Wo bleiben die Terroristen?

Despite the missteps of U.S. foreign policy, the terrorists‘ missteps have been even worse. That’s why I believe that our fears of terrorism are exaggerated. There just aren’t many terrorists, thank goodness.” Charles Kurzman

Um die Ecke denken, überraschen, nicht ausrechenbar sein … das hat mich schon immer fasziniert. Und wenn in einer Welt, in der wir permanent über die Tatsache stolpern, daß radikaler Islam Terrorismus in großer Zahl und quasi per Gesetz erzeugt, einer kommt und indirekt fragt: „Why are there so few Muslim Terrorists?“, warum es also eigentlich so wenige Terroristen gibt, dann hat er mich schon gebannt.

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Glaubenstiefe und deutsche Härte

„Mit einem ägyptischen Handwerker … unterhielt ich mich zunächst über das literarische Alexandria“ – mit diesen Worten eröffnet Karl Heinz Bohrer eine kleine Nebengeschichte, die man in seiner gedankengesättigten Autobiographie schnell überliest, die jedoch typisch für Bohrers Herangehensweise an das Leben ist und die zudem eine aufschlußreiche Pointe beinhaltet.

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Konservatismus und Differenz

Für H.

Ein weiteres Faszinosum an Karl Heinz Bohrers außergewöhnlicher Autobiographie sind die Entwicklungslinien, die Bohrer, gekonnt versteckt, einbaut. Etwa die seiner politischen Einstellung.

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Deutsche Bahn und Toleranz

Wer es noch nicht kennt, sollte sich jetzt die 52 Sekunden Zeit nehmen und das neue Werbevideo der Deutschen Bahn anschauen.

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Die Philosophie der Ahmadiyya

Im Herbst 2015 kam es in Weimar zu einem unverhofften und intensiven Gespräch mit Suleman Malik, dem Vorsitzenden der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde und im darauffolgenden Frühjahr konnte ich mit Said A. Arif, dem Imam der Berliner Moschee, sprechen und einen kurzen Mailwechsel führen. In den Beiträgen „Der friedliche Islam“ und „Friede und Islam in Sachsen?“ wurde über diese Begegnungen berichtet und die Zugriffszahlen beweisen, daß es ein Bedürfnis sowohl nach Aufklärung über den Islam als auch nach einer friedlichen Auslegung gibt. Beide empfahlen ein viel angepriesenen Buch, das Hauptwerk des Gründers dieser Glaubensrichtung – Mirza Ghulam Ahmad –  mit dem anspruchsvollen Titel: „Die Philosophie der Lehren des Islam“. Hier soll es auf Herz und Nieren geprüft werden; hält es einer kritischen Prüfung stand?

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Mohammed in der Literatur II

Tralow

Johannes Tralow war insbesondere in der DDR ein Gigant. Überhaupt erlangte der Historische Roman, dessen Großmeister Tralow im Osten war, enorme Beliebtheit, nicht zuletzt deswegen, weil die geschichtliche Verkleidung einerseits ideale Möglichkeiten bot, „geheime Botschaften“ weiterzureichen, und andererseits die ungestillte Reiselust der Ostdeutschen zumindest in der Phantasie befriedigte. Gerade mit seiner „Osmanischen Tetralogie“ befriedigte Tralow das Bedürfnis nach Exotik, verführte allerdings auch zu einer beschönigenden Orient-Sicht. Ich kannte jedenfalls Geschichtsstudenten, die ihr Studium zum Großteil mit seinen historischen Romanen meisterten.

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Mohammed in der Literatur

Klabund

Erhört eure Gebete! (Barbusse: Jesus)

Die Geschichte des Propheten ist so schillernd wie nur möglich: Frauen, Liebe, Eifersucht, Intrigen, Mord und Totschlag, Exotik, Erotik, Farben und Düfte, grandiose Natur, Kriege und Schlachten und die großartigsten Charaktere. Hätte es ihn nicht gegeben, man hätte ihn literarisch erfinden müssen. Eine solche Gestalt muß die Literaten und Poeten en masse angezogen haben, die Regale müßten sich unter Mohammed-Romanen biegen.

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Der Rhizom-Terror!

Der Philosoph Gilles Deleuze hat schon in den siebziger Jahren das Bild des Rhizoms entwickelt, in dem er ausdrücken wollte, wie postmoderne Organisationen verfaßt sind: Sie gleichen dem Wurzelwerk von Bäumen, weithin verästelt, und sie lösen damit die straffen Hierarchien herkömmlicher Institutionen ab. Solchen wuchernden Rhizomen gleichen nun die dschihadistischen Netzwerke (Gilles Kepel)

Gilles Kepel, den man auch in Deutschland gerne als Terrorexperten zitiert, hatte bereits in seinem umfänglicheren Werk von 2009 – „Die Spirale des Terrors. Der Weg des Islamismus vom 11. September bis in unsere Vorstädte“ – seine Vorliebe für den Poststrukturalismus bewiesen, denn dort wollte er den Terror im Paradigmenwechsel von historischer Faktizität (das reale Ereignis) zur historischen Fiktionalität (das mediale Ereignis) beschreiben. Unter Poststrukturalismus verstehen wir eine Vielzahl von philosophischen Ansätzen, die sich alle auf eine Zeichentheorie (affirmativ oder negativ) beziehen und die psychoanalytische, marxistische Begrifflichkeiten überwindend nutzen. Das einigende Band ist die „Dekonstruktion“ – also die Destruktion und insgeheime Neukonstruktion – einer Objektivität.

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Den Koran lesen

I took up the Bible and began to read, but my head was too much disturbed with the tobacco to bear reading, at least that time; only having opened the book casually, the first words that occur’d to me where these: Call on me in the day of trouble, and I will deliver, and thou shalt glorify me. (Robinson Crusoe)
Ich fummelte wie ein Irrer in dem ganzen Klo rum. Und dabei kriegte ich dann dieses berühmte Buch oder Heft in die Klauen … Leute, das konnte wirklich kein Schwein lesen. Beim besten Willen nicht. (Die neuen Leiden des jungen W.)

Robinson Crusoe, so erzählt uns Daniel Defoe, überlebte 28 Jahre auf einer einsamen Insel und dabei hat ihm – entgegen allen Popularisierungen – vor allem eines geholfen: die Bibel. Der Zufall (oder Gott?) wollte es, daß in einer der angeschwemmten Kisten auch das Buch lag, mit dem der junge Seemann zuvor noch keine Bekanntschaft geschlossen hatte. Im zweiten Jahr, während einer schweren Krankheit und psychischen Anfechtung, schlägt er es nach einem offenbarenden Traum auf und es spricht zu ihm. So, denke ich, muß man ein solches Buch lesen. Ohne Vorwissen, Vorgaben, Voreingenommenheit.

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West-östlicher Divan

Ewig zieht sich der Abend hin. Wir sind eingeladen. Es wird türkisch gekocht. Dann sitzen wir am Tisch und plaudern. Wir, das sind acht Deutsche und ein Türke oder anders: drei Wessis und fünf Ossis. Ort der Handlung: Ungarn.

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Worum es geht

Wer nicht von dreitausend Jahren
sich weiß Rechenschaft zu geben,
bleib im Dunkeln unerfahren,
mag von Tag zu Tage leben. Goethe

Um mit der Tür ins Haus zu fallen: 25 Jahre deutsche Einheit, 100 Jahre Demokratie, 250 Jahre Aufklärung, 350/450 Jahre Religionsfrieden, 1000 Jahre deutsche Geschichte, 2000 Jahre christliche Geschichte, 2500 Jahre europäische Zivilisation stehen auf dem Spiel, der Abbruch dieser Traditionen wird riskiert und wird stattfinden, wenn … Mit Worten, die uns aus der Wetterprognose und dem Klimawandel bekannt sind: das ist die größte europäische und nationale Krise seit Beginn der Aufzeichnungen.

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Blick senken!

Die erste Bedingung für eine glückliche Gesellschaft ist die sexuelle Befreiung, die jedem gestattet, nach seiner Natur zu leben. (Hans Kirk)

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Haddsch

 „So before I was nine I had learned the basic canon of Arab life. It was me against my brother; me and my brother against our father; my family against my cousins and the clan; the clan against the tribe; and the tribe against the world. And all of us against the infidel.“ (Leon Uris: Haj)

Vor einiger Zeit gab es wieder eine dieser sich selbst in den Schwanz beißenden Jubelschlangen. Demnach seien 89% der Araber gegen den IS. Macht im Umkehrschluß 40 Millionen Sympathisanten …

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Cat Stevens und das Ende der Kunst

Menschen meiner Generation haben meist sehr angenehme Erinnerungen an Cat Stevens. „Die sensibelsten Frauen“, wie Giovanni di Lorenzo in einem Interview mit dem Künstler gestand, legten meist eine seiner Platten auf, zündeten eine Kerze an, gossen ein Glas Wein ein … der Rest ist Geschichte, sweet, sweet memory bis … „Morning has broken“.

Dabei ist der einstige Superstar ein paradigmatisches Beispiel für die unheilige Verbindung von Kunst und Islam. Es lohnt, seiner Geschichte – übrigens nicht nur aus diesem Grund – ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

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Lehrstunde für Marxianer

(…) Um sowohl das Wesen der Beziehungen zwischen der türkischen Regierung und den geistlichen Gewalten der Türkei zu begreifen als auch die Schwierigkeiten, in die die erstere gegenwärtig verwickelt ist, wo es sich um das Protektorat über die christlichen Untertanen der Pforte handelt, um die Frage also, die den gegenwärtigen Wirren im Orient offenkundig zugrunde liegt, muß man einen Rückblick auf die frühere Geschichte und Entwicklung der Pforte werfen.

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Maischbergers Muslime

Heute läuft „was ganz Besonderes“, meint Sandra Maischberger zu Beginn ihrer gestrigen Sendung. „Wir haben Publikum im Studio“, wir „wollen mit Ihnen reden, mit Ihnen debattieren und deswegen sind hier aus ganz Deutschland Menschen in Köln zusammengekommen. Wir haben sie zu uns gebeten und wir wollen streiten“.

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Auf den Hund gekommen

„Man muss erst lassen können, um gelassen zu sein.“ Meister Eckhart

Was die linkspopulistische „Huffington Post“ uns in letzter Zeit als Aufklärung und Friedensangebot präsentiert, gibt uns in Wirklichkeit einen Vorgeschmack dafür, was bald kommen wird. Wie lebt man mit Muslimen zusammen, ohne sie zu beleidigen und zu verletzen. Zum Beispiel mit Hunden.

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Der kleine Unterschied

Mängel und Schicksale haben wir alle gemein, die Tugenden gehören jedem besonders. (Goethe: Dichtung und Wahrheit)

Was immer dir Gutes widerfährt, ist von Allah, und was immer Böses dir widerfährt, ist von dir selber. (Koran: Sure 4.79)

Marx und Koran im Unterstand

Lese gerade Oriana Fallaci (1929-2006). Italienische Star-Journalistin, geliebt und gehaßt. Geliebt wegen ihrer Offenheit und Direktheit und gehaßt aus gleichem Grunde. Sie reiste viel, führte denkwürdige Interviews mit Arafat, Khomeini und Kissinger, versuchte zu verstehen.

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Ein Briefwechsel

Lieber M.,

du bist jetzt seit einem Jahr in Deutschland und sprichst die deutsche Sprache schon sehr gut. Das freut mich.

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