Fundstücke XXXVII

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Hamburg, Sodom und Gomorrha

„Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha …“ (Gen. 19,24)

Hamburg brennt! Und ich behaupte, daß auch das ein fernes Ergebnis jener fatalen Fehlentscheidungen des Sommers 2015 ist.

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Linke Liebe und richtige Liebe

Der aufrüttelnde – „Geschlechterrollen wurden in linken Kreisen höchstens pro forma in Frage gestellt“ – und bemerkenswert ehrliche – „ich stellte ihnen meine Vagina zur Verfügung, damit sie an und in mir ruhen und rasten konnten nach dem erschöpfenden Kampf gegen Nazis, die imperialistische Weltverschwörung und all die Bösen da draußen“ – Beitrag einer linken Feministin – ist das schon eine Platitude? – führt mich down the memory lane, weckt Erinnerungen.

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Linkes Demokratieverständnis

Vom 16.9. bis 18.9. findet auf dem Rittergut in Schnellroda die Sommerakademie statt. Bei dieser teils akademischen, teils sozialen Veranstaltung des „Instituts für Staatspolitik“ werden Vorträge gehört, Diskussionsrunden veranstaltet, Bücher verkauft, Beziehungen geknüpft.

Man spricht über die „Lage 2016“, es werden Beiträge zur „Flüchtlingskrise“, zur Landwirtschaft, zum Brexit und TTIP, zu Rußland, zur US-Wahl, zu AfD und Pegida und zur Finanzkrise zu hören sein.

Der kleine Ort Schnellroda mit seinen 150 Einwohnern kennt derartige Termine und es hat ihn bisher noch nie aus dem Schlaf gerissen.

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Schöne Fassade

Eisenach und die Wartburg sind Geschwister im Geiste. Man ist überwältigt, schaut man auf diese massive und so geschichtsträchtige Burg. Der Rundgang wird – sofern man mit kritischem Blick betrachtet – zur Enttäuschung. Alles schön renoviert, blitzblank, übermalt und aufgehübscht … aber nichts echt und original. Selbst der beeindruckende Pallas mit den romanischen Rundbogenfenstern ist nachgebaut. Die Säulen sind moderne Steinmetzarbeit, lediglich ein paar Säulenfüße wirken echt und in der Vitrine liegen Kapitellreste.

Beeindruckende Mosaike, die das Leben der Heiligen Elisabeth beschreiben, stellen sich als spätromantischer Kitsch heraus. Moritz von Schwind ist präsenter als Ludwig der Springer, Walther von der Vogelweide oder selbst Luther. Sogar der sogenannte Sängerwettstreit wird mittlerweile von der Wissenschaft in Frage gestellt oder auf andere Burgen verlegt.

Ein Loch in der Wand wird als magerer Beweis für eine aufwendige Hypokauste vorgezeigt und schon die erste Nachfrage zeigt, wie wacklig diese These ist. Im Hof steht ein Zierbrunnen; er soll den größten Makel überdecken und weist doch erst darauf hin: Die Wartburg hatte keinen Brunnen, mühsam mußte das Wasser mit Eseln nach oben transportiert werden; sie war nie verteidigungsfähig, sie ist im Grunde genommen ein Lustschloß. Sie ist Fake.

Auch Eisenach gibt sich schön und aufgeputzt. Ein hübsches Städtchen mit bunten Giebeln, neu gemachten Straßen, Bach- und Lutherhaus, Theater, Flaniermeile alles pipapo. Man muß sich einen Moment Ruhe gönnen, um die Unstimmigkeiten zu bemerken.

An den Häuserwänden kleben Antifa-Kleber, in den Hinterstraßen waren Antifa-Poeten am Werk. Ein Schaufenster wurde mit „Nazi“ besprüht. Der Inhaber des Antikladens erklärt: er mache das Maul auf, wenn es ihm stinkt, schreibt in der Zeitung, was er denkt und erntet von den „Linksfaschisten“ –so nennt er sie – den Haß. Die Szene teilt sich auf in Dreadlock- und Kiffertypen und Kapuzenträger. Aber auch Glatzen und volltätowierte, durchtrainierte junge Männer mit Fraktur-Aufschriften auf schwarzen Hemden sind zu sehen. Mit düsterem Blick scannen sie sie Gegend ab und man ist froh, durchs Raster zu fallen.

Am auffälligsten aber die Gruppen dunkelhäutiger Menschen. Syrische Flüchtlinge bevölkern einen WLAN-Hotspot und surfen selbstvergessen im Internet. Ein pakistanisches Ehepaar streitet mit dem fünfjährigen Sohn auf Ausländisch, ob er das Handy haben darf. Immer wieder kommen lautstarke Gruppen stämmiger und übergewichtiger Männer und Frauen (mit Kinderwagen) vorbei und sprechen eine seltsame Sprache. Wäre es Rumänisch, ich hätte es ein wenig verstanden – so muß es Romani sein, die Sprache der Sinti und Roma, die man im Kosovo viel spricht. Die jungen Mädchen schauen mich provozierend an, als stellten sie die Frage: „Willst du?“ Junge Männer laufen beobachtend die Einkaufspassage auf und ab, als ob sie etwas kontrollieren. Fühlen sie sich bedroht? Gilt es einen Claim abzustecken? Ich werde nicht schlau daraus. Einer verschwindet in einer Haustür mitten im Zentrum – an der Klingelleiste stehen vier typische Romanamen. Google klärt später auf: Jeder Dritte Asylbewerber in Thüringen ist Kosovare.

Man ahnt – ohne es wirklich zu wissen: es gibt Spannungen in der Stadt. Hinter der schönen Fassade.

Werbetafel in Eisenach

Werbetafel in Eisenachs Flaniermeile

München – islamistischer Terror

Der Anfang des Terrors ist nicht das ausgeführte Einzelattentat der einen Seite, sondern der Wille und die Bereitschaft von Konfliktpartnern, in der ausgeweiteten Konfliktzone zu operieren. (Peter Sloterdijk)

Schnell und fast ein wenig erleichtert war sich die deutsche Medienwelt einig, daß es sich bei dem Attentat in München nicht um Terror oder gar islamistischen Terror gehandelt hatte – zwischenzeitlich spielte man auch mit dem Begriff des Rechtsterrors. Die deutsche Sprache bietet für diese Art des Tötens das malaysische Wort „Amok“ an. Allerdings ist auch dieser Begriff offensichtlich falsch, denn der Amoklauf bezeichnet im europäischen Verständnis eine Affekttat, im fernöstlichen dagegen eine kriegerische Handlung, oft unter Einsatz von Drogen, die die vollkommene Selbstaufgabe beinhaltet, um dem Kriegsgegner größtmögliche Schäden zuzufügen, ihn aber auch einzuschüchtern.

Es geht hier nicht primär um die korrekte Wortfindung, wenn ich behaupte, daß es sich bei den Münchner Ereignissen ganz ohne Zweifel um islamistischen Terror handelte. Auch möchte ich nicht auf die zahlreichen Widersprüche eingehen, vor allem daß englische oder türkische Medien (und womöglich noch andere) auch zwei Tage nach der Tat noch immer von Zeugen berichteten, die ein „Allahu Akbar“ gehört haben wollen oder auf der Existenz von mehreren Tätern beharren, aber auch daß sie Bilder von drei Verhaftungen zeigen, daß der Nizza-Reporter Richard Gutjahr (der mit einer ehemaligen Mossad-Agentin verheiratet ist) ausgerechnet gleichfalls in München in der ersten Reihe stand etc. Das Takbīr ist nicht zuletzt durch westliche Medien zum Inbegriff des Terrors geworden. Und schließlich spielen auch die deutsch-iranischen Wurzeln des Attentäters keine Rolle in meinen Überlegungen: Ali S. ist in München aufgewachsen, ging hier zur Schule und ist mithin Deutscher – im Dialog mit einem Anwohner, der ihn „Wichser“ nannte, antwortete er: „Halten Sie die Schnauze, Mann!“ und beweist damit sogar im Extremfall eine tief verinnerlichte Höflichkeit.

Daß es sich bei der Schreckenstat um islamistischen Terror gehandelt hat, versteht man erst, wenn man die Bedeutung des Begriffes „Terror“ erfasst. „Terror“ heißt „Schreckensnachricht“, das Wort beschreibt die Wirkung, die psychische Wirkung der Tat und nicht die Tat selbst. Diese Differenzierung ist wesentlich.

Sie macht die Tat unmittelbar als Terror sichtbar. Instinktiv – denn die Angst sitzt bereits in uns – dürften fast alle Menschen an islamistischen Terror gedacht haben, als sie die Nachricht – wo und wie auch immer – erhielten. Für den ersten Augenblick ließ vieles auf das Terrormuster islamistischer Extremisten schließen: Schüsse in einem Einkaufszentrum, mehrere Täter und auch die ersten Bilder eines dunkelhaarigen jungen Mannes mit Rucksack paßten ins Bild. Kaum jemandem dürfte in diesem Moment der seltsame Gang des jungen Mannes aufgefallen sein und erste Zweifel kamen erst mit Veröffentlichung des Dialogs auf dem Parkhaus auf.

Was Terror ist, entscheidet nicht der Täter, der Sender der Schreckensnachricht, sondern liegt im Auge des Betrachters, beim Empfänger, in der Wirkung auf ihn.

Noch die verspätete Wortmeldung Merkels enthält mit den Worten „Immer sind es Orte, an denen jeder von uns hätte sein können. So kann ich jeden verstehen, der heute mit Beklommenheit auf eine Menschenmenge zugeht, der im Hinterkopf die Frage hat, ob er dann sicher ist“, den immanenten Terrorbezug und die Kontinuität der Interpretationen. „Wir alle stehen noch unter dem Eindruck der Bilder, der Berichte der Augenzeugen … So ein Abend, so eine Nacht, sind schwer zu ertragen. Sie sind umso schwerer zu ertragen, als wir so viele Schreckensnachrichten binnen ganz weniger Tage hinnehmen mußten.“ Hinnehmen mußten wir islamistischen Terror in Orlando und in Nizza und in Würzburg, Merkel definiert in ihrer Ansprache Terror schlechthin.

Islamistisch ist der Terror aufgrund seiner Kontinuität. Es hätte jede andere Form von Terror sein können – rechter, linker, religiöser, veganer, NSU-, Tierschutz-, Abtreibungs- oder Fußballterror … –, aber in München war es islamistischer Terror, weil wir in einer Situation leben, in der Terror wesentlich islamistisch besetzt ist. Der islamistische Terror ist die mit Abstand größte Terrorangst unserer Tage und es müßte schon eine Moschee Ziel eines Anschlags sein, um unsere unmittelbaren Gedanken umzulenken und selbst dann würden wir noch an einen innerislamischen Zusammenhang denken.

Der islamistische Terror, der 2001 eine Urszene schuf, die sich auf ewig ins kollektive Bewußtsein fraß, der seither fast 30 000 Menschen tötete und ein Vielfaches davon verstümmelte und verletzte und Milliarden beeindruckte, hat es geschafft und arbeitet durch tagtägliche Wiederholung weiterhin daran, das Adjektiv nahezu überflüssig zu machen.

Selbst wenn des Täters Überlegungen in andere Richtung gegangen sein sollten – Breivik oder Winnenden oder Columbine –, dürfte auch er gewußt haben, daß seine Tat diese Konnotation herstellt; weshalb sonst bestand er auf seinem Deutschsein?

Es spielt auch keine Rolle, was er dachte: München war so oder so islamistischer Terror.

Siehe auch: Die Botschaft des Terrors