Terror als Ausweg

Angesichts der Bilder (nur für Hartgesottene!), wie sich fünf junge Männer in Cambrils von der Polizei hinrichten lassen, indem sie sich verweigern, die Arme zu heben und ohne effektiv etwas ausrichten zu können – die Sprengstoffgürtel erweisen sich später als Attrappen –, darf man sich erneut fragen, welche Psycho-Logik hinter solch scheinbar absurden und aller menschlichen Natur widersprechenden Verhaltensweisen steckt. Ein Grund, ein starker, wenn auch nicht der einzige, dürfte sich im Religiösen verbergen. Daher noch einmal der Versuch, den „Terror als Ausweg“ zu beschreiben:

Euthanasie ist heutzutage ein Unwort geworden – die systematische Vernichtung „unwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten hat einen einst ehrenwerten Begriff entwertet.

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Wo bleiben die Terroristen?

Despite the missteps of U.S. foreign policy, the terrorists‘ missteps have been even worse. That’s why I believe that our fears of terrorism are exaggerated. There just aren’t many terrorists, thank goodness.” Charles Kurzman

Um die Ecke denken, überraschen, nicht ausrechenbar sein … das hat mich schon immer fasziniert. Und wenn in einer Welt, in der wir permanent über die Tatsache stolpern, daß radikaler Islam Terrorismus in großer Zahl und quasi per Gesetz erzeugt, einer kommt und indirekt fragt: „Why are there so few Muslim Terrorists?“, warum es also eigentlich so wenige Terroristen gibt, dann hat er mich schon gebannt.

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Die Wahl der Qual

Wenn die Ungarn im nächsten Jahr zur Parlamentswahl gehen, dann dürften sie vor einem schier unlösbaren Dilemma stehen. Vom Ausgang der Wahl könnte das Schicksal Europas abhängen.

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Die Philosophie der Ahmadiyya

Im Herbst 2015 kam es in Weimar zu einem unverhofften und intensiven Gespräch mit Suleman Malik, dem Vorsitzenden der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde und im darauffolgenden Frühjahr konnte ich mit Said A. Arif, dem Imam der Berliner Moschee, sprechen und einen kurzen Mailwechsel führen. In den Beiträgen „Der friedliche Islam“ und „Friede und Islam in Sachsen?“ wurde über diese Begegnungen berichtet und die Zugriffszahlen beweisen, daß es ein Bedürfnis sowohl nach Aufklärung über den Islam als auch nach einer friedlichen Auslegung gibt. Beide empfahlen ein viel angepriesenen Buch, das Hauptwerk des Gründers dieser Glaubensrichtung – Mirza Ghulam Ahmad –  mit dem anspruchsvollen Titel: „Die Philosophie der Lehren des Islam“. Hier soll es auf Herz und Nieren geprüft werden; hält es einer kritischen Prüfung stand?

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Der Rhizom-Terror!

Der Philosoph Gilles Deleuze hat schon in den siebziger Jahren das Bild des Rhizoms entwickelt, in dem er ausdrücken wollte, wie postmoderne Organisationen verfaßt sind: Sie gleichen dem Wurzelwerk von Bäumen, weithin verästelt, und sie lösen damit die straffen Hierarchien herkömmlicher Institutionen ab. Solchen wuchernden Rhizomen gleichen nun die dschihadistischen Netzwerke (Gilles Kepel)

Gilles Kepel, den man auch in Deutschland gerne als Terrorexperten zitiert, hatte bereits in seinem umfänglicheren Werk von 2009 – „Die Spirale des Terrors. Der Weg des Islamismus vom 11. September bis in unsere Vorstädte“ – seine Vorliebe für den Poststrukturalismus bewiesen, denn dort wollte er den Terror im Paradigmenwechsel von historischer Faktizität (das reale Ereignis) zur historischen Fiktionalität (das mediale Ereignis) beschreiben. Unter Poststrukturalismus verstehen wir eine Vielzahl von philosophischen Ansätzen, die sich alle auf eine Zeichentheorie (affirmativ oder negativ) beziehen und die psychoanalytische, marxistische Begrifflichkeiten überwindend nutzen. Das einigende Band ist die „Dekonstruktion“ – also die Destruktion und insgeheime Neukonstruktion – einer Objektivität.

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Den Koran lesen

I took up the Bible and began to read, but my head was too much disturbed with the tobacco to bear reading, at least that time; only having opened the book casually, the first words that occur’d to me where these: Call on me in the day of trouble, and I will deliver, and thou shalt glorify me. (Robinson Crusoe)
Ich fummelte wie ein Irrer in dem ganzen Klo rum. Und dabei kriegte ich dann dieses berühmte Buch oder Heft in die Klauen … Leute, das konnte wirklich kein Schwein lesen. Beim besten Willen nicht. (Die neuen Leiden des jungen W.)

Robinson Crusoe, so erzählt uns Daniel Defoe, überlebte 28 Jahre auf einer einsamen Insel und dabei hat ihm – entgegen allen Popularisierungen – vor allem eines geholfen: die Bibel. Der Zufall (oder Gott?) wollte es, daß in einer der angeschwemmten Kisten auch das Buch lag, mit dem der junge Seemann zuvor noch keine Bekanntschaft geschlossen hatte. Im zweiten Jahr, während einer schweren Krankheit und psychischen Anfechtung, schlägt er es nach einem offenbarenden Traum auf und es spricht zu ihm. So, denke ich, muß man ein solches Buch lesen. Ohne Vorwissen, Vorgaben, Voreingenommenheit.

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Ghettoisierung

Wenn man sich eine vernünftige Harmonie der Gesellschaft wünscht, dann läuft mit der Verteilung der Einwanderer etwas schief. Aber ich werde nichts Schlechtes über die ethnischen Mitbürger sagen, und wir werden niemanden aus unserer Kommune hinauswerfen. (Ib Terp, Sozialdemokrat und Bürgermeister von Brøndby)

Einwanderung und mangelnde Integrationsbereitschaft der und in die Gesellschaft führt zu Segregationen. Das ist in der Theorie alles bekannt, doch braucht es offenbar die Empirie, um die Menschen aufzurütteln.

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Auf dem Teppich bleiben

Politically Incorrect“ präsentierte am 3.2. ein Video der Islamaufklärungsseite “Al Hayat TV”, in welchem ein ehemaliger Al-Qaida-Kämpfer und späterer christlicher Konvertit einige Fragen beantwortet.

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Das Problem ist das Problem

Ein schönes Beispiel falschen Bewußtseins schmückt gerade deutsche Werbeflächen:

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Allahu Akbar – eine Klarstellung

Es scheint in der deutschen Presse und Öffentlichkeit ein Mißverständnis zu existieren, wenn es um die islamisch-arabische Phrase „Allahu Akbar“ geht. Zwischen ihr und dem Terror wird ein Kurzschluß herbeigeführt, der schlimme Folgen haben kann.

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Berliner Zynismen

Zynismus ist das aufgeklärte falsche Bewußtsein. Es ist das modernisierte unglückliche Bewußtsein, an dem Aufklärung zugleich erfolgreich und vergeblich gearbeitet hat. Es hat seine Auklärungslektion gelernt, aber nicht vollzogen und wohl nicht vollziehen können. Gutsituiert und miserabel zugleich fühlt sich dieses Bewußtsein von keiner Ideologie mehr betroffen; seine Falschheit ist bereits reflexiv gefedert. (Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft)

Alle Jahre wieder, kommt das …“ – nein, das ist zynisch, ein Weihnachtslied mit den Ereignissen in Berlin zu verknüpfen. Zu Letzterem ist schon alles gesagt worden, lange bevor es passierte.

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Ratzinger – Prophet oder Brandstifter?

Die Islamisierungsversuche im Westen sind nicht wegzureden. Und die damit verbundene Gefahr für die Identität Europas darf nicht aus falsch verstandener Rücksicht ignoriert werden. Die katholische Seite sieht das sehr klar und sagt es auch. Gerade die Regensburger Rede sollte einer bestimmten Blauäugigkeit entgegenwirken. (Georg Gänswein, Privatsekretär Benedikts XVI.)

Heute vor 10 Jahren hielt Papst Benedikt XVI. eine denkwürdige akademische Rede an der Uni Regensburg, die von kaum jemandem bemerkt worden wäre, wenn nicht wenige Tage später – die angsterregenden Erinnerungen an die tollwütigen Szenen nach der sogenannten Mohammed-Krise waren noch ganz frisch – erneut Teile der islamischen Welt am Aufruhr fast erstickt wären. Alles lief nach bereits eingefahrenen Ritualen ab: Massen strömten auf die Straßen, verlangten den Tod des Papstes und aller Christen, wollten am liebsten gleich das Abendland erobern, Fahnen brannten, Papst-Strohpuppen, Fatwas wurden ausgesprochen, Christen am falschen Ort zur falschen Zeit gelyncht … Die „Rushdie-Affäre“ galt als blueprint, seither wird das Programm nach Bedarf abgespult.

Auslöser war ein einziger Satz:

„Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“.

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Dank sei Allah!

Eine feine Seele bedrückt es, sich jemandem zum Dank verpflichtet zu wissen, eine grobe, jemandem zu Dank verpflichtet zu sein. (Nietzsche)

Man kann sich auf Jahre mit islamkritischen Schriften eindecken und sich so sein Islambild formen. Aber ich empfehle, sich daneben auch an die islamischen Quellen, die proislamische Literatur zu wagen. Das ist nicht immer eine angenehme Lektüre – das sprachliche und intellektuelle Niveau ist mitunter erschreckend niedrig –, schließt aber das apriorische Haßargument aus und gestattet einen ungefilterten Blick in die Köpfe der jeweiligen Muslime.

Ein Zentralwerk – im Übrigen auf hohem Niveau –, das ich jedermann wärmstens ans Herz lege, ist das „Handbuch Islam“ von Ahmad A. Reidegeld. Es wird in der muslimischen community einhellig gelobt, es vertritt den Mainstream in seiner Vielfalt und es ist umfassend: es behandelt die „Glaubens- und Rechtslehre der Muslime“ auf 800 Seiten aus allen Gesichtspunkten. Man findet dort eine Perle nach der anderen. Manches Geheimnis läßt sich dadurch lüften. Vielleicht auch das der Dankbarkeit.

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München – islamistischer Terror

Der Anfang des Terrors ist nicht das ausgeführte Einzelattentat der einen Seite, sondern der Wille und die Bereitschaft von Konfliktpartnern, in der ausgeweiteten Konfliktzone zu operieren. (Peter Sloterdijk)

Schnell und fast ein wenig erleichtert war sich die deutsche Medienwelt einig, daß es sich bei dem Attentat in München nicht um Terror oder gar islamistischen Terror gehandelt hatte – zwischenzeitlich spielte man auch mit dem Begriff des Rechtsterrors. Die deutsche Sprache bietet für diese Art des Tötens das malaysische Wort „Amok“ an. Allerdings ist auch dieser Begriff offensichtlich falsch, denn der Amoklauf bezeichnet im europäischen Verständnis eine Affekttat, im fernöstlichen dagegen eine kriegerische Handlung, oft unter Einsatz von Drogen, die die vollkommene Selbstaufgabe beinhaltet, um dem Kriegsgegner größtmögliche Schäden zuzufügen, ihn aber auch einzuschüchtern.

Es geht hier nicht primär um die korrekte Wortfindung, wenn ich behaupte, daß es sich bei den Münchner Ereignissen ganz ohne Zweifel um islamistischen Terror handelte. Auch möchte ich nicht auf die zahlreichen Widersprüche eingehen, vor allem daß englische oder türkische Medien (und womöglich noch andere) auch zwei Tage nach der Tat noch immer von Zeugen berichteten, die ein „Allahu Akbar“ gehört haben wollen oder auf der Existenz von mehreren Tätern beharren, aber auch daß sie Bilder von drei Verhaftungen zeigen, daß der Nizza-Reporter Richard Gutjahr (der mit einer ehemaligen Mossad-Agentin verheiratet ist) ausgerechnet gleichfalls in München in der ersten Reihe stand etc. Das Takbīr ist nicht zuletzt durch westliche Medien zum Inbegriff des Terrors geworden. Und schließlich spielen auch die deutsch-iranischen Wurzeln des Attentäters keine Rolle in meinen Überlegungen: Ali S. ist in München aufgewachsen, ging hier zur Schule und ist mithin Deutscher – im Dialog mit einem Anwohner, der ihn „Wichser“ nannte, antwortete er: „Halten Sie die Schnauze, Mann!“ und beweist damit sogar im Extremfall eine tief verinnerlichte Höflichkeit.

Daß es sich bei der Schreckenstat um islamistischen Terror gehandelt hat, versteht man erst, wenn man die Bedeutung des Begriffes „Terror“ erfasst. „Terror“ heißt „Schreckensnachricht“, das Wort beschreibt die Wirkung, die psychische Wirkung der Tat und nicht die Tat selbst. Diese Differenzierung ist wesentlich.

Sie macht die Tat unmittelbar als Terror sichtbar. Instinktiv – denn die Angst sitzt bereits in uns – dürften fast alle Menschen an islamistischen Terror gedacht haben, als sie die Nachricht – wo und wie auch immer – erhielten. Für den ersten Augenblick ließ vieles auf das Terrormuster islamistischer Extremisten schließen: Schüsse in einem Einkaufszentrum, mehrere Täter und auch die ersten Bilder eines dunkelhaarigen jungen Mannes mit Rucksack paßten ins Bild. Kaum jemandem dürfte in diesem Moment der seltsame Gang des jungen Mannes aufgefallen sein und erste Zweifel kamen erst mit Veröffentlichung des Dialogs auf dem Parkhaus auf.

Was Terror ist, entscheidet nicht der Täter, der Sender der Schreckensnachricht, sondern liegt im Auge des Betrachters, beim Empfänger, in der Wirkung auf ihn.

Noch die verspätete Wortmeldung Merkels enthält mit den Worten „Immer sind es Orte, an denen jeder von uns hätte sein können. So kann ich jeden verstehen, der heute mit Beklommenheit auf eine Menschenmenge zugeht, der im Hinterkopf die Frage hat, ob er dann sicher ist“, den immanenten Terrorbezug und die Kontinuität der Interpretationen. „Wir alle stehen noch unter dem Eindruck der Bilder, der Berichte der Augenzeugen … So ein Abend, so eine Nacht, sind schwer zu ertragen. Sie sind umso schwerer zu ertragen, als wir so viele Schreckensnachrichten binnen ganz weniger Tage hinnehmen mußten.“ Hinnehmen mußten wir islamistischen Terror in Orlando und in Nizza und in Würzburg, Merkel definiert in ihrer Ansprache Terror schlechthin.

Islamistisch ist der Terror aufgrund seiner Kontinuität. Es hätte jede andere Form von Terror sein können – rechter, linker, religiöser, veganer, NSU-, Tierschutz-, Abtreibungs- oder Fußballterror … –, aber in München war es islamistischer Terror, weil wir in einer Situation leben, in der Terror wesentlich islamistisch besetzt ist. Der islamistische Terror ist die mit Abstand größte Terrorangst unserer Tage und es müßte schon eine Moschee Ziel eines Anschlags sein, um unsere unmittelbaren Gedanken umzulenken und selbst dann würden wir noch an einen innerislamischen Zusammenhang denken.

Der islamistische Terror, der 2001 eine Urszene schuf, die sich auf ewig ins kollektive Bewußtsein fraß, der seither fast 30 000 Menschen tötete und ein Vielfaches davon verstümmelte und verletzte und Milliarden beeindruckte, hat es geschafft und arbeitet durch tagtägliche Wiederholung weiterhin daran, das Adjektiv nahezu überflüssig zu machen.

Selbst wenn des Täters Überlegungen in andere Richtung gegangen sein sollten – Breivik oder Winnenden oder Columbine –, dürfte auch er gewußt haben, daß seine Tat diese Konnotation herstellt; weshalb sonst bestand er auf seinem Deutschsein?

Es spielt auch keine Rolle, was er dachte: München war so oder so islamistischer Terror.

Siehe auch: Die Botschaft des Terrors

Entwarnung: Moscheenzensus

Wieder so ein Qualitätsprodukt der Leitmedien. „Experten rechnen vor“ – wer die Experten sind, bleibt ungesagt.

Focus: Im vierstelligen Bereich: so viele Moscheen gibt es in Deutschland wirklich

Demnach „recherchiert“ die „Zeit“ und zählt alle Moscheen in Deutschland zusammen, denn bislang gibt es – das ist doch der eigentliche Skandal! – keine offizielle Bestandsaufnahme. Man kommt auf 2750. Ist das nun viel oder wenig? Wie kommt man auf diese Zahl, wenn es „keine offiziellen Auskünfte gibt“? Und was ist überhaupt eine Moschee? Ein Bau mit Kuppel und Minarett oder zählt jeder x-beliebige Gebetskeller im Hinterhaus dazu?

Der „Focus“ schießt den Vogel an Unwissenheit ab, indem er uns das sehenswerte Yenidze-Gebäude in Dresden präsentiert – das definitiv nie eine Moschee war, sondern eine Zigarettenfabrik.

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Überhaupt will man beim linkspopulistischen „Focus“ durch die Blume Entwarnung geben ohne freilich den Mut zu haben, wirklich zu bekennen. Das signalisiert der Eingangssatz: „In Deutschland gibt es schätzungsweise sechzehn Mal mehr christliche Kirchen als Moscheen.“ Also kein Grund zur Panik.

Doch ist die Zahl sinnlos, wenn man nicht die Dynamik betrachtet. Wie viele Moscheen gab es vor 50 Jahren? Wir wissen es nicht, doch dürfte die Zahl nicht im vierstelligen, sondern eher im zweistelligen Bereich gelegen haben. Und vor 40 Jahren, vor 30, vor 20, vor 10 Jahren? Man riskiert keine Lüge, wenn man von einem exponentiellen Wachstum ausgeht.

Merken wir uns den Faktor 16. Die nächste Zählung wird ihn nicht mehr bestätigen und in 10, 20, 30, 40 oder 50 Jahren wird er Makulatur sein.

Allein unsere Presse bleibt stoisch und lebt – im Hier und Jetzt.

Terror als Ausweg

Euthanasie ist heutzutage ein Unwort geworden – die systematische Vernichtung „unwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten hat einen einst ehrenwerten Begriff entwertet.

Der „schöne Tod“ war einst ein Ideal der stoischen Philosophie. Der Weise entschied nach langer Meditation und ohne äußeren Drang den Tod als natürlich und unabänderlich zu akzeptieren und bestimmte selbst den Zeitpunkt. Schon Sokrates machte es vor, als er das Ansinnen seiner Jünger, den Todestrakt zu fliehen, ablehnte und gleichgültig den Schierlingsbecher leerte. Der Stoiker Seneca war einer der großen Sterbemeister – er schnitt sich in aller Seelenruhe die Pulsadern auf. Es gab vor allem zwei Todesarten, die den Stoiker überzeugten: Verhungern und Verbluten – in beiden Fällen war die Irreversibilität aufgehoben, konnte die Entscheidung bis zuletzt freiheitlich bestimmt rückgängig gemacht werden, war Reue nach der Tat also ausgeschlossen. Freitod ist der treffende Begriff dafür.

Aber dieses Ideal wird selten erreicht. Selbstmord ist in den allermeisten Fällen eine Verzweiflungstat, die keiner wohlüberlegten und philosophisch durchdachten freien Entscheidung, sondern meist psychisch determinierten Zwängen folgt. Die moderne Gesellschaft bringt immer mehr Menschen an den Rand dieser Verzweiflung – die Ursachen sind komplex.

Muslimen allerdings – die statistisch gesehen vermutlich unter den gleichen Zwängen, Ängsten, Depressionen, Frustrationen und Sinnentleerungen leiden – steht dieser Weg nicht offen. Koran und Hadithe sind hier eindeutig: „Und tötet euch nicht selbst. Siehe, Allah ist barmherzig gegen euch. Und wer das in Frevelhaftigkeit und Ungerechtigkeit tut, den werden Wir ins Feuer stoßen; und das ist Allah ein leichtes.“ (Sure 4.30f.) oder: „Jemand der sich erdrosselt, erdrosselt sich für die Hölle. Jemand der sich selber ersticht, der ersticht sich für die Hölle.“(Bukhari 2.23.446) u.a. Das Höllenfeuer droht und die meisten Muslime fürchten das Höllenfeuer mehr als irgend etwas, auch mehr als den Tod.

Turkmenistan und Mauretanien liegen als erste islamische Länder mit einer Quote von 8,5 Suiziden auf 100 000 Ew. weit abgeschlagen auf Rang 55 der Weltsuizidliste, andere arabische Länder geben sogar Null Prozent an.

Nur für den Märtyrer gilt das nicht unbedingt – so lehren es die heiligen Bücher und verschiedene Schulen: „Jeder, dessen Füße für die Sache Allahs mit Staub bedeckt werden, wird vom Fegefeuer unberührt bleiben.“ (Bukhari 4.52.66) oder: „‘O Prophet Allahs! Wer ist der Beste unter den Gläubigen?‘ Allahs Prophet antwortete: ‚Ein Gläubiger, welcher sein Äußerstes hergibt für die Sache Allahs mit seinem Leben und seinem Besitz.‘“ (Bukhari 4.52.45)

Wer, so glauben einige – ganz grob verallgemeinert –, für die Sache des Islam sein Leben gibt, kommt direkt ins Paradies. Damit werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Höllenfurcht wird „besiegt“ und eine Abkürzung ins Paradies geboten und die eigene Lebenssattheit kann positiv instrumentalisiert werden.

Was also liegt näher, als immer öfter auf Menschen zu treffen, die diese Verbindung herstellen werden, die glauben und sich einreden – denn natürlich ist es gegen die koranische Urintention – als Märtyrer (sprich Selbstmordattentäter) im Glaubenskampf durchzugehen, wenn sie sich medienwirksam an Flughäfen in die Luft sprengen oder sich in Lastkraftwagen oder Nachtklubs oder an Badestränden erschießen lassen?

Wir werden vielleicht in Zukunft verstärkt mit diesen „Märtyrern“ zu tun zu haben, die weder im Solde des „Islamischen Staates“ stehen, noch durch Geheimdienstarbeit auffindbar sind. Es könnten ganz einfach irregeleitete Irre falsch verstandenen und instrumentalisierten – aber auch ermöglichenden! – muslimischen Glaubens sein.

Die Freude am Verschwinden

„Kunden und Kollegen müssen sich ans Kopftuch gewöhnen“, schreibt sichtlich begeistert Parvin Sadigh in der „Zeit“ und reitet damit ihr Lieblingspferd der letzten Jahre eine Runde weiter. Es geht um die Einschätzung der Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofes, die einer klagenden Muslima Recht gibt, auch weiterhin als Vertreterin an Türen klingeln zu dürfen und dabei das Kopftuch zu tragen. So weit so gut.

Aber im Artikel fallen zwei Sätze, schön verpackt, die aufhorchen lassen. „Die gute Nachricht ist: Die langweilige Diskussion, ob Muslime in europäische Länder gehören, ist wirklich vorbei.“ Der Satz ist gleich mehrfach fraglich. Es gibt keine guten Nachrichten an sich – außer vielleicht die „Gute Nachricht“ –, sondern nur in Abhängigkeit vom Empfänger. Gute Nachricht für wen? Langweilig ist die Diskussion zudem wohl nur für diejenigen, die sie nicht mehr führen wollen, für die die Frage schon längst entschieden ist. Fait accompli. Und drittens gibt es diese Diskussion doch gar nicht, wird sie hier verrührt mit der hochaktuellen und hoch brisanten Frage: Gehört der Islam zu Europa/Deutschland? Mit ein paar linguistischen Tricks soll Normalität fingiert werden.

Wirklich brenzlig wird es dann zwei Zeilen weiter: „Wie sehr Muslime schon mitten unter uns sind, zeigt sich schon allein daran, dass wir nicht mehr nur über ihre Rechte reden, sondern dass sie selbst ihre Rechte einfordern.“

Sadigh – das bedeutet übrigens „Freund“ – beschreibt eine kaum mehr zu bezweifelnde Tatsache, insofern spricht sie die Wahrheit. Aber Kontext und Ton weisen auf eine präskriptive Intention hin: Wir haben das demnach zu bejahen. Daß sie in diesem einen Satz, den man durch ein einziges Wort ersetzen kann, eine fundamentale Umwälzung der Gesellschaft einfordert, kann man nur zwischen den Zeilen lesen. Das Wort heißt: Islamisierung.

Vermutlich kennt Sadigh den südafrikanischen Autor Peter Hammond nicht und er gehört auch nicht zu den allseits zu vertrauenden Quellen – zu sehr bestimmen Abneigung gegen den Islam und Missionswille seine Arbeit. Aber er hat eine interessante Nomenklatur der Islamisierung aufgestellt, die, bei aller Holzschnittartigkeit, zu falsifizieren wäre.

Demnach korreliert der Grad der normativen Islamisierung einer Gesellschaft mit dem Bevölkerungsanteil, ganz gleich, welcher konkreten islamischen Ausrichtung. Er ist friedlich und submissiv, solange der muslimische Bevölkerungsanteil unter 2% der Gesamtbevölkerung liegt. Werden es bis 5%, beginnt die systematische Missionsarbeit, nicht zuletzt in Gefängnissen, Vorstädten, bei Immigranten. Die nächste Stufe sei dann die direkte Einflußnahme auf mikropolitische Prozesse und die durch die „Religionsfreiheit“ abgedeckte Einforderung eigener Rechte, wie etwa das Tragen der Verschleierung, der Bau von Moscheen oder die Versorgung mit Halal-Produkten. Diese Interessen werden sowohl juristisch als auch mehr oder weniger offen durch Gewaltandrohung durchgesetzt. In der Heimgesellschaft finden sich zusehends Interessenvertreter in Medien und Verbänden, eine Islam-Lobby, die diese Forderungen unter freiheitlich-demokratischem Mantel und edlen Motiven zu den ihrigen machen. Sadighs Artikel dürfte dazu ebenso zählen wie der Beschluß des Europäischen Gerichtshofes.

Es folgen Forderungen nach Selbstregulierungen, Scharia-Zonen, geschlossene Moscheen etc.; man verbittet sich die Einmischung staatlicher Stellen – wie wir es aus bestimmten Stadtteilen in Deutschland bereits kennen. Ab 10% wird Gewalt zunehmend normal, oft „getarnt“ als „soziale Gewalt“, wie man sie in Paris in den Banlieues, oder als Empörungsgewalt, in vielen Städten Europas im Zuge der Mohammed-Karikaturen beobachten konnte. Dort wurden offen und polizeibeschützt Plakate getragen mit der Aufschrift: „Behead those who insult Islam“, „Britain go to hell“, „Islam will dominate the world“ oder „Muslims rise up! Establish the Sharia“. Die Lage wird zusehends volatil, jederzeit kann das beliebige Tun eines „Anti-Islamisten“ zu Eruptionen eines „beleidigten“ Mobs führen. Die Zivilgesellschaft erstarrt dann in der Regel in Furcht, reagiert mit Vorabentschuldigungen, beschneidet „freiwillig“ die Presse- und Meinungsfreiheit und versucht immer wieder „Verständnis für die Belange der Muslime“ aufzubringen. Ab 20% nehmen Terror und militärische Konflikte zu, Kirchen und Synagogen werden in Brand gesetzt, wie man das in Zentralafrika beobachten kann. Es folgen sukzessive, nach Hammond, Scharia, Bürgerkrieg, ethnische Säuberungen, Genozid, Terror, kurz: die Verfolgung Andersgläubiger, wie man sie im Iran, in Pakistan und zunehmend in der Türkei studieren kann.

Dann allerdings, bei Komplettislamisierung, so beschreibt es Hammond, könnte der Islam tatsächlich die Religion des Friedens sein: wenn alle Muslims sind und alle das gleiche wollen. Und da das nie der Fall ist, wird man sich an gemäßigteren Muslimen gütig tun oder über die Landesgrenzen schauen, denn das Ziel sei der weltumspannende Islam.

Davon ahnt die klagende Kopftuchträgerin nichts und auch Parvin Sadigh würde das als islamophob bezeichnen. Und sie hat recht: Es gibt Gründe, vor dem Islam Angst zu haben!