Die Wende von innen

Fortsetzung von „Meine Wende

Um zu begreifen, was sich im Oktober und November 1989 so überstürzt abspielte, müßte man eine lange Geschichte erzählen und vielleicht würde es auch dann noch nicht zu verstehen sein, eine Geschichte, die weit über mein Leben hinausragte. Begann sie 1961 mit dem Mauerbau oder noch früher vielleicht? 1949 mit der Gründung der BRD und dann der DDR? Nein, man wird wohl noch weiter zurückgehen müssen, würde vom Krieg und vom Stalinismus zu erzählen haben und, wer weiß, möglicherweise sogar von der kommunistischen Idee als solcher?

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Jugendgewalt – einst und jetzt

Vor 20 Jahren hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, in einer Leipziger Straßenbahn von sechs Skinheads erbarmungslos zusammengeschlagen zu werden.

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Blick in die Zukunft V

Nun ist es also so weit. Zum vorerst letzten Mal werde ich Hussain sehen. Über fast ein Jahr trafen wir uns mehrmals die Woche. Anfangs zusammen mit anderen, aber da der Kreis der Teilnehmer immer kleiner wurde, blieben nur wir zwei übrig, gelegentlich von Khaled oder Salim gestört.

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Die Nazikeule

Vor fast 20 Jahren – damals waren im Osten Baseballschläger meist ausverkauft – hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, in einer Leipziger Straßenbahn von sechs Skinheads erbarmungslos zusammengeschlagen zu werden. Man bemängelte meinen Haarschnitt. Alles ging in Sekundenschnelle vor sich. Wie aus dem Nichts standen die Herren vor mir und konnten in Nullkommanix eine unerklärliche Wut generieren. Zwei Dinge, so scheint mir, retteten mich: die sofort blutende Nase, die ein gewisses Bedürfnis befriedigte, und die Geistesgegenwart, mich wie ein Sack auf den Boden plumpsen zu lassen und trotz mehrerer Springerstiefeltritte in Leib und Kopf, reglos liegen zu bleiben. Man nannte mich „Zecke“ und auch der Name „Auschwitz“ fiel, und man ließ erst ab, als einer mich tot wähnte.

Ich kam ohne schwerere Verletzungen davon, nur dauerte es viele Jahre, bevor ich eine Glatze wieder ohne erhöhten Puls sehen konnte. Man nennt das wohl „Trauma“.

Wenn heute wieder Menschen – wie in Wismar und Magdeburg – mit Springerstiefeln und Baseballschlägern malträtiert werden, weil sie in Deutschland einen Zufluchts- oder Zukunftsort sehen, dann gilt es wachsam zu sein. Das sind symptomatische Enthemmungserscheinungen, die die Gesellschaft nicht weniger gefährden als eine kopf- und ideenlose Flüchtlingspolitik. Politisch sind sie zudem sinnlos, weil sie gerade einen gegenteiligen Effekt haben werden: Nicht Abschreckung wird das Resultat sein, wie die Täter wohl hoffen, sondern erhöhte Wehrfähigkeit und Abschottung. Das sind fatale Schritte in die Destabilisierung der inneren Ordnung. Sie zeugen von erschreckender Empathielosigkeit und Dummheit.

Aber auch das gilt: Je stärker die inneren Spannungen werden, je länger die schlecht organisierte und planlose Einwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen anhält, die schon aus logistischen Gründen nicht „integriert“ werden können, umso voraussehbarer und statistisch wahrscheinlicher sind derartige Eskalationen. Ursache und Schuld muß man trennen und doch gehören sie zusammen.