Die Nazikeule

Vor fast 20 Jahren – damals waren im Osten Baseballschläger meist ausverkauft – hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, in einer Leipziger Straßenbahn von sechs Skinheads erbarmungslos zusammengeschlagen zu werden. Man bemängelte meinen Haarschnitt. Alles ging in Sekundenschnelle vor sich. Wie aus dem Nichts standen die Herren vor mir und konnten in Nullkommanix eine unerklärliche Wut generieren. Zwei Dinge, so scheint mir, retteten mich: die sofort blutende Nase, die ein gewisses Bedürfnis befriedigte, und die Geistesgegenwart, mich wie ein Sack auf den Boden plumpsen zu lassen und trotz mehrerer Springerstiefeltritte in Leib und Kopf, reglos liegen zu bleiben. Man nannte mich „Zecke“ und auch der Name „Auschwitz“ fiel, und man ließ erst ab, als einer mich tot wähnte.

Ich kam ohne schwerere Verletzungen davon, nur dauerte es viele Jahre, bevor ich eine Glatze wieder ohne erhöhten Puls sehen konnte. Man nennt das wohl „Trauma“.

Wenn heute wieder Menschen – wie in Wismar und Magdeburg – mit Springerstiefeln und Baseballschlägern malträtiert werden, weil sie in Deutschland einen Zufluchts- oder Zukunftsort sehen, dann gilt es wachsam zu sein. Das sind symptomatische Enthemmungserscheinungen, die die Gesellschaft nicht weniger gefährden als eine kopf- und ideenlose Flüchtlingspolitik. Politisch sind sie zudem sinnlos, weil sie gerade einen gegenteiligen Effekt haben werden: Nicht Abschreckung wird das Resultat sein, wie die Täter wohl hoffen, sondern erhöhte Wehrfähigkeit und Abschottung. Das sind fatale Schritte in die Destabilisierung der inneren Ordnung. Sie zeugen von erschreckender Empathielosigkeit und Dummheit.

Aber auch das gilt: Je stärker die inneren Spannungen werden, je länger die schlecht organisierte und planlose Einwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen anhält, die schon aus logistischen Gründen nicht „integriert“ werden können, umso voraussehbarer und statistisch wahrscheinlicher sind derartige Eskalationen. Ursache und Schuld muß man trennen und doch gehören sie zusammen.