Deutsche Bahn und Toleranz

Wer es noch nicht kennt, sollte sich jetzt die 52 Sekunden Zeit nehmen und das neue Werbevideo der Deutschen Bahn anschauen.

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Sprachkompetenz

Zweisprachig aufzuwachsen ist ein Glücksfall. Kinder, die in fremden Landen heranwachsen und im elterlichen Heim einen festen und sicheren Stützpunkt haben, der sie ungezwungen auch mit der Muttersprache vertraut macht, haben enorme Vorteile für das ganze Leben. Ich kenne Familien, die sogar drei- oder viersprachig (ein Elternteil als Katalane zweisprachig) aufwuchsen und diese Herausforderung, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, meisterten. Oft lernen diese Kinder dann noch ein oder zwei Fremdsprachen in der Schule und können mit 18 auf ganz natürliche Art und Weise in fünf verschiedenen Idiomen parlieren.

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Trump als Inkarnation

„Unglücklicherweise ist ‚postmodern‘ heute ein Passepartoutbegriff, mit dem man fast alles machen kann. Ich habe den Eindruck, daß ihn inzwischen jeder auf das anwendet, was ihm gerade gefällt.“ (Umberto Eco)

Die sogenannte philosophische Postmoderne investierte einen großen Teil ihrer Denkenergie darein, zu erklären, was sie selbst ist, was das Wort „postmodern“ eigentlich bedeuten soll. Ein kurzes Brainstorming, ein bißchen blättern in den alten Texten und ein erst flüchtiger Verdacht erhärtet sich. Sie ist nicht tot, die Postmoderne, sie ist gerade erst wieder auferstanden und hat sich reinkarniert.

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Parteientektonik

Der irrationale Aufschwung einer im Grunde schon am Boden liegenden SPD durch das Postengeschacher Sigmar Gabriels zeigt, wie beweglich das Parteiengefüge geworden ist. Man sitzt auf einem Vulkan, unter uns das bewegliche Magma und keiner weiß, ob und welche neuen Krusten sich bilden werden. Daß man einen in „Europa“ verfilzten Schulz als „neuen“, unverbrauchten Mann darstellen kann, verrät uns einiges über die Psyche der erlösungshungrigen Deutschen. Jetzt bedürfte es einer großangelegten Studie der Frankfurter Schule, wie sie einst Erich Fromm und Adorno oder Wilhelm Reich lieferten, um die eigentümlichen Charaktertypen herauszuarbeiten …

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Der letzte Gang der Medien

Die neue Kolumne der Stokowski. An sich keine Dumme, hat einen ganz guten Humor, ist jedoch so tief in der eigenen Blase gefangen – klar, das sagt heute jeder über jeden –, daß sie tatsächlich mit breit geschwellter Brust ins offene Messer der selbstgenerierten Agitation rennt. Ist nicht dumm, stellt sich nur so. Meint, die Leute wüßten nicht, wie Journalismus funktioniere, behauptet, die Pressearbeiter könnten jederzeit frei entscheiden, was sie wie und wo veröffentlichen, und eine Zensur finde – ganz wie im GG verankert – natürlich nicht statt.

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Die Angst vor den Deutschen

… kann man gut verstehen. Sie scheinen eine besondere Affinität zu haben, geführt zu werden. Allzu schnell scharen sie sich um Führerfiguren und allzu selten ist eine wirkliche Führergestalt darunter.

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Trampen in die Wahrheit

Kurz vor Nickelsdorf – jenem Ort, der im Herbst 2015 Weltgeschichte schrieb – müssen wir halten: Österreich verlangt eine Maut und clever ist es auch, in Ungarn noch einmal zu tanken.

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Berliner Zynismen

Zynismus ist das aufgeklärte falsche Bewußtsein. Es ist das modernisierte unglückliche Bewußtsein, an dem Aufklärung zugleich erfolgreich und vergeblich gearbeitet hat. Es hat seine Auklärungslektion gelernt, aber nicht vollzogen und wohl nicht vollziehen können. Gutsituiert und miserabel zugleich fühlt sich dieses Bewußtsein von keiner Ideologie mehr betroffen; seine Falschheit ist bereits reflexiv gefedert. (Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft)

Alle Jahre wieder, kommt das …“ – nein, das ist zynisch, ein Weihnachtslied mit den Ereignissen in Berlin zu verknüpfen. Zu Letzterem ist schon alles gesagt worden, lange bevor es passierte.

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Betreutes Denken

Kleines erhellendes Nachspiel der Kubitschek-„Affäre“ (seidwalk berichtete).

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SOS – Presse in Not!

Schöne Bredouille! Fast könnte einem unsere glorreiche Rotbannerpresseflotte leid tun. Durch einen überraschenden Einschlag von Realdialektik hat sie nun genau das erreicht, und in Potenz, was sie lange zu verhindern versuchte. Vom selbstverliebten Akteur ist sie ein gehetztes Medium geworden. Wegen Politischer Korrektheit, dem Flaggschiff des neudeutschen Journalismus, fährt sie nun mit Karacho an die Klippen.

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Das Blame Game

Der Mord in Freiburg erschüttert die Nation. Auf diversen Seiten war man sich lange vor Veröffentlichung der Ermittlungsdaten sicher, daß der Tod der jungen Studentin in einer von Ausländerkriminalität gerade hart getroffenen Stadt nicht zufällig mit der verschärften Flüchtlingssituation zu tun hat. Sogar der Spiegel veröffentlichte eine Liste von Schwerverbrechen „mit Migrationshintergund“ allein in Freiburg innerhalb der letzten Wochen.

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Lobotomie oder: Linke Logik

Wikipedia: Die Lobotomie (von altgriechisch λοβός lobós „Lappen“ und altgriechisch τομή tomé „das Schneiden“, „der Schnitt“) ist eine neurochirurgische Operation, bei der die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen sowie Teile der grauen Substanz durchtrennt werden (Denervierung).

Sie wurde ursprünglich zur Schmerzausschaltung und bei extrem schweren Fällen psychischer Erkrankungen angewendet …

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Dylan

Man sollte die Klappe halten, wenn man keine Ahnung hat! Aber Bob Dylan für den Nobelpreis? In Literatur? Da fällt schweigen schwer, auch wenn ich Dylan weder kenne noch mag und auch wenn, aufgrund zu vieler Täuschungen, ich es längst aufgegeben habe, die moderne Literatur zu verfolgen.

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Das Kreuz mit der Identität

Vielleicht hat Rudolf Bahro nie einen wirklichen Berg erstiegen, aber er hat einen wesentlichen Satz dazu gesagt:  Wenn du einsam eine Weile einen Gipfel erklimmst, dann fängt der Berg mit dir zu sprechen an.

Otto Barth (1876–1916), Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Otto Barth: Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Der marxistische und grüne Selbstdenker wollte das Mystische betonen, das tief verinnerlichte Gefühl, das Menschen beschleicht, wenn sie mit grandioser Natur konfrontiert sind, wenn sie sich ihrer Nichtigkeit unmittelbar bewußt werden. Es ist letztendlich eine religiöse Empfindung. Berge und Gott oder die Götter gehören seit jeher zusammen. Dort wohnen sie, dort wachen sie und dort glauben die Menschen, ihnen besonders nahe zu sein. Moses, Jesus und Mohammed stiegen mit ihren Gesetzesoffenbarungen alle von Bergen herunter.

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Presse nach Wahl

»Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Krieges nicht mehr.« Peter Sloterdijk

Man kann nur darüber spekulieren, welche Bedeutung die Medienberichterstattung für das Wahlergebnis hatte. Ähnlich Sachsen-Anhalt und ein halbes Jahr nach diesem ersten Schock, kommt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern  auf satte 20 Prozent der Wählerstimmen. Das ergibt bereits die erste Lehre: die Blockparteien haben keine Lehre gezogen, sie sind und bleiben bildungsresistent oder aber es fehlen ihnen schlicht und einfach Mittel und Ideen, den selbstaktivierten Zauberbesen wieder in die Ecke zu befördern. Im Gegenteil, sie vermehren seine Macht durch zusätzliche Spaltungen – je weiter ihnen das Wasser bis zum Halse reicht, desto hektischer, so bleibt zu fürchten, werden sie auf ihn einschlagen.

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Wo sind wir?

Hussain muß einen sogenannten Einbürgerungstest machen. Dabei werden 33 aus 300 Fragen mit je vier Auswahlantworten abgefragt. Wir sprechen über das Parteiensystem. Links und rechts, progressiv und konservativ, eigentlich alles ganz einfach, nur daß innerhalb kurzer Zeit die gesamte Mitte weggebrochen ist und plötzlich auch die CDU/CSU eher links zu verorten sind, ist schwer zu vermitteln.

Dann klingelt es und Salim tritt ein. Er hatte gerade ein Doppelstockbett für die Kinder gekauft, aber der Tochter gefiel es nicht. „Kind deutsch“ sagt er und meint: sie beginnen langsam Ansprüche  zu stellen. Das Wort des Vaters – in Syrien Gesetz – zählt nicht mehr viel.

Ich rufe für ihn, der auch nach neun Monaten nahezu sprachlos ist, beim Möbelhaus an und storniere die Bestellung. Dort erinnert man sich gut an den Kunden und meckert gleich los. Hätte er sich auch vorher überlegen können …

Wenn er schon einmal da ist, soll er gleich am Unterricht teilnehmen. Schnell ist die Landkarte ausgebreitet. „Laßt uns die Bundesländer noch einmal wiederholen. Salim, wo sind wir?“ Hussain, mit dem ich fast nur noch Deutsch rede, muß alles übersetzen. Salim schaut auf die Karte wie die Kuh ins Uhrwerk. Er hat keine Ahnung, wo Sachsen liegt, scheint nicht mal Nord und Süd einordnen zu können. Er murmelt etwas von München, aber auch das kann er nicht zeigen. Nach zwei Minuten helfe ich ihm auf die Sprünge, aber die Art und Weise, wie er auf den kleinen Punkt schaut, beweist, daß ihm das Prinzip Karte und Gebiet vollkommen fremd ist.

Der Niedergang der Presse

Es gab eine Zeit, in der man sich aus Überzeugung ein bestimmtes Blatt hielt. Politiker, Geschäftsleute, Intellektuelle, die einen umfassenden Blick haben wollten, lasen gleich mehrere Gazetten: den „Spiegel“, die „Zeit“, die „Welt am Sonntag“ als Wochenzeitungen und die „FAZ“, die „Süddeutsche“, die „Welt“ und vielleicht auch die „TAZ“ als Tageszeitungen. Das war durchaus sinnvoll, denn kein Blatt war wie das andere. Nicht nur unterschieden sie sich durch die politische Ausrichtung und einen eigenen Ton, nein, sie brachten auch unterschiedliche Nachrichten. Es gab investigativen Journalismus – befähigte Mitarbeiter mit fachlichen Kompetenzen und einer eigenen Feder recherchierten oft wochen- oder monatelang, um dann ein Knallbonbon zum Platzen zu bringen. Und was der eine brachte, war für den anderen Tabu. So garantierte Wettbewerb Qualität.

Spätestens nach der Machtübernahme des Internets sind diese Zeiten vorbei. Heute, so hat es den Anschein, besteht die Orientierung des Journalisten nicht mehr im Raum, sondern in der Zeit. Nicht Tiefe oder Labyrinth, sondern Schnelligkeit ist die Zentralkategorie. Man hat den Eindruck, als sitze man in den Redaktionsstuben nur noch am DPA-Ticker, um ja als erster, mit einem Vorsprung von wenigen Minuten oder Sekunden, die Nachricht in die Welt plärren zu können. Oft steht dann „Eilmeldung“ – man weiß noch nichts, aber man muß schon berichten. Alle berichten das gleiche.

Mit dem Willkommenskultursommer wurde zudem die inhaltliche Gleichschaltung evident. Zwar gab es noch immer vereinzelte charakteristische Stimmen – nur weil es sie gibt, kann Klonovsky (vom 15.7.2016) sie so trefflich parodieren –, die Botschaft, die sie auf verschiedene Weise verkündeten, wurde zunehmend ununterscheidbar, von einigen seltenen defätistischen und pseudo-legitimierenden Gastbeiträgen, die die Meinungsvielfalt vortäuschen sollten, unterbrochen. Nehmen wir nur die Spiegel-Kolumne: Jakob Augstein, Sascha Lobo, Margarete Stokowski, Sibylle Berg, Georg Diez – alle haben einen eigenen Stil, aber seit einem Jahr sind ihre Beiträge vorhersagbar wie der Sonnenuntergang und nur durch geringfügige inhaltliche Differenzen zu unterscheiden. An dieser Phalanx läßt sich die unsägliche Linkslastigkeit der Zentralmedien, die an anderer Stelle bereits analysiert wurde, wunderbar vorführen.

Nun fährt die Journaille die Ernte ein, die sie selbst gesät hat, nun kippt der Kahn, auf dem alle nach Backbord laufen. Die Verkaufszahlen brechen massiv ein. Das Volk traut seiner Presse nicht mehr und auch die Redakteure sind plötzlich gezwungen, das ungeliebte Spiel mitzuspielen.

Ich stelle mir vor: Ein Beitrag wie dieser – Linken-Politiker setzte sich für Bleiberecht von Syrer ein –, den alle Medien brachten, muß fürchterlich geschmerzt haben. Darin wird berichtet, daß die Abschiebung des späteren Selbstmordattentäters von Ansbach von einem Bundestagspolitiker der Linken verzögert wurde, damit Mohammed Daleel seine Therapie zu Ende führen darf.

Daran ist an sich nichts verwerflich und niemand konnte ahnen, wozu der Mann in der Lage sein würde. Darüber hinaus ist die Nachricht unbedeutend und vergleichsweise irrelevant. Aber der Beitrag heizt natürlich die empfindsame Stimmung an und stellt einen unausgesprochenen Zusammenhang zwischen linker Willkommenskultur und Terrorgefahr her, genau jenen Konnex also, den man bisher herzustellen mit allen Mitteln vermeiden wollte. Aber weil nicht mehr Raum, sondern Zeit das entscheidende Kriterium der Pressearbeit ist und weil man weiß, daß die Meldung ohnehin auf anderen Kanälen verbreitetet werden wird, und weil man auch weiß, daß ein Verschweigen der Meldung als Beweis für die „Lügen- oder Lückenpresse“ wird herhalten müssen, ist man gezwungen, zähneknirschend, wie ich vermute, diese Meldung so zu bringen.

Und damit fährt die Presse die Ernte jener Saat ein, die seit letztem Sommer von ihr ausgesät worden war. Die Presse schafft sich ab.

 Zur Vertiefung: Das rote Mehr

 

 

Entwarnung: Moscheenzensus

Wieder so ein Qualitätsprodukt der Leitmedien. „Experten rechnen vor“ – wer die Experten sind, bleibt ungesagt.

Focus: Im vierstelligen Bereich: so viele Moscheen gibt es in Deutschland wirklich

Demnach „recherchiert“ die „Zeit“ und zählt alle Moscheen in Deutschland zusammen, denn bislang gibt es – das ist doch der eigentliche Skandal! – keine offizielle Bestandsaufnahme. Man kommt auf 2750. Ist das nun viel oder wenig? Wie kommt man auf diese Zahl, wenn es „keine offiziellen Auskünfte gibt“? Und was ist überhaupt eine Moschee? Ein Bau mit Kuppel und Minarett oder zählt jeder x-beliebige Gebetskeller im Hinterhaus dazu?

Der „Focus“ schießt den Vogel an Unwissenheit ab, indem er uns das sehenswerte Yenidze-Gebäude in Dresden präsentiert – das definitiv nie eine Moschee war, sondern eine Zigarettenfabrik.

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Überhaupt will man beim linkspopulistischen „Focus“ durch die Blume Entwarnung geben ohne freilich den Mut zu haben, wirklich zu bekennen. Das signalisiert der Eingangssatz: „In Deutschland gibt es schätzungsweise sechzehn Mal mehr christliche Kirchen als Moscheen.“ Also kein Grund zur Panik.

Doch ist die Zahl sinnlos, wenn man nicht die Dynamik betrachtet. Wie viele Moscheen gab es vor 50 Jahren? Wir wissen es nicht, doch dürfte die Zahl nicht im vierstelligen, sondern eher im zweistelligen Bereich gelegen haben. Und vor 40 Jahren, vor 30, vor 20, vor 10 Jahren? Man riskiert keine Lüge, wenn man von einem exponentiellen Wachstum ausgeht.

Merken wir uns den Faktor 16. Die nächste Zählung wird ihn nicht mehr bestätigen und in 10, 20, 30, 40 oder 50 Jahren wird er Makulatur sein.

Allein unsere Presse bleibt stoisch und lebt – im Hier und Jetzt.