. unerlaubte Einreise und unerlaubter Aufenthalt) © BMI

Dabei wäre es zu leicht, auf den eingefahrenen Zug zu springen, der all das „den Ausländern“ anhängt. Zumindest direkt wäre das fatal, auch wenn die Einbrecherbanden direkt mit Georgien, Rumänien und Ost- und Südosteuropa in Verbindung stehen. Aber indirekt, im Großen und Ganzen, hat es eben „doch damit zu tun“.

Die Multikultiapologeten erfreuen sich am Karneval der Kulturen: die halbnackten in Pfauenfedern gekleideten Brasilianerinnen sind schön anzusehen, dahinter die Bongo-Truppe und dann die hüpfenden Massai, gefolgt von schwitzenden Eskimos … dazu einen Döner, eine Bananensuppe, ein Bobotie oder ein Thai-Bier … so stellen sie sich die bunte schöne neue Welt vor.

Die Realität wird eine andere sein:

  • daß sich der soziale Zusammenhalt lockert, wenn ethnische Diversität zunimmt, wie eine dänische Studie belegt.
  • daß dieser Prozeß sich in vielen Ländern bereits zeigt, wie eine amerikanische Studie belegt.
  • daß der Nachbarschaftszusammenhalt mit Multiethnizität zerbricht, wie eine englische Studie nachweist.
  • daß Altruismus und Vertrauen auch innerhalb der ethnischen Gruppen abnimmt, wenn die ethnische Diversität zunimmt, wie Robert Putnam deutlich macht.
  • daß die Abgrenzung entscheidend für ein friedliches Zusammenleben auch im Tagtäglichen ist, wie eine Schweizer Studie nachweist.
  • daß Heterogenität Zwischen-Gruppen-Aktivität hemmt, wie eine Oxford-Studie aufweist.
  • daß Integration und Zusammenhalt sich widersprechen, wie eine amerikanische Studie offenbart.
  • daß das Bedürfnis, sich mit gleichartigen Menschen zu umgeben, tief in unserer Psyche verankert ist, wie das Journal of Personality and Social Psychology schreibt:
  • daß Heterogenität negativ mit Glücksempfinden korreliert, wie man in Manchester herausfand.

Undsoweiterundsoweiterundsoweiter.

Und eigentlich alles ganz logisch und voraussagbar, kann sich jeder denkende Mensch an einer Hand abzählen. Zusammengefaßt kann man das z.B. lesen bei den weltbekannten Wissenschaftlern Frank SalterOn Genetic Interests: Family, Ethnicity, and Humanity in an Age of Mass Migration“, bei Robert Putnam oder bei Irenäus Eibl-Eibesfeldt.

In dieser neuen Realität des zerbröckelnden Gemeinwesens wird die Zahl der Straftaten in alle Richtungen ansteigen – da helfen keine Appelle!

Vielfalt und Einfalt

Vielfalt

© Daniela Hartmann, flickr.com

Vor zwanzig Jahren, während meines ersten Aufenthaltes in Italien, erschrak ich, einen McDonald’s-Palast zu sehen. Das war in Cagliari, Sardinien. Als Liebhaber der vielfältigen und genialen italienischen oder gar der herben sardischen Küche konnte ich nicht begreifen, wieso sich junge Menschen – diese attraktiven, braungebrannten, durchweg schlanken Schönheiten beiderlei Geschlechts – solch pappige Normkost in Massen antaten. Aber sie taten es – McDonald’s war kurz nach der Eröffnung schon ein Hit in Cagliari und begann die Sitten und Rhythmen der sardischen Jugend zu verändern. Heute überragen die Obesitätsraten der jungen Italiener ganz Europa.

Um die gleiche Zeit begannen sich die ostdeutschen Städte mit aller Gewalt einer Synchronitätstortur zu unterziehen – eine Stadt, die nicht der westdeutschen Partnerstadt glich, mußte ein verachtungswürdiges Kaff sein. Ob Hof oder Plauen, der Unterschied bestand bald nur noch im Dialekt der Verkäuferinnen.
In England dann gab es Einkaufsmeilen und Straßenzüge, die den deutschen verblüffend ähnelten. Boutiquen und Kaufhäuser weltweiter Marken reihten sich aneinander und bei Tesco traf sich die ganze Welt als Produkt. Deutsches Bier und italienische Pasta und französischer Käse und spanische Chorizo und multinationale Chips im Korb zu haben war Normalität. … Konsumismus und Kapitalismus haben die nationale und regionale Vielfalt besiegt, indem sie die Vielfalt, alles an alle Orte der Welt karrten.

Als ich ein Kind war, konnte ich noch am Akzent hören, ob mein Gesprächspartner aus Auerbach oder aus Klingenthal oder auch nur aus dem drei Kilometer entfernten Rodewisch stammte. Selbst der Brunner, aus einem anderen Stadtteil, hatte einen leicht diversen Klang. Spreche ich heute mit „gebildeten“ jungen Menschen, dann imitieren sie oft ein unerträglich arrogant klingendes Standard-Westidiom, kalt und gierig und fad wie die Bürokraten, denen sie das „Hochdeutsch“ abgelauscht haben.

Deutschland wird bunt. Deutschland ist Vielfalt. Gezeigt werden uns dazu lächelnde Menschen verschiedenen Aussehens, friedlich vereint. Bunt ist hübsch, bunt ist aufregend. Sehe ich genauso: Ich mag das Blau Frankreichs und das Weiß Italiens und das Rot Polens und das Gelb Deutschlands und auch das Grün Arabiens …, ich liebe die geheimnisvolle Tiefe der Russen, den Esprit der Franzosen, die Ironie der Engländer, den metaphysischen Schwermut der Deutschen, die Innerlichkeit der Ostasiaten … ich liebe den melodischen Klang des Italienischen, die rauen Töne der Holländer, den Singsang der Norweger, die Kehllaute der Berber … Aber diese Farben, Klänge, Idiosynkrasien werden verschwinden und verwischen, wenn Europa ein „Meltingpot“ geworden sein wird, wenn man überall – in London, Paris, Berlin – den Muezzin rufen hören wird, wenn auf den Straßen in Mailand, Brüssel, Zürich der gleiche Babelsprech gesprochen werden wird.

Was die Apostel der „Vielfalt“ nicht begreifen: daß sie genau diese Vielfalt zerstören. Wirkliche Vielfalt besteht aus vielen distinkten eigenen Identitäten, nicht aus einem weltweit ununterscheidbaren bunten Brei.

Vielfalt!

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